BGH · V ZR 216/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ten einen Umsatzrückgang seines Hotelbetriebs in Höhe von 23 000 DM und einen entsprechenden Reinverlust in Höhe von 7 000 IM verursacht» Er verlangt von der Beklagten Zahlung von 7 000 DM nebst Zinsen« Diesen zunächst im wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren geltend gemachten Anspruch hat die Bezirkaregierung (Trier durch Bescheid vom 12* Dezember 1961 als in jenem Verfahren unzulässig abgelehnt* Der Kläger hat daraufhin die vorliegende Klage erhoben» Er leitet seinen Zahlungsanspruch aus den Gesichtspunkten der Aufopferung und des enteignungsgleichen Eingriffs sowie aus nachbarrechtlichen Vorschriften her* Das Landgericht hat den Klageanspruch durch Zwischenurteil für dem Grunde nach gerechtfertigt erklärt» Die Berufung der Beklagten ist erfolglos geblieben» Mit der Revision verfolgen die Beklagte und die Streithelfer ihr auf Abweisung der Klage gerichtetes Begehren weiter, während der Kläger um Zurückweisung der Revision bittet» Bern Kläger stehe, so führt das Berufungsgericht weiter aus, ein vom Nachweis eines Verschuldens unabhängiger, auf dem Rechtsgedanken der §§ 26 GewO und 904 BGB sowie der §§74 und 75 der Einleitung zu dem Allgemei~ nen Bandrecht beruhender EntSchädigungsanspruch zu* Die Bauarbeiten hätten, wie die Beklagte zugestanden habe, zeitweise übermäßigen Lärm verursacht* Es sei auch eine Erfahrungstatsache, daß von den Großbaustellen der Staustufen ein die nähere Umgebung erheblich belästigen-der Lärm ausgehe * Die mit übermäßigem Lärm verbundenen Arbeiten hätten zudem teilweise schon morgens um $*30 Uhr eingesetzt und sich bis 20*00 und 21*00 Uhr hingezogen* Der gegenüber der Baustelle liegende Hotelbetrieb des Klägers sei dadurch in dem engen Moseltal besonders in Mitleidenschaft gezogen worden* In Zeltlngeh, einem Erem-denverkehrsgebiet, in dem die Gäste Ruhe und Entspannung suchten, seien derartige Geräuscheinwirkungen auch nicht ortsüblich* spruch auf vollen Schadensersätze Dieser Anspruch richte sich gegen die Beklagte» Diese sei zwar im Jahr i960 noch nicht Eigentümerin der Ausbaugrundstücke, aber doch - auf Grund eines Enteignungsverfahrens in den Besitz der Grundstücke eingewiesen - Besitzerin und damit wirtschaftlich Eigentümerin gewesen* Davon abgesehen ergebe sich ihre Schadensersatzverpflichtung aber auch daraus, daß sie die Beeinträchtigung veranlaßt habe, übermäßige Geräuscheinwirkungen auf das Grundstück des Klägers durch entsprechende Weisungen an den Kebenin-tervenienton habe verhindern können und damit Störer im Sinne des § 1004 BGB sei» Dafür, daß dem Kläger ein Schaden entstanden sei, spreche eine hohe Wahrscheinlichkeit, wie sie für ein Urteil über den Grund des Anspruchs genüge Q a) Keine Bedenken bestehen gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, daß die Beklagte als ''Störer11 im Sinne des § 1004 BGB anzusehen sei» Dafür genügt es, daß sie die den Baulärm verursachenden Arbeiten in Auftrag gegeben hatte und in der Lage gewesen wäre, die davon ausgehenden Einwirkungen zu verhindern, äußerstenfalls dadurch, daß sie die Arbeiten einstellen ließ (vgl» Entscheidung des Senats vom 30» Mai 1962 - V ZR 121/60 - NJW 1962, 1342 Für stärkere Beeinträchtigungen galt nach der Fassung des § 906, die bis zu dem 31» Mai i960 in Kraft war, das gleiche dann, wenn die Einwirkungen auf eine nach den örtlichen Verhältnissen bei Grundstücken dieser Art gewöhnliche Benutzung z^rückgingen» Biese ältere Fassung des § 906 kommt im vorliegenden Fall nur für die Einwirkungen im Mai i960 zur Anwendung«, Für die Zeit ab Io Juni I960 ist der rechtlichen Beurteilung die Neufassung des § 906 nach Art«, 2 des Gesetzes zur Änderung der Gewerbeordnung und Ergänzung des bürgerlichen Rechts vom 22o Dezember 1959 (BGBl IS» 781) zugrundezulegeno Die Neufassung berücksichtigt weitgehend von der Rechtsprechung entwickelte Grundsätze» Sie stellt einmal klar, daß dem Grundstückseigentümer gegen wesentliche, durch eine ortsübliche Benutzung des andern Grundstücks herbeigeführte Beeinträchtigungen ein Abwehranspruch nur insoweit versagt ist, als die Beeinträchtigungen nicht durch wirtschaftlich zu demutbare Maßnahmen verhindert werden können» Sie gibt dem Grundstückseigentümer, der eine Einwirkung hiernach hinnehmen muß, bei nicht zu demutbarer Beeinträchtigung der ortsüblichen Benutzung seines Grundstücks oder des GrundStücksertrags einen Anspruch auf angemessenen Ausgleich in Geld» d) Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ist davon auszugehen, daß der durch die Ausbauarbeiten verursachte Baulärm die Benutzung des Grundstücks des fi Klägers als Hotel nicht nur unwesentlich beeinträchtigt hato Damit stellt sich nach beiden Fassungen des § 906 zunächst die weitere Frage, ob die Beeinträchtigungen auf eine ortsübliche Benutzung des Grundstücks, von dem die Störungen ausgingen, zurttckzuführen waren,, Die Beantwortung dieser Frage ist in erster Linie Sache des Tatrichters« In der Revisionsinstanz ist lediglich nachzuprüfen, ob der Tatrichter sich dabei von zutreffenden rechtlichen Erwägungen hat leiten lassen (BGHZ 30, 273, 277} RGZ 139, 29, 31 )• Auszugehen ist von der Prüfung der Frage, ob die Benutzung des Grundstücks, von dem die Störung ausgeht, nach Art und Maß bei anderen Grundstücken dieser Lage gewöhnlich ist (BGB-RGRK, 11* Aufl« § 906 Anm» 18 $ BGHZ 30, 273, 277)o Die Grenzen des dabei zu berücksichtigenden Gebiets können je nach Lage des Falls enger oder weiter gezogen werden (RGZ 70, 150, 154) und brauchen sich nicht etwa mit den Gemeindegrenzen zu decken« Y/ie bei Störungen durch den Verkehr auf der Autobahn (RGZ 159, 129, 137) oder den Betrieb einer Bisenbahn (RGZ 70, 150, 153) kann es auch bei Störungen durch den Ausbau eines Flusses geboten sein, trotz rechtlicher oder wirtschaftlicher Einheit eines Bereichs eine Mehrheit von Grundstücken anzunehmen« Auch wenn man deshalb der Revision darin folgen wollte, daß es auf das Vorhandensein vergleichbar genutzter Grundstücke nicht nur innerhalb der Gemeinde Zeltingen, sondern darüber hinaus in einem größeren Bereich des Moseltals ankäme, so ergäben sich daraus den* noch keine durchgreifenden Bedenken gegen die Verneinung der 0rt8üblichkeit durch den Tatrichter, Der Senat verkennt nicht, daß die Beurteilung der Ortsüb-lichkeit im Sinne des § 906 BOB der steten Änderung der Verhältnisse und Anschauungen infolge des technischen und wirtschaftlichen Fortschritts angemessen Rechnung tragen muß und daß dies einer ein für allemal feststehenden Umgrenzung dieses Begriffs entge-genstehto Darum geht es hier jedoch nicht« Der Ausbau der Mosel zu einer Schiffahrtsstraße kann laufend vor-zunohmenden Flußunterhaltungsarbeiten und auch Ausbauarbeiten kleineren Ausmaßes nicht gleichgesetzt werden, sondern ging weit über diesen Rahmen hinaus« Daß es sich bei einem Ausbau dieses Umfangs um eine nach Art und Ausmaß einmalige Maßnahme handelte, wird nicht dadurch in Frage gestellt, daß auch an anderen Stellen des Moselbetts Staustufen ausgebaut worden sind und daß dadurch ähnliche Bärmbelästigungen verursacht worden sein mögen wie in 2eltingen« "Ortsüblich*1 wurden derart geräuschvolle Bauarbeiten dadurch nicht} denn dies hätte zur Voraussetzung, daß sie öfter vorkamen« Daran ändert auch der Umstand nichts, daß die einmalige Maßnahme unvermeidbare Einwirkungen gerade in dieser Gegend hervorruft (BGH2 30, 273» 278)«