BGH · V ZR 195/63 vom 21.05.1963
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Die Klägerin verlangt von den Beklagten Ersatz des nach ihrer Behauptung durch die Kündigung entstandenen Schadens in Höhe von 27 OOO DM (20 000 DM für den Verlust der Arztpraxis und 7 000 DM für die Entwertung der Praxis-cinrichtung) sowie Feststellung der Verpflichtung des Beklagten zun Ersatz jedes weiteren Schadens aus den Verbot der Praxisausübung im Hause des Beklagten» Der Beklagte habe ihr, so trägt sie vor, nicht im Rahmen eines bloßen Gefälligkeitsverhältnisoes, sondern auf Grund eines mündlich geschlossenen Vertrags einen Raun zur Ausübung ihrer Praxis in den Kurheim überlassen» Er habo ihr dabei zuge-sagt, sie könne bis zur Errichtung einer Wohnung und ausreichender Praxisräune im Bereich des Kurheimo, sofern es zun Erwerb einer solchen Wohnung mit Praxis überhaupt kommen sollte, in den überlassenen Raun ungehindert praktizieren. Das Berufungsgericht geht davon aus, daß die Klägerin den Praxioraun in Kurheim des Beklagten auf Grund einer Raunleihc benutzt habe. Leihe dem vom Berufungsgericht gekennzeichneten Leitgedanken entspricht« Wäre der Zweck hiernach der gewesen, "der Klägerin und ihrer Eamilie die Schaffung einer sicheren Existenz durch Aufbau einer ärztlichen Praxis zu ermöglichen", so müßte die Revision sich cntgegenhalten lassen, daß die Klägerin selbst den in ihrer Praxis als Ärztin erzielten beruflichen und auch wirtschaftlichen Erfolg im vorliegenden Verfahren wiederholt nachdrücklich hervorgehoben hat (vgl« etwa die Klageschrift unter III, Bl« 2 GA; "Die Klägerin hatte sich einen guten Patientenotamm erworben”; Berufungsbegründung So 9, GA Bio 41: “Aus ihrer beruf-liehen Tätigkeit im Kurheim Sanitao hatte die Klägerin eich eine angesehene Praxis geschaffen“; Schriftsatz vom 60 Mai 1963 S» 5> GA Bio 55: ’’Die Klägerin hat oich als Fachintcrnistin eineo ausgezeichneten Rufeo bei Kollegen und Patienten während ihrer Tätigkeit im Hause Sanitao in den Jahren 1957f> bis I960 erfreut“)» Von der Erreichung des so verstandenen Zwecks konnte das Berufungsgericht hiernach unbedenklich ausgeheno Soweit aber die Revision geltend macht, der Leitgedanke der Regelung sei so zu verstehen, daß der Klägerin nicht nur der Aufbau , sondern auch die dauernde Beibehaltung ihrer ärztlichen Praxis im Kurhcim des Beklagten habe ermöglicht werden sollen, co setzt sic oich insoweit mit rechtlich unangreifbaren Feststellungen des Berufungsgerichts in Widerspruch» Denn das Berufungsgericht hat ausdrücklich hervorgehoben, in dem '‘Leitgedanken11 der Regelung liege “noch nicht das Verlangen der Klägerin und das Zugeständnis des Beklagten, an dieser Regelung bis zu seinem Tode nichts zu verändern“» Biese Auslegung des Verhaltens der Parteien bei Abschluß eineo Individualvertrago durch den Tatrichter verstößt weder gegen Eenkgosotze noch gegen allgemeine Erfahrung?-sätzo oder Auolegungsgrundsätze, sondern liegt nach den Umständen des Falles sogar durchaus nahe und ist insbesondere auch mit dem vorangehenden . Ebensowenig bedarf der Erörterung, ob der Beklagte, wie das Berufungsgericht entgegen der von der Revision vertretenen Auffassung meint, im Hinblick auf seine schweren Zerwürfnisse mit dem Ehemann der Klägerin und die durch die Klägerin ihm gegenüber eingenommene Haltung zu einer außerordentlichen Kündigung mit angemessener Frist berechtigt war«, Konnte der Beklagte somit grundsätzlich jederzeit Hücküberlassung des Raumes verlangen, so hatte er dabei doch nach Treu und Glauben insov/eii Rücksicht auf berechtigte Belange dor Klägerin zu nehmen, als er ihr für die Suche nach einem anderen Praxisraum und die Verlegung der Praxis eine angemessene Frist bis zur Räumung gewähren mußte. Eo hat aber in Verbindung mit der erwähnten Erörterung von Hilfoerwägungen über die Sittenwidrigkoit einer - unterstellten - Vereinbarung deo Inhalts, daß der Raum bis zu dem Tode des Beklagten dor Klägerin habe überlassen bleiben sollen, auch ausgeführt, daß dor Beklagte eine solche Vereinbarung jedenfalls mit angemessener Frist habe aufkündigen können. Bic vom Beklagten gesetzte Frist von etv/a drei IConatcn sei lang genug gewesen, um der Klägerin die Möglichkeit zu geben, sich einen anderen Praxisraum zu suchen und ihre Praxis, für die sie nach ihrem eigenen Vortrag ja schon das erforderliche Inventar gehabt habe, dorthin zu verlegen. können, sei nicht anzunehmen; dazu habe auch die Klägerin nichts vorgetrageno - Biese Ausführungen unterliegen keinen rechtlichen Bedenkeno Auch die Revision hat zur Frage der Einräumung einer angemessenen Frist nichts vorgetrageno Soweit sie in anderem Zusammenhang rügt, das Berufungsgericht habe Behauptungen über die "Unmög-lichkcit der Yfiederoröffnung" der Praxis nicht hinlänglich berücksichtigt, geht es nicht um die Angemessenheit der Friste Ihr Vorbringen läuft insofern vielmehr darauf hinaus, daß der ^Beklagte : die Rückgabe des Raumes überhaupt nicht habe verlangen können» Mit diesem Angriff kann sie aber schon aus den oben (II) erörterten Gründen keinen Erfolg haben» Ba das Rückgabovorlangen des Beklagten so, wie er es erklärt hat, berechtigt war, kommt ein Anspruch der Klägerin auf Ersatz des Verlustes, den sie nach ihrer Behauptung durch die Aufgabe der Praxis im Hause des Beklagten erlitten hat, weder unter dem Gesichtspunkt der positiven Vertragsverletzung noch unter dem des rechtswidrigen und schuldhaften Eingriffs in einen eingerichteten und auege-übten Gewerbebetrieb in Betracht» Bic Angriffe der Revision gegen die Ausführungen des Berufungsgerichts, nach denen die Klägerin überdies den geltend gemachten Schaden hätte vermeiden können, bedürfen daher nicht der Erörterung»