BGH · V ZR 193/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Vor der Errichtung des Gebäudes war zwischen den Parteien hinsichtlich des Teils des Grundstücks, auf dem das Gebäude errichtet wurde, zugunsten der Kläger ein Erbbauvertrag vereinbart worden» Da dieser vom Stadtplanungsamt Bremen nicht genehmigt wurde, vereinbarten die Parteien mündlich ein Pachtverhältnis, auf Grund dessen von den Klägerla ein jährlicher Pachtzins von 120 DM an die Beklagte zu zahlen war» Nach der Kündigung des zwischen den Parteien vereinbarten Pachtverhältnisses durch die Beklagte hat diese das Gebäude vom 1» Oktober 1956 an im eigenen Namen äh^^aiti^^erpachtet«, Das Landgericht hat die Klage durch rechtskräftig gewordenes Teilurteil vom 25« Juli 1956 in Höhe von 5 150 DM mit folgender Begründung abgewiesen; Die Beklagte sei gemäß §§ 94? Sio hat den von dem Landgericht in seinem Teilurteil zu Grunde gelegten Y/ort des auf ihrem Grundstück errichteten Gebäudes bestritten und behauptet? hinsichtlich der aus dem Bauwerk durch eigenen Gebrauch und Verpachtung gezogenen Nutzungen ungerechtfertigt bereichertp so daß ihr insoweit ein Anspruch gegen die Kläger zustehe«, Liese Forderung hat die Beklagte für die Zeit von 15» September 1951 an für 67 Monate mit insgesamt 8 550 LM beziffert und insoweit gegenüber der Klageforderung aufgerechnet«. Das Landgericht hat mit Schlußurteil vom 1« März 1961 die Klage auch Uber sein Teilurteil hinaus abgewiesen«, Es ist der Auffassungp daß den Klägern nach §§ 93? der sich nach der Natur des Erbbaurechts ebenfalls lediglich auf das mit dem Erbbaurecht zu belastende Grundstück und nicht etwa auch auf das auf dem Grundstück zu errichtende Gebäude bezogen habe; eine andere Auslegung dös als Ersatz für den Wegfall des Erbbauvertrags vereinbarten Pachtverhältnisses widerspräche auch den Vorstellungen der Parteien bei Abschluß der Pachtvereinbarung; die Parteien seien nämlich im Gegensatz zur wirklichen Rechtslage? nach der die Beklagte mit der Errichtung des Gebäudes dessen Eigentümerin geworden sei? Biese Auffassung dos Berufungsgerichts ist frei von Rochts-irrtucio Ein unentgeltlicher Erwerb des Besitzes im ursprünglichen Sinne des § 988 BGB liegt zwar nur dann vor, wenn durch Gesetz oder Rechtsgeschäft festgesetzt ist, daß der Erwerb von einer eigenen Zuwendung rechtlich nicht abhängen soll (RGZ 163, 348, 356); hiervon kann hier nicht gesprochen werden» In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der sich insoweit der entsprechenden Rechtsprechung des Reichsgerichts angeschlossen hat, ist aber mit der Begründung, es komme für die Anwendung des § 968 BGB allein darauf an, ob der Erwerb in seiner Endgültigkeit von einer ausgleichenden Zuwendung abhähgo, der rechtsgrundlose Besitzerwerb einer unentgeltlichen Besitzcrlangung im Sinne des $ 968 BGB gleichgestellt worden (BGH NJW 1952, 778 = JZ 1952, 527; BGKZ 10, 350, 357; 32, 76, 94, jeweils unter Hinweis auf RGZ 163, 348, 357)« Einen solchen rechtsgrundlosen Erwerb des Besitzes durch die Kläger an dem von ihnen errichteten, mit der Errichtung aber in das Eigentum der Beklagten übergegangenen Gebäude hat das Berufungsgericht auf Grund seiner Auslegung des zwischen den Parteien vereinbarten Pachtverhältnisses festgo-stellto Die Revision meint demgegenüber, die Kläger hätten deshalb den Besitz an dom von ihnen orrichteteh Gebäude weder ohne Rechtsgrund noch unentgeltlich erworben, weil das Gebäude im vollen Einverständnis mit der Beklagten errichtet und ihrem Ehemann ein Raum zu dem Betrieb eines Potogeschäfts Überlassen worden sei und weil der jährliche Pachtzins von 120 DM ebenso wio der in dem nicht wirksam gewordenen Erbbauvertrag vorgesehene jährliche Erbbauzins von 120 DM das Entgelt für das Recht der Kläger dsr- gestellt habe, auf dem Grundstück das geplante Gebäude zu errichten» Hiermit wendet sich die Revision jedoch in Wirklichkeit in unzulässiger Weise gegen die auf tatrichterlicher Y/ürdigung beruhende Feststellung des Berufungsgerichts, daß der Pachtzins nur das Entgelt für das Grundstück * nicht aber auch für das auf diesem errichtete Gebäude gewesen seio Hieraus hat aber das Berufungsgericht ohne Rechtsiritum gefolgert, daß auf Grund des Pachtvertrags weder von den Klägern für die Erlangung des Besitzes an dem Gebäude ein Entgelt zu entrichten war, noch für sie, da das Gebäude mit seiner Errichtung in das Eigentum der Beklagten überging und sein Wert ihnen auch ersetzt wird, ein Recht zu dem Besitz begründet v/urde» Baß die Errichtung des Gebäudes im Einverständnis mit der Beklagten erfolgte, ist, wie in der Revisionserwiderung mit Recht hervorgehoben wird, ohne Bedeutung, weil dieses Einverständnis bei dem von dem Berufungsgericht festgestellten Sachverhalt und den daraus sich ergebenden rechtlichen Folgen ein die Anwendung der §§ 987 bis 993 BGB ausschließendcs (vgl» Urteil des Senats vom 10» April 1963, V ZR 221/6J S» 6 mit weiteren Nachweisen) Recht der Kläger zuia Besitz im Sinne des § 986 BGB nicht zu begründen vermag» Was schließlich die Überlassung eines Raumes an den Ehemann der Beklagten anbetrifft, so isi dieser Umstand, wie aus dom Beweisbeschluß de3 Landgerichts vom 22. Soweit die Revision weiter meint, eine etwaige Bereicherung der Kläger sei auch nicht mehr vorhanden, so daß nach § 818 Abs» 3 BGB eine Verpflichtung zu dem Wertersatz für gezogene Nutzungen nicht bestehe, übersieht sie die ausdrückliche Feststellung des Berufungsgerichts* daß die Kläger den Fortfall der Bereicherung bisher nicht geltend gemacht hätten (BU S. 2» Es bedürfen aber noch folgende v/eitere Ausführungen des Berufungsgerichts der Nachprüfung von Amts wegen: Die Parteien seiend sich darüber einig und gingen übereinstimmend davon aus, daß das von den Klägern auf dem Grundstück der Beklagten errichtete Gebäude mit seiner Errichtung gemäß §§ 94, 946 BGB Eigentum der Beklagten geworden sei und daß diese demgemäß verpflichtet sei, nach § 951 BGB eine Ent-.Schädigung an die Kläger zu bezahlen« Wie hoch dfe^sich hiernach noch ergebende Eestanspruch der Kläger sei, insbesondere ob das Grundstück einen Bauwert von 17 800 DM gehabt habe und daneben für die Verlegung von Versorgungsanschlüssen 1 000 DM zu zahlen seien und ob auch die von den Klägern geltend gemachten Ansprüche aus dein Einbau des Heizkörpers in Höhe von 255,75 DM und aus Miete für den von dem Ehemann der Beklagten benutzten Fotoladen in Höhe von 750 DM gerechtfertigt seien, könne dahinstehen, da die von der Beklagten zur Aufrechnung gestollte, in Höh? von 7 740 DM unstreitige Gegenforderung sämtliche von den Klägern noch geltend gemachten Ansprüche übersteige und diese daher in jedem Hall durch Aufrechnung in gleicher Höhe nach § 589 BGB erloschen seien» Es sei daher, womit die Parteien in der kindlichen Verhandlung vom 4° Juli 1961 ihr ausdrückliches Einverständnis erklärt hätten, nur noch über die Präge zu entscheiden gewesen, ob die zur Aufippbhgg|ng gestellte Forderung in Höhe der von den Klägern noch geltend gemachten Klageforderung bestehe« Aus dem Zusammenhang dieser Ausführungen ist zunächst die Auffassung des Berufungsgerichts zu entnehmen, den Klägern stehe gegen die Beklagte deshalb nach §§ 946, 951 BGB ein Beroicherungsanspruch zu, weil die Parteien über dessen Voraus- Setzungen, nämlich darüber einig gewesen seien, daß das von den Klägern auf dem Grundstück der Beklagten errichtete Gebäude mit seiner Errichtung nach §§ 94? 946 BGB Eigentum der Beklagten geworden sei und hieraus auch die Schlußfolgerung des Bestehens des Bereicherungsanspruchs gezogen hätten» Nach dem die Zivilprozeßordnung beherrschenden Beibringungsgrund-satz können zwar die Parteien darüber entscheiden, welchen Tatsachenstoff sie dem Gericht unterbreiten wollen» In dessen Subsumtion unter die gesetzlichen Vorschriften ist aber das Gericht frei, so daß die Parteien nicht durch ein Geständnis von Rechtsverhältnissen oder durch übereinstimmende Kundgabe von Rechtsansichten eine eigene rechtliche Beurteilung durch das Gericht ausschließen können» Dieses hat vielmehr selbst den Tatsachenstoff zu beurteilen und seine rechtliche Einordnung vorzunehmen (BGH NJW 1958, 1968 mit weiteren Nachweisen; Baumbach/lauterbach, ZPO 27» Aufl» Grundzüge 3 C und E vor § 128)o Eine Ausnahme hiervon gilt allerdings dann, wenn ob sich um das Geständnis einfacher und allgemein bekannter Rechts Verhältnisse oder um die übereinstimmende Kundgabe von Rechtsansichten hierüber handelt (BGH aaO)» Davon kann aber bei der hier maßgebenden Präge, ob ein auf einem fremden Grundstück errichtetes Gebäude ein wesentlicher Bestandteil des Grundstücks geworden ist, nicht gesprochen werden» Die Verkennung dieser Grundsätze durch das Berufungsgericht ist indessen unschädlich, weil sich aus dem weiteren Zusammenhang seiner ürteilsgründe ergibt, daß es auch die rechtsirrtumsfreic Auffassung des Landgerichts gebilligt hat»