BGH · V ZR 183/63 vom 21.10.1966
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Juli 1949 (iiegBl. 0» 373; im folgenden: DYO) auf 1024,2622 ha festgesetzt und der Kläger zur Äußerung aufgefordert worden war, welche Grundstücke er freiwillig abgoben wolle, ei-bot er sich im Jahre 1953, zunächst zwei Teilflächen von insgesamt 20 ha an das beklagte Biedlungsunternehmen zu verkaufen» Die Verkaufsverhandlungen, in deren Verlauf der Kläger den von der Beklagten angebotenen Kaufpreis als zu niedrig beanstandete und die Aufnahme einer Vertragsklausel des Inhalts verlangte, daß der Verkauf nur unter dem Zwan0 des Bodenreformgeoetzes erfolge und alle Rechte, insbesondere hinsichtlich der höhe der Entschädigung, Vorbehalten blieben, führten schließlich zu einen Kaufvertrag der Parteien von 8. Auf Grund Kaufvertrages' vom 24» üärz 1955 veräußerte der Kläger "zur weiteren Erfüllung der Landabgabepflicht nach dem Bodenreformgesetz" erneut Grundstücke von insgesamt 133,2910 ha an die Beklagte, und zwar für 178 876 Düi, die wiederum als "Abschlagszahlung auf die noch festzu-setzende Entschädigung" bezeichnet wurden. April 1955= Lr macht geltend, nach der vertraglichen Vorbehaltsklsuael stehe ihm ein Anspruch auf angemessene Entschädigung im Sinne von C 35 5LG zu; die Beklagte habe sieh damals zu Unrecht auf die verfassungswidrige Vorschrift des 5 55 DVö berufen, wonach die Gegenleistungen für ebzugebendes Land lediglich mit dem 52fachen der von den Finanzbehörden festgesetzten Frtragsmeßzahlen zu errechnen waren; auch die später vom Landtag angebotene Entschädigung sei unzureichend und entspreche nicht dem wirklichen v.;ert der Grundstlickej dieser belaufe sich vielmehr auf das 96faehe der steuerlichen Lrtragsmeßzahlo Am 8. Juni 1958, ohne daß der Kläger - wie in jenem Beschluß an sich vorgesehen war - auf weitere Ansprüche zu verzichten brauchte; es handelte sich ud aen Unterschiedobetrag zwischen 406 230 i?.M (= 250 des ungekürzten Linheitswertes der Grundstücke) und den bereits von der beklagten gezahlten (36 040 + 178 876 =) 214 916 h Der Klüger, der auch die 191 314 Lii nur als weitere Afc-schlagszaulung ansieht, hat seinen Klageantrag mit der Maßgabe uufrechterhalten, daß dieser Betrag von den ein-geklagten 429 8'52 X>6! Las Oberlandesgericht hat den Anspruch des Klägers auf Bezahlung des nach den Verträgen von 1953 und 1955 noch geschuldeten Kaufpreisresteo und seinen Anspruch auf Zahlung eines angemessenen Zinses für die Voreuthaltung dieses Restes dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und den Rechtsstreit zur ^Entscheidung über die Höhe dieser Ansprüche an das Landgericht zuruckverwiesen. 10 Bei deni Klagebegehren handelt es sich, wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, um einen privatrechtlichen Kaufpreisanopruch (§ 433 Aba. 2 BGB) « Denn die Ländereien, die der Kläger auf Grund des Loden-reforngeoetzes und der dazu ergangenen Durchführungsverordnung abgeben mußte, sind ihm nicht zwangsweise in hege der -nteignung genommen worden (i* 28 BHG, ;)§ 32 ff BVO), er hat 3ie vielmehr freiwillig an die Beklagte veräußert und mit ihr darüber die Kaufverträge vom 8./2Q. Dae angefochtene Urteil ist von den Inhalt der Verträge ausgegangenj darin hätten die Parteien überein-otimmend die damals errechneten Summen bloß als Abschlagszahlungen bezeichnet und zu erkennen gegeben,, daß eine höhere Zahlung in Betracht komme, wenn sie der Kläger auf Grund der Bodenreformgesetze fordern könneo hach den Willen der Vertragschließenden, so wird im Urteil festgestellt, habe der Kläger als Gegenleistung für seine Grundstücke so viel erholten sollen, 1) - im einzelnen dar: .angemessen im Sinne von £ 33 EKG könne eine Entschädigung nur sein, wenn sowohl die Interessen der Allgemeinheit als auch die des ..nt-oigneten berücksichtigt würden; letzterer habe keinen Anspruch auf volle Entschädigung, sondern müsse sich damit begnügen, daß die Entschädigung, wenn auch nicht erheblich, unter dem gemeinen Y.ert der Grundstücke angesetzt werde; denn wollte man, wie das untei' der Herrschaft der Aeiisarer Heicheverfacsung geschehen sei (Schack, :.:DR 1953, 195), als untere Grenze der angemessenen Entschädigung den gemeinen Y.ert annehmen., * Anders verhalte es sieh allerdings mit der Vorschrift des § 35 il'v'O, soweit sie bestimme, da3 die angemessene Entschädigung in der Regel das 32fache der von den Finanzbehörden festgesetzten Meßzahlen nicht übersteigen dürfe; hierin liege eine zu weitgehende Einengung des Ermessens-spiclrauma, durch die der § 33 BhG abgeändert werde; aber diese Änderung entbehre der Wirksamkeit, da das Utaatsministerius von ..ürttemberg-hohenzollern dazu nicht ermächtigt gewesen sei; eine vorher etwa bestehende Ermächtigung wäre am 24- -Mai 1949, dem läge des Inkrafttretens des Grundgesetzes - also bereite vor Verkündung der i-urchfiihrungsverordnung - erloschen gewesen (Art. 129 Aos» G G ) o Einheit«wert, das aber liege» wie die Erfahrung lehre, erheblich unter dem gemeinen V.ert; dürfe dieser auch unterschritten werden, so doch nicht so weit, da3 dem Kläger nur noch 250 des Einheitswertes verblieben» ferner habe der Kläger insoweit, als ihm die angemessene Entschädigung vorenthalten worden sei, Anspruch auf Kinnen (unter Bezugnahme auf BGiiZ 37, 269)« Da die Parteien einander auf privater Vertragsebene gegenüberstünden, hänge die Entscheidung lediglich von der Auslegung dessen ab, was sie hinsichtlich des Kaufpreises vereinbart hätten» Wenn in Verkennung dieser Konsequenz das angefoentene Urteil sich sogleich aer Krage zugewendet habe, welches die "angemessene Entsehädi gang" im Sinne von £ 33 BRG sei, so erweise sich bex'eits der Ausgangspunkt als fehlerhaft» Denn es handele sich im vorliegenden fall um kein Enteignungaverfahren. Zu beurteilen sei ein Kaufvertrag zwischen zwei Privatpersonen» Die Parteien hätten einen bestimmten Kaufpreis ausgehandelt und im Vertrag fixiert» Der vertragliche Nachforderungsvorbehalt bedeute nach der zutreffenden Feststellung des Landgerichts nichts anderes, als daß dem Kläger ein Hecht auf angemessene Nachzahlung nur dann zustehe, wenn im Rahmen der übrigen zur Abwicklung anstehenden Landabgabeverfahren allgemein ein höherer Preis sugebilligt werden sollte. Wenn das Berufungsgericht auf der Grundlage dieser Vertragsauslegung, die keinen Reohtsirrtua erkennen läßt, dann im einzelnen geprüft hat, wie hoch sich in dem (hypothetischen) Falle, daß ein Enteignungsverfahren durchgeführt worden wäre, die Entschädigung bemessen haben würde und ob dio Geldsummen, die dem Kläger bereits gezahlt wurden, die Höhe dieser ~nteignungsentsehädigung erreichen oder hinter ihr Zurückbleiben, so war das nur folgerichtig. Oktober 1953 - an die Tomanialkanzlei des Klägers gerichtet hatte; darin war von ihr der Standpunkt vertreten worden, daß es sich bei den Grundstückokauf um ein Landabgaboverfahren in Sinne des Bodenreformgesetzes handele und daß die Entschädigung später von der oberen Siedlunge— behördo endgültig festgesetzt würde; eine Änderung in der Bntachädigungshohe könne sich jedoch nur dann ergeben, falls "durch Gesetz odex* Rechtsprechung für Land-obgabon allgemein höhere Entschädigungen gewährt" würden. Las Cborlandesgericht dagegen hat die rx'age mit folgender Begründung unentschieden gelassen; Selbst wenn sie zu bejahen wäre, könne die Beklagte sich jetzt nach eineu: Jahrzehnt nicht mehr darauf berufen, daß der Kläger zuwarten müsse, bis die Siedlungabehürde die Entschädigung festgesetzt habe oder bis dux*ch Gesetz odex* Rechtsprechung tatsächlich allgemein höhere Entschädigungen für Land-abgaben gewährt würden; denn das Land Baden-Württemberg werde sich zu weitergehenden Zahlungen ei'st bereit Gesetz und Rechtsprechung standen also als Voraussetzung für einen Ruchzahlungsanspruch nebeneinander, so daß es darauf, wie sich die Rechtsprechung über Landabgaben künftig entwickeln wüi'de, nicht ausschließlich ankam, es vielmehr - wovon ersichtlich auch der Berufungsrichter ausgeht - bereits genügte, wenn dem Klüger kraft Gesetzes ein solcher Anspruch erwachsen war, Go verhält es sich aber hier; denn C 33 3KG, den die Parteien nach der rechteirrturasfreieil Auffassung des Oberlandesgerichts 2um .Maß stab für die Höhe der von der Beklagten geschuldeten Gegenleistung gemacht haben, sieht eine Entschädigung vor, die höher ist als die bisher an den Kläger gezahlten ü^i^beträge. Lögen sich auch die Beteiligten darüber bei Vertragsabschluß noch nicht iu klaren gewesen sein, da insbesondere die Beklagte die in •” 35 i)VO für die Entochädigungshöhe gezogenen Grenzen als rechtsverbindlich ansah, so hat sich auf jeden Fall später die wahre Rechtslage enthüllt« Einen wichtigen Schritt auf diesem Wege bildete der Beschluß des Landtags vom 4* Juni 1958; durch ihn wurde deutlich, daß man dem £ 35 BVG keine Wirksamkeit mehr beimaß =.Lindeatens von jetzt ab war es dem Kläger nach den Inhalt des Schreibens vom 24, Oktober 1953 nicht mehr vorwehrt, seinen Hachzahlungsanspruch einzuklagen; daran hinderte ihn entgegen der Auffassung der Hovision auch nicht das Wort "allgemein*' in jenem schreiben, da die Regelung in $ 35 BKG für sämtliche in Betracht kommenden Landabgeber galt« ledigen sich zugleich die hiergegen von der Revision erhobenen Einwendungen; das gilt insbesondere von ihrer Rüge aus 286, 129 ZPO, das Berufungsgoricht habe zu klären unterlassen, ob die Gerichte in Zukunft überhaupt noch die Möglichkeit haben würden, über die krage der EntschädigungshÖhe eine "allgemeine Reehtsprecnung" zu entwickeln (was laut Behauptung der Revision nicht der Ball sein soll, weil von den in Baden-/, ürttemberg anhängig gewesenen 121 Landabgabevcrfahron bereits 118 abgewickelt seien)« Dc3 es, wenn der Kläger sich bei Vertragsabschluß das Hecht zu jederzeitiger gerichtlicher Nachprüfung der Angemessenheit des Kaufpreises Vorbehalten hätte, an einem bestimmten oder wenigstens bestimmbaren Kaufpreis fehlen würde, kann der Revision nicht zugegeben werden; wie das Urteil zutreffend darlögt, haben die Parteien mit der Vereinbarung, der Kläger solle soviel erhalten, als ihm bei Durchführung des Entoignungsverfahrens zugeflossen wäre, dem Erfordernis hinreichender Bestimmbarkeit des Kaufpreises genügt * Dafür, daß der Berufungsrichter diese Zeugenaussagen bei seiner Entscheidung übersehen hätte, besteht kein Anhaltspunkt, Bich ausdrücklich mit ihnen auseinanderzuoetzen, war er den Umständen nach um so weniger verpflichtet, als gerade diejenigen Uätze aus der Vernehmungsniederschrift vom 7« Dezember 1959, auf welche die Revision abstellen möchte, tait seiner Auffassung, dem Kläger sei nach Klärung Geltend- 5o Was die Höhe des dem Klager gebührenden Kaufpreises anbetrifft, so ist das Berufungsgericht ohne ersichtlichen hechtsirrtun davon ausgegangen, daß die Summe der bisher geleisteten Zahlungen - einschließlich der vom Land Baden-WÜrttenbei’g nach Klageerhebung gezahlten 191 314 iBi -noch koino "angemessene Entschädigung" im Sinne des § 33 BRG dai'stelle; sie entspreche lediglich dem 2 l/2fachen des Einhcitswerteo der veräußerten Grundstücke und bleibe daher weit hinter dem gemeinen Wert zurück, der bei Bemessung der Enteignungsentschädigung nach jener Vorschrift nicht erheblich unterschritten werden dürfe. September 1961 geltend gemacht worden waren, übersieht sie, daß der Berufungs-ricnter das erwähnte Gutachten bei seiner Entscheidung gerade nicht verwertet, es vielmehr deshalb außer Betracht gelassen hat, weil darin auf den Verkehrswert in den Jahren 1953 und 1955 abgestellt werde, während die Entschädigung nach den Verhältnissen im Zeitpunkt der letzten Tatsachenverhandlung errechnet werden müsse« lm angefochtenen Urteil fehlen entgegen der Behauptung der Revision auch keine Dai-legungen darüber, wieso eine Entschädigung von nur 250 des Einheitswertes erheblich unter dem gemeinen Wert liege; denn das Oberlandes-goricht verweist in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf seine eigene Erfahrung; für die Annahme, daß ihm insoweit, wie die Revision rügt, die erforderliche Sachkenntnis gefehlt habe, bieten die ürtoilsausführungen keine Grundlage, flach übereinstimmenders Willen der Vertragschließenden, wie ihn das angefochtene Urteil festgesteilt hat, sollte der Kläger als Gegenleistung für seine Grundstücke den Betrag erhalten, der ihm bei Durchführung eines Enteignungsverfahrens zugeflossen wäre; dex* - bloß gedachte -gesetzliche Anspruch auf Enteignungsentschädigung sollte also den Maßstab abgeben für die Höhe dessen, was die Beklagte kraft Vertrages schuldete. hergeben mußte, nicht nach dem damaligen Grundstücks-wert, sondern unter Zugrundelegung der Wertverhaltnisse in Zeitpunkt der letzten gerichtlichen Tatsachenverhandlung berechnen (BGHZ 25, 225; 26, 375)» ns wäre aber zu prüfen gewesen, inwieweit die Anwendung der genannten Grundsätze wirklich dem Willen der Vertragschließenden entspricht; das gilt insbesondere für die Frage, ob die Beklagte die Folgen der Preisentwicklung auf dem Grundotücksmarkt allein zu tragen hat» Biese Prüfung wird nunmehr im Verfahren über die Höhe des Klageanspruchs nachzuholen sein, Entgegen der Ansicht der Revision liegt kein Verfahrensfehler darin, daß das Oberlandesgericht die Sache, anstatt selbst abschließend zu entscheiden, gemäß § 538 Abs« 1 Kr. 3 ZPO an das Landgericht zurückverwiesen hato Von einer mißbräuchlichen Krnessens-ausÜbung kann insoweit nicht gesprochen werden; denn das angefoehteno Urteil hat die Gründe, aus denen nicht nach Maßgabe von § 540 ZPO verfahren wurde (Notwendigkeit einer weiteren Beweisaufnahme angesichts des unzulänglichen bisherigen Boweisergebnisses) in einzelnen dargelegt und damit eine Sachdienlichkeit im Sinne der letztgenannten Vorschrift rechtsirrtumsfrei verneint» Bbeneowenig handelt es sieh hierbei, wie die Revision meint, um eine "Straf Sanktion*1 dafür, daß die Beklagte eine andere Rechtsauffassung vertreten habe als das Berufungsgericht» Damit erledigt sich zugleich das weitere Revisionsvorbringen, der Standpunkt der Beklagten sei von einem Kollegialgericht gebilligt worden, sie habe sich bis zu dem Prozeßbeginn nicht in Verzug befunden und der Kläger habe ihr dadurch, daß er die Klage erst 1959 (richtig: 1958) erhob, Stundung gewährt» 'wenn vom angefochtenen Urteil in dieseta Zusammenhang noch andere Bestimmungen mit weiteren Geltungsbereich - insbesondere Art« 153 V.HV und Art. 14 Abo» 3 GG - erörtert worden sind, so geschah das lediglich zu dem Zweck, die Bedeutung der vorgenannten Gesetzesvorschrift zu ermitteln» Bine revisionsgerichtliche Nachprüfbarkeit der von der Revision angegriffenen Urteilsausführungen wurde dadurch nicht begründet. 7» hie Revisionorügen greifen somit nicht durch, ha das Berufungsurteil auch keinen sonutigen, von Amts wegen zu beachtenden Rechtsfehler zu dem Nachteil der Beklagten erkennen läßt, war die Revision mit aer Kostenfolge aus § 97 Abs, 1 ZPO als unbegründet zuruckzuv/eiseno jr, Augustin Rothe Mattem Offterdinger fr.