BGH · V ZR 181/60
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frau Stande Der Kläger hat daraufhin mit einem Schrift satz, der am Tage vor der letzten mündlichen Verhandln bei dem Oberlahdesgericht einging, die Klage auf die Ehefrau ausgedehnt; eine Zustellung des Schriftsatzes an diese ist nicht erfolgt. 1o Der erst nach Zurückverweisung der Sache in die Berufungsinstanz bekanntgewordene Umstand, daß das^Grund-stück # nicht dem bisherigen Beklagten Britz Iallein, sondern ihm und seiner Ehefrau als Miteigentümern je zur Hälfte gehörte, stellte die Prozeßbeteiligten vor eine neue Lage« Der Kläger wollte ihr dadurch Rechnung tragen, daß er nachträglich noch die Ehefrau JüdB mitzuverklagen suchte« In diesem Bestreben, eine weitere Partei in den bereits seit drei Jahren anhängigen Rechtsstreit einzuführen, erblickte indessen das Berufungsgericht eine Klageänderung (§ 264 ZPO), die es nicht zulassen wollte, da weder der bisherige Beklagte eingewilligt habe noch Sachdienlichkeit gegeben sei; es hat deshalb von einer Zustellung der Klageerweijjferung ah die Ehefrau Abstand genommen und die ursprüngliche Klage als sachlich unbegründet abgewiesen« 2« Geklärt werden muß in erster Linie, gegen wen sich der eingeklagte Anspruch richtete« Miteigentümer des Grundstücks, das der Kläger zur Herstellung der erforderlichen Verbindung zwischen seinem eigenen Anwesen und dem Öffentlichen Wege benutzen will (§ 917 Abs« 1 BGB), waren die Eheleute I^HB» er hat aber nur den Ehemann verklagt« Ob das angängig war, hängt davon ab, welche Art von Streit genoss enschaft zwischen den Miteigentümern eines Grundstücks besteht, wenn ein Nach- Y/ären sie keine notwendigen Streitgenossen im Sinne von § 62 ZPO, so stünde es der Klagepartei frei, ihren Anspruch entweder gegen alle zugleich oder lediglich gegen einzelne von ihnen gerichtlich zu verfolgen» Pas gleiche würde gelten hei Vorliegen einer notwendigen Streitgenossenschaft nach Maßgabe des ersten Tatbestandes der genannten Vorschrift («Kann das streitige Rechtsverhältnis allen Streitgenossen gegenüber nur ein heitlich festgestellt werden....«); denn auch in diesen Fällen steht die Sachlegitimation des einzelnen Beklagten außer Zweifel (BGHZ 30, 195, 198)*. Bei dieser zweiten Form der notwendigen Streitgenossen-schaft ist für eine Klage gegen einzelne Streitgenösset kein Raum; sie muß ohne weitere Sachprüfung abgewiesen werden (BGHZ aaO S« 197)» Die hier zur Erörterung stehende gesetzliche Pul-dungspflicht aus § 917 BGB bildet einen Tatbestand der letzteren Art. Daß die Verpflichtung der Nachbarn, die Benutzung ihres Grundstücks als Notweg zu dulden, wenn dieses Grundstück im Eigentum mehrerer Miteigentümer steht, nur gegenüber allen Miteigentümern gemeinsam -also nicht gegenüber einem von ihnen allein - festgestellt werden kann, ist bereits vom Reichsgericht aus- Denselben Standpunkt nimmt auch das angefoehtene Urteil ein, das diese Frage zwar nur beiläufig (anscheinend im Sinn einer Hilfserwägung) behandelt und das Problem der notwendigen Streitgenossenschaft gar nicht erwähnt, dessen Ausführungen aber erkennen lassen, daß der Berufungsrichter ebenfalls die gerichtliche Geltendmachung des Notwegrechts ’gegen* eif= -: nen Miteigentümer allein nicht für möglich hält. sich gegen sämtliche Eigentümer des als Verbindung zu dem öffentlichen Weg in Betracht kommenden Grundstücks rieh« tet und lediglich von ihnen gemeinsam erfüllt werden kann, liegt in der Natur des Miteigentums nach Bruchteilen (§ 1008 BOB). Mag auch zwischen beiden sowohl hinsichtlich dos Entstehungsgrundes als auch nach Umfang, Nutzungsdauer und Regelung der Entschädigungsfrage mancher Unterschied bestehen (HG BayZ 1931, 175), auf jeden Fall stimmen sie doch darin überein, daß sie dem Eigentümer eine genau umschriebene Duldungspflicht auferlegen (einerseits § 917 Abs» 1 Satz 1, andererseits § 1018 BGB); der Inhalt des Eigentums wird durch sie in bestimmter Form eingeschränkt.(vgl. Der einzelne Miteigentümer ist nicht nur außerstande, eineneue Grunddienstbarkeit einzuräumen, sondern das Bestehen einer solche^:Belastung vermag auch niemals ihm allein gegenüber gerichtlich festgestellt zu werden; denn sämtliche Gemeinschaft er sind insoweit notwendige Streitgenossen kraft materiell-rechtlicher Sachlegitimation (OLG Köln OBGEspr 18, 149)* Bas gleiche muß angesichts der Ähnlichkeit der beiden Rechte auch für die gerichtliche Geltendmachung des Notweganspruchs gelten. Zu Unrecht meint die Revision, die notwendige Streitgenossenschaft sei lediglich eine solche im Sinne des ersten Tatbestandes des § 62 ZPO« Soweit sie das daraus herzuleiten versucht, daß das Bestehen oder Nichtbestehen des Notwegrechts "allen Streitgenossen gegenüber nur einheitlich festgestellt werden” könne, wird von ihr übersehen, daß die Notwendigkeit einheitlicher Entscheidung nicht nur dem genannten ersten Tatbestand wesenseigentümlich ist, sondern ein Begriffsmerkmal sämtlicher Fälle der notwendigen Streitgenossenschaft, also auch des zweiten Tatbestandes, bildet (Rosenberg, Lehrbuch des Zivilprozeßrechts 8, Aufl. § 95 I 3, So 467; Schwab, Festschrift für Lent 1957 So 271 und 274)« Ebensowenig verfängt ihr Hinweis auf die Nichterwähnung des Notwegrechts im Lehrbuch von Rosenberg (aaO § 95 IX 3)» da es sich bei den dort angeführten Fällen nur um Beispiele handelt, deren Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt; das Notwegrecht gehört ersichtlich in die letzte der von Rosenberg gebildeten Fallgruppen unter Buchstabe e ("wenn sonst nach materiellem Recht eine Leistung nur von mehreren oder gegen mehrere gemeinschaftlich verlangt werden kann”); für den ähnlich liegenden Fall der Grunddienstbarkeit bejaht übrigens das Erläuterungsbuch von Stein/Jonas/Schönke ausdrücklich die Notwendigkeit gemeinsamer Prozeßführung (ZPO 18o Auflo § 62 Beni* III 1, Ende des ersten Absatzes; daselbst wird auch in Fußnote 35 auf das oben erwähnte Urteil des OLG Köln verwiesen)* Die Ausführungen der Revision darüber, welche praktischen Folgen und etwaigen Nachteile sich für den Kläger ergeben könnten, wenn er nur einen einzigen Miteigentümer statt sämtlicher verklagt habe, liegen neben der Sache, da es - wie si.e übrigens selbst nicht verkennt - im Rahmen des 3. Konnte sonach die Klage in ihrer ursprünglichen Form keinen Erfolg haben, so war noch zu prüfen, ob der Kläger den Mangel zu heilen vermochte, indem er die neuentdeckte Miteigentümerin ebenfalls verklagteo Las Berufungsgericht hat dies verneint« Nach seiner Ansicht läge in der Ausdehnung des Prozesses auf die Ehefrau Lu-wig eine Klageänderung, deren Zulässigkeit, da der Ehemann nicht eingewilligt habe, davon abhänge, ob sie sic] als sachdienlich darstelle; das sei nicht der Fall» Nachw«), gilt nicht uneingeschränkt« Für seine Anwendung ist insbesondere dann kein Kaum, wenn es sich, wie hier, um den Versuch der Klagepartei handelt, erst während des Berufungsverfahrens einen neuen Beklagten in den schwebenden Hechtsstreit einzuführen« Wollte r, mahf in einem derartigen Fall gemäß § 264 ZPO auf die Einwilligung des bisherigen Beklagten oder, wenn sie verweigert wird, darauf abstellen, ob die beabsichtigte Erweiterung des Kreises der Parteien sachdienlich sei; so könnte das - zu demal da sich der Begriff der Sachdien-lichkeit nach objektiven Merkmalen bestimmt (BGHZ 33, 10 - 398, 400; Stein/Jonas/Schönke, ZPO 18, Auflo § 264 Beau II 2) - zu einer unangebrachten Benachteiligung des an dem Prozeß bisher nicht beteiligt gewesenen Britten führen: er würde in ein Verfahren, auf dessen bisherigen Verlauf er keinen Einfluß hatte, gegen seinen Willen hineingezogen und müßte es in der Lage weiterführen, in der es sich nunmehr befindet« Der VI« Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat deshalb entschieden, in der Berufungsinstanz dürfe eine Parteiänderung auf Beklagtenseite allein unter der Voraus Setzung zugelassen werden, daß der neue Beklagte zustimme; die Zustimmung sei nur dann entbehrlich, wenn ihre Verweigerung sich als Prozeßmißbrauch darstelle (BGHZ 21, 285 -JZ 1956, 761 nu Anau Lent - LM ZPO § 264 Nr. 10 mit Annio Gelhaar = NJW 1956, Dieser Entscheidung - Der Beurteilungsmaßstab muß ein subjektiver sein, d*h« die Entscheidung hängt jeweils davon ab, ob dem Betreffenden nach Cfreu und Glauben zugemutet werden kann, nicht auf seiner Weigerung zu beharren« In diesem Zusammenhang sind sämtliche Umstände des Falles zu berücksichtigen, wobei insbesondere auch dem Umstand Rechnung zu tragen ist, daß der erst im Berufungsreehtszug eintretende Beklagte eine Tatsacheninstanz verliert (BGHZ aaO 0. 726/2 und 726/5 im Sinne von § 917 Abs* 1 BGB gele~ gen habe» An diese Rechtsauffassung war das Berufungsgericht gemäß § 565 Abs» 2 ZPO gebunden; es hätte sie, sofern die Ehefrau nachträglich als Beklagte in den Prozeß eintrat, wegen der zwischen den Eheleuten bestehenden notwendigen Streitgenossenschaft, die eine einheitliche, inhaltsgleiche Entscheidung hinsichtlich aller Beklagter erforderlich machte, auch der neuen Beklagten gegenüber zur Anwendung bringen müssen» Die Ehefrau wäre also, wenn sie der Parteiänderung zugestimmt hätte, gezwungen gewesen, sich der rechtlichen Beurteilung, die der Fall im ersten Revisionsverfahren durch den erkennenden Senat erfahren hatte, zu beugen, obwohl sie seinerzeit nicht in der Lage gewesen war, dem Re-Visionsgericht ihre Auffassung ifirorzutragen und dadurch auf seine Meinungsbildung einzuwirken; darüber hinaus wäre kraft der Bindungswirkung des § 565 Abs. 2 ZPO auch der Senat selbst, sofern die Ehefrau Lg|^ nach erfolgtem Eintritt in den Rechtsstreit später eine neue Revision eingelegt hätte, ihr gegenüber an seine frühere rechtliche Beurteilung gebunden gewesen (RGZ 14-9, 158, 163; BGHZ 25, 200, 204)- Bei dieser Sachlage stellte die Weigerung der Ehefrau, sich mitverklagen zu lassen, kein mißbräuchliches Verhalten dar. Wenn die Revision meint, der bisherige Beklagte habe bereits alles vorgetragen, was sich auch vom Standpunkt seiner Ehefrau aus gegen den Klageanspruch einwenderi lasse, und es sei nicht ersichtlich, daß diese noch einen neuen Gesichtspunkt hätte Vorbringen können, so sind das bloße Vermutungen, die den schwer«» wiegenden Vorwurf des Prozeßmißbrauchs nicht zu recht« fertigen vermögen. Nach dem Tatbestand des angefochtenen Urteils hat die Ehefrau iilre Weigerung u.a. damit erläutert, sie halte die Auffassung des ersten Revisionsurteils, daß die Anlage von Kühl- und -Lagerhäusern eine ordnungsmäßige Bewirtschaftung der Parzellen des Klägers sei, für nicht hinreichend begründet, vielmehr hätte es zur Beantwortung dieser Frage noch weiterer sachlicher Aufklärung bedurft; die Möglichkeit, insoweit eine andere Auffassung durchzusetzen, dürfe ihr nicht genommen werden. 4» Da für eine nachträgliche Einbeziehung der Ehefrau 14Hfe in den schwebenden Rechtsstreit kein Raum war, andererseits der Ehemann nicht allein auf Duldung gemäß § 917 BGB ver#l£gt werden konnte, ist die Klage im Ergebnis mit Recht abgewiesen worden» Keine Zustimmung verdienen indessen die Gründe, aus denen das Berufungsgericht die klageabweisende Entscheidung des liandgerichts bestätigt hat» Obwohl es nämlich der zutreffenden Ansicht war, daß der Notweganspruch nicht gegen einen einzelnen Miteigentümer geltend gemacht werden könne (BU S» 6 unten), ist es trotzdem anschließend (aaO S» 7 - 15) in eine Erörterung darüber eingetreten, ob die Eigentümer des Grundstücks K^Bstraße# eine Duldungspflicht aus § 917 BGB treffe; dies hat es mit eingehender Begründung verneint, insbesondere weil der Kläger auf seinem eigenen Grund und Boden keinen genügenden Platz zu dem Ent- und Beladen von Kraftfahrzeugen zur Verfügung habe. 1a und b; Nikisch, Zivilpro2eßrecht 2« Aufl» § 110 I 1; Y/ieczorek, ZPO § 62 An. B X c 2; Schwab, Pestschrift für Lent 1957 S« 286 und 295), ergibt sich aus der Na-tur der Prozeßführungsbefugnis, um die es in solchen Fällen gehtb Die Ursache dafür, weshalb auf der einen Parteiseite jeweils mehrere Personen beteiligt sein müssen, liegt zwar im materiellen Recht; wenn beispielsweise hier zur Erörterung stehende Anspruch die Benutzung eines Grundstücks als Notweg zu dulden, bei Vorhandensein mehrerer Grundstückseigentümer sich gegen alle gemeinsam und nicht nur gegen einen elnzel neu Miteigentümer richtet, so ist das ^eine Folge der im Bürgerlichen Gesetzbuch für Notwegrecht und Bruchteil eigentum getroffenen Regelung (§§ 917, 747 Satz aaO) o Insoweit handelt es sich aber lediglich um eine sachlich-rechtliche Vorfrage» Seine eigentliche Prägu und praktische Ausgestaltung erfährt der betreffende Anspruch, sofern er gerichtlich geltend gemacht wird, erst durch das Verfahrensreeht (BGHZ 31, 279, 280 f)» Dieses regelt die Art und Weise seiner Durchsetzung Die Prozeßführungsbefugnis, die durch diese Verfahrensvorschriften bestimmt wird, ist von der materiellrechtlichen Sachbefugnis begrifflich zu trennen, Ihre «Selbständigkeit zeigt sich u.a, darin, daß os auf dem Gebiet der freiwilligen Gerichtsbarkeit, anders als auf;, dem der streitigen, die Rochts-figur der notwendigen Streitgenossenschaft und damit eine dem § 62 ZPO entsprechende Regelung nicht gibt (BGHZ 3, 214). schaft vorgeschwebt hat, - als vielmehr die - hier nicht einschlägige - allgemeine Aktiv- oder Passivlegitimation, bei deren Pehlen es dem Richter freisteht, die Klageabv/eisung entweder auf mangelnde Rechtsträgersehafi oder auf mangelnde Begründetheit des eingeklagten Anspruchs zu stützen* Inwieweit die hier vertretene Auffassung, daß die Klage durch Prozeßurteil abgewiesen werden muß, mit den Ausführungen in BGHZ 30, 195 übereinstimmt, wo es heißt, bei notwendiger Streitgenossenschaft im Sinne des zweiten Tatbestandes des § 62 ZPO scheitere die Klage eines einzelnen oder gegen einzelne der Streitgenossen daran, daß ihnen "die Sachlegiti-mation (Aktiv- oder Passivlegitimation) zur Durchfuhren des Prozesses11 fehle (S* 197; vgl« andererseits S» 190s zu dem Unterschied hiervon sei bei dem ersten Tatbestand des § 62 ZPO eine Klage der einzelnen Streitgenossen oder gegen einen einzelnen von ihnen "zulässig"), mag dahinstehen; einer Anrufung des Großen Senats für Zivilsachen gemäß § 136 Abs* 1 GVG bedarf es jedenfalls nicht, da der II» Zivilsenat in jenem Urteil - das einen Pall notwendiger Streitgenossenschaft im Sinne des ersten, nicht des zweiten Tatbestandes des § 62 ZPO betraf - die angeführte Ansicht nur beiläufig geäußert hat und seine Entscheidung nicht auf.diesen Ausführungen beruht»