BGH · V ZR 177/73 vom 22.11.1974
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habe die Mauer den Eigentümern der Hausgrundstücke 5 und 6 je zur ideellen Hälfte gehört; die Zerstörung des einen Hauses habe daran nichts geändert (BGHZ 43, 127). Die Eigentumslage sei aber auch nicht davon berührt worden, daß der vordere Teil des früheren Grundstücks RMBtetraße A dem öffentlichen Verkehr gewidmet und die Baulinie entsprechend zurückverlegt worden, mit einem Wiederanbau an die Kommunmauer von dort her also nicht mehr zu rechnen sei* Die Meinung, das Eigentum an einer Kommunmauer falle dem Eigentümer des bebauten Grundstücks als Alleineigentum zu, wenn es endgültig bei einem einseitigen Anbau bleibe (Hodes in NJW 1972, 900), finde im Gesetz keine Stütze. Selbst wenn man ihr folgen wollte, würde aber der Kläger hier nicht Alleineigentümer dieses Mauerstücks werden können, da er Miteigentümer bleibe, soweit die Beklagte wiederangebaut habe: eine solche unterschiedliche Berechtigung an Teilen der Mauer verbiete sich nach § 93 BGB schon deshalb, weil die Mauer als ganzes wesentlicher Bestandteil des Hauses Rosenstraße 6 sei. Das Miteigentum der Grunütlücksnachbarn an der Kommunmauer kann durchaus den Wegfall der Umstände überdauern, die zu seiner Entstehung führten: Zwar kam es für die Begründung des Mitoigentumsanteils, der dem früheren Eigentümer des Grundstücks Rosenstraße 3 an der Mauer zustand, enfscheidend auf deren Zusammenhang mit dem durch ihn errichteten Gebäude an. Der Wegfall dieses Zusammenhangs infolge der kriegsbedingten Zerstörung des Gebäudes beendete aber sein Miteigentum nicht und führte nicht zu dessen Übergang auf den Kläger. Schon in der erwähnten Entscheidung BGH2 43, 127, in der es ebenfalls um den Fall der kriegsbedingten Zerstörung eines an einer Kommunmauer teilhabenden Gebäudes ging, hat der Senat ausgeführt, bei Zerstörung des einen Hauses durch ein Natur- oder ähnliches Ereignis sei weder ein rechtsdogmatischer Anknüpfungspunkt noch ein praktisches Bedürfnis für die Annahme einer Änderung der Eigentumsverhältnisse ersichtlich. In diesem Zusammenhang hat der Senat in rechtsdogmatischer Hinsicht hervorgehoben, für die Entstehung des Miteigentums könnten beim Erstbau die - auf ein Willensmoment abstellenden - §§ 94 Abs» 2, äh Abs, 1 Satz 2 BGB, beim Anbau wiederum § 94 Abs. 2 sowie § 946 BGB herangezogen werden, während für den Fall der Zerstörung des einen Hauses ohne den Willen eines der beiden Grundstückseigentümer keine gesetzli oh«,- Bestimmung ersichtlich sei, an die man sich zur Bo • . Sie glaubt aber, an die Entscheidung des Senats BGHZ 57, 245 anknüofen zu können: In diesem Urteil ging es anders als im vorstehend erörterten und anders auch als im vorliegenden Fall um den freiwilligen Abbruch des einen der durch eine gemeinsame Giebelmauer verbundenen Häuser durch den Eigentümer. Auch hat er ein praktisches Bedürfnis für die Annahme einer Eigentumsänderung nicht zu erkennen vermocht, "insbesondere dann nicht, wenn dieser", wie in jenem Fall, "nur ein technisch notwendiges und vorübergehendes Zwischenstadium zu dem ... Offen gelassen, weil in jenem Fall nicht entscheidungserheblich, hat der Senat, ob bei einem Abbruch ohne Wiederaufbauwillen einem etwaigen Bedürfnis nach einer Eigentumsänderung durch die Annahme automatischen Eigentumswechsels "oder nicht vielmehr in entsprechender Anwendung der im Senatsurteil BGHZ 23, 57 für Scheinbestandteile im Sinne von § 95 BGB aufgestellten Grundsätze Rechnung zu tragen" sei. Die Revision geht ersichtlich davon aus, daß sich hier eine entsprechende - und nach ihrer Auffassung im Sinne der ersten Alternative zu beantwortende - Frage stelle: r;jo nimm!, an, uaij die mit der gegenwärtigen GcsI'.nltung dee F i.aeho e i tVergehenden Rechtsakte der Widmung und der Baubeschränkung einen Wiederanbau an den gegenwärtig freistehenden Teil der Giebelwand unmöglich machen, und vertritt die Auffassung, im Gegensatz zu dem in BGHZ 57, 245 entschiedenen Falle bestehe hier kein praktisches Bedürfnis mehr für die Aufrechterhaltung des Miteigentums der Stadtgemeinde; vielmehr sei bei Unmöglichkeit des Wiederanbaus im Interesse der Rechtseinheit zwischen den Teilen eines Gebäudes ein automatischer Eigentumswechsel anzunehmen, wie der Senat ihn in der angeführten Entscheidung bereits für einen Abbruch ohne Wiederanbauwillen in Betracht gezogen habe. Dem vermag der Senat schon deshalb nicht zu folgen, weil, wenn man überhaupt die Fortdauer des Miteigentums von einem praktischen Bedürfnis abhängig macht, auch das schon in BGhZ e;, 127 erörterte Interesse des Ruin^neigentümers an der1 Benutzung der Mauer auf andere Weise als durch Wiederanbau eines Hauses zu berücksichtigen ist. Abgesehen von der hier vorliegenden Vermietung der Mauer zu Werbezwecken könnte in diesem Zusammenhang auch an die Möglichkeit gedacht werden, daß - bei Aufre<hter-haltung der Widmung - die Stadtgemeinde dem Eigentümer des jetzigen Grundstücks dosenstraßo t:' etwa das Hecht einräumt, sein Gebäude vom ersten Stock an vorzuziehen, wenn ebenerdig ein Durchgang für Fußgänger (Arkadengang) freigehalten wird. Von alledem abgesehen hat das Berufungsgericht entgegen der Auffassung der Revision keine tatsächlichen oder rechtlichen Vorgänge festgestellt, die den Wiederanbau eines Gebäudes vom Grundstück der Stadtgemeinde auf die Dauer ausschließen, die also mehr besagen würden, als daß eine solche Benutzung des umstrittenen Teiles der Giebelwand durch den Eigentümer dieses Grundstücks zur Zeit nicht wahrscheinlich (mit ihr nicht zu rechnen) ist. Hiernach haben die gegenwärtige Gestaltung des städtischen Grundstücks, die ihr zugrundeliegenden Planungsvorstellungen und damit einhergehenden Rechtsakte nicht einen Zustand geschaffen, bei welchem mit einem Anbau an die Giebelwand vom Grundstück der Stadtgemeinde nach menschlichem Ermessen nicht mehr gerechnet zu werden braucht. Gegen die Auffassung des I andgerichts, dai3 die Gemeinde den ihrem Grundstück zugewandten Teil der Giebelwand zu Werbungszwecken nutzen und diese Nutzung einem Dritten (der Beklagten) überlassen dürfe, ist nichts zu erinnern.