BGH · V ZR 165/59 vom 22.03.1961
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Da Frau Kö^^die Hypothek der Handwerkerbank nicht beseitigen konnte, weil diese die Annahme von Reichsmarkbeträgen ablehnte, wurde zwischen Frau KöMP> wiederum vertreten durch ihren Bruder Dr. Hugo DflP», und dem Beklagten am 14. Die Kläger haben vorgetragens Der Beklagte habe im Hachtragsvertrag vom 14« Juli 1942 neben der dinglichen Hy-pothekenschuld auch die zu Grunde liegende Darlehensschuld der Eheleute Dr» Hugo D€BI Übernommen» Zumindest sei der Beklagte aus § 415 Abs» 3 BGB verpflichtet, sie von ihrer Schuld gegenüber der Handwerkerbank zu befreien» Diese Verpflichtung ergebe sich im übrigen auch aus dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereicherung» festzustellen, daß der Beklagte den Klägern gegenüber verpflichtet ist, die Handwerkerbank Bfflfc AG in Bflfc/Schweiz wegen ihrer Darlehensforderung ah die Kläger über 43 750 sfrs zuzüglich Zinsen - gesichert durch die auf dem Grundstück Band 73 Heft 6 LgboHr« 724 eingetragene Höchstbetragshypothek über 16 kg Feingold - nach Maßgabe einer nach dem Londoner Schuldenabkommen abzuschließenden HegelungsVereinbarung zu befriedigen» 1, Das Berufungsgericht geht von der ständigen auch im Schrifttum gebilligten Rechtsprechung aus, nach der die Übernahme einer Hypothek in Anrechnung auf den Kaufpreis grundsätzlich die Vereinbarung einer befreienden Übernahme auch der persönlichen Schuld in sich schließt (RG 5043i;mit weiteren Nachweisen; KG JW 1938, 1916; Palandt, BGB 19* Aufl. 6. Nachtragsvertrag vom 14o Juli 1942 eine auf dem Grundstück lastende Hypothek übernommen habe, die nicht für die Schuld des Veräußerers, der Frau Kö^|, sondern für die Schuld eines Dritten, nämlich der Eheleute Dr* Hugo D^, bestellt worden sei und deshalb gegenüber dem in der Rechtsprechung vorausgesetzten Normalfall, daß der Veräußerer selbst Schuldner der durch die Hypothek gesicherten Forderung sei, eine andere rechtliche und wirtschaftliche Interessenlage vorliege0 Zur Begründung führt das Berufungsgericht im einzelnen aus: Sei der Verkäufer des belasteten Grundstücks auch der persönliche Schuldner der durch die Hypothek gesicherten Forderung, so liege die Annahme sehr nahe, daß die Vertragsparteien mit der Übernahme der Hypothek in Anrechnung auf den Kaufpreis auch die Übernahme der persönlichen Schuld des Veräußerers gewollt hätten, um die im Interesse des Veräußerers unerwünschte Trennung der dinglichen von der persönlichen Haftung zu vermeiden» An einer ähnlichen Intereesenlage fehle es aber, wenn der Veräußerer nicht gleichzeitig der persönliche Schuldner sei« In diesem Falle werde seine Rechtsstellung durch die alleinige Übernahme der dinglichen Schuld nicht gefährdet» Noch weniger werde dadurch die Rechtsstellung des Dritten, des persönlichen Schuldners, der nicht Vertragspartei sei, berührt* Mit der vom I&ndgericht herangezogenen Auslegungsregel lasse sich daher im vorliegenden Fall die Übernahme der zugrunde liegenden persönlichen Schuld der Eheleute Dr. Hugo durch den Beklagten nicht begründen* ln der Anwendung dieser Auslegungsregel auch auf den vorliegenden Fall liege vielmehr eine willkürliche Verschiebung der Darlegungsund Beweispflicht der Kläger. zen vom 2» Juni und 5* Dezember 1958: Die Miterben hätten vereinbart» daß Frau das Grundstück "nicht behalten» sondern daß diesen an Br» Hugo wieder zurüekf allen" sollte« Die formale Rückübertragung sei zwar miterlassen worden» Dr« Hugo DAP habe jedoch bei der Weiterveräußerung an den Beklagten so gehandelt, wie wenn das Haus ihm gehörte« Deshalb habe er - und nicht Frau Köflt» wie es an sich natürlich gewesen wäre -Empfänger desjenigen Betrages sein sollen, der zwischen der Hypothekenvaluta im Zeitpunkt von deren Heimzahlung und dem Betrag der Kaufpreisschuld von 97«>500 RM verblieb» Diese Sachlage sei dem Beklagten bekannt gewesen« Er habe gewußt, daß Dr» DA Schuldner der Hypothekenforderung und - wenigstens wirtschaftlich - Gläubiger der Kaufpreisforderung gewesen sei» Die Revision folgert aus diesem nach ihrer Meinung als unstreitig behandelten Vortrag, daß damit die Auffassung des Berufungsgerichts entfalle, es sei bei dem hier gegebenen Auseinanderfallen von obligatorischem und dinglichem Schuldner keine ähnliche Interessenlage gegeben, wie wenn der Veräußerer zugleich der persönliche Schuldner gewesen wäre; denn wenn man auf die Interessenlage abstelle, so komme es nicht auf die formalen Rechtspositionen, sondern auf die wirtschaftlichen an und diese seien hier wie in den von der Rechtsprechung entschiedenen Fällen gleich» er nähere Angaben tatsächlicher Art vermissen läßt, überhaupt ergeben könnte, daß Dr» Hugo D^fc “wirtschaftlich” Eigentümer des Grundstücks war, und ob daraus mit der Revision die Folgerung zu ziehen wäre, daß der Beklagte in Kenntnis dieser Sachlage auch die der Hypothek zugrunde liegende persönliche Schuld übernommen habe» Bas Berufungsgericht brauchte auf den hier in Frage stehenden Vortrag der Kläger schon deshalb nicht einzugehen, weil der Beklagte diesen Vortrag bestritten hat und die Kläger keinen Beweis hierfür angetreten haben« Bas Bestreiten des Beklagten ergibt eich aus dessen Berufungsbegründungsschrift, in der abschließend ausgeführt ist, das entgegenstehende Vorbringen der Kläger bleibe, soweit es nicht ausdrücklich zugestanden sei, bestritten« Damit ist auch der Vortrag der Kläger in ihrem erstinstanzlichen Schriftsatz vom 2. Die Revision meint in diesem Zusammenhang weiterhin, nach der landgerichtlichen günstigen Entscheidung habe die andere Rechtsauffassung des Berufungsgerichts die Kläger überraschen müssen; dieses hätte deshalb gemäß § 139 ZPO darauf hinv/eisen müssen, daß die Kläger für ihr Vorbringen Beweis anboten; sie hätten sich dann auf Parteivernehmung gestützt und dabei auch auf §448 ZPO verwiesen, weil der Vertragsinhalt für ihre Darstellung spreche« Juni 1940 nicht nur entsprechend dem Wortlaut der notariellen Urkunde als Bevollmächtigter der Frau Kö^^ auf ge treten war, sondern auch im eigenen Namen und in dem s einer Ehefrau gehandelt und insoweit die Übernahme auch der der Hypothek zugrunde liegenden persönlichen Schuld mit dem Beklagten vereinbart hat« Das Landgericht hat dies aus mehreren rechtlichen Gesichtspunkten bejaht» Da der Beklagte mit seiner Berufung alle dahingehenden Ausführungen des Landgerichts angegriffen hat, kann nicht davon gesprochen werden, die Kläger seien dadurch überrascht worden, daß das Berufungsgericht die Angriffe des Beklagten gegen das Urteil des Landgerichts als begründet erachtet hat« Die Kläger waren deshalb auch ohne einen Hinweis des Berufungsgerichts nach §139 ZPO gehalten, für ihren von dem Beklagten bestrittenen Vortrag in den Schriftsätzen vom 2» Juni und 5« Dezember 1952 Beweis anzutreten, wenn sie diesen Vortrag für die Entscheidung der Frage, ob der Beklagte auch die persönliche Schuld übernommen hat, als wesentlich erachteten» Stücks entgegen dem Wortlaut der notariellen Erklärung so handelte, "wie wenn das Haus ihm gehörte", und dem Beklagten dies bekannt war* Da der Beklagte dies ausdrücklich bestritten hat und die Kläger hierfür keinen Beweis angetreten haben, brauchte das Berufungsgericht auf die handschriftlichen Wotizen des Br. Hugo B^fe nicht einzugehen. b) Bie Revision wendet sich auch materiell-rechtlieh gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, die Rechtsprechung dahin, daß die Übernahme einer Hypothek in Anrechnung auf den Kaufpreis grundsätzlich die Vereinbarung einer befreienden Übernahme auch der persönlichen Schuld in sich schließe, sei dann nicht anwendbar, wenn der Veräußerer des Grundstücks nicht der persönliche Schuldner der durch die übernommene Hypothek gesicherten Forderung sei. Sie meint, alle Kommentatoren (Palandt aaO § 415 An. 1 und § 416 An. 1; BGB RGRK aaO § 415 An. 2 und § 416 An. 1; Staudinger aaO § 415 An. I 1 und § 416 An. a) entnähmen aus der Rechtsprechung ohne jegliche Einschränkung, daß nach der Verkehrsauffassung bei der Übernahme einer Hypothek durch den Käufer eine befreiende Schuldübernahme als gewollt gelte und daß namentlich die "Übernahme" der Hypothek ?*in Anrechnung auf den Kaufpreis" als Übernahme auch der persönlichen Schuld auszulegen sei, und zwar als befreiende (RG JW 1932, 1043)- Weder aus dem von der Revision aufgeführten Schrifttum noch aus der von ihr zitierten Entscheidung des Reichsgerichts sind irgendwelche Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, daß die hier in Frage stehende Rechtsprechung auch dann gelten soll, wenn der Veräußerer des Grundstücks nicht der persönliche Schuldner der durch die übernommene Hypothek gesicherten Forderung ist. da die Übernahme einer Schuld, von dem hier nicht in Betracht kommenden Pall des § 414 BGB abgesehen, nach § 415 BGB der Vereinbarung zwischen dem alten und dem neuen Schuldner bedarf und eine solche deshalb ohne Mitwirkung des alten Schuldners nicht gegeben sein kann» In der Übernahme einer Hypothek in Anrechnung auf den Kaufpreis kann daher grundsätzlich nur dann zugleich auch eine Übernahme der durch die Hypothek gesicherten persönlichen Schuld erblickt werden, wenn der Veräußerer des Grundstücks auch der persönliche Schuldner ist. 2. Das Berufungsgericht ist sodann der Auffassung, es seien weder aus dem Nachtragsvertrag vom 14» Juli 1942 in seinem Zusammenhang noch aus den außerhalb des Vertrags liegenden Umständen ausreichende Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, daß der Beklagte außer der Hypothek auch die persönliche Schuld des Dr. Hugo DMfc und seiner Ehefrau übernommen habe. Juli 1942 führt das Berufungsgericht aus: Aus dem Wortlaut des § 2 dieses Vertrags, wonach der Beklagte die auf dem Grundstück lastende Höchstbetragshypothek "in Anrechnung auf den Kaufpreis11 und "zur künftigen Bezahlung" übernommen habe, könne die von den Klägern behauptete Übernahme der Schweizerfrankenverbindlichkeit nicht hergeleitet werden. Der Revision kann zunächst darin nicht gefolgt werden, aus der Rechtsprechung dahin, daß mit der Übernahme einer Hypothek in Anrechnung auf den Kaufpreis unweigerlich die Übernahme auch der persönlichen Schuld vereinbart sei, ergebe sich in Verbindung i&it der im Nachtragsvertrag vereinbarten Übernahme der, Höch3tbetragshypothek "zur künftigen Bezahlung" eine Klarstellung (im Sinne der Übernahme auch der persönlichen Zum anderen ist die Auslegung des Berufungsgerichts, aus der Übernahme der Höchstbetragshypothek »zur künftigen Bezahlung» könne mit Rücksicht auf den Anlaß für den Abschluß des Nachtragsvertrags und im Zusammenhang mit der Verrechnung des Kaufpreisen in dessen § 2 Hr. 2 nicht eine Übernahme auch der persönlichen Schuld hergeleitet werden, entgegen der Meinung der Revision möglich, zu demal wenn man in Betracht zieht, daß in der gesetzlichen Begriffsbestimmung der Hypothek in § 1113 Abs* 1 BGB von der Zahlung einer bestimmten Geldsumme aus dem Grundstück die Rede ist» Nicht gefolgt werden kann der Revision weiterhin darin, es sollte sich nicht verschieden auswirken können, ob Dr. Hugo bei den Vertragsverhandlungen mit dem Beklagten als Vertreter der Grundstücksverkäuferin oder für diese und zu-^-gleich im eigenen und im Namen seiner Ehefrau aufgetreten sei; denn darin liegt, wie das Berufungsgericht mit Recht hervorhebt, gerade der entscheidene Gesichtspunkt. Insoweit ist aber das Berufungsgericht zu dem Ergebnis gekommen, Br. Hugo habe seinen etwaigen Willen, seine und seiner Ehefrau persönliche Schuld auf den Beklagten zu übertragen, nicht in ausreichendem Maße für diesen erkennbar zu dem Ausdruck gebracht. Juni 1940 sei nur insoweit geändert worden, nicht klar-gemacht, was es mit dem Wort "insoweit1* umreiße* Dies trifft indessen nicht zu* Wie sich aus seinen oben wiedergegebenen Ausführungen ergibt, wollte das Berufungsgericht damit zu dem Ausdruck bringen, daß.die Änderung des Kaufvertrags durch den Nachtragsvertrag nur die Übernahme der Hypothek und nicht auch die der persönlichen Schuld zu dem Gegenstand hatte* Die Revision rügt weiterhin, das Berufungsgericht habe bei seiner Auffassung, auch § 2 Nr* 2 des Nachtragsvertrags stimme damit überein, daß der Kaufvertrag vom 21« Juni 1940 nur hinsichtlich der Übernahme der Hypothek geändert worden sei, den Vortrag der Kläger in ihrem Schriftsatz vom 5* Dezember 1958 (So 3 und 6) übersehen, daß diese Nr. 2 in den Nachtragsvertrag eingefügt worden sei, da noch nicht festgestanden habe, welcher Betrag zur Ablösung der wertgesichterten Höchstbetragshypothek erforderlich sein würde und daß, wie schon das Bendgericht zutreffend bemerkt habe, mit der Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem für die Rückzahlung der Darlehensschuld aufzunehmenden Reichsmarkbetrag der Betrag gemeint gewesen sei, der erforderlich sein würde, um die zur Abdeckung der Frankenverbindlichkeit erforderlichen Sorten zu kaufen. Auch diese Rüge ist nicht begründet* Daß § 2 Nr. 2 in, den Nachtragsvertrag aus dem von der Revision auf- geführten Grunde eingefügt wurde, ist offensichtlich» Bei dem übrigen Vortrag der Kläger, den das Berufungsgericht nicht beachtet haben soll, handelt es sich nicht um Behauptungen tatsächlicher Art, mit denen das Berufungsgericht sich hätte befassen müssen, sondern um die Wiedergabe der Ansicht der Kläger, es ergebe sich auch aus dieser Vertragsbestimmung, daß der Beklagte auch die persönliche Schuld übernommen habe. Das Berufungsgericht ist aber im Wege der Auslegung dieser Vertragsbestimmung zu dem Ergebnis gekommen, daß auch sie sich nur auf die Übernahme der Hypothek beziehe. Für sie und gegen die Auslegung der Kläger spricht zudem, daß in der Vertragsbestimmung, wie das Berufungsgericht mit Recht hervorhebt, von einer Übernahme der persönlichen Schweizerfrankenverbindlichkeit nicht die Rede ist, sondern nur von dem “übernommenen und tatsächlich vom Käufer seinerzeit herauszuzahlenden Reichsmarkbetrag der Hypothek" gesprochen wird. Die Revision wendet sich schließlich insoweit gegen das Berufungsgericht, als dieses dem Umstand, daß nach dem Nachtragsvertrag die Zahlungen nicht direkt an die Verkäuferin, sondern an Dr. Hugo D4K zu erfolgen hatten, mit der Begründung keine Bedeutung beimißt, der Kaufpreis von 97o500 RM habe schon auf Grund des Kaufvertrags vom 21. b) Bei der Prüfung der Frage, ob aus den außerhalb des Vertrags liegenden Umständen Anhaltspunkte dafür entnommen werden können, daß der Beklagte auch die persönliche Schuld übernommen habe, befaßt sich das Berufungsgericht u.a. mit der Bezahlung der Hypothekenzinsen durch den Beklagten bis zu dem Jahre 1944« Es führt insoweit aus: Dieser Umstand könne nicht zu einer anderen rechtlichen Beurteilung führen. Soweit die Revision in diesem Zusammenhang von einer Verletzung der Beweislast spricht und meint, die Auslegung eines Vertrags sei ohne Rücksicht auf diese vorzunehmen, übersieht sie, daß es sich hier nicht um die Auslegung des Nachtragsvertrags, sondern um die Würdigung einer außerhalb dieses Vertrags liegenden Umstands handelt.