BGH · V ZR 160/54 vom 21.10.1955
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Gesetzs ZPO §§ 3, 8; GKG § 10 Rechtssatzs Klagen Miterben gegen einen anderen Miterben auf Feststellung der Wirksamkeit eines von der Erbenmehrheit mit einem Dritten abgeschlossenen Pachtvertrages, so bestimmt sich der Streitwert nicht nach der Höhe des Pachtzinses, sondern ^ nach dem Interesse der Kläger«, Juni 1952 an den Kläger zu 3, einen Vetter ihres Ehemannes iSohn der Schwester des Kaspar Heinrich HBBBBK verkauft und übertragen« Der Kläger zu 3 ist Mitglied einer Erbengemeinschaft, die nach dem Tode des ursprünglichen Pächters Heinrich EBB das Pachtverhältnis fortgesetzt hat und noch im Besitz des Hofes iBt. Im Jahre 1948 hatte der Beklagte die Erteilung eines Hoffolgezeugnisses beantragt« Dieser Antrag wurde zurück-gewiesen. tung der Verschuldungsgrenze kein Erbhof geworden sei und sich deshalb nach den Vorschriften des bürgerlichen Rechts verex’bt habeDie Rechtsbeschwerde des Beklagten ist wegen Versäumung der Begründungsfrist vom Bundesgerichtshof als unzulässig verworfen worden (IwH 77/48 AG Unna)« Nachdem der Erbengemeinschaft NflU das Pachtverhältnis gekündigt worden war, wurde in einem vor dem Oberlandesgericht Hamm abgeschlossenen Vergleich am 10. Erbengemeinschaft vereinbart * Der Beklagte hatte schon vorher einer Verlängerung des Pachtvertrages widersprochen« Er hatte darauf hingewiesen, daß er den Hof» als dessen Anerben er sich betrachte, nach Ablauf der Pachtzeit übernehmen wolle und daß er inzwischen die Zuweisung beantragt habe« Die Kläger haben eine Abschrift des Zuweisungsantrages vom- 11, Dezember 1952 erst nach der Versammlung vom 17» Januar 1955 erhalten« Im Mai 1954 hat der Beklagte einen neuen Antrag beim landwirt3chafts-gericht eingereicht, mit dem er die Feststellung begehrt, daß die Besitzung in He^HP ein Hof im Sinne der Höfeordnung und er (Beklagter) Hoferbe sei« Das Landgericht hat die Klage abgewiesen« In der Berufungsinstanz haben die Kläger in erster Linie die Feststellung begehrt, daß der Vertrag vom 17« Januar 1953 auch für den Beklagten verbindlich sei, und den Antrag erster Instanz nur hilfsweise gestellt. Das Oberlandesgericht hat der Bemessung des Streitwertes offensichtlich die Bestimmung des § 8 ZPO zugrunde gelegt, wonach, wenn das Bestehen oder die Dauer eines Pachtverhältnisses streitig ist, der Betrag des auf die gesamte streitige Zeit entfallenden Pachtzinses für die Wertberechnung entscheidend ist» Der erkennende Senat hat die Präge, ob § 8 ZPO auch dann Anwendung findet, wenn die Prozeßparteien nicht Vertragsteile sind, im Urteil vom 3c Dezember 1954 (V ZR 114/53, RechtdLandw 1955, 49 /5Ö/) verneint und ausgesprochen, daß, wenn ein Dritter auf Feststellung der Richtigkeit eines Pachtvertrages klagt, der Streitwert sich nach dem Interesse dieses Dritten bestimmt» Auch das Reichsgericht (Warn Jb Erg 1913 Nr 116) hat in einem Rechtsstreit unter Miteigentümern eines Land- \ gutes über die Gültigkeit eines Mehrheitsbeschlusses, auf Grund dessen die Beklagten eine Verpachtung vorgenommen hatten, den Streitwert nicht nach dem Pachtzins, sondern j nach dem Interesse der Kläger, an der Beseitigung des j . mit einem Dritten abgeschlossenen Pachtvertrages betrifft, Auch in diesem Pall richtet sich der Streitwert nicht nach der Höhe des Pachtzinses (§ 8 ZPO, § 10 GKG), sondern gemäß § 3 ZPO nach dem Interesse der Kläger an der erstrebten Feststellung* Der Streitwert für die Revisionsinstanz bestimmt sich somit nach dem Interesse, das der Beklagte an der Unwirksamkeit des Pachtverlängerungsvertrages hat. Es halt die in Ausführung des Beschlusses der Erbenmehrheit vereinbarte Pachtverlängerung dem Beklagten gegenüber für wirksam, weil es sich um eine Verwaltungsmaßnahme handele und von einem Rechtsmißbrauch keine Rede sein könne. Das Oberlandesgericht meint, den Klägern sei die Berechtigung nicht abzusprechen, von dem seit 1945 bestehenden Rechtszu-stand, wonach der Hof der Erbengemeinschaft gehöre, auszu-gehen« Diese Rechtslage würde sich allerdings ändern, wenn, was zweifelhaft sei, der Antrag des Beklagten auf Feststellung, daß er Hoferbe geworden sei, Erfolg haben sollte. Sie macht geltend, das Oberlandesgericht hätte den Rechtsstreit bis zur Entscheidung über den Feststellungsantrag des Beklagten aussetzen müssen, wenn es nicht selbst über die Erbfolge in den Hof als Vorfrage hätte entscheiden wollen0 Diese Rüge der Revision muß zur Aufhebung des angefochtenen Urteils führen© Der Pachtverlängerungsvertrag vom 17« Januar 1953 enthält entgegen der Auffassung der Revision keine Ver^-fügung, die nach § 2040 Abs 1 BGB von den Erben nur gemeinschaftlich getroffen werden könnte« Von einem Verzicht auf den Räumungsanspruch zu dem 30« Juni 1955 kann keine Rede sein« Daß auf Grund der Beendigung des bisherigen Pachtverhältnisses nicht mehr Räumung verlangt werden kann, ist eine notwendige Folge der Pachtverlängerung, die eine reine Verwaltungsmaßnahme darstellt„ Die Verwaltung des Nachlasses steht nach § 2038 Abs 1 BGB grundsätzlich den Erben gemeinschaftlich zu« Dabei entscheidet jedoch gemäß §§ 2038 Abs 2, 745 BGB die Stimmenmehrheit« Die Verlängerung des Pachtvertrages konnte deshalb, wenn der Hof einer Erbengemeinschaft gehört, von der Mehrheit der Erben wirksam beschlossen und durchgeftihrt werden, es sei denn, daß sie wegen Sittenverstoßes (§ 138 BGB) als nichtig zu bezeichnen wäre«. Das Berufungsgericht hat sich mit der Präge, wie der Hof sich beim Tode des Erblassers vererbt hat, nicht näher auseinandergesetzte Im Tatbestand des angefochtenen Urteils heißt es zwar, daß Eigentümerin des Hofes die aus den Parteien bestehende Erbengemeinschaft sei. Dieses Verfahren betraf einen Antrag des Beklagten auf Erteilung eines Erbscheins und Hoffolgezeugnissesu Der Antrag wurde surückgewiesen mit der Begründung, daß die streitige Besitzung kein Erbhof gewesen sei und sich deshalb nach bürgerlichem Recht auf die Kinder des Erblassers vererbt habe« Das Oberlandesgericht hat als Beschwerdegericht dazu im Beschluß vom 13* Februar 1952 ausgeführt, die Besitzung sei beim Inkrafttreten des Reichserbhofgesetzes nicht Erbhof geworden, weil der Eigentümer damals polnischer Staats- Dies gilt auch für die Erteilung oder Ablehnung eines HoffolgeZeugnisses, das lediglich einen auf den Hof beschränkten Erbschein darstellt (§ 18 Abs 2 HöfeO)o § 37 LVO sieht ein besonderes Feststellungsverfahren vor, in dem das Gericht mit einer erweiterten Feststellungswirkung für und gegen alle Beteiligten über bestimmte höferechtliche Fragen entscheidet. Pas Prozeßgericht kann jedoch in einem zu seiner Zuständigkeit gehörenden Rechtsstreit, solange eine rechtskräftige Entscheidung gemäß § 37 Abs 1 Buchst f LVO nicht ergangen ist, einen Streit über die Erbfolge in den Hof als Vorfrage auch selbst entscheiden. Das Berufungsgericht mußte also, wenn es nicht nach § 148 ZPO den Rechtsstreit bis zur Erledigung des FeststellungsVerfahrens aussetzen wollte, von sich aus prüfen, wer nach dem Tode des Erblassers Eigentümer des Hofes geworden ist* Das angefochtene Urteil läßt eine klare Stellungnahme zu dieser Frage vermissen» Mit dem Hinweis auf das Erbscheinsverfahren und der Bemerkung, die Kläger hätten im Zeitpunkt der Pachtverlängerung keinen Anlaß gehabt, in absehbarer Zeit mit einer Änderung des bisherigen Rechtszustandes (daß die Erbengemeinschaft Eigentümerin des Hofes sei) zu rechnen, bringt es lediglich zu dem Ausdruck, wie die Kläger die Rechtslage beurteilten» Es kommt jedoch nicht darauf an, wie die Kläger im Hinblick auf die Entscheidung im Erbseheinsverfahren die Rechtslage beurteilt haben oder beurteilen durften» Unerheblich ist auch, daß der Beklagte, als er im Jahre 1952 auf Grund des Art VI Nr 17 BrMilRegVO Nr 84 die Zuweisung der Besitzung beantragte, selbst von dem Bestehen einer Erbengemeinschaft hinsichtlich des Hofes ausging» Entscheidend ist vielmehr die wirkliche Rechtslage« Wenn das Berufungsgericht sich der Auffassung des Beschwerdegerichts im Erbscheinsverfahren, daß der Hof sich nach bürgerlichem Recht vererbt habe, anschließen wollte, hätte es dies begründen müssen» Soweit seine Ausführungen dahin zu verstehen sind, daß es der Rechtsauffassung des Beschwerdegerichts folgt, entbehren sie der ausreichenden Begründung, zu demal da der Beklagte in der Berufungsinstanz unter Überreichung einer Abschrift seines Peststellungsantrages gegen die Entscheidung des Beschwerdegerichts Einwendungen erhoben hatte, die eine Stellungnahme erforderlich machten» Die Bemerkung am Schluß der Entscheidungsgründe, in Anbetracht des Inhalts der Akten LwH 77/48 AG Unna beständen Zweifel, ob der Beklagte mit seinem Peststellungeantrag durchdringen werde, zeigt* daß das Berufungsgericht eine von der Auffassung des Beschwerdegerichts im Erbscheinsverfahren abweichende Entscheidung im Peststellungsverfähren zwar nicht für wahrscheinlich, aber immerhin für möglich hält» Wenn das Berufungsgericht, wie sich aus der Begründung der Ablehnung des Aussetzungsantrages ergibt, der Auffassung ist, den Klägern könne nicht zugemutet werden, daß der gegenwärtige Rechtsstreit bis zur endgültigen Entscheidung im Peststellungsverfahren in der Schwebe bleibe, dann muß es die Präge, wie der Hof sich vererbt hat, als Vorfrage selbst entscheiden« Die Sache mußte deshalb unter Aufhebung des angefochtenen Urteils nach Maßgabe der vorstehenden Ausführungen zur nochmaligen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden, dem auch die Ent-