BGH · V ZR 156/69
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Eine Revision ist unzulässige v/enn ein Erbe nach einer noch vom Erblasser eingelegten Revision lediglich den Antrag auf Vorbehalt der beschränkten Erbenhaftung stellt (Abgrenzung zu BGHZ 179 69)° Bor Erbe kann die Beschränkung seiner Haftung auch ohne ihren Vorbehalt im Bei’ufungsurteil geltend machen» Der Beklagten wird die Beschränkung der Haftung auf den Nachlaß des am 7» August 1964 verstorbenen früheren Beklagten (Erich für die bis zu dem 19° Dezember Angesichts der Zeugnisse über die Vermögens- und Pamilienvorhältnisse des verstorbenen Beklagten und der Revisionsklägerin sowie deren Darlegungen bei der Aufnahme des Rechtsstreits ist glaubhaft gemacht, daß der Erblasser keine wesentlichen Vermögenswerte hinterlassen hat und damit der Wert des Beschwerdegegenstands, der sich nach dem Interesse der Revisionsklägerin an der Beschränkung ihrer Haftung auf den Rachlaß bestimmt, Die Beklagte begehrt weder die Aufhebung noch die sachliche Nachprüfung des Berufungsurteils; sie stützt die Revision auch nicht darauf, daß in der Berufungsinstanz das Gesetz in Bezug auf das Verfahren verletzt worden wäre» Sie macht im Hinblick auf.§§ 781, 785 in Verbindung mit § 780 ZPO nur noch die Beschränkung ihrer Haftung als Erbin zwecks Aufnahme eines entsprechenden Vorbehalts in das ürteii geltende Ihr auf eine materiell-rechtliche Einrede gestützter Antrag stellt eine Verteidigung gegen die unbeschränkte Verurteilung des Erblassers dar, an dessen Stelle sie in der Revisiönsinstanz getreten ist» Entgegen dem revisionsrechtlichen Grundsatz, daß eine auf eine neue Tatsache gestützte Einrede in der Revisionsinstanz keine Berücksichtigung findet (§ 561 Abs, 1 ZPO; vgl, BGH IM ZPO § 78Q Hr, 8), ist die Einrede der beschränkten Erben-baftung allerdings dann zugelassen worden, wenn in der Tatsacheninstanz für diese Einrede noch kein Anlaß vorlag (RG BR 1944, 292, 294) oder, wie im Falle BGH2 17, 69, 73, ihre Erhebung noch nicht möglich war, weil der Erbfall erst nach der Einlegung der Revision eintrat und der Erbe erst in der Revisionsinstanz in den Rechtsstreit eingetreten ist« In diesem le tztge-nannton Fall hatte der Erbe das Urteil durch seinen Revisionsantrag zur rechtlichen Nachprüfung gestellt, der IIIo Zivilsenat hat im Zusammenhang mit dieser Überprüfung den erst nach dem Schluß der letzten Berufungsverhandlung eingetretenen Erbfall berücksichtigt und den Vorbehalt aus Zweckmäßigkeitsgründen in das Revisionsurteil aufgenommen, weil der Erbfall schon bei Aufnahme des Verfahrens durch den Rechtsnachfolger kraft Gesetzes (§ 259 ZPO) zu berücksichtigen sei und im Vollstreckungsverfahren die Gefahr bestünde, daß Instanzgericbte^ der Klage des verurteilten Erben aus §§ 785, 767 ZPO mangels Vorbehalt nach § 780 ZPO den Erfolg versagten. in der Revisionsinstanz ausgeschlossen ist, greift Jedoch dann nicht Platz, wenn das Berufungsurteil, abgesehen von dor Berücksichtigung der neu eingetretenen und vorgetragenen Tatsache, überhaupt nicht angefochtcn und in seiner rechtlichen Begründung zur Überprüfung gestellt wird, der mit dem Rechtsmittel der Revision verfolgte Zweck also völlig entfällt und die Tätigkeit des Revisionsgerichts sich nur auf die Anpassung des angefochtenen Urteils an dio veränderte Sachlage beschränken müßte« In einem solchen Fall muß es bei den Grundsatz verbleiben, der nur aus unabweisbaren prozoßökonomischen Gründen zu durchbrechen ist, daß das tatsächliche Vorbringen am Schluß der Bcrufungsverbandlung und die in diesem Seitpunkt gestellten Anträge die Urteilsgrundlago für das Revisionsgericht bilden« ..Es bedarf aber auch der Verhütung von Zweifeln darüber, daß beim Versterben des verurteilten Beklagten während der Revisionsinstanz der in das Verfahren ein-gotretenc Erbe die Revision nicht etwa zwecks Erhaltung der Vollstreckungsgegenklage durchzuführen braucht« Solche Zweifel könnten sich nach Zulassung der Einrede der beschränkten Erbenhaftung in^ der Revisionsinstanz deshalb ergehen, weil § 780 ZPO zur Erhebung dieser Einrede im Erkenntnisverfahren zwingen will, die den Umfang dor Verpflichtung des Beklagten berührt und durch das Endurteil ihre Erledigung finden soll (vgl« HAH1T, die gesamten Materialien zur ZPO, gemäß § 97 ZPO zur Last fallen, war deren Einwendung Rechnung zu tragen und die Beschränkung ihrer Haftung für die Kosten auszusprechen, die bis zu dem Zeitpunkt der Aufnahme des Rechtsstreits (19• Dezember 1969) entstanden waren (RG HRR 30, 433)»