BGH · V ZR 148/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bei einer Klage auf wiederkehrende Leistungen werden die nach Klagerhebung fällig gewordenen Beträge, gleich oh sie beziffert zu dem Gegenstand eines besonderen Antrags gemacht werden oder nicht, in keiner Instanz streitwert-mäßig selbständig berücksichtigt. Der letztere Antrag (Nr. 2) ist nach § 9 ZPO mit dem 12 1/2fachen Jahresbetrag zu bewerten, also mit 350,— DM x 12,5 * 4 375,— DMo Der Summenantrag (Nr. 1) setzt sich aus den bis zur letzten mündlichen Verhandlung im Berufungsverfahren fällig gewordenen Jahresbeträgen zusammen. Seine streitwertmäßige Berücksichtigung hängt davon ab, ob und inwieweit bei einer Klage auf wiederkehrende Leistungen diese sogenannten Rückstände über § 9 ZPO hinaus einen eigenen Streitwert bilden. 1169, Kiel JW 1927, 1328; Wieczorek ZPO § 9 A III a), die herrschende Auffassung bei der Klagerhebung (RGZ 19, 416 - Plenarentscheidung 23, 359; 58, 293; 114, 274; JW 1935, 3308; BGHZ 2, 74, wo zwar für die Peststellungsklage abweichend entschieden, im übrigen jedoch der Grundsatz anerkannt wird; OLG Königsberg JW 1925, 2151» München JW 1935, 3172; Sie trägt einerseits dem praktischen Gesichtspunkt Rechnung, daß die Klagerhebung einen natürlichen Einschnitt darstellt, und berücksichtigt andererseits am besten den Grundgedanken des § 9 ZPO, der Streitwertbemessung bei Rechten vor. der Wert des Streitgegenstands bei Beendigung der Instanz höher ist als bei ihrem Beginn, der höhere Wert zugrunde zu legen ist; denn diese Bestimmungen betreffen den Fall einer Wertänderung des (wenn auch gleichbleibenden) Streitgegenstands seit Klagerhebung; in dem zu entscheidenden Fall aber ist nicht nur der Streitgegenstand, sondern auch sein Wert unverändert geblieben; geändert hat sich nur die Fälligkeit eines Teils der Leistungen, das spielt jedoch fUr den Streitwert keine Holle, Die genannten Bestimmungen wollten lediglich den infolge Geldentwertung ira Laufe des Rechtsstreits eintretenden Veränderungen des Streitwerts Rechnung tragen, nicht Uber ihren ursprünglichen Umfang hinaus auch die Frage der selbständig zu berechnenden Rückstände neu regeln (RGZ 114p*274). Die selbständige streitwertmäßige Berücksichtigung der bis zur Rechtsmitteleinlegung fällig gewordenen wiederkehrenden Leistungen hätte das Unnatürliche Ergebnis, daß bei solchen Klagen der Streitwert in jeder Instanz zwangsläufig höher würde; damit würde aber der von § 9 ZPO beabsichtigte feste Bemessungeraaßstab zerstört. Schließlich ist die Frage für den Gebührenstreitwert neuerdings vom Gesetzgeber im Sinn der herrschenden Auffassung entschieden (§ 13 Abs. 5 GKG in der Fassung vom 26. Dabei kann es (entgegen OLG Celle NJW 52, 1221) keinen Unterschied machen ob die seit Klagerhebung fällig gewordenen Beträge vom Kläger aus dem Klagantrag auf wiederkehrende Leistungen herausgenommen und zu dem Gegenstand eines bezifferten weiteren Klag-ontraga gemacht werden, wie im vorliegenden Falle, oder nicht; öenr ist nur eine Äußerlichkeit, die den Wert des Streitgegenstands ebensowenig erhöhen kann, wie etwa eine Häufung von Ansprüchen mit demselben wirtschaftlichen Gegenstand im */eg der Klage oder Widerklage (Stein/Jonas/Schönke/Pohle aaO 5511). Im vorliegenden Fall stammt von dem bezifferten Klag-antrag ein Jahresbetrag (Jahr 1938) mit 350 HM = 35 DM aus der Zeit vor der Klagerhebung (vgl* blaues Aktenheft 2 0 49/38 = 2 0 6/41 Bl. 32); er ist daher zu dem Streitwert des Zweitantrags hinzuzurechnen.