BGH · V ZR 147/57 vom 05.07.1957
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Mai 1956 wollte der Kläger an der entsprechenden Stelle des umgebauten Hauses einen bis etwa in Kniehöhe herabreichenden Seitz-Doppeletagen-Automaten mit einer Höhe von 1550 mm, einer Breite von 607 inm und einer Tiefe von 220 mm anbringen lassen, durch den im Sommer Rollfilme und im Winter Hustenmittel verkauft werden sollten, Da das Wandstück schmaler als der Automat ist, hätte dieser etwa 1Ö cm Über die Hausgrenze hinaus vor das ßast-wirtschaftsgebäude gereicht und zwar vor die dort befindliche, etwa 15 cm breite, und das Regenabflußrohr enthaltende Vertiefung in der Hauswand, an die sich ein Nebeneingang der anschließt. maten derart, daß er die Hausgrenze überragt, zu verhindern, lieiB die Beklagte in der Y/andvertiefung unmittelbar neben der Ecke des Hauses des Klägers (zwischen dem Regenabflußrohr und dieser Ecke) ein (später durch eine Blechplatte ersetztes) Brett anbringen, das seitlich zu dem Bürgersteig hin vorragt. Der Kläger hält die Beklagte nicht für berechtigt, die Anbringung des Automaten trotz Überrägens vor ihre Rauswand' zu verhindern, da er durch den Überbau das Eigentum an dem £ rund und Boden in der früheren Grass enbreite nicht verloren habe. fung im übrigen unter Abänderung des Urteils des Landgerichts den Klagoanspruch zu 5 (Überbaurente) dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt, der Beklagten die Geltendmachung ihrer beschränkten Erbenhaftung Vorbehalten und die Sache zur Verhandlung und Entscheidung über die Höhe des Klageanspruchs zu 5 an das Landgericht zurück-verwiesen» U Der Umstand, daß aas Grundstück, auf dem die Gastwirtschaft ,lSt4HHHHH),, betrieben wird, nicht der Beklagten als Alleincigentümerin, sondern der Beklagten und ihren beiden Töchtern in ungeteilter Erbengemeinschaft gehört, steht der Geltendmachung der noch in Streit befindlichen Ansprüche des Klägers gegen die Beklagte allein nicht entgegen« Die Ansprüche zu 1 und 2 richten sich gegen Maßnahmen, die von der Beklagten allein ergriffen wurden, und mit den Ansprüchen zu 3 und 4 werden nur die Folgen dieser vom Kläger als unberechtigt bezeichneten Maßnahmen geltend gemacht» 2, ln sachlicher Hinsicht geht das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum davon aus, daß der auf die Gasse zwischen den beiden Häusern übergebaute Veil des Gebäudes der "StJlfe-4HMP" nicht Eigentum des Klägers, sondern der Erbengemeinschaft zwischen der Beklagten und ihren beiden Ibchtern ist« Der RechtsVorgänger des Klägers hatte in der Grenzverhandlung vom 26, August 1933 der Überbauung der Gasse zuge- 216, 219)» War aber der Überbau entsprechend der Vorschrift des § 912 Abs. 1 BGB erfolgt, so war der Uber die Grundstücksgrenze gebaute Teil des Gebäudes der tfStadtschänke(t wesentlicher Bestandteil nicht der überbauten Gasse und damit nicht des Grundstücks des Rechtsvorgängers des Klägers, sondern des Gebäudes der damit des Grundstücks selbst, auf dem dieses sich befindet, geworden und dadurch in das Eigentum des verstorbenen Ehemanns der Beklagten gefallen (Urteil des Senats vom 30. gleich berechtigt wäre, mit dem Automaten eine auch nur geringfügige Fläche des auf die frühere Gasse Übergebauten Teils des Gebäudes der "StflBHBHHfe* zu bedecken« Bern kann jedoch nicht gefolgt werden» Die Entscheidung der Frage, ob die Beklagte zur Anbringung der Platte berechtigt war, hängt vielmehr, davon ab, ob sich die Platte Über dem Grundstück der befindet» Dies ist vom Berufungsgericht jedoch nicht festgestellt« Aus dem in dem Tatbestand des angefochtenen Urteils aufgeführten Umstand, daß sich in der Wand des auf die frühere Gasse über« gebauten Teils des Gebäudes der sine etwa Dies hätte aber zur Folge, daß sich das Recht des Klägers als Eigentümer dieser Fläche nach § 905 BGB auf den Raum über dieser Fläche, also auf den Luftraum in der Wandvertiefung erstrecken und damit die Platte in das Eigentumsrecht des Klägers eingreifen würde» Diese Folgerung vermag der Senat allerdings nicht zu ziehen, weil die Möglichkeit nicht auszuschließen ist, daß sich die Wandvertiefung nur über der Erdoberfläche befindet, darunter aber die frühere Gasse in vollem Umfang überbaut ist« In diesem Falle würde nämlich der Luftraum in der Wandvertiefung über dom übergebauten Teil des Gebäudes der "StÄh liegen und das Eigentumsrecht der Erbengemeinschaft zwischen der Beklagten und ihren beiden Töchtern sich, damit nach § 905 BGB auf diesen Luftraum erstrecken (Meisner/Stern/ Hodes aaO § 1 II 2 S» 9)» Die Entscheidung über den Anspruch auf Beseitigung der Platte hängt daher noch von weiteren tatsächlichen Feststellungen ab» Dabei ist ohne Bedeutung, ob die Platte etwa in den übergebauten Teil des Gebäudes der «SttBMB»« und damit in das Eigentum der Erbengemeinschaft eingefügt wui*de, Diese Einfügung wäre.da sie nur die Anbringung des Automaten verhindern sollte, nur zu eine® vorübergehenden Zweck erfolgt und hätte daher die Platte nach § 95 Abs. 2 BGB nicht zu dem Bestandteil des Gebäudes der "Stadtsehänke11 gemacht* Es könnte deshalb schon aus diesem Grunde hinsichtlich der Anbringung der Platte von einem weiteren Überbau auf das Grundstück des Klägers nicht gesprochen werden. Der Annahme eines Überbaus nach § 912 Abs. 1 BGB würde, wie die Hevision zutreffend hervorhebt, ferner entgegenefcehen, daß die Platte gegen den Widerspruch des Klägers angebracht wurde. Eine Beeinträchtigung des Eigentums der Beklagten und ihrer Miterben an dem übergebauten Gebäudeteil der MSt®B^ im Sinne des *§ 1004 BGB, welche die Beklagte nach § 2038 Abs. 1 Satz 2, 2« Halbsatz BGB allein abwehren könnte, würde nur dann vorliegen, wenn der Automat entweder die Gebäudefläche des übergebauten Gebäudeteils der "StflBh-iu diner die Gebäudefläche beschädigenden Weise berühren oder wenn das Eigentumsrecht der Beklagten und ihrer Hiterben (wie dies nach den Ausführungen zu 3 auch Voraussetzung.für das Hecht der Beklagten zur Anbringung der Platte ist) sich auf den Luftraum in der Wandvertiefung erstrecken und der Automat in diesen Luftraum hineinragen würde* Las Vorliegen aller dieser Voraussetzungen für eine Beeinträchtigung des Eigentums, der Beklagten und ihrer Miterben durch den Kläger ist jedoch vom Berufungsgericht nicht festgestellt und bei dem gegebenen Sachverhalt, ohne daß dieser allerdings schon jetzt mit Sichex*-heit.die Annahme des Gegenteils zuläßt, auch nicht wahrscheinlich* Es bedarf deshalb insoweit noch weiterer Feststellungen, gegebenenfalls auf Grund eines Augenscheins« Sollte sich auf Grund dieser Feststellungen ergeben, daß der Automat das Eigentum der Beklagten und ihrer Miterben nicht in .dem vorstehend dargelegten Sinne beeinträchtigen würde, so bedarf es noch der Entscheidung der Frage, ob schon das bloße Verdecken eines Teils eines Gebäudes derart, daß die Sicht auf das Gebäude gestöx't ist, eine Beeinträchtigung im Sinne des § 10Ö4 BGB darstellt* Biese Frage ist zu verneinen» Zu den Einwirkungen auf das Eigentum im Sinne der §§ 903, 906, 907‘, 1004 BGB gehören nur unmittelbare Ein-' wix’kungen sinnlich wahrnehmbarer Stoffe, also*Einwirkungen, bei denen eine Grenzüberschreitung stattfindet, nicht dagegen die sogenannten negativen Einwirkungen, bei denen nur natürliche Zuführungen abgehalten, insbesondere Licht, Luft oder Aussicht entzogen werden (Ux*teile dee Senats vom 16. § 903 Anm* 16), Um eine Einwirkung dieser Art wurde es sich aber auch hier handeln, wenn durch den überragenden Automaten lediglich.die Sicht auf das Gebäude der “Stffl^-■■■V beeinträchtigt würde, ihrem Eigentum liegenden Bürgers tei g beeinträchtigen würde und dies in entsprechender Anwendung des § 1004 BGB einen Abwehransjpruch gegen den Kläger begründen könnte« Ein Abwehranspruch nach § 1004 BGB unter diesem Gesichtspunkt ist jedoch deshalb zu verneinen, weil der Gemeingebrauch dem öffentlichen Hecht untersteht und für den Straßenanlieger keine privatrechtliche Befugnis, die allein einen Abwehranepyüch nach § 1004 BGB rechtfertigen könnte, begründet (EGZ 123, 181, 184/185? 6« Für den Fall, daß der Automat in den Luftraum, auf den sich das Eigentum des Klägers erstreckt, oder lediglich in den Luftraum über dem Bürgersteig vor dem Gebäude der ''SttfMBBNBP'1 hineinragen Würde, ohne das Eigentum der Beklagten und ihrer Miterben unmittelbar zu beeinträchtigen, bleibt schließlich noch zu prüfen, ob nicht das nachbarliche GemeinschaftsVerhältnis zwischen den Parteien der Anbringung des Automaten entgegenstehen würde« Der Ausgleich widerstreitender Interessen geschieht zwar in erster Linie durch die nachbarrechtlichon Gesetzesvorschriften» Greifen diese aber nicht durch» so ist noch zu beachten, daß aus dem nachbarlichen Geraeinschaftsverhältnis eine Hechtspflicht zu gegenseitiger Rücksichtnahme entspringt, welche die • Ausübung eines bestehenden Hechts des Grundstückseigentümers unzulässig machen kann und sich als Anwendung der Hegeln von Treu und Glauben auf den besonderen Fall des nachbarlichen Zusammenlebens darstellt (IM § 903 BGB Nr» 1 und 2; ferner Urteile des Senats vom 9. Bei der Entscheidung der Frage, ob die* aus dem nachbarlichen Gemeinschaftsverhältnis zwischen den Parteien sich ergebenden Pflichten die Anbringung dos Automaten so, wie sie vom Kläger beabsichtigt ist, unzulässig machen, ist davon auszugehen, daß eine aus dem nachbarlichen Gemeinschafttsverhältnis sich ergebende Beschränkung an sich bestehender Eigentumsrechte eine durch zwingende Gründe erforderte Ausnahme eein muß (3M § 903 BGB Nr» 1 und 2)» Ob