BGH · V ZR 139/51
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Sache wird.zur anderweiten 7er- ■ handlnng und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen, dem auch die Entscheidung über die Kosten der Revisions instanz übertragen wird./ einen notariellen Kaufvertrag über das Hausgrundstücko verpflichtete sich, als Kaufpreis..eine Monatsrente von 120 DM an Frau zu bezahlen.. Er verfügte aber nicht über genügend Mittel, zahlte die Rente unpünktlich und schlug schließlich den jetzigen Kläger an seiner Statt als Käufer vor» Dieser bot bei den wieder durch Rechtsanwalt T-4NMNI -.geführten Verhandlungen nur eine' Rente von 100 DM, jedoch.zusätzlich einen einmaligen Kapitalbetrag von 500 DM an-,, erklärte sich aber schließlich bereit, bis einschließlich Dezember 1949 noch 120 DM-monatlich zu bezahlen. an■ ihren ;; Anwalt Mit diesem Wechsel auf der Käuferseite einverstanden, wollte aber , daß der Kläger den'Monats betrag von 120 DM noch bis einschließlich März 1950 entrichte, Am 29o Oktober.1949 wurden zu Urkunde des Notars HflHi zwei Verträge geschlossen, in deren' einem der Kaufvertrag mit, aufgehoben wurde, während. November 19.49, und gegen die Übernahme ei-vier Hypothekbelastung von rund 25 000 DM an den Kläger verkauft wurdet; Beide Verträge schloß Rechtsanwalt Dr„ ^VMMl "nach seinen Angaben handelnd in Vollmacht von Frau Christine IV.1 Zugleich zahlte der Kläger außerhalb des Vertrags-zu Händen von Rechtsanwalt Dri F^Mi 600 DM. 1.) den Beklagt enzu^erunte^en^ .dem^Rgh/bsanwalt eine Vollmacht in grundbuchmäßiger Form zur Abgabe aller Willenserklärungen zu erteilen, die zur Durchführung des Vertrages zwischen der verstorbenen . den Beklagten zu verurteilen, die in dem vorgenannten Vertrage.enthaltenen Willenserklärungen der Frau.Mjl(| zu genehmigen, .3») hilfsweises den Beklagten zu verurteilen, an ihn 9 812,6? Er macht geltend, Dr» P)0HH|'habe.'Vollmacht zu dem Abschluß des Kauf Vertrags gehabt »Überdies habe Frau M(gm den Vertrag nachträglich genehmigt» Der Beklagte sei verpflichtet; durch Abgabe entsprechender Erklärungen den Vollzug des Kaufvertrags zu ermöglichen» Der Beklagte hat Klagabweisung beantragt» Er behauptetfj der Anwalt habe nur Vollmacht zu Verhandlungen, nicht aber zu dem'Abschluß gehabt» Eine Genehmigung durch Frau hat Das Lanagericht hat -gemäß:den Klageantrag urteilt, aas ''Oberlandesger icht die Berufung de zurückge wiesen.» Mit der Revision beantragt der Beklagte, unter Auf he bung des.angefochtenen Urteils in Abänderung des landgerichtlichen Urteils die Klage abzuweisen, .hilfsweise die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweiseni Der Kläger bittet um Zurückweisung der Revision Entscheidungsgründe In den Gründen des Berufungsurteils ist ausgeführt, Rechtsanwalt Br J B^HHIsei auf Grund formloser, aber wirksamer Vollmacht der’Frau zxm Abschluß des Kauf- vertrags im Namen der Beklagten berechtigt gewesen» Die hierauf sich beziehenden Darlegungen des Berufungsgerichts lassen keinen Rechtsirrtum erkennen, werden auch von der Revision nicht angegriffen« Sie zieht auch nicht grundsätzlich in Zweifel, daß der Beklagte für den Fall" der Gültigkeit des Kaufvertrags verpflichtet wäre, die vom Klä ger verlangten Erklärungen .abzugeb.eh-o Da ein Grundstückskaufvertrag gemäß § 313 BGB in notarieller Form geschlossen werden müsse und alle Abreden dem Formzwang unterlägen, der einen Teil der Gegenleistung bildende Betrag von 600 Dil aber außerhalb des Vertrages ohne Er- § 4 der Verordnung über die Preisüberwachung und die Rechtsfolgen von Preisverstößen im Grundstücksverkehr vom 7« Juli 1942 (RGBl I, 451) bestimme jedoch, daß das beurkundete Entgelt als vereinbart gelte, wenn die Vertragsteile in Täuschungsabsicht ein geringeres Entgelt als das vereinbarte hätten beurkunden lassen, daß also ohne Rucksi her Vereinbarte der beurkundete Verti solle« Allerdings sei nichts darübe die Verpflichtung zur Zahlung von' tariellen Vertrag aufgenommen word zu demal der nicht beurkundete Teil des Entgelts gegenüber dem Geschäftswert des Vertrags überhaupt nicht ins Gewicht falle, nichts dafür vor, was für eine Täuschungsabsicht sprecheo § 4 sei aber bei fehlender Täuschungsabsicht entsprechend anwendbar, weil nicht einzusehen sei, warum den mit dem Makel der Täuschungsabsicht behafteten Willenserklärungen eine stärkere Rechtswirkung zukommen solle als solchen, denen diese verwerflichen Beweggründe nicht zugrunde lägen o Gegen die Meinung des Berufungsgerichts spricht schon der Wortlaut des § 4- Die Rechtsauffassung des Vorderrichters führt dazu, § 4 so anzuwenden, als wenn er die Worte " in Täuschungsabsicht" nicht enthielte» Der Gesetzgeber hat aber diese Einschränkung bewußt gemacht« Die Formvorschrift des § 315 BGB bezweckt, den Verkäufer vor Übereilung zu schützen, dem häufigen Wechsel des Eigentums an Grund und Boden im allgemeinen Interesse entgegenzutreten ;f| In § 4 der VÖ ist von-der nach § i25 BGB"bei ■ Verletzung des 'Formzwangeä eintretenden Nichtigkeit' eine Ausnahme gemacht» Anlaß hierzu war der Mißstanddaß"-häufig Parteien den Kaufpreis in der Veräußerungsurkunde bewußt zu niedrig angabeh,-so daß die-feit ihr befaßten Behörden, welche-sich'für.ihre Entscheidungen nür gaüf•den beurkund -. deten Inhalt -stützen konnten, von einem "falschen'Kaufpreis ausgingen»- Auchtwar -eS: mißlich, daß auf.;Grund der Ver- : tragsurkunde erteilte behördliche Genehmigungen wirkungslos blieben, wenn' in Wahrheit ein höherer Kaufpreis vereinbart war* Gedacht war bei der in § 4 getroffenen Rege-lung, wie die Überschrift der Verordnung zeigt, in erster Linie an dieipreisbehördenBli eb der beurkundete niedrigere Preis maßgebend und das Geschäft - gültig, so war dies ein Anreiz für den Erwerber, den-wirklichen Preis aufZudecken, um das Grundstück gegen die Entrichtung des geringeren Preises zu erhalten, oder, falls der überhöhte Preis schon bezahlt war, den unzulässigen Mehrbetrag nach § 5 zurückfordern'zu'können» Nach dem früheren Rechts zustande war . Ist demnach der Gesetzeszweck, die Beteiligten davon abzuhalten, durch falsche Kaufpreisangaben-in .der Urkunde die Behörden zu täuschen, so verbietet sich die Anwendung auf- Eäl-ley in denen solche Absicht fehltc Die Begünstigung des Erwerbers in § 4 ist nicht Selbstzweck und nicht seinetwegen angeordneto Daher geht die Erwägung des Berufungsgerichts fehl, auch eine ohne lauschungsabsicht veranlaßte Beurkundung eines zu niedrigen Kaufpreises müsse für die Gültigkeit des Vertrages unschädlich sein« Dai3 auch die das Berufungsgericht die Absicht dahin verstanden hat, die Täuschung 1 der Behörde müsse der Beweggrund für die Angabe eines zu niedrigen Preises bei der Beurkundung gewesen sein» Eine solche Auslegung hält.der Senat in Übereinstimmung mit . Die Revision hat zur Abwehr des Klageanspruchs sich auch auf Wegfall der Geschäftsgrundlage'.berufen, da beide Parteien erkennbar davon ausgegangen seien, daß Frau Meyer noch eine geraume, wenn auch unbestimmte Zeit am leben bleiben wurde * Der Einwand der Revision greift : aber nicht durch* Der Verkauf eines Grundstücks gegen Leibrente auf Lebenszeit ist für beide Parteien ein Wagnis, das sie bewußt,übernehmen * Keine Partei kann.daher, wenn der Leibrentenberechtigte unverhältnismäßig früh.oder spät stirbt, hiewegen eine Änderung der vertraglichen Leistungen begehren* Pur die weitere Behandlung der Sache durch das Oberlandesgericht ist noch auf folgendes hinzuweisens Die Schwierigkeiten, die sich durch die Verknüpfung des Klageantrags zu 1) mit einer Einzelperson (Rechtsan-; . In dieser Richtung wird das Berufungsgericht, falls es nicht die Wirksamkeit des Vertrages wegen Formverstos ses verneint, noch Feststellungen zu treffen haben«