BGH · V ZR 133/63 vom 08.03.1966
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in S( - Prozeßbevollmächtigter: Hechtsanwalt 2)r. Der V ® Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 80 Marz 1966 unter Mit-v/irkung des Senatspräsidenten Dr® Augustin sowie der Bundesrichter Dr® Piepenbrock, Dr® Rothe, Dr. Mattem und Dro Grell für Recht erkannt: Der Kläger hat von seinen Eltern ein landwirtschaft-liches Anwesen in Größe von 5,2 ha geerbt® Da er als Kind einen Arm verloren hat, wird die Besitzung auf seine Been-nung von seiner Schwester und deren Ehemann bewirtschaftet® Der Kläger selbst ist als Angestellter bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft tätig® Durch notariellen Vertrag vom 2® Juli I960 kaufte er von der Familie von Grundstücke in einer Ge samt grüße von 21,386 ha zu dem Preise von 80 000 DM® Etwa 3,5 ha sind Weinbergsgelände® Um den Kaufpreis aufbringen zu können, verkaufte der Kläger durch Vertrag vom 25° August i960 60,93 a seines Grundbesitzes zu dem Preise von 6 000 DM an seinen Vetter Paul Er behielt sich in dem Vertrag ein Rücktrittsrecht mit einer Frist von 2 Wochen vor für den Fall, daß der Kaufvertrag vom 2o Juli I960 nicht genehmigt werde und er etwa durch Ausübung des Vorkaufsrechts Uv nicht Eigentümer des gekauften Grundbesitzes werden würdeo Durch Beschluß vom 9* November I960 genehmigte das Band-värtschaftsgericht den Kaufvertrag vom 2o Juli I960«* Die Verkäufer unterrichteten die Beklagte mit einem am 29« November I960 bei ihr eingegangenen Schreiben vom 28« November I960 von der Genehmigung des Kaufvertrageso Die Beklagte teilte den Verkäufern mit Schreiben vom 20<> De-» zember I960, zugestellt am 24° Dezember I960, mit, daß sie von dem ihr nach dem Reichssiedlungsges et z zustehenden Vorkaufsrecht Gebrauch macheo Der Kläger ist der Auffassung, daß das Vorkaufsrecht nicht rechtzeitig ausgeübt sei » Im übrigen hält er die Geltendmachung des Vorkaufsrechte für unwirksam, weil Sachbearbeiter und Beauftragte der Beklagten ihm schon vor dem Verkauf seiner eigenen Grundstücke und auch später wiederholt zugesichert hätten, daß das Vorkaufsrecht nicht ausgeübt werde, weil eine Neuansiedlung in diesem Gelände wegen der erforderlichen hohen Aufwendungen nicht in Betracht kommeo Abgesehen hiervorn stelle die Geltendmachung des Vorkaufsrechts eine unzulässige Rechtsausübung dar, weil der landwirtschaftliche Betrieb des Klägers nach dem Verkauf eines Teiles seiner Grundstücke nicht mehr existenzfähig sei und er von dem Verkauf nicht mehr zurücktreten könne0 Die Beklagte hat Abweisung der Klage beantragt» Sie bestreitet, sich dem Kläger gegenüber zur Nichtausübung des Vorkaufsrechts verpflichtet zu haben, und hält auch im übrigen die Geltendmachung des Vorkaufsrechts für wirk- Das Berufungsgericht hat die Rechtswirksamkeit der Verordnung über die Ausübung des Vorkaufsrechts mit Recht bejahte Die Bedenken der Revision, die sich gegen das Vorhandensein einer ausreichenden Ermachtigungsgrund-läge richten, sind nicht begründete Die Verordnung vom 15. setzes zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24 o März 1933 (RGBl I, 141), des sogenannten Ermächtigungsgesetzes, von der damaligen Reichsregierung erlassen wurde o Die Revision erhebt Bedenken gegen die Rechtsgültigkeit des Ermächtigungsgesetzes <> Biese Bedenken werden daraus hergeleitet, daß bei der Abstimmung im Reichtag wegen der Ausschließung einer größeren Zahl von Abgeordneten die nach der Weimarer Verfassung erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht erreicht gewesen sei o Bas Bundesverfassungsgericht hat zwar Bedenken gegen die Verfassungsmäßigkeit des Ermächtigungsgesetzes geäußert , jedoch wiederholt Gesetze und Verordnungen, die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassen wurden, angewandt und dadurch zu erkennen gegeben, daß es sie nicht schon aus diesem Grunde ohne Prüfung ihres Inhalts für nichtig hälto Es hat vielmehr ausgesprochen, daß die Beseitigung nationalsozialistischer Rechtsvorschleiften, die nach den Verfassungsgrundlagen, die das "Britte Reichn sich selbst geschaffen habe, formell ordnungsgemäß erlassen und von den Mitgliedern der Rechtsgemeinschaft hingenommen worden seien und jahrelang unangefochten bestanden hätten, soweit sie nicht offenbares Unrecht enthielten, aus Gründen der Rechtssicherheit dem Gesetzgeber überlassen bleiben müsse (BVerfGE 6, 389, 414 mit weiteren Nachweisen)o Biese Grundsätze gelten auch für den vorliegenden Pallo Bie Vorschriften des Siedlungsergänzungsgesetzes und auch der Verordnung über das Vorkaufsrecht enthielten, wie das Oberlandesgericht zutreffend ausführt, kein offenbares Unrecht» Sie sind deshalb gemäß Art«, 123, 125, 74 Nr* 18 GG Bundesrecht geworden» Die Ermächtigung zu dem Erlaß von Durchführungs- und Ergänzungsvorschriften war sehr weitgehend«, Sie erstreckte sich auf die Änderung von Reichs^ und Landesgesetzen und damit auch auf eine Änderung des Reichs Siedlungsgesetzes«, Gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, die Verlängerung der Frist für die Ausübung des Vorkaufsrechts sei durch die Ermächtigung des § 9 Abs* 2 ErgRSG gedeckt, weil in den durch das Siedlungsergänzungsgesetz geregelten Fällen des Erwerbs eines mit einer Hypothek belasteten oder eines verpachteten WuSHStteks zur Klärung etwaiger Vorfragen längere Fristen erforderlich gewesen sein könnten (siehe auch Pfunötner/ Neubert, Das neue Reichsrecht HI b 19 So 19), sind rechtliche Bedenken nicht zu erheben» Art«, 80 GG, der den Erlaß von Rechtsverordnungen regelt, berührt, wie das Oberlandesgericht gla.ichfalls unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE 2, 307, 326) zutreffend hervorhebt, die vor dem Inkrafttreten des Grundgesetzes ergangenen Verordnungen nicht o Solche Verordnungen werden nicht deshalb ungültig, weil oie den Anforderungen des Grundgesetzes nicht entsprecheno Ergänzend mag noch bemerkt werden, daß der erkennende Senat als Senat für Landwirtschaftssachen bereits im Beschluß vom 9o Februar 1955 (V BLw 71/54 LM § 2 RSG Nr» 1) von der Rechtsgültigkeit der TlrOrdnung über das Vorkaufsrecht aus~ gegangen ist«, Auch der Bundesgesetzgeber hat die Verordnung vom 15o April 1937 als fortbestehend behandelt,, Die Verordnung ist in Teil III des Bundesgesetzblattes (BGBl III, Folge 7, 2331 - 3) aufgenommen worden» Durch Aufnahme in diese Sammlung werden allerdings ungültige Vorschriften nicht gültig (§ 3 Abso 4 des Gesetzes Uber die Sammlung des Bundes- Gegen die Rechtswirksamkeit der Verordnung vom 15» April 1937 sind deshalb rechtliche Bedenken nicht zu erheben» Mit dem Berufungsgericht ist somit davon auszugehen , daß die Beklagte das Vorkaufsrecht rechtzeitig aus« geübt hat» Der Auffassung der Revision, das Vorkaufsrecht könne sich nicht auf die Weinberge erstrecken, weil Weinbergsgelände nicht schlechthin zu den landwirtschaftlichen Grundstücken im Sinne des § 4 RSG zu rechnen sei, kann nicht ge~ folgt werden. Grundstücke nicht unter das siedlungsrechtliche Vorkaufsrecht fallen, ist allgemein anerkannt 0 In den auf Grund des § 26 RSG erlassenen Ausführungsbestimmungen des Reichsar-beitsministers zu dem Reiehssiedlungsgesetz vom 26» September 1919 (RMB1 1143)'- abgedruckt bei Ponfick/Wenzel, Reichs-Siedlungsgesetz 3« Auf 1 « So 43 - zu § 4 RSG heiBfc es ledig-lieh, daß der Begriff "Grundstück” im wirtschaftlichen Sinne zu verstehen sei* Den Begriff des "landwirtschaftlichen” Grundstücks hat der Gesetzgeber offenbar als bekannt vorausgesetzt « Man versteht darunter ein Grundstück, dessen Bewirtschaftungsart und Nutzung sich als eine landwirtschaftliche kennzeichnen (Ponfick/Wenzel aaO So 132)» Diese Merkmale sind beim Weinbergsgelände gegebene in den Vorschriften, die für ihren Geltungsbereich den Begriff der Landwirtschaft oder des landwirtschaftlichen Grundstücks erläutern, wird bei der Aufzählung der verschiedenen landwirtschaftlichen Betriebsarten auch der Weinbau zur Landwirtschaft gerechnet (vglo Z0B0 Richtlinien zu § f der Grundstückverkehrsbekanntmachung vom 26» Januar 1937 - RGBl I, 35 abgedruckt bei Rieeke/von Manteuffel, Der Ländliche Grundstücksverkehr, 2» Auflo So 44; BrMilRegVQ Nro 84 ArtQ III Nr0 7 a; Erlaß des Landwirtschaftsministeriums WUr1temberg~Ba den vom 29o Dezember 1947, abgedruckt bei Friese, Landwirtschaftsrecht der amerikanischen Besatzungszone So 230; § 1 Abso 3 der Reichspachtschutzordnung ; GrdstVG § 1 AbSo 2) <> Es besteht kein Anlaß, den Begriff des landwirtschaftlichen Grundstücks im Sinne des § 4 RSG anders auszulegen; denn auch Grundstücke, auf denen Weinbau betrieben wird, können für die Zwecke, de~ nen das siedlungsrechtliche Vorkaufsrecht dienen soll, verwandt werdeno Daß Weinberge zu den landwirtschaftlichen Grundstücken im Sinne des § 4 RSG gehören, wird auch, soweit ersichtlich, nirgends in Zweifel gezogen« Die vom Kläger gekauften Grundstücke sind deshalb, auch soweit es sich um Weinbergsgelände handelt, landwirtschaftliche Grund- Daß die Beklagte durch sachfremde Erwägungen zur Geltendmachung des Vorkaufsrechts bestimmt worden sei, hat das Berufungsgericht - von der Bevision unbeanstandet ~ nicht festgestellt« Im übrigen