BGH · V ZR 124/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Vo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 23o Juni 1967 unter Mitwirkung dos Senatspräsidenten Dre Augustin und der Bundesrichter Dr, Rothe, Dr* Mattern, Hill und BroGrell für Recht erkannt: Hinsichtlich der Klage wird die Revision des Beklagten gegen das Urteil des 1Öo Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Köln vom 31» Mai 1965 zurückgewiesen » Der Kläger begehrt mit der Klage auf Grund Vereinbarung vom Mai 1953 Unterlassung 1.der Errichtung von Garagen auf einem 10 m breiten seitlichen Grenzstreifen des Grundstücks des Beklagten, 2«, einer anderen als gärtnerischen Gestaltung dieses Streifens» bene Vorstandsmitglied des beklagten Verbandes, dahin, daß der Kläger seine vorher verweigerte Zustimmung zu dem Bau des Bürogebäudes des Beklagten erteilte und Dr. S|^^HVdie Unterlassung einiger Baumaßnahmen zusagte o Nach der Behauptung des Klägers bezog sich diese Zusage auch auf einen senkrecht zur Stras-senfront (Alter Stainmheimer Weg) gelegenen Grenzstreifen von 10 m Breite und hatte zu dem Inhalt, daß der Beklagte dort weder Garagen noch sonstige Gebäulichkeiten erstelle, sondern ihn gärtnerisch ausgestalte* Der Beklagte will nur hinsichtlich eines andern, nära- Das Berufungsgericht bejaht rechtsirrtumsfrei die rechtliche Möglichkeit einer schuldrechtlichen Vereinbarung dieses Inhalts* Es stellt in tatsächlicher Hinsicht ihr Zustandekommen fest und stützt diese Überzeugung vor dem Hintergrund der damaligen Interessenlage auf die Beweisaufnahme in Verbindung mit der Barteikorrespondenz* Dabei zieht der Tatrichter außer zwei späteren Schreiben von Klägerseite insbesondere das Schreiben des Klägers an den Beklagten vom 22* Mai 1953 heran, das er als vom Beklagten nicht widersprochenes Bestätigungsschreiben wertet: er läßt dahingestellt, ob dieses Schreiben in den hier einschlägigen Punkten eine rechtsgeschäftliche Vereinbarung bestätigt, und hält es jedenfalls zusammen mit einer Zeugenvernehmung (Dr. aflüM) als Grundlage der von ihm durchgeführten Vernehmung des Klägers als Partei nach § 443 ZPO für geeignete Br schenkt der durch Bid bekräftigten Aussage des Klägers Glauben, wonach der Kläger sich (am 11» Mai 1953) mit Dr» SflHHBim Sinne seiner die Klage tragenden Behauptungen hinsichtlich des 10 m-Streifens geeinigt habe« Die Vertretungsmacht von Dro SHB - die der Beklagte mit dem Hinweis auf eine Satzungsbestimmung über bloße Gesamtvertretung zweier Vorstandsmitglieder leugnet - wird vom Berufungsgericht jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Anscheinsvollmacht bejaht» Wegfall der Geschäftsgrundlage infolge der Zunahme des Kraftfahrzeugverkehrs wird derzeit verneint» a) Die Revision hebt auf die Tatbestandsberichtigung des Berufungsurteils ab, wonach nicht unstreitig, sondern vom Beklagten bestrittene Behauptung des Klägers ist, daß ohne sein Einverständnis der Bürobau des Beklagten (auch mit der dann verwirklichten, gegenüber , dem ursprünglichen Plan von drei auf zwei Geschosse verminderten Höhe) baupolizeilich nicht genehmigt worden wäre» Damit entfiel allerdings die verfahrensmäßi- ge Grundlage für die Annahme des Berufungsgeriehts, der Kläger sei objektiv zur Verhinderung des Bürobaus in der Lage gewesen (vgl0 So 14/15)o Aber es erscheint nach Sachlage ausgeschlossen, daß das angefochtene Urteil auf dieser Annahme beruht0 Auch wenn die Zustimmung objektiv nicht erforderlich war, konnte doch der Beklagte ein subjektives Interesse daran haben, sie zu erlangen, sei es zur Beseitigung von Zweifeln, zur Erhaltung eines gutnachbarlichen Verhältnisses oder aus anderen Gründeno Maßgebend ist, daß er sich um diese Zustimmung bemüht hat, wie unstreitig isto Infolgedessen ergibt sich aus der zu unterstellenden Verneinung jenes objektiven Zustimrnungserfordernisses keine Änderung der Interessenlage, wie sie das Berufungsgericht gewürdigt hat« b) Ohne Erfolg rügt die Revision insbesondere, daß nicht bereits das Schreiben des Beklagten vom 12» Mai 1953 als Bestätigungsschreiben und das Schreiben des Klägers vom 22» Mai 1953 als verspäteter Widerspruch dagegen aufgefaßt worden sei mit der Wirkung, daß nur der Inhalt jenes ersten Schreibens Vereinbarungsinhalt sei o Es kann offen bleiben, ob die Grundsätze, die die Rechtsprechung zu dem Bestätigungsschreiben im Handelsverkehr entwickelt hat, auoh im Verhältnis zwischen den Parteien des vorliegenden Rechtsstreits gelten -(vgl* BGHZ 40, 42)0 Denn wenn das Schreiben des Beklagten vom 12o Mai 1953 als ein solches Bestätigungsschreiben und das Schreiben des Klägers vom 22» Mai 1953 als V/iderspruch dagegen anzusehen sein sollte, ist dieser Widerspruch entgegen der Meinung der Revision nicht verspätet;(vglo Urteil vom 20» November 1961, VIII ZR 126/60, EM HOB § 346 E a Hr» 5) <> Der Kläger hatte sieh nämlich nicht nur auf Reisen begeben, sondern dies Br» Schulte ausweislich von dessen Aktenvermerk vom 12o Mai 1953 auch ausdrücklich mitgeteilt und die weitere Erledigung ("der Pormalitäten") erst für den Zeitpunkt seiner Rückkehr angekündigt; insoweit liegt der Pall anders als in der von der Revision ange2Qgenen Entscheidung RGZ 105, 389» Maßgebend für die Präge, ob ein Widerspruch gegen ein Bestätigungsschreiben noch unverzüglich oder verspätet ist, sind immer die Umstände des jeweiligen Binzelfalls» Im vorliegenden Fall war der Kläger bei der gegebenen Sachlage nicht verpflichtet, für Erledigung von Korrespondenz mit dem Beklagten während der diesem angekündigten Reise zu sorgen, Yfar aber sein Schreiben vom 22, Mai 1953 nicht im genannten Sinne verspätet, so war es gegenüber dem vorausgegangenen Schreiben des Beklagten vom 12, Mai 1953 nicht inhaltlich unbeachtlich, und der 'fatrichter konnte es deshalb zur Grundlage für die Anordnung einer ParteiVernehmung nach § 448 ZPO machen (unten c), Hinzukommt, daß sich die beiden Schreiben inhaltlich keineswegs völlig widersprachen, sondern das zweite lediglich einige Ergänzungen brachte, die mit dem Wortlaut des ersten nicht unvereinbar waren. Hierfür ist erforderlich, daß nach Auffassung des Tatrichters (vgl* Senataurteil vom 18«, Dezember 1964 - V ZR 207/62, LM ZPO § 448 Kr„4 ) bereits eine gewisse Wahrscheinlichkeit für die Beweisbehauptung bestehto Der Tatrichter hat dies im Hinblick auf das seitens des Beklagten unwidersprochen gebliebene Schreiben des Klägers vom 22» Mai 1953 bejaht„ Das wäre allerdings rechtlich zu beanstanden, wenn dieses Schreiben nur als verspäteter Widerspruch gegen ein (erschöpf endes) Bestätigungsschreiben des Beklagten zu werten und deshalb für den Inhalt des maßgeblich Vereinbarten unbeachtlich wäre; in diesem Palle gälte rechtlich nur der Inhalt des Schreibens des Beklagten vom 12o Mai 1953 als vereinbart, und es wäre unerheblich, ob tatsächlich noch weiteres vereinbart (und vom Kläger schriftlich bestätigt) worden wäre, die dahingehenden Behauptungen des Klägers wären daher unerhebliche Dies trifft jedoch, wie oben (b) ausgeführt, nicht zuj außer dem im Schreiben des Beklagten vom 12o Mai 1953 Bestätigten konnten noch weitere Einzelabreden rechtswirksam getroffen sein und bleibeno Sie waren freilich vom Kläger nachzuweisen, der sich auf sie berief (vgl0 das genannte Urteil vom 22o Januar 1964)o Bei diesem Nachweis konnte aber der Tatrichter ohne Hechtsirrtum dem Schreiben des Klägers vom 22» Mai 1953 eine gewisse Wahrscheinlichkeit ('’einigen Beweis”) für die Hichtjigkeit der Behauptungen des Klägers entnehmen und so die Grundlage für dessen ParteiVernehmung nach § 448 ZPO gewinnen, wie er es getan hat» d) Wegfall der Geschäftsgrundlage wird vom Oberlandesgericht deshalb verneint, weil schon 1953 im wesentlichen die jetzigen Voraussetzlingen Vorgelegen hätten: die Schaffung von Einstellplätsen sei schon damals Pflicht gewesen; auch die Fürsorgepflicht des Beklagten für seine Bediensteten habe schon vorher bestanden; zwar sei seit 1953 eine gewisse Steigerung des Verkehrs eingetreten, diese sei jedoch im großen und ganzen vorhersehbar gewesen. Der Beklagte hatte jedenfalls im Berufungsverfahren unter Beweis gestellt, daß die Gelündeatiffüllung auf dem Grundstück des Klägers erst nach dem Mauerbau stattgefunden habe» Er hat dafür einen seiner Bediensteten (Kraftfahrer SchflB) als Zeugen benannt und außerdem Sachverstandigenbeweis für das jüngere Alter des Bodens auf dem Grundstück des Klägers ange-boten« Bas Oberlandesgericht ist auf diese Beweisange-botc nicht eingegangen« Hierin liegt eine Gesetzesverletzung« Die unter Beweis gestellte Tatsache (Niveaugleichheit des Geländes bei Mauererrichtung) war zwar wiederum keine unmittelbar erhebliche Tatsache, sondern höchstens ein Indiz« Aber das Oberlandesgericht hat auf diesen Punkt hei seiner BeweisWürdigung entscheidend abgehoben, indem es die Glaubwürdigkeit des Zeugen Sc^HIH maßgeblich entnommen hat aus der Anschaulichkeit seiner Schilderung über die Niveauverschiedenheit des Geländes, wegen deren der Zeuge bei der Mauorbesichtigung dem anwesenden Br» S0||auf das höher liegende Grundstück des Klägers "heraufge-holfen" habCo Bevor das Oberlandesgericht die seinerseitige Niveauverschiedenheit des Geländes feststellte, hätte es den vom Beklagten für das Gegenteil angebotenen Zeugenbeweis (Sch^P) erheben und auch zu dem Sachverständigenbeweisantrag mindestens Stellung nehmen müsseno Hiernach beruht die Feststellung des seinerseitigen Einverständnisses von Br0 sm|mit der Mauer in ihrer jetzigen Höhe auf Prozeßverstoß« Die Abweisung der Widerklage kann mit der bisherigen Begründung nicht aufrechterhalten bleibena Vielmehr war hinsichtlich der Widerklage das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache in die Vorinstanz zurückzuverweisen„ Dem Berufungsgericht war auch die Entscheidung Uber den restlichen Teil der Kosten zu übertragen,.