BGH · V ZR 122/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Klägerin, Berufungsbeklagte und Revisionsbeklagte, - Prozeßbovollmächtigter: Rechtsanwalt Freiherr von hat der Vc Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 15» Januar 1964 unter Mitwirkung der Bundes-richtcr Dra Augustin, Schuster, Pr«, Piepenbrock, Pro Freitag und Offtcrdinger für Recht erkannt: Tatbestand Durch notariellen Vertrag vom 21, November I960 verkauften die Beklagten der Klägerin zu dem Preise von °8 000 DM folgenden Grundbesitz: "Flur 1 Parzelle 276/6 Bauplatz 5,43 a groß und Nr* 276/7 Bauplatz 5?14 a große” daß die Grundstücke im Einwirkungsbereich des Kohlenabbaues lägen und daß duroh den Abbau der im Bereich der Grundstücke noch anstehenden Kohlenflöze Schäden mit Sicherheit an dem Gebäude auf-treten würden, weiterhin«, daß nach eingehender Prüfung der bergbaulichen Situation den Beklagten so rasch als möglich mitgeteilt würdo, ob die Zustimmung zur Errichtung eines Gebäudes erteilt werden könne, und daß eine etwaige Zustimmung zur Bebauung in jedem Falle davon abhängig gemacht werde, daß von ihnen näher zu bezeichnende Sicherungsmaßnahmen durchgeführt würden. Mit Schreiben von 15o Februar 1961 beschießen dio Saarbergwerko die Klägerin dahin, daß 3io ihre Zustimmung zu der geplanten Errichtung oinoo Bürohausoa nicht goben könnten, da nach dem Ergebnis der auf den Grundstücken inzwischen vorgenommenen Boh- Das Ergebnis der Bohrungen lautes Totaler V/as server lust bei 4*30 m* bei 9 m* bei IS«,3 m* bei 25 m bis Endteufe - 38*47 m* Dieser Waooorverlust lasse auf starke Zerklüftungen des Bodens schließen* Von 37?52 m bis 38*47 m seien Hohlräume footgeotellt worden* Die Grundstücke hätten zur Zeit des Kaufabschlusses bereits ihre Eignung als Bauland verloren gehabtc Die Klägerin* welche die Wandlung des Kaufvertrags erklärt und Rückzahlung des geleisteten Kaufpreises sowie Ersatz der Notarkosten und der Grunderwerbsteuer begehrt hat* hat behauptet9 die Beklagten hätten sie arglistig dadurch getäuscht* daß sie ihr die Dnbebaubarkeit der Grundstücke verschwiegen hätten* Die Unbebaubarkeit sei den Beklagten auf Grund des Schreibens der vom 11 o Oktober I960 bekannt gewesen* Die Klägerin habe davon erst nach Vertragsabschluß erfahren* Zwar habe sie bzw* ihr Ehemann - der Architekt ist und die Vertragsverhandlungen führto - gewußt* daß Gersweiler im Gruben-senkungsgebiot liege; sie habe daraus jedoch nicht schlies sen können* daß die Grundstücke zu dem Bebauen überhaupt ungeeignet seien* Die Beklagten, die Klagabweisung beantragt haben, haben sich auf den vertraglichen Ausschluß der Gewähr-leistungsansprüche bezogen und vorgetragen, sie hätten nicht gewußt, daß eine Bebauung der verkauften Grundstücke schlechthin unmöglich sei, sondern mit Sicherungsauf lagen der gerechnet» Der Ehemann der Klägerin sei auf dem Gemeindeamt Uber den Zwischenbescheid der Saarborgworke vom II«, Oktober I960 unterrichtet worden, was die Klägerin bestreitet» Die Beklagten haben behauptet, die Klägerin könne auf Grund der baupolizeilichen Genehmigung auf den Kaufparzellen bauen» Io Das Berufungsgericht hat der Klage auf Grund Wandlung wegen des von ihm für bestehend erachteten Sachmangels der Unbebaubarkeit stattgegeben» Es hat den Vertrag dahin aus-golegt, daß dieser Sachmangel nicht unter die Freizeichnungs-klaucel falle und schließlich auch verneint, daß der Klägerin 1. Den von der Klägerin erworbenen Grundstücken* führt das Berufungsgericht aus* fehle die Bebaubarkeit,, Das soi ein Fehlors der ihren Wert und ihre Tauglichkeit sowohl zu dom gewöhnlichen als auch zu dem nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch erheblich mindere * Auf Grund des Schreibens der vom 15. Februar 1961 stehe zur Überzeugung des Berufungsgerichts fest* daß die Parzellen wegen zu dem größten Teil oingetretenen totalen Wasserverlusts und wegen der in einer Tiefe von 37*52 bis 38*47 m festgestollten Hohlräume zur Errichtung eines Wohnhauses nicht geeignet seien„ Die Behauptung der Beklagten«, die Klägerin könne an sich auf Grund des Bauscheins mit Absicherung gegen Senkungen bauen* gehe an der Tatsache vorbei* daß die Klägerin im Fälle oinor Bebauung nach der erwähnten Auskunft nicht nur trotz Sicherungsvorkehrungen mit schweren und schwersten Gebäudeschaden rechnen müßte* sondern daß ihr insoweit darüber hinaus im Hinblick auf § 150 des Allgemeinen Berggesetzes (ABG) sowohl jeglicher Schadensersatz versagt wäre* als auch diesorholb eine Beleihung dos Anwesens nicht in Betracht käme« Diese - gebotene - wirtschaftliche Betrachtungsweise zeige deutlich das praktische Fehlen der Bebaubarkeit der Grundstücke„ Die Revision vermißt eine ausreichende Grundlage für die vom Berufungsgericht angenommene wirtschaftliche Unbo-baubarkeito Das Berufungsgericht habe übersehen* daß die SBW zwar im Falle des Baues der Klägerin den Ersatz von Schaden am Bauwerk auf Grund des § 150 Abs. 1 ABG verweigern könnten* daß aber die SBW ihr gegenüber verpflichtet hleiben würden* die Wertminderung des Grundstücks* die bei Unterlas- Das Berufungsgericht spricht zwar nur davon, daß der Klägerin "insoweit” jeglicher Schadensersatz versagt wäre, meint damit aber, da vorher von Gebäude Schäden dio Rede ist, nur den Schadensersatz wegen GebäudeSchadens und nicht den wegen des Pehlens (normaler) Bebaubarkeit. 11) aus, nach dem beiderseitigen Vertragswillen habe die Klägerin nicht gegebenenfalls Bauland bezahlen, es aber nicht erhalten und sich (anstelle der Beklagten) mit den wegen eines Schadensersatzansprucho auseinandersetzen sollen. Für die SB?/ sei nur entscheidend, ob die Gebäude schaden den wegen Grund stüoks ent wertung allenfalls zu leistenden Schadensersatz übersteigen würden, also äußerstenfalls den Kaufpreis von 18 000 DM«, Treffe dies zu, so sei vom Standpunkt der SBW das Grundstück als Baugrundstück ungeeignet. Für den Grundstückseigentümer - hier dio Klägerin - könne sich in einem solchen Palle aber die Errichtung des Baues noch durchaus lohnen, wenn beispielsweise der für dio Bauerrichtung aufzuwendende Mehrbetrag die Grund-o tü ekoentv/ertungo ent Schädigung nur um v/enigo hundert Deutsche Mark überschreite. es günstiger die Gewißheit zu haben * daß etwaige Mehraufwendungen und Schäden ihm vom Bergwerksbesitzer ersetzt werden* als daß er lediglich auf die Erstattung des Minderwerts des Grundstücks angewiesen ist3 da die Beweisführung für Sachschäden einfacher ist* als die erfahrungsgemäß erhebliche Schwierigkeiten bereitende Ermittlung von Grundstückewerten« Sodann haben die SBW sich nicht auf die Mitteilung beschränkt9 das Grundstück sei für die Errichtung eines Wohnhauses nicht geeignet* sondern sie haben die Ergebnisse ihrer Bohrungen mit-teilen lassen* die schon für einen Laien schwere Gefahren für den Bau erkennen ließen* (Dio Klägerin hatte im Schriftsatz vom 20« Februar 1962 S„ 2 behauptet«, früher habe der Tagesabbauber eich ca«, 30 m unter der Oberfläche des Grundstücks gelegen«) Zuzugeben ist der Hevision* daß im Schreiben der SBW nicht mitgeteilt ist* trotz Sicherungsmaßnahmen müsse im Falle der Bebauung mit schv/eren und schwersten Gebäudeschäden gerechnet werden« Immerhin sprechen die SBW von der Unmöglichkeit der Bebauung und die Sicherungsvorkehrungen mußten* den Mängeln des Grund und Bodens entsprechend* jedenfalls ungewöhnlichen Umfang annehmen« Entscheidend für die wirtschaftlicho Unbebaubarkeit ist* ob ein verständiger Mann angesichts der von den SBW festgestellten Bodenverhältnisse einen Bau errichten würde« Das hat das Berufungsgericht ohne Hechtsirrtum oder Verfahrensverstoß verneint« Von Bedeutung ist dabei* daß das Berufungsgericht feststollt* im Falle dos Baues käme eine Beleihung des Anwesens nicht in Frage und daß dieser Umstand mit durch die Beschaffenheit des Grundstücks* die einer der Faktoren für die Verweigerung der Genehmigung der SBW gewesen ist* verursacht werde» ist« Die Unmöglichkeit der Beleihung v/iegt um so schwerer* al3 Bauten von Einzelpersonen heutzutage fast ausschließlich unter Inanspruchnahme von Leihkapital errichtet werden« nicht in Frage gestellt«, Aus dieser Behauptung der Revision ergibt sich aber nicht, daß die Feststellung der Kreditverweigerung auf einem Verfahrensverstoß beruhen würdeo Denn die Klägerin hatto die Unbeleihbarkeit des Grundstücks in der latsachenin-stanz behauptet (Schriftsatz vom 20«, Februar 1962, S«, 2/5 und Schriftsatz vom 5o November 1963? So 5}fohne daß dio Beklagten dem entgegengetreten wären«, Sie haben vielmehr sogar erklärt, die Genehmigung der SBW sei in Grubensenkungs-gebieten praktisch eine conditio'&sine qua non jeglicher auf die Erstellung eines Baues gerichteten Tätigkeit (Schriftsatz vom 17p September 1962 So 6)«, Das nunmehrige Bestreiten im Revisionsrechtszug kommt nach § 561 ZPO zu spät« Darauf, ob die behördliche Genehmigung für die Klägerin zu erreichen war, kommt es nicht an, da die wirtschaftliche Unbebaubarkeit der Mangel ist, auf dem der Gewährleistungsanspruch beruht« Die Angriffe der Revision, die im Zusammenhang mit den Ausführungen des Berufungsgerichts zu der Gültigkeit oder Dn-gültigkeit dos Bauschoins vom 3« November 1963 stehen sind daher gegenstandslos« Nicht durchgreifend ist endlich auch dio Meinung der Revision, angesichts der Verschiedenheit der Beschaffenheit von Baugrund sei eine geringere Geeignetheit überhaupt kein Mangel im Sinne dos § 459 Abs« 1 BGB (offen gelassen HG SeuffArch 83 Nr« 183), da jedenfalls ungewöhnliche ungünstige Verhältnisse, wie sie das Berufungsgericht foststcllt, einen Mangel begründen können, auch wenn geringere Schwankungen für dio Gewährleistung unberücksichtigt bleiben müßten« 2» a) Zur Freizeichnungsklausol führt das Berufungsgericht aus, sie erfasse den von der Klägerin geltend gemachten Fehler nicht« Bas folge aus einer auf den gesamten Vertragsinhalt bezogenen Auslegung dieser Klausel nach den Grundsätzen der §§ ''33«, ?57 BGB» Beide Parteien seien unstreitig bei Vertragsschluß davon ausgegangen, daß die Grundstücke bebaubar seien und von der Klägerin allein zu dem Zv/ocko der Bebauung gekauft würden« Bio Höhe des Kaufpreises sei eindeutig durch diesen Vertragszweck bestimmt9 welcher in der Vertragsurkunde - auch durch eine für die Grunderworb-steuerbefreiung erforderliche Erklärung der Klägerin - klar zu dem Ausdruck gekommen sei» Ei£e den wirklichen Willen der Vertragsparteien sowie die Grundsätze von Treu und Glauben berücksichtigende Auslegung könne nicht dazu führen, daß eine Gewährleistung'der Beklagten auch dann ausgeschlossen soin sollte, wenn dieser allpn Beteiligten bekannte und in den Vertrag ausdrücklich aufgenommene entscheidende Vertragszweck wider Erwarten infolge nachträglicher Feststellungen und Erklärungen seitens der SBW verfehlt würde» Bie Freizeichnung orfaßt alle übrigen Mängel des Grundstücks9 soi cs in Bezug auf Bebaubarkeit«, sei es in sonstiger Hinsicht; das könne aber für das gänzliche Fehlen der Bebaubarkeit nicht gelten}, da hiervon ersichtlich das Zustandekommen des Vertrages überhaupt abgehangen habe und nicht angenommen worden könne, daß die Parteien widersprechende Erklärungen hätten abgeben wollen, nämlich daß Bauland verkauft, andererseits aber doch die Haftung für das Vorhandensein der Baulandeigenschaft ausgeschlossen 3oin sollte« Für die bewußte Übernahme eines Risikos der Verweigerung der Zustimmung der SBW bioto der Sachverhalt keine Anhaltspunkte« Burch derartige Auslegung werde auch nicht, wie die Beklagten meinten, jeglicher Haftungsauscchluß wegen stets vorhandener Minderung des vertraglich vorgesehenen Gebrauchs unterbunden, da im vorliegenden Fall das - keinesfalls in allen Fällen gegebene " Februar 1954, IV ZR 145/53 DM BGB § 153 Fb Nr. 3 - nur Leitsatz -).'Dio Frage, ob die Vertragsbestimmung Uber den HaftungsausSchluß etwa eindeutig wäre, so daß sie einer Auslegung überhaupt nicht fähig wäre, ist zu verneinen. 55)« Es ist auch nicht ausgeschlossen«, daß der Verkäufer vorsorglich die Haftung für die Tauglichkeit zu dem von beiden Parteien vorausgesetzten Gebrauch (Staudinger? 3» Grobfahrlässige Unkenntnis der Klägerin vor oder bei Vertragsschluß, dio nach § 460 Satz 2 BGB den Gewähr-loi3tungsanopruch ausschlösse5 verneint das Berufungsgericht mit folgenden Erwägungen: Für eine bewußto Übernahme des Risikos der Verweigerung der Zustimmung der SBV/ durch die Klägerin sei wegen des Einverständnisses der Parteien über dio Baulandeigenschaft kein Anhaltspunkt gegeben,, Gegen den Ehemann der Klägerin könne aber auch der Vorwurf nicht erhoben werden, er habe die durch die konkrete Sachlage gebotene Sorgfaltspflicht in ungewöhnlich hohem Maße verletzto Bei seiner - vom Berufungsgericht unterstellten -Kenntnis von dem Zwischenbescheid der SBW vom 110 Oktober I960 habe zwar keine Gewißheit für ihn bestanden, daß die Zustimmung der SB?/ erteilt werden würdeo Andererseits hätte aber, erwägt das Oberlandesgericht, eine Erkundigung bei den Saarbergwerken schon deshalb nicht zu dem Ziele geführt, weil dio entsprechenden Bohrungen nicht vorgenommen waren und die Klägerin als Nichteigentümerin auch keine Auskunft erhalten hätte» Die Klägerin habe damit rechnen können«, daß in dem von beiden Parteien nicht erwarteten Pall der Verweigerung der Zustimmung der SBV/ der Vertrag unter Anwendung der Gewährleistungsvorschriften rückgängig gemacht würd Es steht außer Präge, daß die Klägerin, v/orauf die Revision hinweist, falls ihr der Zv/isehenbescheid der Saar-bergwerko bekannt war, besser den endgültigen Bescheid abgewartet hätte und daß ollo die Beklagten, wie die Revision geltend macht, hätte bitten können, den endgültigen Bescheid (vor Vertragsschluß) ihr mitsuteilen» Ob aber in dem gegenteiligen Verhalten der Klägerin grobe Fahrlässigkeit lag, hatte der fatrichter nach seinem freien pflichtgemäßen Ermessen zu entscheiden und er hat das verneint» Baß der Berufungsrichter dabei den Rechtsbegriff der groben Fahr-