BGH · V ZR 122/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Beklagtep Berufungsbeklagte und Revioionsbeklagtop - Prozeßbovollmächtigter: Rechtsanwalt Br, hat der V«, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 4» Dezember 1963 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr<> Tasche und der Bundesrichter Br« Augustin, Schusterp Dr„ Piepenbrock und Dr„ Mattem für Recht erkannt: 452 su und in Fußn» 10)» Die rechtliche Möglichkeit eines Aus-gleichcansprucho de3 eingöklagten Inhalts auf Grund unmittelbarer Auslegung dos Testamentsv/erks wird mangels jeden Anhaltspunktes für einen dahingehenden wirklichen Willen der Erblasser verneinto Ein Hechtsirrtum ist insoweit weder gerügt noch ersichtliche Der Tatrichter erwägt auch eine ergänzende Auslegung dos Testamentsv/erks dahins daß die Erblasser bei seiner Errichtung einen auf einen solchen Ausgleich gerichteten Willen gehabt hätten3 wenn sic an die künftige Entwicklung, insbesondere die Y/ährungcumstellung mit ihren Folgen? gedacht hätten; er verneint jedoch auch einen solchen hypothetischen Willen«, Boi der Anfechtung hält er Form und Frist nicht für gewährt, Gegen diese Ausführungen wendet sich die Revision, jedoch ohne Erfolg, gleichzustellen, als vielmehr die Nachlaßgegenstände auf sic nach andern Gesichtspunkten zu verteilen• Daß sich nach den Wert der Nachlaßgegenständo in dem (mit der Testamentserrichtung fast zuoammenfallonden) Zeitpunkt des Erbfalls eine etwa gleiche Verteilung der Nachlaßwerte zugunsten der beiden Ehepaare ergebe, lasse noch nicht auf einen Willen der Erblasser zur wertmäßigen Gleichstellung unter allen Umständen schließen; ob die Erblasser bei der Testamentserrichtung überhaupt eine Berechnung anstcllten, aus der sie Klarheit über die wertmäßige Auswirkung ihrer Aufteilung bekamena sei zu demindest zweifelhaft* Der Abschiedsbrief vom Io Juni 1945 (drittes Testament) besage tu a|Ä: wichtiger Hinweis .und ergebe eindeutig, daß es den Erblassern darum ging, den Beklagten die beiden Grundstücke zu übertragen nicht wegen ihres Geldwertes, sondern als Ersatz für die von dtsn Beklagten erlittenen Kriegsverluste o Es müsse aber auch davon ausgegangen werden, daß sich die Erblasser der Wertbeständigkeit der Grundstücke und des unsicheren Wertes ihres Vermögens, soweit es nicht aus Sachwerten bestand, bewußt waren» Es sei als sicher anzunehmen, daß sie in Kenntnis der in Gang befindlichen und weiter drohenden Geldentwertung testierten und sich somit bewußt waren, den Beklagten mit den beiden Grundstücken besonders wertbeständige Gegenstände zuzuwenden» Es könne weder aus dem Testament noch aus den besonderen Umständen, unter denen es errichtet sei, oder aus der allgemeinen Lebens erfahrung mit hinreichender Sicherheit darauf geschlossen werden, daß die Erblasser ihren letzten Willen in anderer Weise niedergelegt haben würden, wenn sie von der durch die Währungsumctellung herbeigeführten Wertverschiebung bei der “Wir haben uns das seit langem überlegt1*)» Eas Berufungsgericht führt hierzu noch an, daß die Erblasser bereits die Geldentwertung nach den ersten Weltkrieg erlebt hatten und daß der Ehemann als Apothekenbesitzer in der Stadt im Geschäftsleben stand« Ob sie das spätere Ausmaß des Wertverlustes voraussehen konnten, hält das Berufungsgericht ersichtlich für nicht entscheidend; darin liegt entgegen der Meinung der Revision kein Eechts-irrtura« Bei der Prüfung einer ergänzenden Testamentsauslogung kan es auch nicht darauf an, ob die Erblasser infolge jener Kenntnis der Geldentwertung auch die Möglichkeit eines späteron erheblichen V/ertunterschieds zwischen den Zuteilungen an die beiden Ehepaare wirklich bedacht und gebilligt haben, sondern ob sie sie gebilligt haben würden» wenn sie daran gedacht hätten, oder ob und welche sonstigen Verfügungen sie in .diesem Falle getroffen haben würden« Eaß die Erblasser in diesem Falle Mit dem Satze, daß die Erblasser auch die geringere Wertbeständigkeit mindestens oines Teils der an den Kläger und seine Ehefrau zugev/iesenen Nachlaßgegenständo erkannt haben "müssen11, will das Berufungsgericht ersichtlich die positive Kenntnis feststellcn ("entsprechend" der vorangehenden Eeotstollung von der Kenntnis der - größeren -Wertbeotändigkeit der Grundstücke)„ Hierfür hat der Tatricht er einen Hinweis auch aus den Testamentsv/orten entnommen: 3o Soweit die Revision aus der Vorstellung der Erblasser von dem WertVerhältnis der beiderseitigen Zuweisungen auf ihren Willen schließen will, den Kläger und seine Ehefrau wertmäßig mindestens ebenso gut, sogar besser zu stellen als die Beklagten, greift sie die tatrichterliche Auslegung in unzulässiger Y/oiso an* Es ist nicht ersichtlich, wieso das Berufungsgericht verkannt hätte, daß es genügt, wenn ein derartiger Erblasserwillo aus dem Gesamtinhalt des Testaments-werko, wenn auch nur aus geringfügigen Anhaltspunkten, entnommen werden kann« Bas Berufungsgericht geht ausdrücklich davon aus, daß die Erblasser die beiderseitigen Zuweisungen im damaligen Zeitpunkt für etwa gleichwertig hielten, lohnt es aber mit rechtsirrtumsfreier Begründung ab, daraus auf ihren Kein Anhaltspunkt besteht für die Annahme, das Berufungsgericht habe den Abschiedsbrief der Erblasser (drittes Testa-ment), den es in Tatbestand im vollen Wortlaut wiedergibt, nicht auch in seinem vollen Inhalt gewürdigt, nämlich nicht diejenigen Briefstellen, die für eine besonders herzliche Einstellung der Erblasser zu dem Kläger und seiner Ehefrau sprechen, Da3 gleiche gilt von Unterschied der Abschiedsbriefo der Erblasser an den Kläger und seine Ehefrau einerseits (drittes Testament), an die Beklagten andererseits (GA I 154); er war keineswegs so auffällig, daß er der Testamentsauslegung dos Berufungsgerichts entgegenstünde oder den Tatrichter zu einer ausdrücklichen Erörterung verpflichtet hätte. Im übrigen haben die Erblasser als Grund für die letztwilligc Bedenkung der Beklagten nicht nur (im Brieftestament) deren siebenfachen Hausverlust und Kinderzahl angeführt, sondern sic auch wieder-holt als "unsere besten Freunde in der Rot" bezeichnet (in den beiden andern Testamenten); auch hierauf hätte das Berufungsgericht für seine Auffassung noch abheben können* Aber was die Fristoinhaltung anlangt, so enthält die von der Revision dafür benannte, von einem Rechtsanv/alt stammende Klagschrift vom Jahre 1949 (GA I 4p vgl«, dazu GA II 215) nicht nur keine ausdrückliche Anfechtungserklärung, vielmehr sogar den in die gegenteilige Richtung weisenden Satz, daß es einer Anfechtung nach § 2078 BGB nicht bedurfteo Was den Umfang der angeblichen Anfechtung anlangt, so wird er, soweit ersichtlich, erstmals in der Revisionsbegründung bezeichnet, und zwar einschränkend dahin, daß sie sich nur gegen die Teil\mgsanordnung4-en?i):,iT Ob ein Ausgleichsanspruch auch ohne dahingehenden wirklichen oder hypothetischen Erblasserwillen bereits auf Grund Gesetzes, nämlich nach §_ 242 BGB rechtlich möglich wäre, ist bei Bejahung der Miterbenstellung aller vier Beteiligten schon wegen des Fehlens schuldrechtlicher Beziehungen von vornherein zweifelhafte Das kann jedoch dahinstehen» Denn die IfcubegrUndung einer derartigen Pflicht käme allenfalls, wie beim Wegfall der Gecchäftsgrundlago, dann in Betracht, wem das Ergebnis (ungleiche Werteverteilung auf beide Seiten) in bccondcrs hohem Maße unbillig, nämlich schlechterdings untragbar, mit Recht und Gerechtigkeit nicht mehr zu vereinbaren waro (siche die Rechtsprechung über Dastenausgloichs-klauseln, z.B. Urteil von 11.