BGH · V ZR 121/55
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
§ 27 MSchG setzt ein Mietverhältnis voraus, 'das durch dieses Gesetz geschützt ist» Auch diese Bestimmung gilt daher nicht für solche " Untermietverhältnisse, auf die nach § 24 die.Vorschriften ,des ersten Abschnittes des Gesetzes nicht anzuwenden sindo Aktenzeichen: V 2R 121/55 Urteil des BGH<vom 16* Mai iHirch Vertrag vom 19, Dezember 1945 hat die Klägerin die von ihrem Ehemann bis zu seinem im Jahre 1945 erfolgten Tode auf Grund einer Personalkonzession im Hause Allee t ZVi gemieteten Bäumen betriebene i^JJ^-Apotheke mit Wirkung vom 1 * Januar 1946 an den Beklagten verpachtet und zwar einschließ-' lieh der Räume und der (von der Klägerin im Sehriftsatz vom 21c Januar 1954 einzeln aufgeführten) Geschäftsein-riehtungo In dem Vertrag ist außerdem (mit gewissen in der Revisionsinstanz nicht mehr erheblichen Einschränkungen) vereinbart worden, daß der Beklagte das in der Apotheke bei Beginn des Pachtverhältnisses vorhandene Warenlager von der Klägerin kauft und daß die Klägerin das bei Beendigung des Pachtverhältnisses vorhandene Warenlager vom Beklagten kauftD Das Landgericht hat unter Ablehnung einer Räumungsfrist dem Klagantrag mit der Maßgabe entsprochen* daß der Beklagte nur Zug um Zug gegen Zahlung von höchstens 30*000 DM-West durch die Klägerin für die von ihr (mit gewissen in der Revisionsinstanz nicht mehr erheblichen Einschränkungen) zu übernehmenden Waren zu räumen und herauszugeben brauchte« Es meint zur Klage* daß für ein Pachtverhältnis, wie die Parteien vereinbart hätten* ein Bestandsschütz nicht gegeben sei und daß nach Lage der Umstände keine Veranlassung bestehe * dem Beklagten eine Räumungsfrist zu gewähren» Bas Kammergericht hat die Berufung und die Anschlußberufung zurückgewiesen mit der Maßgabe, daß die von der Klägerin Zug um Zug zu erbringende Leistung auf die käufliche Übernahme der in der Anlage zu seinem Urteil aufgeführten Apotheken-Waren und auf die Zahlung von 360390,77 DM-West, sowie 1436,74 DM-Ost bestimmt worden ist« Das Kammergericht billigt zur Klage im Ergebnis die Rechtsauffassung .des Landgerichts und meint, daß dem Beklagten eine Räumungsfrist aus Rechtsgründen nicht gewährt werden dürfe o Das Landgericht hat den Antrag durch Beschluß vom 17« März 1954 (zugestellt am 20* März 1954) zurückgewiesen, weil es die Voraussetzung für die Aussetzung nach der genannten Bestimmung als nicht gegeben angesehen hat.- Aufl Anm V 2 zu § 148) hat der Beklagte keinen Gebrauch gemacht f.Entgegen der Auffassung der Revision, die den Aussetzungsantrag irrtümlich als nicht beschieden bezeichnet, ist es kein Verfahrensmangel, daß das Berufungsgericht, vor dem übrigens der Beklagte auf seinen Antrag nicht zurückgekommen ist,, eine Beurteilung. Juni 1953 VI ZK 216/52 (NJW 1953 S 1391) meint das Berufungsgericht, daß das VertragsVerhältnis nur dann Bestandsschütz genießen würde, wenn nicht die Überlassung des Unternehmens (also der Apotheke an sich), sondern die Überlassung der Räume, in der sich die Apotheke befindet, die Hauptleistung der Klägerin darstelle * Es hat die Überlassung der Apotheke als Hauptleistung angesehen und'deshalb dem Beklagten den Bestandsschutz versagte Die Revision hält diese'Auffassung für falsche Es kommt indessen nicht darauf an, worin die -Hauptverpflichtung der Klägerin nach dem Vertrag bestehto- Soweit nämlich die Klägerin dem Beklagten Räume verpachtet hat, handelt es sich unbeschadet des Umstandes, daß sie ihrerseits die Räume nicht gepachtet, sondern gemietet hat, um eine Weiterverpachtung, durch die rechtlich ein Unterpachtverhältnis im Sinne der §§ 24, 36 MSchG begründet worden isto Da nicht der Beklagte, sondern die Klägerin die Räume mit Einrichtungsgegenständen ausgestattet hat und auch der vom Beklagten darin (nach seinem Vorbringen übrigens offenbar ohne seine Familie) geführte Gewerbebetrieb nicht etwa "eine selbständige Wirtschaft" ist oder einer solchen gleichgestellt werden könnte (vgl hierzu Bettermann MSchG Anm 315y 304, 319 a zu § 24)? finden nach den genannten Bestimmungen die Vorschriften des Ersten Abschnittes des Mieterschutzgesetzes auf das Vertragsverhältnis keine Anwendung* Dem steht auch nicht entgegen, daß die Klägerin nicht nur einen Teil der von ihr gemieteten Räume, sondern alle diese Räume dem Beklagten überlassen hato- Auf das Urteil des erkennen-, den Senats vom 21. März 1952 V ZR 20/51 (NJW 1952, S 821), in dem diese beiden Rechtsfragen bereits behandelt sind, wird verwiesen* Die dieses Urteil betreffenden Ausführungen von Bettermann (aaO.Anm 22 a - f zu § 24) geben dem Senat keine Veranlassung, seine Ansicht zu der zweiten Frage zu ändern* Er hält vielmehr an seiner in dem Urteil entwickelten Auffassung fest,, daß mangele' abweichender Verlautbarung des Gesetzes unter einem Untermietverhältnis im Sinne des § 24 MSchG nichts anderes und engeres zu verstehen ist als, die durch:das Weitervermieten im Sinne des § 549 Abs 1 BGB begründete Rechtsbeziehung* III, Den Hilfsantrag auf Gewährung einer Räumungs-frist hat das.Berufungsgericht aus folgenden Gründen abgelehnt s § 721 ZPO könne nicht angewendet werden, weil er die Verurteilung zur Räumung einer Wohnung voraussetzt * Auf §§ 5 a und 27 MSchG könne sich’der Beklagte schon deshalb nicht berufen, weil das VertragsVerhältnis keinen Bestandsschütz genieße* § 5 a MSchG setzt die hier nicht beantragte und auch nicht erfolgte Aufhebung;eines Miet- oder Pachtverhältnisses durch Urteil -voraus und ist schon deshalb nicht anwendbare Im übrigen sind die Ausführungen des Berufungsgerichts frei von Rechtsirrtum, und zwar auch dann, wenn die Entscheidung in der Hauptsache (vgl Abschnitt II) auf die §§ 24,'36 MSchG abgestellt wird, § 27 gehört zu dem ersten Abschnitt des Gesetzes, und dieser ganze Abschnitt darf - wie ausgeführt - auf das Vertragsverhältnis der Parteien nicht angewendet werden',(Zu vgl Ebel MSchG 5o Aufl Apm 1 zu § 27? Der abweichenden Auffassung .von Bettermann (aaO Anm IG zu §24)und jetzt auch von Hans (MSchG 6„ und 7o Aufl Anm 1 b zu § 27) vermag der Senat nicht zu folgen„ .§ 27 hat Bedeutung nur für die Fälle, in denen.ein grundsätzlich S c hu t z nach dem MieterscHutzgesetz genießendes Miet-Verhältnis ausnahmsweise doch nicht durch Gestaltungsurteil (§ 1 Abs 1) aufgehoben zu werden braucht, ZoB0 weil der Mietvertrag durch Vereinbarung aufgehoben ist oder weil der Mieter gekündigt hat oder weil der Mieter dem vom Vermieter erklärten, ihm vertraglich vorbehaltenen Rücktritt zugestimmt hat .(§ 1 Abs 3)« Für die Anwendung des § 27 fehlt es dagegen dann an einer Grundlage, wenn - wie im vorliegenden Fall - das Gesetz den Mieterschutz in jeder Form von,vornherein und unter allen Umständen dadurch versagt?