BGH · V ZR 117/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Pas Oberlandesgericht hat ein Recht des Klägers, sich durch Zahlung von 50 000 PM von seiner Auflassungsverpflichtung gegenüber der Beklagten zu befreien, verneint0 Es führt dazu aus, der Vertrag enthalte abgesehen davon, daß die Beklagte einen Austausch des Grundstücks gegen anderes Land im Wert von 50 000 PM ohne ihre Zustimmung hinnehmen müsse, und daß bei einem Verkauf dem Kläger ein Vorkaufs-recht zustehe, keine VerfUgungsbeschränkungc Pie Beklagte könne deshalb das Grundstück verkaufen, um sich wegen ihres Abfindungsanspruchs zu befriedigen; sie könne es aber auch seihst bewirtschaften oder durch ihren Ehemann nutzen lassen* Pie Klausel, die eine Rückübertragung des Grundstücks an den Kläger "im beiderseitigen Einvernehmen" vorsehe, lasse erkennen, daß die Entscheidung darüber, ob die Beklagte - von dem Sonderfall des Grundstückstauschs abgesehen -das Grundstück wieder aus der Hand geben v/olle, allein bei ihr liegen solle» Die Feststellung in dem Vertrag, die Übertragung der 10 Morgen großen Parzelle solle ausschließlich als Sicherheit für den Abfindungsanspruch der Beklagten gelten, sei nicht geeignet, für den Kläger ein Ablösungsrecht zu begründen» Der Wortlaut des Vertrages spreche an sich durchaus dafür, daß die Beklagte das Land lediglich als Sicherungseigentum erhalten solle» Einer solchen Annahme stehe jedoch der übrige Vertragsinhalt entgegen» Die vorerwähnte Feststellung könne ohne weiteres dahin aufgefaßt werden, daß die Verwertung der °0 Morgen Land zwar in das Belieben der Beklagten gestellt sein, aber doch an die Auseinandersetzungsforderung von 50 000 DM gebunden bleiben solle» Ein Ablösungsrecht könne dem Kläger auch nicht im Wege ergänzender Vertragsauslegung zugestanden werden» Wenn die Parteien auch beim Abschluß des Vertrages mit der Möglichkeit, daß der Kläger in absehbarer Zeit die zur Abfindung benötigten 50 000 DM aufbringen würde, nicht gerechnet hätten, so lasse sich doch nicht feststellen, daß bei Berücksichtigung dieser Möglichkeit die Verfügüngsbefugnisse der Beklagten und die Rücküber-tragungsmöglichkeiten anders, als es in dem Vertrag ge= schehon sei, geregelt worden wären» Dem Interesse des Klägers sei durch das ihm eingeräumte Vorkaufsrecht weitestgehend Rechnung getragen» Die Frage, ob der Kläger die Verpflichtung zur Auf-lassung des Grundstücks an die Beklagte durch Zahlung von 50 000 DM abwenden kann, hängt von der Auslegung des Vertrages ab» Hierbei handelt es sich um eine tatrichterliche Entscheidung, die für das Revisionsgericht bindend ist, es sei denn, daß sie auf einer Gesetzesverletzung beruht» Die Auslegung, die das Oberlandesgericht dem Vertrag gegeben hat, ist nach seinem Wortlaut möglich» Sie läßt auch sonst keinen Rechtsverstoß erkennen. Unbegründet ist auch die Rüge der Revision, das Oberlandesgericht habe die Vertragsbestimmungen nicht im Zusammer hang gewürdigte Das Gegenteil ergibt sich aus den Entscheidungsgründen des angefochtenen Urteils„ Die Auffassung des Berufungsgerichts, der Vertrag enthalte - abgesehen von einet Austauschrecht des Klägers und der Einräumung eines Vorkaufsrechts - keine Verfügungsbeschränkung, ist frei von Rechts-irrtumP Es ist rechtlich nicht zu beanstanden? daß das Berufungsgericht die Vertragsbestimmungp der Kläger solle jederzeit "im beiderseitigen Einvernehmen" das Grundstück zurückerwerben können, zur Begründung für seine Ansicht herangezogen hat, die Beklagte habe - von dem Sonderfall des Grund-stückstauschs abgesehen - allein darüber entscheiden sollen, ob sie das Grundstück behalten oder wieder aus der Hand geben wolle0 Im übrigen hätte es einer besonderen Hervorhebung dieser Rückkaufsmöglichkeit nicht bedurft; denn auch ohne eine besondere Abrede konnte der Kläger im Einvernehmen mit der Beklagten das Grundstück jederzeit zurückerwerben0 Wenn dies gleichwohl im Vertrag niedergelegt wurde und die Beklagte im Anschluß daran sich im Palle eines Angebotes von Ländereien, die ihr eine ausreichende Sicherheit gewährleiste "auch" mit einer Rückubertragung der Parzelle an den Kläger einverstanden erklärt hat, so braucht das nicht dahin verstanden zu werden, daß der Kläger gegen Anbietung des Abfindungsbetrages eine Rückübertragung des Landes sollte verlangen können„ Laß, wie die Revision meint, das beiderseitige Rinvernehmen sich nur auf die näheren Bestimmungen eines Rückkaufs, z0B0 hinsichtlich der Zahlungsbedingungen, hätte beziehen können, ist in dem Vertrag nicht zu dem Ausdruck gebracht«, Es stellt jedenfalls keinen Rechtsverstoß dar, wenn das Berufungsgericht den Vertrag insoweit nicht im Sinne der Revision ausgelegt hat«. Für die Annahme, das Oberlandesgericht habe bei der Auslegung des Vertrages die Interessenlage des Klägers außer acht gelassen, sind Anhaltspunkte nicht gegebene Die Tatsache, daß in dem Vertrag das Risiko eines Absinkens der G-rundstückspreise dem Kläger auferlegt wurde, zwingt ebenso wie der Gesichtspunkt, daß der Beklagten im Falle einer Verwertung des Landes kein höherer Erlös als 50 000 DM zufließen sollte, nicht zu der Auffassung, daß der Kläger jederzeit berechtigt sein sollte, durch Zahlung des Abfindungsbetrages den Auflassungsanspruch der Beklagten abzuwenden o Das Berufungsgericht hat auch die Feststellung der Parteien, daß die Übertragung der Parzelle ausschließlich als Sicherheit für den Abfindungsanspruch der Beklagten gelten solle, nicht übersehene Wie diese Vertragsbestira-mung zu verstehen ist, hängt von der Auslegung des Vertrages abo Las Oberlandesgericht hat nicht verkannt, daß die erwähnte Feststellung an sich durchaus dafür sprechen könnte, daß die Beklagte lediglich Sicherungseigentum an dem Land erhalten solle0 Wenn das Berufungsgericht im Hinblick auf den übrigen Inhalt des Vertrages zu einer anderen Auslegung, nämlich zu der Auffassung gelangt ist, daß die Verwertung des Landes zwar in das Belieben der Beklagten gestellt, aber doch an die Auseinandersetzungsforderung von 50 000 DM gebunden bleiben solle, so sind hiergegen rechtliche Bedenken nicht zu erheben0 Der Revision ist zwar zuzugeben, daß die Annahme, es liege kein Sieherungseigentum vor, auf die Befugnis der Beklagten, das G-rundstück zu dem Zweck der Befriedigung zu veräußern, nicht gestützt werden kann; denn dem Sicherungsnehmer steht auch ohne besondere Abrede bei Balligkeit der Forderung ein Verwertungsrecht zu, Die Stellung der Beklagten geht jedoch über die Kechtssteliung eines Sicherungseigentümers insofern hinaus, als die Beklagte nach der rechtlich nicht angreifbaren Auslegung de3 Vertrages durch das Berufungsgericht frei darüber entscheiden konnte, ob 8ie das Grundstück behalten oder aus der Hand geben wollte, während der Sicherungsgeber mangels besonderer Vereinbarung die Rückübertragung verlangen kann, wenn er sich zur Befriedigung des Gläubigers erbieteto Inwiefern § 305 BGB verletzt sein soll, ist nicht ersichtliche Die Bedenken der Revision, die sich auf die Genehmigung des Vertrages beziehen, sind ebenfalls nicht begründet«, Zu Unrecht glaubt die Revision, der Vertrag in seiner vom Berufungsgericht dargelegten Bedeutung werde von der Genehmigung nicht gedeckte Der Vertrag bedurfte, da er die Verpflichtung zur Übereignung eines landwirtschaftlichen Grundstücks zu dem Gegenstand hatto, nach Artikel IV Abs, 1 in Verbindung mit Artikel IX Abs0 2 KRG Nr«, 45 der Genehmigung durch die Landwirtschaf tsbehördo, die nur aus den in Artikel IV Absc 4 KRG Nro 45 und Artikel III Abs. 5 BrMilRegVO Nr«, 84 angeführten Gründen versagt werden durfteo Die Entscheidung über eine solche Genehmigung unterliegt einer Nachprüfung in einem besonderen Verfahren nach Maßgabe der Vorschriften de3 Gesetzes über das gerichtliche Verfahren in Landwirtschafts-