BGH · V ZR 116/73 vom 17.01.1975
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Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 17* Januar 1975 durch den Vorsitzenden Richter Hill und die Richter Dr. Mattem, Dr. Grell, von der Mühlen und Dr. Eckstein für Recht erkannt: Das Landgericht ist zu der Überzeugung gelangt, daß die Kläger nach dem Willen der Vertragsparteien ein Recht zur Bebauung beider belasteter Grundstücke mit je einem Wohnhaus haben sollten. "daß das Grundstück der Gemarkung Fl.St.Nr. 639/31, eingetragen .., mit einem Erbbaurecht zugunsten der Kläger belastet ist, das diese berechtigt, darauf ein Wohnhaus samt Nebengebäuden zu errichten." Daher müsse unter Beachtung des Gesamtverhaltens der Beteiligten vor, bei und nach seinem Abschluß durch Auslegung ermittelt werden, ob die Parteien ein Gesamtrecht an beiden Parzellen zur Errichtung eines Wohnhauses oder je ein Erbbaurecht an jeder Parzelle mit dieser Befugnis begründen wollten. Der Senat kann die Einwände der Revision gegen diese Auffassung des Berufungsrichters nicht prüfen: es muß bei der Abweisung der Klage schon deswegen bewenden, weil sie auf Feststellung eines bestehenden und nicht, auch nicht hilfsweise, auf Verschaffung eines dem Vertrage von I960 entsprechenden Rechts gerichtet war und eine Erbbauberechtigung, wie sie vom Landgericht festgestellt worden ist, nicht zur Entstehung gelangt ist. Daher beschränken sich Inhalt und Umfang des Rechts, auch wenn die Einigung darüber hinaus gehen sollte, auf den Inhalt der Grundbucheintragung, Maßgeblich für deren Auslegung ist nach ständiger Rechtsprechung des Senats (BGH LM Nr. 4, 5 zu § 1018 BGB für die Dienstbarkeit; Diese Rechtsbedeutung der Grundbucheintragung hat zur Folge, daß sie vom Revisionsrichter selbständig auszulegen ist: Im vorliegenden Falle kann ein unbefangener Leser der Eintragung und der in Bezug genommenen Beschreibung des Rechts im Vertrage der Parteien nicht entnehmen, daß die Kläger das Recht haben, zwei Wohnhäuser samt Nebengebäuden auf den beiden Parzellen zu errichten. Beide Tatrichter sind zu ihren einander entgegengesetzten Auffassungen über den Vertragswillen der Parteien auch nicht auf Grund des Grundbuchs und der darin in Bezug genommenen Unterlagen, sondern unter Zuhilfenahme der Entstehungsgeschichte gelangt, für welche das Grundbuch nichts ergibt. Entgegen der Meinung der Revision besagt der Umstand, das beide Parzellen im Bestandsverzeichnis des Erbbaugrundbuchs wie im Eingang des Bestellungsvertrages als "Bauplatz" bezeichnet werden, nicht schon, daß auf beiden je ein Wohnhaus oder auf der Gesamtfläche zwei Häuser errichtet werden dürften; ohne Kenntnis des Vertragswillens muß der unbefangene Leser des Grundbuchs davon ausgehen» daß die Kläger das Recht haben, auf den beiden rechtlich selbständigen, benachbarten und zu dem "Grundbesitz" zusammengefaßten Grundstücken ein Wohnhaus zu bauen« Die vor dem Senat erörterte Frage, ob in dem Klageanträge auf Feststellung einer bestehenden Berechtigung als ein Weniger der Antrag auf Verurteilung zur Verschaffung dieser Berechtigung nach Maßgabe des Vertrags von i960 gesehen werden könne, ist zu verneinen« Es handelt sich um zwei der Qualität nach unterschiedliche Begehren« Die Abweisung der Feststellungsklage besagt daher nichts darüber, ob der Vertrag der Parteien darauf gerichtet ist, ein Recht der Kläger zu dem Bau eines zweiten Hauses zu begründen«