BGH · V ZR 116/64
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Nach dem Tode der Witwe FfHP sen, wurde der Hof zunächst von ihrem Sohn Georg* der damals 27 Jahre alt war und die Bandwirtschaftsschule besucht hatte* zusammen mit den anderen Geschwistern gemeinschaftlich,bewirtschaftet0 Roinhold wurde Rechtsanwalt* Karoline ging ins Kloster, Die Beklagte heiratete im Jahre 1923 den Bandwirt Hermann Njggto* dor Eigentümer eines Hofes in v;ar? zog die Beklagte auf den sogenannten "Speicher11 des elterlichen Hofeso Außer den Klägern lebten dort noch Karl und Theresia Georg hatte im Jahre 1933 die Klägerin zu 1 ge- heiratet o Kurz vor seiner Hochzeit unterschrieben die 6 Geschwister einen von Reinhold entworfenen privatscbriftlichen Vortrag«, der als "Brbteilungs- und Übergabevertrag" bezeichnet ist und das Datum vom 8, Februar In dem Vertrag ist sodann bestimmt, daß Georg F|HI das elterliche Anwesen nebst Inventar - mit Ausnahme des Speicher grundstückSp das in das Miteigentum von Karl und Theresia übergehen soll - zü einem Preis von 19 000 Mark und gegen Gewährung eines Leibgedings an Theresia erhält ~ünd übernimmto Von dem hypothekarisch zu sichernden Preis von 19 000 Mark sollte Karl 17 0C0 Mark als Abfindung bekommen* Die Beklagte sollte außer einem Aufwertungcguthaben 3 000 Mark in bar erhalten* Weitere Leistungen waren für die Geschwister Karolino und Theresia vorgesehen* Reinhold erklärte sich für abgefunden und verzichtete auf jeden Anspruch* Georg FBBI bewirtschaftete nach seiner Heirat mit seiner Ehefrau den elterlichen Hof* Die in dem Vertrag vom 8* Februar 1933 vorgesehenen Abfindungen der:Geschwister wurden von Georg und den Klägern als seinen Rechtsnachfolgern? weil er von diesen bis zu seinem Tode im Jahre 1955 versorgt wurde * Sie Beklagte hat alsbald nach dem Abschluß des Vertrages 3 000 Mark und später auch das Aufwertungsguthaben erhalten* Ihre Schwester Xaroline hat ebenfalls die im Vertrag vorgesehenen Werte bekommen,, Georg sei schon von seinen Eltern als Erbe des Anwesens vorgesehen gewesen* Er habe sein ganzes Leben auf die Übernahme des Hofes eingestellt und sich um keine andere Existenz gekümmert* Er habe im Einverständnis mit den Geschwistern auch tatsächlich den Hof übernommen* Außer Karl und Theresia habe niemand von den Geschwistern auf dem Hof mitgearbeitet0 Die Beklagte hat Abweisung der Klage beantragt* Sie beruft sich auf die Formnichtigkeit des Vertrages und macht im übrigen geltend? ohne notarielle Beurkundung nicht verbindlich sei* Die nach Georgs Hochzeit erhaltenen Barbeträge von 3 000 und 2 000 Mark habe sie nicht als ilbfindung im Sinne des Vertrages» sondern als Zinsen entgegengenommen0 Georg habe dadurch,, daß er die Umschreibung im Grundbuch nicht veranlaßt habe» zu erkennen gegeben» daß er den Vertrag nicht für bindend halte» Br habe auch im Jahre 1958 beim Finanzamt eine Umlegung der Steuern auf die verschiedenen Erben erreichen wolleno Für ihren Anteil an dem Anwesen habe sie (Beklagte) seit 1951 Steuern und Lastenausgleichsabgaben bezahlen müssen» Der Vertrag vom 8, Februar 1933 bedurfte* weil er eine Verpflichtung zur Übertragung des Eigentums an Grundstücken begründen sollte, gemäß § 313 BGB der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung,, Kr ist deshalb wegen Nichtbeachtung der gesetzlich vorgeschriebenen Form nichtig (§ 125 BGB)0 Gleichwohl hält das Oberlandesgericht den Auflassungsanspruch aus dem Gesichtspunkt von 'freu und Glauben (§ 242 BGB) unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs für begründet» Ks wiederholt zunächst die Feststellungen, wie sie sich aus dem Tatbestand und dem Inhalt des Vertrags vom 8o Februar 1933 ergebene Baß auf die Beklagte bei der Unterzeichnung des Vertrages in irgend einer Weise ein Bruck ausgeübt worden sei, hat das Berufungsgericht nicht festzustellen vermocht» Baß Karl den Klägernn gegenüber auf seine Abfindung von 17 000 Mark verzichtet habe, folgert das Oberlandesgericht daraus, daß er bis zu seinem Tode weder gegenüber seinem Bruder Georg noch gegenüber den Klägern:! seinen Anspruch geltend gemacht habe» Bie Behauptung der Beklagten, sie habe die 3 000 Mark nur als Zinsen und nicht als die im Vertrag vorgesehene Abfindung entgegengenommen, bezeichnet das Oberlandesgericht als unglaubhaft. Der Anlaß und die Rückkehr der Beklagten auf den elterlichen Hof seien, so führt das Öberlande3gericht weiter aus, umstritten, Bie Beklagte lebe auf dem Hof, bezahle aber keine Miete, Ob die Klägerin zu 1 eine solche verlangt habe, stehe nicht fest. Erstmals im Jahre 1947 sei 3ie mit dem Verlangen nach Auflassung an die Beklagte herangetreten, was diese aber in der Folgezeit entschieden abgelehnt habe« Georg Fppp, der als einziges der 7 Kinder eine Landwirtschaftsschule besucht habe und von den Kltern als Hoferbe vorgesehen gewesen sei, habe im Vortrauen darauf, daß der Vertrag auch ohne Wahrung der vorgeschriebenen Form anerkannt würde, auf dem Hof geheiratet, der seine und seiner Familie Existenz gebildet habe« Infolgedessen habe er es auch unterlassen, sich eine andere Lebensgrundlage zu suchen« Von den Geschwistern habe ihm niemand den Hof streitig gemacht« Auch wenn die Beklagte die Nichtigkeit des Vertrages gekannt habe und mithin entschlossen gewesen sei* den Vertrag nicht zu erfüllen, so habe sie das doch gegenüber ihrem Bruder Georg niemals zu dem Ausdruck gebracht«, Das folge zwingend daraus, daß sie die Hilfe ihres Bruders bei der Bewirtschaftung ihres Hofes in Anspruch genommen habe«, Die Beklagte und Reinhold hätten eine Lebensstellung außerhalb des Hofes gegründet0 Nur Karl, der kränklich gewesen sei, und Theresia seien auf dem Hof geblieben.» Georg habe deshalb bis zu seinem Tode davon ausgehen können, daß niemand von den Geschwistern, auch nicht die Beklagte, die 3ich 20 Jahre lang nicht um den Hof gekümmert habe, noch Ansprüche an den Hof stellen würde«, Hieraus erkläre es sich auch, daß Georg nicht auf einer Durchführung des Vertrages bestanden habe, zu demal da von keiner Seite irgend ein Einwand gegen die praktische Durchführung des Vertrages erhoben worden seio Als unerheblich bezeichnet das Oberlandcsgericht die Behauptung der Beklagten, ihr Bruder Georg habe im Jahre 1938 beim Finanzamt die Verteilung der Steuern auf die Geschwister beantragt mit der Begründung, der Hof stehe im Eigentum mehrerer Personen., Nach Lage der Sache habe die Beklagte schon beim Todo ihres Bruders Georg sich nicht mehr auf eine Pormnichtigkeit des Vertrages berufen können, ohne in hohem Maße gegen Treu und Glauben zu verstoßen« wenn die Nichtanerkennung eines formnichtigen Vertrages zu einem harten Ergebnis für den dadurch betroffenen Vertragsteil führen würde; das Ergebnis muß vielmehr schlechthin untragbar sein* Von diesen Grundsätzen geht auch das Oberlandcsgericht aus* Der Auffassung des Berufungsgerichts? Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hat Georg sich bei seiner Heirat im Jahre 1933 auf die endgültige Übernahme des Hofes eingestellte jir durfte auch nach dem Abschluß des Vertrages vom 8« Februar 1933 darauf vertrauen, daß die Geschwister, die sich mit der Übernahme des Anwesens durch ihn einverstanden erklärt hatten, den Vertrag erfüllen würden, zu demal da die Beklagte und auch Reinhold eine Lebensstellung außerhalb des Hofes gefunden hatten, die Schwester Karoline ins Kloster gegangen war und der älteste Bruder Karl, der kränklich war, sowie seine Schwester Theresia für eine Übernahme des Hofes offensichtlich nicht in Betracht kamen« Diese Tatsachen, insbesondere auch der Umstand, daß Georg 1 0 Jahre lang den Hof wie ein Eigentümer bewirtschaftet hat, ohne daß irgend jemand von den Geschwistern Hinwendungen dagegen erhoben hätte, genügen allein nicht, um eine Bindung der Geschwister an den formnichtigen Vertrag bejahen zu können« Das Berufungsgericht geht davon aus* daß der Beklagten die l'ormnichtig-keit des Vertrages bekannt war« Es ist auch offensichtlich der Auffassung, daß Georg die Eormniehtigkoit des Vertrages gekannt, hat« Dies muß aus der Bemerkung in den Bntscheidungsgründen des angefochtenen Urteils entnommen werden, Georg habe im Vertrauen darauf, daß der Vertrag auch ohne Wahrung der vorgeschriebenen Form anerkannt würde, auf dem Hof geheiratet« Georg wußte deshalb, daß eine rechtliche Bindung der Geschwister durch den Vertrag nicht begründet worden war« Zutreffend weist die Revision auch darauf hin, daß Georg Frank am 31» Januar 1934 beim Amtsgericht Sigmaringen die Erteilung eines Güterrechtszeugnisscs und Erbschoins beantragt hat mit der Begründung, daß im Einverständnis mit seinen Geschwistern das olterliche Anwesen auf ihn im Grundbuch eingetragen werden sollte« Ein Zeugnis über die Fortsetzung der Gütergemeinschaft nach dem Tode des Vaters und ein Erbschein über die Erbfolge nach dem Tode der Mutter wurden antragsgemäß ausgestellt« Georg hat jedoch in der Folgezeit bis zu seinem Tode nichts unternommen, um eine Umschreibung des Hofes auf seinen Namen herbeiZufuhren« Gegenüber der Tatsache, daß niemand von den Geschwistern Georg den Hof streitig gemacht hat, ist darauf hinzuweisen, daß Georg niemals eine Auflassung entsprechend dem Vertrag verlangt hat« Es trifft zwar zu, daß Georg Abfindungsleistungen nach Maßgabe des Vertrages an seine Geschwister Wie die Geschwister sich verhalten haben würden, wenn Georg die Umschreibung des Hofes auf seinen Namen verlangt hätte, ist ebenfalls nicht festgestellt * Bür v;eise Georg für sich oder eines seiner Kinder sich Hoffnungen auf den Hof der Beklagten gemacht habe, liegen keine Anhaltspunkte vor* Georg hat jedenfalls die Durchführung des Vertrages in den wesentlichsten Punkten in der Schwebe gelassen* Bei dieser Sachlage konnte schon Oeorg von seinen Geschwistern nicht mit Erfolg die Auflassung der Grundstücke verlangen* Das gilt auch für die Kläger* Die Nichtanerkennung des Vertrages mag für die Kläger hart sein* Als untragbar kann die Hechtsfolgo der Nichtigkeit des Vertrages jedoch nicht bezeichnet werden» Nach Georgs Tode sind vier weitere Geschwister verstorben, so daß die Kläger insgesamt nunmehr zu dem weitaus überwiegenden Teil an dem Anwesen beteiligt sind0 2s kann nicht als untragbar für sie bezeichnet werden, daß der restliche Anteil weiterhin der Beklagten verbleibt« Seit 1947 wußte auch die Klägerin zu 1 - ihre Kinder waren damals noch minderjährig daß die Beklagte den Auseinandersetzungsvertrag nicht anerkannte und eine Auflassung ablehnte« Die Kläger würden zwar, wenn im Palle einer Zwangsversteigerung zwecks Auseinandersetzung der Gemeinschaft das Anwesen in andere Hände übergehen sollte, die bisherige Lebensgrundlage verlieren« Sie wären dann aber mit einem so erheblichen Anteil an dem Erlös zu beteiligen, daß sie in der Lage wären, sich eine anderweitige Existenz zu beschaffen« Die Verneinung einer Bindung der Beklagten an den formnichtigen Vertrag kann deshalb nicht als untragbar für die Kläger angesehen werden«