BGH · V ZR 110/60
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Benutzt die Urkundsperson1 bei1 Errichtung eines öffentlichen Testaments einen vorher fertiggestellten Testament sentwurf, so kann die mündliche Erklärung des letzten Willens durch den Erblasser mit der Verlesung und Genehmi gung der Testamentsniederschrift in einen Vorgang susam- ; ...Der Gültigkeit eines Dorf testaments steht die Mangelhaftigkeit (nur) seiner Niederschrift dann nicht ent-, gegen, wenn in dieser der Inhalt der letztwilligen .Erklärung des Erblassers wiedergegeben und von.ihm' wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an den 1. Zeuge Der Kläger hält das letztere Testament für unwirksam und klagt auf Feststellung, daß die Beklagte nicht Nacherbin sei« ' Ein Urteil auf Grund bloß einseitiger mündlicher Verhandlung sieht das Gesetz nur vor als Versäumnisurteil (§§ 330, 331 ZPO) oder als Entscheidung nach Lage der Akten (§ 331 a ZPO). Das vorliegende Urteil beruht allerdings, wie sich ' , aus den späteren Ausführungen zur Sache (unten B) ergibt, inhaltlich nicht, auf der Säumnis in dem Sinne, daß ihm eine gesetzliche Säumnisfolge zu Grunde läge, wie etwa im Pall der Säumnis des Antragstellers der Instanz ein Urteil auf Zurückweisung von klage oder Rechtsmittel ohne Sachprüfung (§§ 3.30, 542 Abs.1, 557 ZPO) oder im Pall der Säunpiis des Antragsgegners der Instanz ein auf Geständnisfiktion oder Beweisfiktion aufgebautes Urteil gegen Ihn. Das vorliegende,Urteil wäre vielmehr nach dem derzeitigen Sachund Streit stand "i.:-inhaltlich ebenso ergangen, wenn der Beklagte nicht säumig gewesen wäre, sondern eine zweiseitige streitige mündliche Verhandlung stattgefunden hatte» Das steht jedoch der Bejahung eines Versäumnisurteils nicht ;entgegen» Denn das Versäumnisurteil setzt begrifflich zwar ■‘‘voraus, daß es gegen die säumige Partei ergeht, aber nicht auch, daß es inhaltlich auf einer Säumnisfolge beruht (so richtig. Baumbach/Lauterbach, ZPO 26» Auf1» Übers» 3 A vor § 330); soweit die Lehre den Begriff abweichend zu bestimmen scheint (Rosenberg, iLehrbuch des deutschen Zivil-1 Prozeßrechts 9» Auf1» § 106 III; Stein/Jonas/Schönke/Pohle aaO III (2 vor § 330), führt sie diese Begriffsbestimmung nicht folgerichtig durch, indem sie gerade in ‘.Pallen Wie dem vorliegenden ebenfalls ein Versäumnisurteil bejaht ohne Rücksicht darauf, ob die Entscheidung Inhaltlich auf .einer Säumnisfolge beruht oder nicht (Stein/Jonas/Schönke/ Pohle, § 542 III 5, § 566 III 1 und 2; wohl auch Rosenberg § 143 IV 2 b a; ebenso auch Nikisch, Zivilprozeßrecht ' 1950 § 126 IV 5). entscheidenden insofern wesentlich ab, als das Gesetz eine Entscheidung über die Zulässigkeit des Rechtsmittels , auch ohne mündliche Verhandlung im Beschlußweg zuläßt (§§ 519 b, 554 a ZPO), für diesen Fall der Mündlichkeitsgrundsatz also durchbrochen ist« Soweit dagegen der Mündlichkeit sgrundsats reicht, also im Regelfall, kann auch, dann, wenn nicht auf Grund gesetzlicher Säumnisfolgen .. Durch die Möglichkeit einer Entscheidung nach Lage der Akten hat der Gesetzgeber dem Bedürfnis nach einem instanzbeendigenden Urteil auch gegen den Säumigen auf Grund sachlicher Prüfung Rechnung Ist hiernach ein Urteil gegen den Beklagten nur als Versäumnisurteil zulässig, so -steht seinem Erlaß andererseits nicht entgegen, daß die Revisionsklägerin nur ihren Sachantrag verlesen und nicht auch ausdrücklich den' Prozeß-antrag auf Erlaß eines Versäumnisurteils gestellt hat* , daß' er den zu beurkundenden Testamentsinhalt nicht von der Erblasserin selbst, sondern über eine Mittelsperson mitgeteilt bekommen habe (BU So 9 oben)« Es unterstellt, daß diese Mittelsperson nicht die Beklagte, sondern die (dann als Testamentszeugin mitwirkende) Krankenschwester Agnella ■ ■' SchMBV1 war (S. 8)« Es unterstellt, ,daß der Gemeindedirektor den (dann von ihm) niedergeschriebenen Test.amentsentwurf.in Abschnitten vorgelesen und die Erblasserin auf Befragen, ob dies richtig sei, nach Jedem Abschnitt mit Ja geantwortet habe, und daß sie die am Schluß gestellte Präge, oh das ganze richtig sei, eben-falls bejaht habe (So 9)• Es unterstellt weiter, daß die Erblasserin bei der Verlesung des Testamentsentwurfs bei. 9/10) o Es erklärt jedoch für nicht ausschli,eß-bar, daß die Erblasserin durch das Erscheinen des Gemeinde-direktors mit den Zeugen überrascht1 worden sei und ihr Jawort gegeben habe, um sich dieser 'Lage, in der sie sich bedrängt fühlte, möglichst rasch zu entziehen, so daß offen bleibe, ob sie dem Yorgelesenen überhaupt'gefolgt sei; auch sei nicht von der Hand zu weisen, daß sie nur deshalb bejaht habe, weil didse Erklärung von den um ihr Bett hcrumstehenden Personen erwartet worden sei (S« 10)« Schließlich erklärt es für möglich, daß das Verlesene nicht, voll dem Willen der Erblasserin entsprochen und sie ja gesagt habe, weil sie infolge ihres Krankheitszustandes * ' nicht mehr in der Lage war, mündlich andere Wünsche zu äußern (S, 10)* In rechtlicher Hinsicht bejaht das Berufungsgericht die Zuständigkeit, des Gemeindedirektors zur Aufnahme eines Hottestaments (§ 23 Testamentsgesetz, jetzt § 2249 BGB) und das Vorliegen einer Niederschrift (§ 13 TestG - §§ 2240/ 41 BGB)o Es vermißt jedoch in der Niederschrift die Angabe, .daß die Erblasserin ihren letzten Willen mündlich erklärt habe (§ 23 Abs * 1 Satz 3 i .V„m. 2238 Abs. 1 BGB), und hält nicht m?it Sicherheit für feststellbar, daß das Testament die Erklärung der Erblasserin zuverlässig -wxe&ergebe (§23 Abs.6 TestG - § 2249 Abs« 6 'BGB)• ' , ■ ■' , _ 7 Mitte) zutreffend davon aus, daß-es in dem hier allein in Betracht kommenden.ersteren Fall-(T e stamentserrichtung durch mündliche Erklärung des letzten Willens) genügt, wenn die Urkundsperson dem Erblasser den zuvor niedergeschriebenen Testamentsentwarf . Zu Unrecht schränkt das Berufungsgericht jedoch anschließend diese Auffassung dahin ein, ein.solches Jawort könne nur dann als eine mündliche Erklärung angesehen werden, wenn der Erblasser vor der Niederschrift zu dem Ausdruck gebracht habe, daß das Testament den ihm (gemeint: später) vorgelesenen Inhalt haben solle, und wenn er mit seinem Jawort das Vorgelesene sieh in dem Sinne.zu.eigen mache, daß das Verlesene seine’- Zu 2: Nach dem Gesetz muß über die Errichtung eines Testaments eine Niederschrift in deutscher Sprache aufgenommen werden (§ 13 Abs« 1 TestG ~ § 2240 BGB)« Sie muß einen bestimmten Blindestinhalt haben (§ 13 Abo« 2? Mit Recht beanstandet das Berufungsgericht in dieser Hinsicht5 die Testamentsurkunde besage nichts über den Vorgang der Erklärungsabgabe als solchen. ,knüpfungspunkt hierfür ist aber jedenfalls § 13 Abs* 1 TestG (§ 2240 BGB)s wonach es sich um eine Niederschrift "über die Errichtung des Testaments11 handeln muß (entsprechend § 175 FGGs "über die Verhandlung”)a. wo sich die Tätigkeit der Urkundsperson auf die Bezeugung der ,Richtigkeit (Echtheit) der Unterschrift beschränkt (§ 129 BGB § 183 EGG)0 Es ist deshalb efn grundlegendes Gebot für die .Ordnungsmäßigkeit (wenn auch nicht für die Existenz, unten II) einer Niederschrift, daß sie ergibt, ob sie die in ihr .niedergelegte Willenserklärung als von der Urkundsperson unter-Anwesenden abgegeben beurkunden oder nur die Richtige keit der Unterschrift desjenigen .bezeugen will, der d;Le Willenserklärung abgegeben hat (hier: der Erblasserin)-• § 13 Abs* 1 TestG (§ 2240 BGB) und damit (bei Erfüllung auch der übrigen Voraussetzungen) eine Öffentliche Urkunde dieses Inhalts ... im Sinn von § 415 ZPO'vor, im letzteren Falle dagegen, was den letzten Willen betrifft, nur eine Privaturkunde * (Damit ist nicht gesagt, daß die Niederschrift ausdrücklich die Mündlichkeit der Erklärungsabgabe - im Gegensatz zur Erklärung durch Zeichen1oder Gebärden - mitteilen müßte; vglo hierzu RGZ 16T, 378, 381,) Nach allem ist dem Berufungsgericht im Ergebnis darin beizutreten, daß die Testa-mentsniederschrift einen wesentlichen Mangel enthält,, indem sie,nichts über den Erklärungsvorgang besagt» ■ In Betracht kommt noch ein weiterer, vom Berufungsgericht nicht erörterter Mangele Die Urkundsperson und die zwei mitwirkenden Zeugen treten in der Urkunde nur durch ihre Unterschrift und sonst nirgendwo in Erscheinung« Nach herrschender Lehre reicht dies zur "Bezeichnung” der Verband lung steilnehme r in der Niederschrift im Sinne von 1 § 13 Abs. 2 Nr. 2 TestG (§ 2241 Abs« 1-Nr. 2 BGB) nicht aus (Vogels/Seybold, Testamentsgesetz § 13 Rdn« 11; Stau-dinger/Firsching, BGB 11. ' Denn da es schon wegen des oben erörterten anderen Inhaltsmangels der Niederschrift auf die Präge der Unschädlichkeit : nach § 23 Abs» 6 TestG (§ 2249 Abs« 6.BGB) ankommt (unten II, III)ein etwaiger Verstoß gegen § 13 Abs« 2 Nr« 2 TestG : (§ 2241 Abs« 1 Nr« 2 BGB) aber ebenso unschädlich wäre (aaö), ist nicht mehr entscheidungserheblich,- ob auch dieser Verstoß vorliegt« a) Besorgnis, daß der Erblasser früher sterben werde, als die Testamentserrichtung vor einem Richter oder Notar möglich ist (§ 23 Abs« 1 Satz.1 . e) Verlesung 3 Genehmigung und Unterzeichnung der Niederschrift (Abs» 1 Satz 1, Abs«, 4 von § 16 TestG bzw« § 2242 BGB). Yon diesen Voraussetzungen wird 1 die Zuständigkeit des ■ Gemeindedirektors (b) vom Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum bejaht« Die Verlesung der‘Testamentsurkunde (durch den Gemeindedirektor) und ihre Genehmigung durch die Erblasserin (e) wird (als mit dem Erklärungsvorgang selbst zusammen-.fallend) vom Berufungsgericht unterstellt; das Oberlandesgericht geht auch ersichtlich davon aus 5 daß die Unter-{ schrift nAuguste unter dem Testament von der Zutreffend hält das Berufungsgericht die vermißten Formerfordernisse für ersetzbar nach Abs« 6 von ,§ 23 TestG1 2249 BGB)„ Voraussetzung dieser Ersetzbarkeit (Unschädlichkeit) ■ ist 5 daß es sich um “Formfehler“ “bei Abfassung“ der Niederschrift über die Errichtung des Dorftestaments handelt«, Willens des Erblassers sicherzustellen« Der letztere Sicherungsgedanke hat bei § 23 Abs* 6 lestG (§' 2249 Abs«, 6 BGB) ln der unten III zu erörternden Voraussetzung seinen Nieder-.schlag gefunden? hier nicht'vor» Auch kann offen bleiben, ob ein Mangel hin-.'., sichtlich der Verlesung, Genehmigung,und Unterzeichnung (oben I 3 e.) wegen des ■ inneren Zusammenhangs dieser Vorgänge mit der Niederschrift unter Abs«, 6 aaO fällt, obwohl-, eie begrifflich nicht zur tfAbfassung11 der Niederschrift, sondern zu den weiteren ("materiellen“) Erfordernissen der . Instanz zugrundezulegenden Sachverhalt liegen auch diese Mängel nicht vor; bei einem-Mangel der Verlesung und Genehmigung würde übrigens zugleich die im vorliegenden Pall damit inhaltlich zusammenfallende mündliche Erklärung ■ des Erblasscrwillens und damit eine nach Abs» 6 aaO .jedenfalls nicht ersetzbare (weitere), 'Materielle-1* Errichtungs- . 2241 Abs o 1 BGB)0 Baß es sich hierbei um begriffsnotwendige Prötokollbcstandteile handle, wie Staudinger/Pirsching (aaO § 2249 Rdn«, 32 bis 34) meinen, ist'wenig einleuchtend, aber nicht entscheidend; denn auch wenn sie es sein sollten, trifft jedenfalls der gesetzgeberische Sinn der Unschäd-lichkcitsvorochrift gerade und insbesondere auf sie zu;, demgegenüber müßten die aaO erhobenen rechtobegrifflieh- s -'konstruktiven Bedenken zurücktreten* Die Bejahung der ^ : Ersetzbarkeit dieser inhaltlichen Protokollen!ordernisse entspricht denn auch der durchaus herrschenden Meinung (RGRK aaO § 2249 Ann. 18, 20; Siebert/Ehard/Eder, BGB ,9. oben I 2 b), Dazu gehört nach dem Zweck des Abs 0 6 aaö aber auch der im vorliegenden Pall gegebene Mangel der Beurkundung über die Art der Abgabe der Erblassererklärung (oben I 1}, so daß also auch eine Urkunde9 die sich äußerlich als bloße Beglaubigung darstellt5 als Dorftestament gültig sein kann (ebenso KG HEZ 12 233 = NJW 1947/46 118 = ' SJZ 1948g 200? Mit rechtsirriger Begründung verneint das Berufungsgericht jedoch die weitere Voraussetzung einer Unschädlich- : keit nach § 23 Abs.6 TestG "(§ 2249 Abs.6 BGB)- das Testament enthalte eine zuverlässige Wiedergabe der Erklärung des Erblassers* Beweispflichtig hierfür ist nach allgemeinen Grundsätzen die Beklagte als diejenige Partei, . 349) hiergegen, weil die Beweiskraft des § 416 ZPO mangels Zulässigkeit des Gegenbeweises stärker sei als die des § 415 (dort Abs« 2,}, sind unbegründet, weil sich die Beweiskraft des § 416 gegenständlich auf die Erklärungsabgabe durch den Aussteller (hier Erblasser) beschränkt, die des § 415 sich aber auf die Erklärungsabgabe durch eine vom Aussteller (hier öffentliche Urkundeperson) verschiedenen Dritten (Erblasser) erstreckt« Im vorliegenden Fall ergibt der Urkundentext zweifelsfrei, daß die in der Ichform niedergelegte letztwillige Erklärung inhaltlich eine Erklärung der Erblasserin, nicht der beiden als Zeugen bezeichneten Personen oder des Gemeindedirektors, darstellen soll; soweit die Abgabe dieser Erklärung in Betracht kommt, ■ ist also Aussteller von den Unterzeichnern inur die Erblasserin« Damit sind die Voraussetzungen des § 416 ZPO erfüllt % Die Urkunde erbringt vollen Beweis dafür, daß die -■in ihr enthaltenen, als letztwillig bezeichneten Er- < klärungen von der Erblasserin abgegeben worden sind« nichts weiter, als daß die (letztwillige) Erklärung des Erblassers inhaltlich mit dem in der Testamentsurkunde darüber Wiedergegebenen übereinstimmt * Daß das Gesetz noch von 11 Zuverlässigkeit11 der Y/iedergäbe spricht und davon5 daß die Übereinstimmung “mit Sicherheit“ anzunehmen sein müsse, enthalt nur einen - rechtlich überflüssigen und für den Fall formeller Beweiskraft'(hier des § 416 ZPO) gegenstandslosen -doppelten Hinweis,darauf3 daß an diese Übereinstimmung beweis-mäßig kefne zu geringen Anforderungen gestellt werden dürfen; .die Worte enthalten aber keine weiteren materiell-rechtlichen Voraussetzungen über jene Übereinstimmung hinaus. Jene Worte lassen sich vielmehr zwanglos daraus erklären, daß zur Zeit der Schaffung des (Testamentsgesetzes die Sprache des Gesetzgebers sich schon weitgehend von der Präzision und Knappheit der klassischen Gesetzeswerke aus der Zeit um die Jahrhundert-wende entfernt und einem Streben nach wirklicher oder ver-mcintlichcr Volkstümlichkeit zugewandt hatte, sowie im Zusammenhang damit aus dem Umstand, daß gerade die hier geforderte inhaltliche Richtigkeit des Erklärungstextes gegenüber der vom Gesetz angestrebten Formenlockerung als Mind"co t o r f o r d ernis besonderer Unterstreichung zu bedürfen .pchien, wie auch der.an In einem für den vorliegenden Pall entscheidenden Punkt geht allerdings § 23 Abs• 6 TestG (ebenso § 2249 Abs.6 BGB) nicht so weit wie der GesetzesvorSpruch (aäO). Aber die Rechtsordnung erkennt aus zwingenden Gründen der Rechtssicherheit auch im Erbrecht den rechtsgeschäftlichen Willen grundsätzlich nur insoweit an, als er durch eine Erklärung nach außen verlaut-^ hart wird; maßgebend ist nicht der im Innern verbliebene WiIle. sondern dasjenige, was als Wille nach außenhin erklärt wird. Deshalb kann irudiese Vorschrift auch nicht etwa entsprechend dem Gesetzesvor- 1 Spruch das weitergehende Erfordernis hineingelesen werden, daß der Urkundeninhalt nicht (nur) die Willenserklärung, sondern (auch) den inneren Willen des Erklärenden zuverlässig wiedergeben müsse (worauf sich allerdings die Beweiskraft der §§ 415, 416 ZPO nicht erstrecken würde); für eine derartige Auslegung, deren Ergebnis allgemeinen Grundsätzen entscheidend zuwiderliefe* besteht weder ein Anhaltspunkt'im Willen des Gesetzgebers von 1938 (Testaments-gesetz) oder 1953 (Vereinheitlichungsgesetz) noch ein praktisches Bedürfnis, In letzterer Hinsicht .ist insbesondere nicht zu befürchten, daß jener Absatz 6 ohne eine derartige Auslegung zu dem Schaden der Rechtssicherheit zu einer schrankenlosen Unschädlichkeit von lestamentsmängeln führen würde! in allen Fällen« wo der Mangel die Unterschrift des Erblassers betrifft« Und auch im Anwendungsbereich des § 416 ZPO werden nach § 23 Abs« 6 TestG (§ 2249 Abs« 6 BG-B) nur Mängel der Testamentsurkunde geheilt, aber nicht auch Mängel in den “materiellen" Errichtungsvoraussetzungen (oben II a); ob diese “materiellen“ Errichtungsvoraussetsungen vorliegen, muß nachgewiesen werden (hier von der Beklagten); dieser .Nachweis kann zwar durch die jene Voraussetzungen feststellende Urkunde selbst erbracht werden, wenn sie die Anforderungen an eine öffentliche Urkunde erfüllt (§§ 415, 418 ZPO) aber das letztere'trifft bei dem in Absatz 6 aaÖ vorausgesetzten Vorliegen von Formfehlern:in der. Fordert Abs« 6 aaö hiernach zur Unschädlichkeit der oben (II) erörterten Formfehler sachlich-rechtlich nur inhaltliche Übereinstimmung zwischen der abgegebenen und der niedergeschriebenen Erblassererklärung und ist verfahrensrechtlich der Beweis dieser Übereinstimmung auf Grund von § 416 ZPO erbracht, so beanstandet es die Revision mit Recht, wenn das Berufungsgericht die Unschädlichkeit scheitern, läßt am mangelnden Nachweis, daß das Jawort der Erblasserin zu dem Ausdruck gebracht habe, das Verlesene solle ihre eigene Erklärung sein« Nach1 § 4*16 ZPO ist bewiesen, daß die Erblasserin die in der Testamentsurkunde als letztwillig aufgeführten Erklärungen abgegeben, also insbesondere die hier entscheidende Einsetzung der Beklagten zur Nacherbin erklärt hat« Wenn das Berufungsgericht gegen eine Unschäd- ;lichkeit anführt, die‘Erblasserin könne ihr Jawort gegeben haben, um sich einer bedrängten Lage zu entziehen, oder ohne dem Vorgclesenen gefolgt zu sein, oder weil das Jawort von den Umstehenden erwartet worden sei, oder weil sie zur mündlichen Äußerung anderer Wünsche infolge ihrer Krankheit nicht mehr in der Lage gewesen sei (BU S» 10) so wird durch alle diese Möglichkeiten nicht die Abgabe einer* Erklärung mit dem niedergeschriebenen Inhalt in Frage gestellt? sondern nur die Übereinstimmung dieser Erklärung mit dem _ inneren Y/illen der Erblasserin» Bas berührt aber die Existenz dieser Erklärung nicht, sondern begründet allenfalls ihre Anfechtbarkeit wegen eines Willensmangels (Irrtum, § 2078 Abs 0 1 BGB, vgl» § 119 Abs0 1 BOB); eine Anfechtung ist jedoch nicht behauptet» (Die zuletzt.genannte Erwägung des Berufungsgerichts könnte noch die Testierfähigkeit berühren? Bas Berufungsgericht wird unter den erörterten rechtlichen Gesichtspunkten den Sachverhalt in der Richtung < auf zulclaren haben, ob die genannten "materiellen” Errichtungsvoraussetzungen (oben I 1 und 3% mündliche Erklärung des letzten Yfillens durch die Erblasserin, Begleitumstände), vorliegend Zu diesem Zwecke war die Sache unter Aufhebung < des angefochtenen Urteils an das Berufungsgericht nach Maßgabe des § 565 Abs» 1 Satz 2 ZPO zurückzuverweisen, das: : auch über die Rosten der Revision.zu befinden haben .wird»