BGH · V ZR 108/70 vom 02.03.1973
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Von diesen Plänen ging das Bewertungsamt der Beklagten, dessen Schätzung von dem die Verhandlungen mit der Klägerin führenden Grundstücksverkehrsreferat eingeholt worden war, bei seiner Bewertung aus; es schätzte den im Plan als Bau- 10.Die Verkäuferin verpflichtet sich, im Zusammenhang mit dem Grundverkauf die nach den vorgesehenen Baulinien das Grundstück an der Süd- und Ostseite umgebenden Straßenflächen im ungefähren Ausmaß von 2 470 qm -im beiliegenden Lageplan des städtischen Vermessungsamts vom 24.6.1954 rot angelegt -unentgeltlich lasten- und kostenfrei an die Stadt abzutreten. stehend näher beschriebenen Besitz die im beiliegenden Lageplan des städtischen Vermessungsamts vom 9« Juli 1954, der einen wesentlichen Bestandteil des gegenwärtigen Vertrags bildet, rosa getönten Teilflächen A mit G, im ungefähren Gesamtausmaß von 65 800 qm an die Landeshauptstadt München • • • unter nachfolgenden Bedingungen: Zur Erschließung des erworbenen Geländes wurde nach diesem tatsächlich durchgeführten Plan eine wesentlich geringere Straßenflä$he benötigt» als in den früheren Plänen vorgesehen und dementsprechend von der Klägerin "unentgeltlich abgetreten" worden war» nämlich nur 6 170 qm (Klägervortrag) oder 8 100 qm (Beklagtenvortrag). 1 • Das Berufungsgericht legt die beiden als Kaufverträge bezeichneten Verträge vom Jahr 1954 trotz der Aufgliederung des zu übereignenden Grund und Bodens in solchen, der nach dem jeweils zugrunde gelegten Lageplan als Bauland ausgewiesen ist ("Nettobaufläche"), und solchen, der nach den in dem Plan vorgesehenen Baulinien auf künftige StraBen- und Grünanlagen entfällt und "unentgeltlich1* übertragen werden sollte, als Verträge Über den Kauf der gesamten zu übereignenden Grundfläche aus (S* 21 BU). Das Berufungsgericht hat für das Revisionsgericht bindend festgestellt, daß im Gegensatz zu jenen Verträgen die Vertragsparteien im vorliegenden Fall mit der klägerischen Leistung als weiteren Erfolg nicht den Bau der in den Plänen von 1954 vorgesehenen Straßen bezweckt haben. Die Revision sieht weiter die Geschäftsgrundlage der Kaufverträge als entfallen an« Es liege nämlich eine "tiefgreifende Äquivalenz Störung" vor, weil ein besonders hoher Teil der als StraBenland deklarierten Fläche nicht Straßenland geworden sei* Dabei übersieht die Revision jedoch, daß die Aufteilung der gesamten von der Beklagten gekauften Fläche in "Nettobauland" und Straßenland, wenn sie auch in den Verträgen selbst Ausdruck gefunden hat, den Parteien nur als Modus für die Schätzung des Kaufpreises für die gesamte zu übereignende Kauffläche gedient hat. Nach den für das Revisionsgericht bindend getroffenen Feststellungen des Berufungsgerichts ist aber keine der beiden Parteien davon ausgegangen, daß die den notariellen Urkunden beigegebenen Pläne unumstößlich seien oder daß wenigstens eine Änderung nicht ins Auge gefaßt sei (BU S. Unter diesen Umständen kann es keine Rolle spielen, wenn die spätere, dem rechtskräftigen Bebauungsplan von 1967 entsprechende Baunutzung nicht den Plänen entsprochen hat, die der Bewertung durch die Beklagte und damit letztlich dem vereinbarten Kaufpreis seinerzeit zugrundegelegt worden sind* Daran ändert auch nichts der Umstand, daß die spätere Baunutzung sich als wesentlich intensiver herausstellte als diejenige, von der die beiden Vertragsparteien 1934 bei der Bemessung des Kaufpreises ausgegangen sind. 4* Schließlich verneint das Berufungsgericht, soweit die Klägerin auf die vom Planungsreferat und vom Kommunalausschuß schon im August 1934 ins Auge gefaßte intensivere Ausnutzung verweist, die von den der Bewertung und der Kaufpreisbestimmung zugrunde gelegten Plänen Das Berufungsgericht trifft in diesem Zusammenhang die Feststellungen» daß den maßgebenden Organen der Beklagten auf Grund der Mitteilungen des Stadtplanungsreferats schon im August 1954 zwar klar war» daß sich infolge von Änderungen der bisherigen Planung eine wertmehrende» intensivere Ausnutzung des Rohbaulandes ergeben könnte» und damit auch offensichtlich war» daß dann die Straßenflächen Jedenfalls so, wie sie in den Plänen eingezeichnet waren, nicht benötigt werden würden. Dadurch, daß die Beklagte diese anderweitige Planung verschwiegen und der Bewertung die im Jahr 1954 vorliegende Pläne zugrunde gelegt habe, seien der Klägerin aber nicht falsche Tatsachen vorgespiegelt worden. Der Beklagten habe aber auch nicht obgelegen, die Klägerin darüber aufzuklären, daß die Durchführung der den Kaufverträgen zugrunde gelegten Planung unsicher und - darüber hinaus - eine andere Verwertung mit intensiverer Nutzung bereits ins Auge gefaßt gewesen sei. Es hat aus dieser Urkunde jedoch im Gegensatz zur Klägerin im Rahmen der ihm obliegenden tatrichterlichen Würdigung nicht entnommen, daß die Organe der Beklagten jene andere, intensivere Bebauung schon als feste, sichere Tatsache angesehen hätten; es hat vielmehr daraus den Schluß gezogen, daß die Organe diese anderweitige Nutzving nur als eine - wenn auch durchaus nicht fernliegende -Möglichkeit angesehen haben« Ebenso hat das Berufungsgericht den Umstand berücksichtigt, daß trotz anderweitiger Planung die Vermessung noch entsprechend den Lageplänen, die den Verträgen von 1954 beigegeben waren, durchgeführt, jedoch alsbald nach dem Messungsanerkenntnis der Klägerin die verkauften Grundstücksflächen nach Maßgabe der Neuplanung vermessen worden sind (BU S. Entgegen der Revision brauchte das Berufungsgericht aber auch darin, daß die Beklagte die Bewertung entsprechend den seinerzeit vorliegenden Plänen vornehmen ließ, nicht die Vorspiegelung falscher Tatsachen zu erblicken. Das Grundstücksverkehrsreferat hat eine Bewertung vornehmen lassen, die sich, wie sich aus der vorgelegten schriftlichen Äußerung des Planungsreferats vom 15« Juli 1954 ergibt, auf einen von dem Ehemann der Klägerin vorgesehenen Baulinienplan sowie einen Aufteilungs- und Bebauungsplan vom Jahr 1950, denen das Planungsreferat zugestimmt hatte, stützte, also dem damals gegebenen Stand der Planung entsprach* Das Berufungsgericht hat dazu festgestellt, keine der beiden Vertragsparteien, auch nicht die Klägerin, sei davon ausgegangen, eine Änderung der damals vorliegenden Planung sei nicht in Erwägung gezogen; die Klägerin selbst habe sogar darauf hingewiesen, die Stadt werde diese Flächen "wesentlich günstiger" verwerten können* b) Durch Verschweigen einer Tatsache hätte die Klägerin nur getäuscht werden können, wenn sie auf Grund der gegebenen Verhältnisse nach Maßgabe des redlichen Verkehrs eine Aufklärung hätte erwarten dürfen, also nach Treu und Glauben eine Pflicht der beklagten Käuferin zur Aufklärung über die anderweitige, angesichts dieser Erwerbsmöglichkeit intern sogar schon ins Auge gefaßte Planung in diesem Gebiet bestanden hätte* Eine solche Pflicht zur Aufklärung über eine anderweitige Planung kann überhaupt nur unter dem Gesichtspunkt in Betracht gezogen werden, daß die Beklagte den Kaufpreis nicht einheitlich für die gesamte Kauffläche festlegte, sondern diese Fläche entsprechend dem seinerzeit vorliegenden Bebauungsplan in eine "Nettobaufläche" und eine Straßenfläche auf teilte und nur die "Nettobaufläche" mit einem bestimmten Preis Je qm auswies und berechnete* Eine Aufklärungspflicht bestand für die beklagte Stadtgemeinde aber trotz dieser Bewertungsart ebensowenig, wie ein privater Käufer den Verkäufer über seine hinsichtlich des gekauften Grundstücks gehegten Absichten ohne weiteres zu unterrichten braucht. 5. Die Voraussetzungen des § 138 Abs. 2 BGB hat das Berufungsgericht aus zutreffenden Gründen schon mangels eines objektiv auffälligen Mißverhältnisses von Leistung und Gegenleistung nach Maßgabe der damaligen Marktlage verneint.