BGH · V ZR 107/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
bei Nl Beklagte, Berufungsbeklagte und Revisionsbeklagte, - Prozeßbevollmächtigt«r: Rechtsanwalt hat der V» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 18« November I960 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br «August in, Schuster, Br« Rothe, Br «Pr ei tag und Br.Mattem für Recht erkannt: X.Ben Pflichtteilsanepruch der Klägerin bejaht das Berufungsgericht zwar dem Grunde nach im Umfang der Hälfte des Hachlößwerta (§ 230J Aba. 1 i.Verb.m> § 1924 Abs. 1 BGB) . Der Höhe nach bemißt es jedoch den nach § 2311 BGB der Pflicht teilsberechnung zu Grunde zu legenden Nachlaß zur Zeit des Erbfalls und demgemäß den iPflichtteilsanepruch mit Rull, weil den beiden einzigen Aktivwerten des JTaehlasses, nämlich dem Grundbesitz und dem Barbetrag von 7ÖÖ^M, Passivposten in gleicher Höhe aus dem Übergabevertrag gegenüb erständen. § 1922 Abs. 1 BGB) noch zu dem Vermögen des Erblassers gehörte, wird vom Berufungsgericht richtig daraus gefolgert, daß der Übergabevertrag damals noch nicht im Grundbuch vollzogen war (§ 873 Abs. 1 BGB). Sie sieht einen besonderen, die Sittenwidrigkeit begründenden Umstand schon darin, daß bereits zu einem Zeitpunkt, als Lohnansprüche bei weitem nicht den Wert des Grundbesitzes hätten erreicht haben können, nämlich zwei Jahre nach dem Eintritt der Beklagten in die Dienste des Erblassers, die Erbeinsetzung der Beklagten auf den gesamten Grundbesitz erfolgt sei« Aber dieser Gesicht punkt könnte sich allenfalls gegen den Erbvertrag von 1948 richten; dagegen ist nicht ersichtlich, wieso sich daraus etwas für die Sittenwidrigkeit des Übergabevertrags von 1956 ergeben sollte» - Die Revision meint weiter, die für die Revi sionsinBtanz zu unterstellenden intimen Beziehungen des Erblassers zur Beklagten ließen das Dienstverhältnis als einen Deckmantel für die wilde Ehe erscheinen; der die Erbfolge vor wegnehmende Übergabevertrag sei zur Förderung Jener intimen Beziehungen geschlossen. licher Beziehungen zwischen Zuwendendem und Empfänger macht nicht schon für sich allein eine Zuwendung sittenwidrig, wie gerade die von der Revision herangezogenen Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (LM Nr. 2 und Nr. 7 zu BGB § 138 x/ Cd) betonen» Sittenwidrigfceit ist allerdings dann zu bejahen, wenn die Zuwendung zu dem Zweck erfolgt, die Empfängerin für bisherigen geschlechtlichen Umgang zu belohnen oder zu dessen Fortsetzung in der Zukunft geneigt zu machen; aber ein solcher Zweck ist keineswegs zu vermu- * ten, sondern Frage der Feststellung im Einzelfall. 1931 Nr. 137) betraf nicht die Nichtigkeit einer Zuwendung an die Frau, sondern die der Nichtigkeit ihres Bienst vertrage, aus der eie auf vorenthaltenen Lohn klagte; der Sittenverstoß (und zwar im Sinne von § 817 Satz 2 BGB) ist dort aus der Besonderheit der damaligen Sachlage hergeleitet worden, wo ein Konkubinatsverhältnis geplant und die Begründung eines Bienst Verhältnisses, wenn überhaupt, so nur in engem Zusammenhang mit jenen geschlechtlichen Beziehungen und zu dem Zweck ihrer Herbeiführung beabsichtigt war, der Hann sich zudem von vornherein als zur Zahlung einer Barvergütung außer Stande erklärt hatte. Im vorliegenden Fall dagegen hat das Berufungsgericht in verfahrensmäßig nicht gerügter Weise fest gestellt, daß der Willd der Vertragsparteien beim Übergabevertrag darauf gerichtet war, die tatsächlichen Bienstleistungen der Beklagten im Haushalt und im landwirtschaftlichen Betrieb des Erblassers zu entgelten und nicht ihre behauptetegeschlechtlicheHingabe in Vergangenheit oder Zukunft. Aber nach den c-eä Feststellungen des Berufungsgerichts war eine solche Benachteiligung subjektiv nicht bezweckt; und daß dieser Erfolg objektiv eingetreten ist, reicht auch bei Unterstellung intimer Beziehungen zwischen den Vertragsparteien zur Bejahung der Sittenwidrigkeit des Vertrags nicht aus. c) Ist hiernach mit dem Berufungsgericht von der Rechtswirksamkeit des übergabevertrags auszugehen, so trifft auch die Schlußfolgerung zu, daß dem Grundeigentum des Erblassers die HechtsStellung, weiche die Beklagte hinsichtlich dieses Grundbesitzes erlangt hatte, als wertmindernder Umstand in gleicher Höhe gegenübersteht * 2 BGB) begründete dingliche Eigentumsanwartschaft, die allerdings, durch ihre Gesamtrechtsnachfolge als Erbin infolge Vereinigung von Anwartschaft und Vollrecht in einer Rerson erloschen, aber nach einem allgemein anerkannten Grundsatz für die Berechnung des Pflichtteils als noch bestehend zu behandeln ist (KG OBG 30, 233? Der Übergabevertrag begründete für die Beklagte aber nicht nur diese dingliche Anwartschaft, sondern gleichzeitig auch den ihr zu Grunde liegenden schuldrechtlichen Anspruch auf Übereignung; in diesem doppelten Sinne :ist Abschn.HI an (Revisionsbegründung S* 3 Mitte) • Schuldrechtlicher Anspruch und dingliche Anwartschaft rechtfertigen jedenfalls zusammen die vom Berufungsgericht vorgenommene wertmäßige Gleichsetzung mit dem ihren Gegenstand bildenden Grundbesitz selbst; auf die von der Revision verneinte Frage, ob die dingliche Anwartschaft schon für sich allein so hoch zu bewerten sei, kommt es nicht mehr an«. 2» Hinsichtlich des vom Erblasser hinterlassenen Barbe-trage von 700 DM bejaht das Berufungsgericht einen Gegenanspruch der Beklagten an den Nachlaß in gleicher Höhe aus § 281 BGB, weil dieser Betrag den Erlös für eine vom Erblasser nach Abschluß des Übergabevertrags verkaufte Kuh darsteile» die als GrundstUckszubehör ebenfalls Gegenstand des Übergabeanspruchs der Beklagten gewesen sei {§ 98 Er» 2 BGB, vgl«> § 314 BGB). IIo Einem Pflichtteilsberechtigten, dessen Pflichtteilsan-epruch an der Wertlosigkeit des Nachlasses scheitert, ist allerdings nach § 2325 BGB ein Pflichtteilsergänzungsansnruch insoweit gegeben, als sich der Erblasser innerhalb seiner letzten zehn Jahre früherer Vermögenswerte durch Schenkung entäußert hat. Hierzu genügt beim Vorliegen einer Gegenleistung nicht, daß in objektiver Hinsicht diese hinter dem Wert des Zugewendeten mehr oder weniger zurückbleibt, sondern es ist weiter in subjektiver Hinsicht erforderlich, daß Geber und Nehmer sich über die (teilweise) Unentgeltlichkeit der Zuwendung einig sind (§516 Abs. 1 BGB); sollen Leistung und Gegenleistung nach dem Willen der Vertragsparteien einander gleichstehen, so liegt keine Schenkung, sondern eine (voll) entgeltliche Zuwendung vor (allgemeine Meinung; vgl. Die Gegenleistung der Beklagten bemißt das Berufungsgericht mit mindestens 16 000 DM» wobei es den von der Klägerin als höchstens angemessen bezeichneten Lohn von monatlich 120 DM zu Grunde legt, ihn für'eine Gesamtzeit von.128 Juni 1948 nur im Verhältnis 101 auf Deutsche Mark um-geställt ist (§ 18 Abs. 1 -tfri 1 ÜmstG)Y der hierin liegende Fehler wird aber jedenfalls dadurch ausgeglichen, daß auf der anderen äSeite das Lelbgediiig ersichtlich zu niedrig bewertet ist» Es mag dahingestellt bleiben* ob die Klägerin, die bisher ausweislich des Tatbestands des Berufungsurteils unter Berücksichtigung der von ihr schon damals behaupteten Schlechtarbeit der Beklagten einen Monatslohn von 120 DM, allerdings al8 Höchstbetrag, selbst als angemessen zugestanden hat, in der Bevisionsinstanz die Angemessenheit dieses Betrags bekämpfen kann. Die Weiteren Erwägungen des Berufungsgerichts (Eichtweg-fall der Gegenleistung der Beklagten durch die bereits 1948 erfolgte Erbeinsetzung, Unbegründetheit der Verjährungseinrede der Klägerin gegenüber den Lohnansprüchen der Beklagten) dienen ersichtlich ebenfalls dazu, die Annahme vom Fehlen eines nennenswerten objektiven Mißverhältnisses zwischen Leistung und Gegenleistung des Übergabevertrags zu untermauern; sie werden von der Revision nicht bekämpft und sind jedenfalls im Ergebnis nicht zu beanstanden« Was insbesondere den Erbvertrag betrifft* so konnte er schon deswegen keine Abgeltung von Lohnansprüche» der Beklagten bewirken, weil die Beklagte gar nicht Vertragspartei war und es Verträge zu Lasten Dritter nicht gibt; wieso das Berufungsgericht bei Würdigung des Erbverträgst zu dem Nachteil der Beklagten den Inhalt des Senatsurteils BGHZ 12, 115 ff verkannt haben soll (Eevisionsbegründung I 1ist nicht verständliche