BGH · V ZR 103/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Berufungen der Kläger und des Beklagten gegen das Urteil der 4» Zivilkammer des Landgerichts Berlin vom 2 0» November 1961 werden zurückgewiesen mit der Maßgabe^ daß-.. als sie die Feststellung des Nichtbestehens von Ansprüchen des Beklagten aus der Anfechtung des Vertrages gegen die Kläger auch über die mit der Widerklage geltend gemachten Beträge hinaus betroffen hat» 125 000 DM sollten 90 000 DM mit der Eintragung einer vorgesehenen Auflassungsvormerkung fällig, der Bestbetrag in halbjährlichen Baten abgetragen werden» An dieses Angebot banden sich die Kläger bis zu dem 15» August 1961» Am 7» August sahen sie die Mietverträge ein, stellten die wirklichen Mieteinnahmen fest und erklärten nunmehr unverzüglich schriftlich und mündlich dom Beklagten, daß sie ihr Angebot' zurückzogen«> Dieser nahm es jedoch am 11» August 1961 zu notarieller Urkunde an, vereinbarte auf Grund der in diesem Angebot von Er bat unterm 16» August 1961 den Notar um eine vollstreckbare Ausfertigung des Angebotes und um den Antrag auf Eintragung der Auflassungo-vornerkungo Daraufhin erwirkten die Kläger eine einstweilige Verfügung des Kammergerichts vom 21» August 1961, wodurch dem Beklagten geboten wurde, keine Hechte aus den beiden notariellen Urkunden gegen die Kläger geltend zu machen» In der Folgezeit kam es zwischen den Parteien zu einem Schrifl Wechsel; hier vertrat der Beklagte den Standpunkt, ein gültig« Vertrag sei an sich zustandegekommen, eine Anfechtung des Vertrages wegen Irrtums der Kläger müsse er allerdings hinnehmen, doch müßten diese ihm einen Vertrauensschaden in Höhe von 25 000 bis 35 000 DM ersetzen» Ehe es zu der Verhandlung über den vom Beklagten eingelegten Widerspruch gegen die kammer-gerichtliche einstweilige Verfügung kam, zeigte der Beklagte den Klägern mit^ Schreiben vom 30» August 1961 an, daß er eirei größeren feilbetrag des Kaufbarpreises an eine Bank abgctrotei habe und ersuchte die Kläger dieser Abtretung Folge zu leiste) In der Widerspruchsverhandlung vom 8» September 1961 erklärte er seinen Widerspruch für erledigt» Über die Kosten des Verfahrens einigten sich die Parteien» In der einen lag vor dieser Verhandlung beim Landgericht eingolaufenen Klage zur Hauptsache kündigten die Kläger den Antrag an, den Beklagten zu verurteilen, keine Rechte aus den notariellen Urkunden vom 4» August und 11» August 1961 gölten zu machen» In der mündlichen Verhandlung haben sie den Antrag gestellt, festzustellen, daß dem Beklagten Ansprüche gegen sic aus diesen notariellen Verhandlungen nicht zustünden» Sie behaupten, der Beklagte habe sie durch Irreführung über die In der mündlichen Verhandlung hat er Klageab-Weisung beantragte Er trug zur Begründung seines Standpunktes vors er halte die Kläger nicht an dem Vertragsverhältnis fest, er wolje nur den Vertrauensschaden auf Grund der wegen Irrtums oingetretenen Nichtigkeit des Vertragsangebotes ersetzt haben» Er habe die Kläger keineswegs getäuscht» er habe auch WiB^HB nicht beauftragt9 den Kauf zu vermitteln» sondern erstmals am 7» August 1961 erfahren,, daß die Kläger in den Besitz der Aufstellung des Kaufmanns FBHBB mit den unrichtigen Zahlen gekommen seien und sich deshalb über die Mietzinseinnahmen ein unrichtiges Bild machen mußten» Das Landgericht hat die Feststellung getroffen9 daß der Beklagte gegen die Kläger keinen Anspruch aus der Anfechtung des Vertrages habe, im übrigen hat es die Klage mangels Feststellungsinteresses abgewiesen» Gegen dieses Urteil haben beide Parteien Berufung eingelegt» Die Kläger haben in der Berufungsschrift den Antrag angekündigt, unter entsprechender Abänderung des angefochtenen Urteils festzustellen3 daß dem Beklagten auf Grund seiner Erklärung vom 11» August 1961 kein Anspruch auf Erfüllung des Kaufvertrages nach Maßgabe der in der Urkunde vom 4o August enthaltenen Erklärung Uber ein Kaufangebot suotehe« als die Klage die Feststellung der Unwirksamkeit des von den Parteien miteinander nach dem Protokoll des Notars vom 4* August 1961 und 11» August 1961 abgeschlossenen Kaufvertrages? Bas Berufungsgericht begründet seine Entscheidung wie folgt: Die Kläger hätten noch in der Berufungsverhand-lung ein rechtliches Interesse an der Feststellung des Nichtbestehens von Hechten des Beklagten aus dem Kaufvertrag gehabt» Bas Kaufangebot sei wegen Irrtums der Kläger über die Höhe der Mietzinsen angefochten worden und deshalb nichtige Bern Beklagten stünden keine Ansprüche auf Vertrauensschaden zu* Bie Kläger seien bei der Untersuchung der Frage, ob der bewilligte Kaufpreis angemessen sei, über-* wiegend auf die Kenntnis der Höhe der Mietzinsen angewiesen gewesen» Ber Unterschied zwischen dem wirklichen und dem vermeintlichen Mietzinsertrag betrage mehr als 5 000 EM jährlich» Bei rechtzeitiger Kenntnis der wahren Mieteinnahmen hätten die Kläger das Angebot nicht abgegeben» Mit dem Klageantrag hätten die Kläger die Feststellung der Unwirksamkeit des Kaufvertrages und der Unzulässigkeit der Zwangsvollstreckung, ferner des Nichtbestehens von Ansprüchen auf Ersatz des Vertrauensschadens begehrt» Bie Gefährdetheit ihrer Rechtsläge sei durch das Schreiben des Beklagten vom 22o August 1961 nicht behoben gewesen» Ihre läge habe sich durch dessen Schreiben vom 50» August sogar noch verschärft» Die Kläger seien nicht sicher gewesen,, daß der Beklagte nicht noch Ansprüche aus dem Vertrag geltend machen werde» Mit dem Kostenvergleich im Verfahren der einstweiligen Verfügung habe keine endgültige Erledigung der Hauptsache stattgefunden, Der Vergleich sei so zu verstehen? daß er keine Brfüllungc-an3prüche stelle und nur noch Vertrauonsschaden beanspruche» Die Präge der Erfüllung sei gar nicht mehr streitig gewesen» Die Kläger hätten daher mit ihrer Klage insoweit abgewiesen werden müssen» Durch den weiteren Verkauf des Grundstücks schränkten sich seine Ansprüche aus § 122 Abs» 2 BGB ein» Ein Anerkenntnis sei also gar nicht möglich gewesen« Es sei nicht richtig,, daß sich erst durch die Eintragung der AuflassungsVormerkung für den neuen Käufer der Erfüllungsanspruch erledigt habe« Der Beklagte habe auch den Irrtum der Kläger vor Annahme des Kaufangebotes nicht erkannt« solche Ansprüche nur noch in Höhe seiner Widerklage stellen zu wollen, haben die Kläger ihren Peststellungsantrag insoweit für erledigt erklärt« In diesen Umfang war denn auch durch die Erklärung des Beklagten die Erledigung eingetreten, und mit Recht hat das Kammergericht, dem Antrag der Kläger gemäß, die Erledigung im Urteilssatz ausgesprochen« -Diesem Antrag hätte nur dann nicht atattge-geben werden können, wenn dem Beklagten von vornherein irgendwelche Ansprüche auf Ersatz des Vertrauensschadens zugestanden hätten« Das ist jedoch nicht der Pall« Der Beklagte hat in Kenntnis des Irrtums der Kläger das Vertragt angebot angenommen und damit die Kosten für die notarielle Beurkundung seiner Annahme verursacht« Pur einen ihm erst nach Kenntnis des Anfechtungsgrundes entstandenen Schaden kann er jedoch keinen Ersatz verlangen (RU Gruchot 57, 907), Einen ihm entstandenen weiteren Schaden, hervorgerufen durci das Vertrauen auf die Gültigkeit des Vertragsangebotes, hat der Beklagte nicht dargetan« Daß der weitere Verkauf seines Grundstückes für ihn verlustreich gewesen sei, trägt auch die Revision nicht vor« Mit Recht hat das Berufungsgericht demnach die Berufung des Beklagten zurückgewiesen, seine Widerklage abgewiesen und ferner im Ergebnis festgesteilt, daß sich die Klage in der Hauptsache insoweit erledigt hat, als sie die Peststellung des Nichtbestehens von Ansprüchen des Beklagten auf Ersatz von Vertrauensschaden über den Betrag von 493568 DM hinaus betraf« In diesem Umfang kann daher die Revision de3 Beklagten keinen Erfolg haben« Dabei sei noch bemerkt, daß damit das Urteil des Landgerichts, soweit es der Klage stattgegeben hat, gegenstandslos gewordt ist« Es kann dahinetehen9 ob die Kläger zur Erhebung der Leistungsklage durch das Verhalten des Beklagten veranlaßt waren» Daher bedarf es nicht des Eingehens auf die mehrfachen Bedenken-, die die Revision gegen die Ausführungen des Berufungsgerichtes in dieser Richtung vorgetragen hat0 Geht man nämlich mit dem Berufungsgericht davon aus9 daß die Leistungsklage durch das Verhalten des Beklagten veranlaßt war5 so war doch zu prüfen? sie abgelehnto Ihr in der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht gestellter Antrag festzustellen, daß dem Beklagten Rechte aus den notariellen Verhandlungen nicht zustünden, war, soweit er sich auf die Rechte auf Erfüllung des Vertrages bezogt angesichts dieser Verfahren3lage nicht gerechtfertigt0 Da der Beklagte, wie dargelegt, unmißverständlich die Richtigkeit des Vertrages bejaht und Ansprüche auf Erfüllung des Vertrages verneint hatte, war für den Peststellungsantrag kein Rechtsschutzinteresse gegeben« Entgegen der in der Revisionserwiderung geäußerten Meinung ist nicht darauf abzustellen, daß der Beklagte in der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht den Antrag auf klage-abweisung gestellt hat» Da die Kläger zur Peotstellungklage übergegangen waren, für diesen Sachantrag aber das Rechts-* schutzinteresso nicht (mehr) gegeben war, war der Beklagte berechtigt, Klageabweisung wegen Pehlens des Rechtsechutz-interesses zu stellen und brauchte nicht den Klageantrag anzuerkennen« Anders wäre es, wenn er sieh in der Verhandlung noch Rechte auf Erfüllung des Vertrages angemaßt hatte» Das ist jedoch ausweislich des landgerichtlichen Urteils nicht der Fall gewesen« Mit Recht hat daher das Landgericht die Klage in diesem Umfang aus prozessualen Gründen abgewiesen (§ 256 ZPO). vollstreckbare Ausfertigung der notariellen Urkunden geben lassen und er hat schließlich auch keine Vollstreckungsmaßnahme angedrohto Baß er unterm 30« August 1961, also vor der Xlageerhebungj einen Teil des Kaufpreises an eine Bank abgetreten hatte«, besagt in diesem Zusammenhang nichts = Entscheidendes o Die Kläger tragen selbst nicht vorP daß der Beklagte oder die Bank nach dem 30* August 196t nochmals wegen der abgetretenen Bordierung an sie herangetreten sind«, Dafür, daß sie ihre Rechtslage nicht als durch die Abtretung weiterhin gefährdet ansohen, spricht der Umstand, daß sie gegen die Klageeinlassung des Beklagten nicht auf die Abtretung Bezug nahmen9 sondern diesen Vorgangs erst in ihrer Berufungsschrift erwähnten und hier auch nur in dem Zusammen-hang«, daß ihre Rechtslage vor Klageerhebung durch das zwiespältige Verhalten des Beklagten unsicher war; sie trogen nicht vor9 daß ihre Ungewißheit? daß dem Beklagten keine Erfüllungsansprüche aus den notariellen Urkunden zustehe, dies, obwohl der Beklagte in seinem vorausgegangenen Schriftsatz Vom 22* Januar 1962 (UA 56) nochmals seinen Standpunkt vertreten hatte, daß er nur den Vertrauensschoden beanspruche * Bas Rechtsmittel der Kläger erweist sich daher von vornherein als unbegründet, weil der aufrechterhaltenen negativen Eeststellungsklage das Re'chtsschutzbedürfnis ,fehlte3 Unter diesen Umständen spielt es keine Rolle, daß im Laufe des Berufungsverfahrens sich herausstellte, daß der Bc3:lagte das Hausgrundstück inzwischen weitorverkauft hatte«, Es war auch ohne Bedeutung,daß die Kläger in der Berufungsvcr-handlung die Erledigung ihrer Klage festgcstellt wissen