BGH · V ZR 103/58
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rung des Grundstücks H^^straße^^ angeordnet; das Verfahren ist noch nicht abgeschlossene Die Kläger erblicken in den Abmachungen zwischen dem Beklagten und der Stadt bzw» Bürgermeister einen verschleierten Erbteilsverkauf» Sie haben erklärt, daß sie dieeorhalb ihr gesetzliches Vorkaufsrecht geltend machten* Mit der Klage begehren sie Verurteilung des Beklagten dahin, seinen Viertel-Anteil am Nachlaß auf sie zu übertragen Zug um Zug gegen Zahlung von 11 500 IM, sowie die Auflassung des Grundstücks H^^straße^^ an sie zu erklären und einzuwilligen, daß sie a.ls Alleineigentümer dieses Grundstücks in das Grundbuch eingetragen würden= Der Beklagte bestreitet, seinen Erbanteil verkauft zu haben: Zum Nachlaß gehöre auch das Grundstück in während sich der Vertrag vom 10. Sie sind der Ansicht, auf die i'ormungtiltigkeit des Vertrages könne sich der Beklagte nach Treu und Glauben nicht berufen; denn er und die Stadt seien übereingekommon, daß man sich beiderseits trotz mangelnder Bonn an die getroffenen Vereinbarungen halten wolle. Die Portibedürftigkeit ergab sich, wie das Urteil zutreffend ausführt, entweder aus den 55 237*1, 1922 Abs. 2 BGB oder, fall3 etwa nur die Übertragung eines Miteigentumsanteils am Bäckereigrundstück beabsichtigt gewesen sein sollte, aus § 313 BGB; in beiden Fällen hatte die Nichteinhaltung der Form gemäß § 125 BGB zur Folge, daß der Vertrag (nicht lediglich ’’unwirksam”, wie die Revision es ausdrückt, sondern) schlechthin nichtig war. kommen, wenn ein wirksamer Verkauf eines Erbanteils nicht vorliege• Die Geltendmachung eines jeden Vox'-kaufsrechts - gleichgültig ob es vertraglich vereinbart wurde oder, v/ic dasjenige der Miterben, auf dem Gesetz beruht - setzt den Abschluß eines rechtsgültigen und vollv/irkeamen Kaufvertrages zwischen dem Verpflichteten und einem Britten voraus; ein nichtiger Kaufvertrag bildet keine Grundlage für die Vorkaufsrechts -Axisübung« Bas entspricht der durchaus herrschenden Meinung in Rechtsprechung und Schrifttum (RGZ 106, 520, 524; 170, 203, 206; OGHZ 1, 327, 330; Enneceerus/ Lehmann, Schuldrecht 15* Bearb. daß dies der Fall sei» Was der Beklagte getan habe, laufe praktisch trotz Unwirksamkeit des schuldrechtlichen Vertrages auf eine tatsächliche Veräußerung seines Erbanteils an die Stadt G{ hinaus o Er habe gegen ein festes Entgelt von 11 500 DM den Bürgermeister unwiderruflich zur Wahrnehmung sämtlicher Rechte eines Miterben ermächtigt, Im Ergebnis unterschieden sich also die Vereinbarungen zwischen dem Beklagten und der Stadt in kölner Weise von einem wirksamen Kaufvertrag; deshalb müsse das Vorkaufsrecht der Miterben hier zu dem Zugo kommen• In der Rechtsprechung des Reichsgerichts und des Bundesgerichtshofs sind allerdings wiederholt Versuche, ein bestehendes - vertragliches oder gesetzliches - Vorkaufsrecht dadurch zu umgehen, daß zwisehen dem Verpflichteten und einem Dritten anstelle eines regelrechten Kaufvertra ges ein anderes, besonders ausgestaltetes Rechtsverhältnis * vereinbart wurde, für unwirksam erklärt worden (RGZ 88, 361 , 365 f; 171, 185; BC-HZ 23, 293, 301 f; 25, 174)c Bei den in Betracht koinmonden höchstrichterlichen Entscheidungen handelte es sich indessen, worauf das Berufungsgericht bereits zutreffend hingewiesen hat, um Fällo, in denen formgültige und daher rechtswirksame Ver trage Vorlagen, während es an diesem Erfordernis hier jedenfalls hinsichtlich des privatschriftlichen "Erb- Denn in ihr könnte, da sie nur eine einseitige Erklärung des Beklagten enthält, allenfalls das Angebot zu dem Abschluß eines Kauf-Vertrages gefunden werden; dagegen wäre den Anforderungen des § 128 BGB, wonach nicht bloß der Vertragsan-trag, sondern auch dessen Annahme in der gesetzlich vorgeschriebenen Form beurkundet werden muß (Siebert/ Hefermehl, BGB 9» Aufl. Sollte die Revision mit ihrer Behauptung, die Erteilung der unwiderruflichen Vollmacht stehe "im konkreten Falle der tatsächlichen Veräußerung gleich”, geltend machen wollen, daß der Beklagte sich nicht allein schuldrcchtlich verpflichtet habe, seinen Erbanteil auf die Stadt zu übertragen, daß vielmehr mit der VolImachterteilung diese Übertragung bereits be~ wirkt worden sei, so wäre das nicht stichhaltig» Ein-mal würde, wenn wirklich eine Verfügung d03 Beklagten im Sinne von § 2033 Abs. 1 BGB vorläge und der Erbanteil mit dinglicher Wirkung auf den Dritterwerber übergegangen wäre, das Vorkaufsrecht der Kläger sich nicht mehr gegen den Beklagten richten; gemäß § 2035 Abs. 1 BGB müßte in diesem Falle der Dritterwerber selbst, also die Stadt verklagt werden. daß man sich beiderseits an die getroffenen Vereinbarungen halten wolle» Der Beklagte habe dem Bürgermeister unwiderruflich die uneingeschränkte Rechtsstellung eines Miterben eingeräumt. §§ 2034* 2035 BGB den Schutz der Miterben gegen ein von ihnen nicht gebilligtes Eindringen Fremder in ihre Gemeinschaft bezweckt (RGZ 170., 203, 207) * Rechtshandlungen, die auf eine Vereitelung dieses Zweckes hinauslaufen, indem sie außenstehenden Dritten ohne förmlichen Kaufvertrag praktisch die Stellung von Erbanteils-Käufern verschaffen* können nicht geduldet v^erdon; die Rechtsprechung bejaht deshalb mit gutem Grund in derartigen Fällen* auch wenn ein entsprechender Geschäftswille nicht zu dem Ausdruck gelangt ist, den Tatbestand eines das Vorkaufsrecht der Miterben auslösenden Erbschaftskaufs (RGZ 171, 135? Zwar läßt cs der Inhalt der Geschäfte zwischen dem Beklagten und Bürgermeister - zu demal wenn man die Vollmachturkunde und den am selben Tage geschlossenen privatschriftlichen Vertrag in ihrem Zusammenhang betrachtet - als nicht ausgeschlossen erscheinen, daß es den Beteiligten darauf angekommen ist, den Erbanteil dos Beklagten unter Umgehung des Vorkaufsrechts auf die Staat überzuleiten» Aber sofern dies das Ziel der Abmachungen gewesen sein sollte, ist es bislang nicht verwirklicht worden a 3 am Ende)* Allein es stimmt auch nicht, daß der Stadt G^^m^ oder ihrem Bürgermeister durch die Vollmacht T32n 10« November 1954 im Ergebnis die Rechtsstellung eingeräumt worden .sei, wie sie ein Erbschaftskäufer 1922 Abs., 2, 433 ff BGB innehat; ihnen steht insbesondere kein schuldrechtlicher Anspruch auf Übertragung des Erbanteils oder auf Herausgabe einzelner Hachlaßgegenstände zu, und den Beklagten trifft keine entsprechende Übertragungs- oder Herausgabepflicht» Ob die Vollmacht, wie das Berufungsgericht meint, nicht zu dem Zweck gegeben wurde, 11 um der Stadt eine Stellung innerhalb der Erbengemeinschaft zu verschaffen, sondern um diese Erbengemeinschaft zu beendigen1', kann dahingestellt bleibenö Praktisch jedenfalls gehen die Befugnisse, die der Bevollmächtigte gegenwärtig besitzt, nicht über das hinaus'? was ihm zustehen würde, wenn der Beklagte ihn lediglich zur Auseinandersetzung der Gemeinschaft ermächtigt hätte; nur nach dieser Pachtung hat Km** bisher von seiner Rechtsstellung Gebrauch gemacht, indem or Antrag auf Zwangsversteigerung des Backe-reigrundotücks gemäß §§ 180 ff ZVG stellteo Hierdurch werden die Kläger nicht zusätzlich beschwert; denn auch der Beklagte wäre* ohne daß sie dies verhindern könnten, als Miterbe jederzeit in der Lage, nach §§ 2042, 753 BGB die Nachlaßauseinandersetzung zu betreiben* Es mag allerdings sein, daß auf Grund seiner Freistellung von-den Beschränkungen d©3 § 181 BGB befugt wäre, im Wege des Insichgeschäfts unter Beachtung der Formvorschrift des § 2371 BGB einen wirksamen Kaufvertrag über den Erbanteil des Beklagten abzuechließen und auf diese Weise, in Erweiterung seiner bisherigen Rechtsstellung für sich oder für die Stadt einen schuldreoht-lichen Anspruch auf den Erbanteil zu begründen., Mit dem Abubhluß eines solchen Vertrages würde jedoch nach § 2034 BGB das Vorkaufsrecht der Kläger ausgelöst werden; diese künnton, wenn sio von ihrem Recht Gebrauch machen, gemäß §§ 505 Abs» 2, 433 Abs» 1 BGB von dem Beklagten Übertragung dos Erbanteils unter den im Kaufvertrag vereinbarten BoStimmungen an sich selbst verlangene Die Kläger wären schließlich auch dann nicht schutzlos, wenn - immer vorausgesetzt, daß die3 noch durch 3eine Vollmacht gedeckt wird - den Erbanteil des Beklagten ohno vorherigen oder gleichzeitigen Abschluß eines formgültigen Kaufvertrages mit unmittelbarer dinglicher Wirkung auf sich oder die Stadt übertragen sollte» Die Übertragung wäre, sofern sie unter Beachtung der Formvorsehrifb des § 2033 Abs» 1 BGB vor sich ginge, zv/pr rechts wirksam, würde aber eines rechtlichen Grundes im Sinne von § 812 BGB entbehren (RGZ 137, 171)» Ob der Beklagte .in diesem Falle nach Bereicherungsgrundsätzen die Rückübertragung seines Erbanteils fordern könnte oder ob ein solcher Anspruch an dor Vorschrift des § 8T4 BGB (vgl» dazu RGZ 170, 203, 207) odor, wie die Revision meint, an den zwischen dem Beklagten und der Stadt getroffenen Abmachungen scheitern wurde, braucht nicht entschieden zu werden; denn auf jeden Pall hätten die Kläger ihrerseits das Recht, den Übertragungs-empfänger unmittelbar auf Herausgabe des Erlangten in Anspruch zu nehmen«. § 2033 Anm» 1 f, § 2371 Anm» 3 b), eine Heilung des Formmangel c - anders als im Palle des § 313 Satz 2 BGB - durch forcgerechten Abschluß des dinglichen Abtretungsvertrages nicht eintritt» Aber die Herausgabepflicht ergäbe sich in dein angenommenen Palle unter allen Umständen aus § 826 BGB» v/eil in der Erbteil3Übertragung mit dem Ziele, die Kläger um ihr Vorkaufsrecht zu bringen, eine gegen die guten Sitten verstoßende Schadenszufügung läge und dem Anspruch auch nicht entgegengehalten werden könnte, daß die sittenwidrige Handlung einem "löblichen Zweck", nämlich dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadt G( zu dienen bestimmt sei (vgl« RGZ 88, 361, 365 f)« Da sonach weder ein wirksamer Verkauf des Erbanteils vorliegt noch das, v/as zwischen dem Beklagten und Bürgermeister am 10« November 1954 geregelt worden ist, im wirtschaftlichen Ergebnis einem solchen Verkauf gleichkommt, besteht kein Anlaß, dem Begehren der Kläger nach Durchsetzung ihres Vorkaufsrechts etwa aus dem Gesichtspunkt der unzulässigen Rechtöausübung (§ 242 BGB) stattzugeben» Die gegenteiligen Schlüsse, welche die Revision aus der Entscheidung RGZ 170, 203 sowie aus den Ausführungen von Staudingor/Lehmann (BGB 11o Auflo § 2034 Anm, 5) und Erman/Bartholomeyczik (aaO § 2034 Anm« 2) zu ziehen versucht, sind verfehlt, weil es sich an den angegebenen Stellen um Übertragung und Zurückübertragung von Erbanteilen, also um dingliche Geschäfte handelt, während im vorliegenden Pall etwas Derartiges nicht stattgefunden hat« Wenn die Revision endlich noch geltend macht, nach dem Grundgedanken des § 2034 BGB müsse der Beklagte den Klägern die gleiche Rechtsstellung verschaffen, die er dem Bürgermeister eingeräumt habe, und er sei infolgedessen verpflichtet, ihnen ebenfalls eine unwiderrufliche Vollmacht zu erteilen, so wird dabei übersehen, daß die genannte Vorschrift den Miterbon lediglich ein Vorkaufsrecht, nicht aber einen Anspruch auf Einräumung sonstiger Befugnisse gewährt« Daran ändert sichauch nichts, falls hier mit der Vollmachterteilungj wie die Revision behauptet, eine Gesetzesumgehung beabsichtigt war; denn der mög-lichcrv/eise erstrebte Erfolg - endgültige Weiterveräußerung des Erbanteils unter Ausschaltung des Vorkauf rechts - ist nicht eingetreten und kann gegen den Willen der Kläger auch in Zukunft nicht ointreten.