BGH · V ZR 101/71 vom 04.05.1973
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Das Berufungsgericht verneint Unwirksamkeit von Hypothekenbestellung und Schuldbeitritt nach § 1365 BGB sowie arglistige Täuschung und sittenwidrige Schädigung der Klägerin durch die Beklagte. Nach seiner Auffassung darf die Beklagte jedoch aus den genannten Haftungsübernahmeerklärungen deshalb keine Rechte gegen die Klägerin mehr herleiten, weil die Geschäftsgrundlage dieser Akte weggefallen, zu demindest der nach ihrem Inhalt bezweckte Erfolg nicht eingetreten sei: sie seien die Gegenleistung dafür gewesen, daß die Beklagte die Schuld des Ehemanns der Klägerin in gleicher Höhe bis 31. Dezember 1969 stundete; die Stundung sei ein Teil der in Aussicht genommenen Sanierung seines Speditionsunternehmens gewesen; eine Übernahme des Geschäfts durch die Eirma mit Zahlung eines festen Gehalts an den Ehemann der Klägerin hätte möglicherweise zu einer Sanierung geführt; Ziel sei gewesen, einen Konkurs des Unternehmens zu vermeiden; der gesamte Sanierungsplan sei überhaupt nicht zu dem Tragen gekommen, weil der Ehemann der Klägerin im März 1968 Konkurs beantragte und den Geschäftsbetrieb einstellte. Die Revision wendet sich insbesondere gegen die Annahme eines Wegfalls der Geschäftsgrundlage und gegen die vom Berufungsgericht daraus gezogenen Polgerungen. a) Eine Geschäftsgrundlage wird gebildet durch die beim Vertragsschluß zutage getretenen, dem Geschäftsgegner erkennbaren und von ihm nicht beanstandeten Vorstellungen des einen Vertragsteils oder durch die gemeinsamen Vorstellungen beider Teile vom Vorhandensein oder künftigen Eintritt gewisser Umstände, sofern der Geschäftswille auf diesen Vorstellungen aufbaut (BGH2 25, Grundsätzlich ist allerdings bei Haftungsübernahmen für fremde Schulden an die Bejahung eines Wegfalls der Geschäftsgrundlage ein strenger Maßstab anzulegen; denn bei ihnen übernimmt typischerweise der eine Teil schlechthin und uneingeschränkt das Risiko, daß der Schuldner bei Fälligkeit der Schuld leistungsfähig ist (Urteil vom 2. Dementsprechend sieht das Berufungsgericht im vorliegenden Fall die Geschäftsgrundlage nicht in der allgemeinen Vorstellung fortdauernder Zahlungsfähigkeit des Ehemanns der Klägerin, sondern in der besonderen, von der Klägerin für die Beklagte erkennbar zur Voraussetzung der Haftungsübernahme gemachten Erwartung, eine Sanierung seines Unternehmens, etwa durch die Firma könne wenigstens in Angriff genommen und dadurch ein alsbaldiger Konkurs vermieden werden. - (' - b) Ohne Erfolg wendet sich die Revision auch gegen die dieser Würdigung zugrunde liegende Sachverhaltsfeststellung dahin, die Haftungsübernahme sei in der genannten Weise vom Anlaufen einer Geschäfts Sanierung abhängig gemacht worden. c) Die Revision rügt schließlich, das Kammergericht habe die aus dem Wegfall der Geschäftsgrundlage abzuleitende Anpassung des Vertragsinhalts gleichgesetzt mit der völligen Haftungsbefreiung der Klägerin und damit diese beiden Begriffe rechtsirrig als identisch angesehen. Ihr ist zuzugehen, daß sich aus dem Wegfall der Geschäftsgrundlage noch nicht ohne weiteres und schlechthin die Haftungsbefreiung ergibt; vielmehr ist zunächst zu prüfen, ob ein unveränderter Portbestand des bisherigen Vertragsinhalts nach Treu und Glauben für den die Änderung begehrenden Vertragsteil völlig untragbar wäre, und bei Bejahung dieser Präge weiter, in welcher Art der Vertragsinhalt an die veränderten Verhältnisse nach Treu und Glauben entsprechend den berechtigten Interessen beider Parteien anzupassen ist (§ 242 BGB; Senatsurteil BGHZ 47, 48, 51/52). Im vorliegenden Pall hat das Berufungsgericht als Folge des Wegfalls der Geschäftsgrundlage entgegen der Meinung der Revision nicht ohne weiteres den Haftungswegfall, sondern ausdrücklich eine Anpassung der Rechtsbeziehungen an die veränderten Umstände angesehen. Es hat sodann ausgeführt: die Beklagte habe weder im Vertrauen auf die Haftungsübernahme etwas unterlassen noch mit Rücksicht auf sie von der Geltendmachung ihrer Ansprüche abgesehen, sie hätte auch ohne die Haftungsübernahme keinen Vermögensgegenstand des Ehemanns der Klägerin verwerten und daraus Vorteil ziehen können, etwa im Weg abgesonderter Befriedigung oder Aussonderung im Konkurs. Mit den allerdings mißverständlichen Worten: ”die Anpassung hat bereits zur Folge ...” sollte der Haftungswegfall nicht als zwangsläufiger Anpassungsinhalt hingestellt werden - sonst wären die unmittelbar vorhergehenden Ausführungen überflüssig gewesen -, sondern gesagt werden, bereits der Gesichtspunkt des Wegfalls der Geschäftsgrundlage und die durch sie gebotene Anpassung führten zu dem Klagerfolg, so daß es auf den dann fürsorglich angeführten Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereicherung nicht mehr ankomme.