BGH · V ZB 8/53
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- vertreten durch den öffentlichen Notar in wegen Löschung einer Umstellungsgrundschuld hat der V- Zivilsenat des Bundesgerichtshofs in der Sitzung vom 23c November 1954 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Tasche sowie der Bundesrichter Schuster, Dr» Oechßler, Dr» Piepenbrock und Dr. Großmann beschlossen: Die Antragsteller sind Eigentümer des im Grundbuch CflHHV Heft Y 179 eingetragenen Grundstücks« In Abteilung III unter Nr 1 dieses Grundbuchs ist für die Städtische Sparkasse eine Hypothek im Betrage von AbgabenDV-LA erst während des Verfahrens der weiteren Beschwerde ergangen ist, hindert ihre Anwendung im vorliegenden Palle schondes-halb nicht, weil der hier in Präge stehende § 7 nach seinem Abs 2 sogar rückwirkende kraft hat (BGHZ 10, 2865 s. Dabei müssen Inhalt, Zweck und Ausmass der erteilten Ermächtigung im Gesetz bestimmt und es muss in der Verordnung die Rechtsgrundlage angegeben werden„ Auch für die Ermächtigungen des Lastenausgleichs-gesetzes gelten diese Beschränkungen ohne Rücksicht auf die Stimmenzahl, mit der Bundestag und Bundesrat das Gesetz angenommen haben, da das Grundgesetz nach Art 79 Abs 1 nur durch ein Gesetz geändert werden kann, das den Wortlaut des Grundgesetzes ausdrücklich ändert oder ergänzt (vgl beispielsweise Art 120 a GrundG)« Die 5. AbgabenDV-IA stützt sich auf § 139 Abs 1 und 141 Nr 3 LAG» Rur $ 7 kommt' jedoch nur § 141 Nr 3 LAG in Betracht« Nach dieser Vorschrift können zur Durchführung der Vorschriften Uber die Hypothekengewinnabgabe Bestimmungen zur Überleitung der Vorschriften des Hypothekensicherungsgesetzes in die Vorschriften des Zweiten Abschnitts des.Lastenausgleichsgesotzes "Hypothekengewinnabgabe" getroffen werden« Ob eine Ermächtigung zu dem Erlass von Rechtsverordnungen nach Inhalt, Zweck und Ausmaß hinreichend begrenzt ist, lässt sich nur von Pall zu Pall entscheiden (BVerfGE 1, 14 Leitsatz Nr 19 sowie S 59/60; BVerfGE 2, 334). fait der zu berücksichtigenden Gesichtspunkte und der verschiedenartigen Gestaltung der nach Millionen zählenden Einzelfälle der technischen Durchführung mit Verordnungen* Die gesetzgebenden Körperschaften konnten mit der Regelung von Einzelfragen in weiterem Umfange nicht belastet werden* Von Anfang an war für das i»astenausgleichsgesetz auch mit dem Auftauchen unvorhergesehener Einzelfragen von untergeordneter Bedeutung zu rechnen» Gerade im Hinblick auf diese Wahrscheinlichkeit können die Anforderungen an die Bestimmtheit im Sinne des Art 80 GrundG nicht-überspannt werden* Die Hypothekengewinnabgabe - nach § 111 LAG eine öffentliche Last- ist wesentlich anders ausgestaltet als die trotz Öffentlichrechtlicher Zweckbestimmung überwiegend privatrechtlich ausgestaltete Umstellungsgrundschuld (BGH? 6, 70)* Überleitungsvorschriften waren daher erforderlich» Das Lastenausgleichsgesetz enthält sie in erheblichem Umfange selbst, darunter auch solche zur Grundbuchführung (§ 120 Abs 2, 3 und 4 LAG)» Es kommen also nur ergänzende DurchführungsVorschriften zur Überleitung in Frage- Damit sind Zweck, Inhalt und Begrenzung der zu § !41 Nr 3 LAG zu erlassenden Vorschriften hinreichend im Gesetz gekennzeichnet und eine konkretere Abgrenzung vorgenommen, als mit dem blossen Vorbehalt der zur Durchführung (des 2« Neugliederungsgesetzes) erforderlichen Rechtsverordnungen, der vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt worden ist (BVerfGE 1, 14 /59/6Ö7). Eine Einzelaufzählung in der Ermächtigung zu dem Erlass von rechtsverordnungsmässigen Durchführungsvorschriften, derart, dass mehr oder weniger für die Durchführungsverordnung lediglich die Formulierung verbliebe, ist nicht zu fordern» Der erkennende Senat bejaht somit für die hier zu entscheidende Frage die Gültigkeit des § 141 Nr 3 LAG und hat keinen Anlass über die Vereinbarkeit dieser Vorschrift mit dem Grundgesetz nach Art 100 GrundG die Entscheidung des Bundesverfassungs-gerichts herbeizuführen. Die Vorschrift des § 7 der 5* AbgabenDV-LA hält sich auch im Rahmen der mit § 141 Nr 3 LAG gegebenen Ermächtigung» Die Umstellungsgrundschulden waren ausserhalb des Grundbuchs kraft Gesetzes entstanden (§1 HypSG)« Nach dem Lastenausgleichsgesetz erloschen sie grundsätzlich mit dessen Inkrafttreten, blieben aber in bestimmten Einzelfällen, insbesondere, wenn sie schon auf den Eigentümer Ubergegangen waren, bestehen (§ 120 LAG)-Schon die 2» DVO zu dem HypSG hatte in § 12 Bestimmungen Uber die grundbuchmüs sige Behandlung der Umstellungsgrundschuld enthalten» Das Hypothekensicherungsgesetz ist mit seinen Durchführungsverordnungen nach § 373 Nr 2 LAG aufgehoben» Die Ermächtigung zu dem Erlass von Vorschriften, die sich auf die grundbuch-mässige Behandlung der Umstellungsgrundschulden beziehen, kann daher § 141 Nr 3 LAG entnommen werden» Die Rechtsgültigkeit des § 7 der 5* AbgabenDV-LA wäre auch nicht in Frage gestellt, wenn bei richtiger Auslegung des Grundbuchrechts ohnedies es der Voreintragung der auf den Eigentümer übergangenen Umstellungsgrundschuld für ihre Löschung nicht bedurft hätte.