BGH · V ZB 6/72 vom 09.05.1972
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die sofortige Beschwerde des Beklagten wird der den Wiedereinsetzungsantrag zurückweisende Beschluß des Oberlandesgerichts Hamm 5 U 198/71 aufgehoben. Gründe Der vom Berufungsgericht abgelehnte Wiedereinsetzungsantrag ist dann gegenstandslos, wenn die Zustellung des am 2. September 1971 eine vollstreckbare Ausfertigung des Urteils dem erstinstanzlichen Prozeßbevollmächtigten des Beklagten, d.i. Rechtsanwalt zugestellt habe (vgl. Rechtsanwalt hat anwaltlich versichert, daß ihm nur eine unbeglaubigte Fotokopie des Urteils (mit Vollstreckungsklausel) zugestellt worden und eine sonstige Zustellung an ihn nicht erfolgt sei. September 1971 bestätigt zwar, ebenso wie die Zustellungsbescheinigung des Gegners (§ 198 Abs. 2 Satz 2 ZPO) vom 7• September 1971, im vorgedruckten Text, daß Gegenstand der Zustellung "anliegende Ausfertigung und einfache Abschrift des abgekürzten vollstreckbaren Urteils** gewesen sei; aber bei beiden Erklärungen befinden sich als Anlagen nicht die beiden im Text genannten Urkunden, sondern Jeweils nur eine davon, nämlich beim Empfangsbekenntnis eine vollstreckbare Ausfertigung des vollständigen Urteils, bei der Zustellungsbescheinigung die unbeglaubigte Fotokopie einer vollstreckbaren Ausfertigung des abgekürzten Urteils. Angesichts dieser Unstimmigkeiten bei beiden Bescheinigungen und angesichts der anwaltlichen Versicherung von Rechtsanwalt Scfl^B war zu prüfen, ob die gesetzliche Beweiskraft des Empfangsbekenntnisses (§ 198 Abs. 2 Satz 1 ZPO) sich auf die erforderliche Übermittlung einer Originalausfertigung oder beglaubigten Abschrift des Urteils (§ 170 ZPO) erstreckt und ob sie nicht durch den - zulässigen (BGH LM ZPO § 233 Nr. 37) - Da über den näheren Hergang bei der Zustellung bisher nichts ermittelt ist, bedarf die Sache in diesem Punkt noch weiterer tatsächlicher Aufklärung.