BGH · V ZB 4/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Das Oberlandesgericht möchte die weitere Beschwerde m rückweisen, sieht sich hieran jedoch durch die Entscheidung des Bayerischen Obersten Landesgerichts vom 13* Juni 1952 (NJW 1953, 25) gehindert, das die Auffassung vertritt, ein nach dem Kontrollratsgesetz Nr 45 erteilter Genebmigungsbe-scheid sei als Unbedenklichkeitsbescheinigung der Preisbebi a) Die Veräußerung eines landwirtschaftlichen Grundstücks bedurfte seit der Bundesratsverordnung vom 15* März 1918 - Bekanntmachung über den Verkehr mit landwirtschaftlichen Grundstücken - (RGBl 123) zu ihrer Wirksamkeit unter bestimmten Voraussetzungen einer behördlichen Genehmigung. Die Genehmigung durfte danach nur versagt werden, wenn der Veräußerung ein erhebliches Öffentliches Interesse entgegen stand; dies konnte insbesondere u.a. der Ball sein, wenn der Gegenwert in einem groben Mißverhältnis zu dem Werte des Grundstücks stand (§5 Abs 1 Nr 5) o Daneben galt auch für den landwirtschaftlichen Grunds tücksverkehr die Preisstopverordnung vom 26. bestimmte der Preiskommissar in einem Runderlaß vom 6« Oktober 1937 (Riecke~v«Manteuffel aaO S 275 /21S/) , daß eine auf Grund der Grundstückverkehrsbekanntmachung erteilte Genehmigung gleichzeitig als Ausnahmebewilligung nach § 3 der] Preis stopverordnung gelte für den Pall, daß dies erforderlich sein sollte« Pie Verordnung des Reichskommissars für die Preisbildung zur Sicherung der Preisüberwachung bei Grundstücken vom 8« Juli 1938 (RGBl I, 850), wonach die Grai erwerbsteuerstelle von der Veräußerung eines Grundstücks de zuständigen Preisbildungsstelle Mitteilung zu machen hatte, von deren Entschließung die Aushändigung der nach § 189 d RAbgO vorgeschriebenen Unbedenklichkeitsbescheinigung ab! gig war, ist durch die Verordnung über die Preisüberwachung und die Folgen von Preisverstößen im Grundstücksverkehr vonj 7o Juli 1942 (RGBl I, 451) - Grunds tückspreis Verordnung - ei setzt worden« § 1 Abs 1 dieser Verordnung bestimmt, daß einj Vertrag, durch den sich jemand verpflichtet, das Eigentum an einem Grundstück gegen Entgelt zu übertragen, der Preisbehörde zur Prüfung vorzulegen ist« Ergibt sich für das Gruiü buchamt aus den ihm vorliegenden Unterlagen, daß die Übereignung auf einem Vertrag der in Abs 1 bezeichneten Art beruht, so soll es den Erwerber nur eintragen, wenn eine Unto denklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde beigebracht wii (§ 1 Abs 2 Satz l)« Als Unbedenklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde ist auch ein Bescheid anzusehen, durch den eiM Genehmigung nach der Grundstückverkehrsbekanntmachung erteilt wird (§ 1 Abs 2 Satz 2)« Pie Unbedenklichkeitsbescher nigung gilt gegebenenfalls als Bewilligung einer Ausnahme vom Preiserhöhungsverbot (§ 1 Abs 3)o Sie bedeutet danach, daß gegen den Vertrag preisrechtliche Bedenken nicht bestehfcj^ weil entweder der nach der Preisstopverordnung zulässige Pt5± nicht überschritten oder eine Ausnahmebewilligung nach § 3 der Preisstopverordnung erteilt werde« Die Grundstückverkehrsbekanntmachung ist durch Art I Abs 2 KRG Nr 45 aufgehoben worden, das für den Verkehr mit land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken eine neue Regelung getroffen hat« Nach Art IV Abs 1 dieses Gesetzes ist Die Genehmigung einer Grundstücks Veräußerung ist u.a. dann zu versagen, wenn der Gegenwert in einem groben Mißverhältnis zu dem t Wert des Grundstücks steht (Art IV Abs 4 Buchst b) oder wenn das Rechtsgeschäft gegen eine von den zuständigen Zonenbefehlshabern auf Grund des Art XI des Gesetzes erlassene Durch- ; führungsvorschrift verstößt (Buchst c). In der Amerikanischen Zone soll - ebenso wie nach § 5 Nr 1 GVB - die Genehmigung auch verweigert werden, wenn der Ausführung des Rechtsgeschäfts ein sonstiges erhebliches öffentliches Interesse ent- r gegensteht (vgl für Bayerns § 9 VO Nr 127 vom 20. Die Preis Vorschriften blieben dagegen aufrechterhalten für landwirtschaftliche Grundstücke, und zwar auch für bebaute Grundstücke, die g oder teilweise den Zwecken eines land- oder forstwirtschef liehen Betriebes oder sonst land- oder forstwirtschaftlich Zwecken dienen (§ 2) ♦ Die Grundstückspreisverordnung findet danach nur Anwendung, wenn es sich um ein Grundstück handele welches kein bebautes Grundstück im Sinne der Verordnung vom 28» November 1952 ist« b) Die Präge, ob es im Palle der Veräußerung eines 1 wirtschaftlichen Grundstücks für die Eintragung des Erwerbetr_ im Grundbuch außer der Genehmigung der Landwirtschaftsbehör«^ oder des Landwirtschaftsgerichts der Beibringung einer Uri denklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde bedarf, kann dort auftauchen, wo es sich um eine entgeltliche Veräuße handelt, weil die GrundstückspreisVerordnung auf unentgelt che Verträge keine Anwendung findet« Gegenstand des gegenwärtigen Verfahrens ist ein Übergabevertrag* Ein solcher Ve; trag ist nicht auf den Austausch von Leistungen und Gegenle: stungen gerichtet* Sein wesentliches Merkmal ist vielmehr Vorwegnahme der Erbfolge* Diese in den §§ 7,17 der Höfeord-i nung der Britischen Zone enthaltene Begriffsbestimmung ist auch über den Geltungsbereich dieses Höferechts hinaus von Bedeutung (vgl dazu BGZ 118, 17 /ß07) ° Einer Prüfung der Pf wie grundsätzlich ein* Ubergabevertrag rechtlich zu beurteil ist und welche Gesichtspunkte für die Abgrenzung von andern Verträgen maßgebend sind, bedarf es jedoch nicht; denn ein Obergabevertrag, in dem der Übernehmer sich zu einer Leis insbesondere zur Gewährung eines Altenteils oder eines Auszugs an die Übergeber verpflichtet, ist jedenfalls im Sinne der Grundstückspreisverordnung als ein entgeltlicher Vert c) Pas Kontrollratsgesetz Nr 45 enthält keine Bestimmungen darüber, ob außer der in diesem Gesetz vorgesehenen Genehmigung einer Grundstücks Veräußerung die Beibringung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde erforderlich ist* Pür den Bereich der Britischen Zone ist ausdrücklich bestimmt, daß als Unbedenklichkeitsbescheinigung im Sinne der Grundstückspreisverordnung auch eine Entscheidung der Landwirtschaftsbehörde oder des Gerichts anzusehen ist, durch die eine Genehmigung nach dem Kontrollratsgesetz Nr 45 erteilt wird. in der Amerikanischen Zone die Unbedenklichkeitsbescheinig^w der Preisbehörde durch eine Genehmigung nach dem Kontrollig gesetz Nr 45 ersetzt wird« Dieser Auffassung ist zuzustinm^. ** Die Bestimmung des § 1 Abs 2 Satz 2 der Verordnung v To Juli 1942, daß eine nach der Grunds tückverkehrsbekannt-machung erteilte Genehmigung auch als Unbedenklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde anzusehen ist, ist zwar, soweyF auf die Grundstückverkehrsbekanntmachung verwiesen wird, du.ro deren Aufhebung gegenstandslos geworden« Dies.wird durch Ar X Abs 1 KEG Nr 45 , wonach alle Bezugnahmen auf die durch Ar I aufgehobenen Gesetze und gesetzlichen Bestimmungen in and ren gesetzlichen Vorschriften außer Kraft treten, noch ausdrücklich klargesteilt« Daraus kann jedoch nicht gefolgert werden, daß, wie Priese (aaO) meint, mangels einer entsprechenden Bestimmung die Unbedenklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde nicht durch eine nach dem Kontrollratsgesetz Nr 45 erteilte Genehmigung ersetzt werde«. Die Genehmigung nach dem Kontrollratsgesetz Nr 45 kann nur aus den in diesem Gesetz und seinen Durchführungsvorschriften angeführten Gründen versagt werden* Auch im Genehmigungsverfahren findet eine Preisprüfung statt, die allerdings nach anderen Gesichtspunkten zu erfolgen hat, als eine Preisprüfung der Preishehörde auf Grund der Preisstopverordnung* Während nach dem Kontrollratsgesetz Nr 45 die Genehmigung dann zu versagen ist, wenn der Gegenwert in einem groben Mißverhältnis zu dem Wert des Grundstücks steht, hat die Preisbehörde den Preis zu beanstanden, wenn er die volkswirtschaftlich gerechtfertigte Höhe übersteigt. Diese Verschiedenheit der für die Preisprüfung in Betracht kommenden Gesichtspunkte bestand auch unter der Geltung der Grundstückverkehrsbekanntmachung« Gleichwohl hat der Reichskommissar für die Preisbildung in dem Bunderlaß vom 6i Oktober 1937 (Riecke-v.Manteuffel aaO 8 279) zu dem Ausdruck gebracht, daß eine Überwachung der bei GrundstücksVerkäufen gezahlten Preise auf ihre volkswirtschaftliche Berechtigung bereits auf Grund des § 5 Abs 1 Nr 5 GVB 0- KBG Nr 45 Art IV Abs 4 Buchst b) bestehe, und deshalb von dem Erlaß besonderer Richtlinien für den land- und forstwirtschaftlichen Grundstücksverkehr Abstand genommen« Die Auffassung des Landgerichts, daß in der Amerikanischen Zone außer der Genehmigung nach dem Kontrollratsgesetz Nr 45 eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde deshalb erforderlich sei, weil hier im Gegensatz zu der Regelung in der Britischen Zone in den GenehmigungsVorschriften .. eine Verbindung zu dem Preisrecht fehle, ist nicht begründet« i Es ist zwar richtig, daß in der Britischen Zone die Genehmigung auch versagt werden soll, wenn die Vertragsbedingungen volks- * wirtschaftlich nicht gerechtfertigt sind (Art III Nr 5 Buchst c BrMilRegVO Nr 84)« Das Landgericht meint, daß durch diese Vorschrift die Brücke geschlagen werde zu dem Grundsatz der Preisstopverordnung, wonach nur ein volkswirtschaftlich ge- tende Vorschrift fehlt in der Amerikanischen Zone« Die dort geltenden Durchfühi^ings Vorschriften zu dem Kontrollratsgesetz Nr 45 gehen aber insoweit über die Regelung in der Britisch Zone hinaus, als allgemein das entgegenstehende erhebliche öffentliche Interesse einen Versagungsgrund bildet® Unter di« sem Gesichtspunkt kann ebenso wie bei den Volkswirtschaftlid gerechtfertigten Vertragsbedingungen die Preisfrage geprüft werden« Vielfach wird dazu eine gutachtliche Stellungnahme der Preisbehörde in Präge kommen, die nach § 17 LwVG auf Ersuchen des Gerichts zur Amtshilfe verpflichtet ist« Welche Behörden für die Entscheidung über die Genehmigung einer Grasstücks Veräußerung zuständig sind, ist im Kontrollratsgesetz Nr 45 selbst geregelt« Nach Art IX des Gesetzes bedeutet der Ausdruck "zuständige deutsche Behörden” die deutschen Land-wirtschaftsbehörden, welche von den Zonenbefehlshabem in den betreffenden Zonen errichtet oder anerkannt werden« Im Lande Hessen entscheidet über die Genehmigung einer Grundstock Veräußerung bei Grundstücken bis zur Größe von 1 ha die zus^h-dige Stelle der landwirtschaftlichen Verwaltung in der Kreis* stufe (Landwirtschaftsamt), im übrigen das Bauemgericht (§§ 15, 16 Hess DVO) o Die beim Inkrafttreten des Kontrollratsge-setzes Nr 45 anhängigen GrundstückverkehrsSachen gingen auf die vorgenannten Stellen über« Dies war durch die Übergangsregelung des § 36 Hess DVO klargestellt«. BehÖrde zusteht« Durch diese Regelung ist einer Beachtung der preis rechtlichen Vorschriften hinreichend Rechnung getragen« Ob und inwieweit im Genehmigungsverfahren tatsächlich eine Preisprüfung stattgefunden hat, ist nicht entscheidend« Auch unter der Geltung der Grunds tückverlcehrs-bekanntmachung war anerkannt, daß § 1 Abs 2 Satz 2 der Verordnung vom 7« Juli 1942 selbst dann Geltung hatte, wenn eine Preisprüfung nach der Preisstopverordnung überhaupt nicht erfolgt war (vgl Pritsch-Friemann aaO S 328)« Dasselbe muß auch für die Entscheidungen nach dem Kontrollratsge-setz Hr 45 gelten (vgl Staudinger aaO)« Wenn die Landwirtschäftsbehörde oder das Gericht eine Grundstücks Veräußerung genehmigt hat, kann somit die Beibrir gung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde nicht mehr verlangt werden« Der landwirtschaftliche Grundstücksverkehr würde unnötig erschwert werden, wenn man neben der Genehmigung nach dem Kontrollratsgesetz Nr 45 noch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde für erf order iich halten würde« Ebenso wie nach der bisherigen Regelung eine Genehmigung nach der Grundstückverkehrsbekanntmachung als preis rechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung anzusehea war, muß angenommen werden, daß, nachdem das Kontrollratsge setz Nr 45 mit seinen Durchführungsvorschriften an die Stell, der Grundstückverkehrsbekanntmachung getreten ist, die Uni denklichkeitsbescheinigung der Preisbehörde auch durch eine nach dem neuen Recht erteilte Genehmigung ersetzt wird, auehj wenn dies weder in dem Kontrollratsgesetz Nr 45 noch in der* Grundstücks preis Verordnung in der Passung vom 28« November 1952 gesagt ist« Die entsprechende ausdrückliche Regelung in der Britischen Zone (§ 62 LVO) und die gleichlautenden Vorschriften in der Französischen Zone enthalten insoweit lediglich eine Klarstellung«, Die in dem Erlaß der Verwalt tung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes vom 5o Februar 1950] (DNotZ 1950, 115) zu dem Ausdruck gebrachte Auffassung, daß bei der Veräußerung eines landwirtschaftlichen Grundstücks bis zur Neuregelung der gesetzlichen Bestimmungen eine Beteiligung der Preisbehörde ausgeschlossen sei und die bauernge-richtliche Genehmigung somit die preis rechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung einschließe, ist zwar, worauf auch Haas (NJflT 1953, 27) hinweist, vom Bundesminister für Wirtschaft (vgl den nicht veröffentlichten Erlaß vom 23« Mai 1951 -IB4/U1/ 4731/50 -) nicht aufrechterhalten worden® Dieser Umstand gibt jedoch zu einer anderen Beurteilung keinen Anlaß«