BGH · V ZB 56/55
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2» An der Auffassung, daß unter dem Ertrag des ^ Grundstücks im Sinne des § 3 Abs 1 und 2 VHG;/;j der Rohertrag (Bruttoertrag) zu verstehen . Zivilsenat des Bundesgerichtshofs in der Sitzung vom 11* Mai 1956 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br0 Tasche sowie der Bundesrichten Br0 Hückinghaus, Bro Oechßi'er, Br* Piepenbrock und Brc Großmann besChiossens Bie sofortige weitere Beschwerde gegen den Beschluß des, 7* Zivilsenats des Kammergerichts vom 24o Oktober 1955 wird auf Kosten der Antragstellerin zurückgewiesenö Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattete ' Eie Zinsen für die spätere Zeit bis z^■lm 31o Juli 1954 Müßten ihr ebenfalls erlassen öder doch erheblich herabgesetzt werden» Sie sei nämlich Jüdin und nabe als solche schon vor der Zerstörung des Gebäudes keine Vorteile aus dem geerbten Grundstück sieben können. In der Zeit vom 1* September 1949 bis zu dem 31* Juli 1954 sei ein Zinsrückstand von 4 425 EM entstanden,., dem zwar in derselben Zeitspanne ein Nettoertrag des Grundstücks von rund 7 294^ EM gßgenübergestanden habe 0 Zu berücksichtigen sei indessen» daß sie Vermögens- und erwerbslos sei und die Kosten der Umschreibung des Grundstücks auf sie als Erbin allein schon dessen Ertrag überstiegen hätten, da mehrere kostspielige Reisen von nach Berlin erforderlich gewesen seien. Nettoerträge des Grundstücke die“für diesen Zeitraum rückständigen Zinsen bei weitem überstiegen -hätten* Sie bat weiter geltend gemacht; die Antragste11erin habe das Grundstfi zu günstigen Bedingungen veräußert und könne sich daher nicht auf § 3 Abs 3 VHG berufen, da sie bereits eine Barzahlung von 21 ÖOO,-'DM erhalten und weitere 19 000,- IM zu erwarten habe, sid'also zur Entrichtung.des gesamten Zinsrückstands ohne weiteres in der Lage sei, während ihr (Antragsgegnerin) durch Erlaß und Herabsetzung von Hypotheltenzin^ sen’bereits große Ausfälle entstanden seien» Bei dieser Sachlage würde es eine ihr'nicht zu demutbare Härte darstellend wenn der"Anträgstellerin Vertragshilfe gewährt würdec Das Landgericht hat den Vertragshilfeantrag zurückge-wiesen* Es ist davon ausgegangen, daß es für die Entschei-dung'über diesen Antrag auf den ganzen Zeitraum ankomme, auf den sich der Zinsrückstand erstreckey und unter dem Ertrag im Sinne des .§ 3 VHG der Rohertrag zu,verstehen sei dies’er sich aber in der fraglichen Zeit auf 12 818,- BM belaufen habe,, während der ganze Zinsrückstand nur rund 8 948,- DM betrage» Daraus hat das Landgericht abgelei-r tet, daßnach den zwingenden Vorschriften des § 3 Abs 1 und 2 VHG grundsätzlich eine Herabsetzung der rückständigen Zinsen nicht zulässig sei* Es hat ferner in den Aufwendungen, welche die Antragstellerin für die Umschreibung des Grundstücks und dessen späteren Verkauf gemacht haben j will, keinen besonderen Grund im Sinne des § 3 Abs 3 VHG gesehen, weil durch die Umschreibung keinesfalls' Kosten in Höhe von 7 640,- DM entstanden sein könnten und auch nicht die Notwendigkeit der zahlreichen Reisen der Antrags teile rin und ihres Ehemannes zwecks Verkaufs des Grundstücks dargetan worden sei«*, der auch durch einen Bevollmächtigten hätte vorgenommen werden können* Ferner ist nach der Auffassung des Landgerichts nicht ersichtlich, daß die Antragstellerin außer dem Ertrag des Grundstücks auch noch die bereits empfangene Kaufpreisbarzahlung für notwendige Anschaffungen verwenden mußte c Nach seiner Ansicht würde ein Erlaß oder eine Herabset-zung der Zinsen bedeuten* daß die Anträgstellerin auf Kosten der Antragsgegnerin ihre Schulden bereinigt und Anschaffungen gemacht hätte. Zur Begründung ihrer sofortigen Beschwerde hat die Antragstellerin unter Wiederholung ihres bisherigen Vorbringens geltend gemacht, daß die rückständigen Zinsen insgesamt höher seien als der Reinertrag, den sie aus dem Grundstück gezogen habe* Sie hat den Standpunkt vertreten, die Ausgaben für die Umschreibung und den Verkauf des Grundstücks nachgewiesen zu haben, und gerügt, daß das Landgericht, wenn es insoweit Bedenken gehabt habe, den Sachverhalt noch näher hätte aufklären müssen* Die Antragstellerin hat zugestanden, Schuldnerin der rückständigen Zinsen zu sein, weil die Antragsgegnerin deren Übernahme durch die Grundstückskäufer nicht genehmigt habe* Nach ihrer Ansicht ist sie nicht:verpflichtetdie rückständigen Zinsen aus dem Kauferlös abzudecken, da diese nach dem Willen des Gesetzgebers nur aus dem Grundstücksertrag zu entrichten seien* Die Antragsgegnerin ist diesem Vorbringen entgegenge-tretens Das Kammergericht hat die Beschwerde der Antragsteile rin zurückgewieseiic Es hat die Ansicht des Landgerichts gebilligt, daß unter dem Ertrag des Grundstücks sein Rohertrag zu verstehen sei-und nicht zwischen der. Es hat als unerheblich angesehen, ob die Antragstellerin den von ihr errechneten Reinertrag für Reisespesen verwendet hat oder nicht, da schon allein die Höhe des ihr zugeflossenen Kaufpreises einer Streichung'oder Herabsetzung £ < rechtfertigt erscheine, eine Stundung und ratenweise Abtragung der Zinsrückstände anzuordnen* Das ist nach Ansicht des Kammergerichts umso mehr der Fall, als die Antragstelle rin nach dem Kaufverträge wegen der rücks tandigen Zinsen ein Rückgriffsrecht gegen die Käufer habe, sie diese Schuld also im Ergebnis nicht seihst zu begleichen braucheo Auch hieraus hat das Kammergericht hergeleitet, daß die Antragstellerin durch die Regelung des § 3 Abs 2 VHG, die ihr Hach § 3 Abs 1 THG können Zinsen aus Verbindlichkeiten die durch eine Hypothek gesichert sind, nur herabgesetzt werden, wenn der Ertrag des belasteten Grundstücks infolge von Kriegs- oder Kriegsfolgeschäden zu mehr als 25 $ gemindert ist * Liegt eine solche Ertragsminderung vor, so sind die Zinsen insoweit herabzusetzen, als sie den Ertrag des Grundstücks übersteigen (§ 3 Abs 2 VHG) * Diese Vo;r-Schriften gelten insoweit nicht, als ihre Anwendung aus besonderen Gründen zu einer nicht zu demutbaren Härte für den Gläubiger oder Schuldner führen würde (§ 3 Abs 3 VHG) der weiteren Ber schwerde an der Ansicht fest, die bis zu dem 31» August 1949 rückständig gewesenen Zinsen müßten ohne weiteres erlassen werdenj weil das - Grundstück bis zu diesem Zeitpunkt keinen Ertrag-gebracht habe, und-weist darauf hin, daß es auch in der Folgezeit ertraglos gewesen wärewenn sie sich • nicht; der .'Müfte' unterzogen hätte, den Grundbesitz wenigstens zu einem Teil durch Verpachtung zu. nutzenc Sie macht geltend, daß anderenfalls die rückständigen Zinsen auf jeden Pall vollständig zu streichen sein würden« Damit will die Antragstellerin offenbar zu dem Ausdruck bringen, daß ihr mit Rücksicht hierauf mindestens ein erheblicher Teil des Grundstücksertrages erhalten:, bleiben müsse, was sie bereits in den Tatsacheninstanzen für sich in Anspruch genommen hatc Diesen Rechtsansichten der Antrags tellerin kann nicht beigepflichtet werden» Irrig ist schon ihr Standpunkt, es müsse zwischen der ertraglosen Zeit.und der Zeit nach dem 1„ September 1949 unterschieden werden« Ohne Rechtsirrtum haben die 7orinstanzen eine derartige Unterscheidung als nicht angängig angesehen« Der erkennende Senat hat bereits wiederholt ausgesprochen, daß bei der Präge, ob die Voraussetzungen für die Herabsetzung einer Verbindlichkeit nach dem Vertragshilfegesetz gegeben -sind, auf.den Saehstand zur Zeit der Entscheidung des Gerichts und bei weiterer Beschwerde des Gerichts der ersten Beschwerde abzustellen ist (vgl. 1803 und vom 10„ Mai 1955, V ZB 32/54) p Danach ist der Sachverhalt so, wie er sich zur Zeit der Entscheidung darstellt, einheitlich zu würdigen* Es kann also nicht zwischen der ertraglosen und der ertragbringenden Zeitspanne unterschieden werden, wie die Antragstellerin es.für möglich . die su treffende Entscheidung kann nur die tatsächlich gegebene Sachlage in Betracht kommen, nicht aber ein Sachverhalt, der bestehen würde, wenn die Antrags tellerin sich anders verhalten hätte, als sie es tatsächlich getan hat» Banach ist nicht zu beanstanden, daß das Kammergerieht bei der Prüfung der Voraussetzungen des § 3 .Abs 2 VHG der Summe der Grundstücksertrage die ganzen Zinsrückstände gegenüber-gestellt hat« Baß das- Kammergerieht dabei von dem Rohertrag des Grundstücks ausgegangen ist, entspricht der Rechtsprechun des erkennenden Senats, der in,seiner.Entscheidung vom 13* Januar 1956 (V ZB 54/55, BGHZ "1$, 510) dar- gelegt hat, daß unter dem Ertrag des Grundstücks im Sinne des § 3 Abs 1 und 2 VHG der Rohertrag (Bruttoertrag) zu verstehen ist* Ber Zivilsenat 1 a des Kammergerichts ist. inzwischen im Beschluß vom 7» Bezember 1955‘(NJW 1956, 514) von dem noch im vorliegenden Palle von dem 7« Zivilsenat vertretenen Standpunkt abgegangen * Er versteht unter dem Ertrag im Sinne des § 3 Abs 2 VHG den Rohertrag abzüglich der notwendigen Bewirtschaftung^kos ten, zu denen er die Betriebskosten, Instandsetzungskosten und die Verwaltungskosten zählt«, Schätsler (NJW 1956, 510) billigt diese Ansicht des Zivilsenats 1 ac Beide führen für ihren Standpunkt indessen keine Gesichtspunkte an, die der erkennende Senat bei seiner Entscheidung vom 13c Januar 1956 nicht schon berücksichtigt hätteo Bas gilt nicht zuletzt auch für die Gedankengange von Schalhom und Krech, auf die das Kamme rgerieht sich in der angeführten Entscheidung bezieht und auf die auch der erkennende Senat in seinem Beschluß eingegangen isto Gerade der Pall, welcher der Entscheidung des Kammergerichts vom 7* Bezember 1955 zugrunde lag und über den der erkennende Senat gleichzeitig mit der vorliegenden Sache zu befinden hatte (V ZB 7/56), zeigt, wie wenig der Reinertrag, geeignet ist? die Grundlage für eine Entscheidung nach § 3 Äbs 2 VHG zu bilden* Während nämlich der' Rohertrag im allgemeinen unschwer festzustellen ist und in der Regel auch nicht streitig sein? matisch unter Zugrundelegung eines bestimmten Prozentsatzes des Rohertrages werden abgesetzt werden können, legt man mit dem Kammergericht den Reinertrag der Berechnung nach § 3 Abs 2 VHG zugrunde? liehe Lage .der Antragstellerin nach dessen Veräußerung maßgebend seine Es ist danach nicht zu beanstanden, daß das Kammergericht die wirtschaftlichen und rechtlichen Auswirkungen des Grunds tücksverkauf a -bei seiner Entscheidung in Rechnung gestellt „hat«.Bie von der Antrag- -1955 (V ZB 32/54) dargelegt, daß, soweit das Gesetz nicht - wie beispielsweise in § 3 Abs 2 VHG - eine Sonderregelung getroffen, habe, Vertragshilfe nur Platz'greifen könne, wenn der Schuldner nach Lage der Dinge einer Hilfe bedürfe, und dies in allen denjenigen-Fällen zutreffen werde, in denen# dieser ohne Gewährung von Vertrags hilf e. in eine unverschuldete Lotlage geraten würde und die von ihm beantragte Maßnahme auch berechtigte Interessen des Gläubigers, nicht verletze« In •den Fällen der Veräußerung des belasteten Grundstücks ist dabei zu beachten, daß der Verkaufserlös an die Stelle des Grundstücks getreten ist« Es wird sich daher, wie der erkennende Senat in jener Entscheidung weiter ausgeführt hat, stets fragen, ob der Schuldner, der, solange.etf Eigentümer j des Grundstücks war, die Zinsrückstände;wegen seiner wirf- . Im vorliegenden Falle hat das Kammergericht ohne RechtsIrrtum die Verpflichtung der .Antragstellerin zur Entrichtung des ganzen Zinsrückstandes bejaht.« trag die rückständigen Zinsen lim fast 4 00Ö DM überstiegen habe und der Antrags teile rin ein barer Kaufpreis von 40 000 DM zuötehe, von dem bereits der überwiegende Teil gezahlt seio Nach den Ansführungen des erkennenden Senats in seiner Entscheidung vom 10o Juni 1955 (V ZB 8/55) bedeutet der Grundsatz/ daß der günstige Verkauf des belas beten, Grundstücks' einen besonderen Grund im.Sinne des § 5 Abs 3 VHG darsteilen könne IVgl ©GBZl6y 105), nicht, daß die Versagung der. Vertrags hilf e auf diejenigen Fälle des GrundstücksVerkaufs zu beschränken ist, in denen der erzielte Verkaufserlös im Vergleich .zu dem früheren Wert des Grundstücks als besonders günstig angesehen werden muß, vielmehr kann die Versagung' der Vertragshilfe auch gerechtfertigt sein, wenn dies nicht der Ball ist, der Schuldner aber ohne Schwierigkeiten zur Zahlung; der rückständigen Zinsen in der Lage ist, da er in solchen Bällen keiner Hilfe bedarf und auch der Grundsatz der Vertragstreue Berücksichtigung erheischt9 Die Ansicht der Antragsteile rin , es bedeute ohne weiteres eine unzu demutbare Härte, wenn die rückständigen Zinsen aus dem Verkaufseriös gezahlt werden müßten, ist danach ebensowenig richtig wie ihr weiterer Standpunkt, der Verkaufserlös könne nur bei einem besonders günstigen und einem besonders bedürftigen Gläubiger entscheidend sein« Hier kann schlech-* terdings nicht zweifelhaft sein, daß die Antragsteilerin die rückständigen Zinsen aus dem Barkaufpreis ohne weiteres abdeeken kann, ohne dadurch in eine Notlage zu geraten* Sie hat nun allerdings geltend gemacht, erhebliche Beträge zur Abdeckung vorhandener Verbindlichkeiten verwendet zu haben* Wenn das auch der Pall gewesen sein mag, so hat doch das Kammergericht zutreffend auf das der Antragstellerin auf Grund des Kaufvertrages zustehende Rückgriffsrecht gegen die Grunds tückskäufer hingewieseh«, Eie Antrags tellerin kann .sich demgegenüber nicht mit Erfolg darauf berufen, daß die Käufer zur Erstattung des ganzen Zinsrückstandes nicht in der Lage seien und das Kammergerieht hätte prüfen müssen, oh es diesen überhaupt möglich sei, diese Summe - aufzubringeno Sie -.hat nämlich noch in der Beschwerde-instanz selbst vorgetragen, daß die Grundstückserwerber in dem Kaufvertrag die gesamten^ rückständigen Zinsen übernommen hätten0 Die Ant rags teile rin hat danach gegen die Käufer einen Anspruch auf Erstattung des Betrages, den sie als rückständige Zinsen an die Antragsgegnerin zahlen mußp Diese Forderung ist ein Aktivposten ihres Vermögens, Ihre Behauptung, die Käufer seien zur Tragung der rückständigen Zinsen nicht in der Lage, vermag allein die Wertlosigkeit dieser Forderung, nicht darzutun«, Die Antragstehierin hat aber in den Tatsacheninstanzen keine Gesichtspunkte vorgebrächt, aus denen gefolgert werden könnte? daß ihre Beurteilung der Beitreibbarkeit der Forderung der wirklich gegebenen Sachlage- entspricht0 Es kommt hinzu, daß die Käufer nunmehr Eigentümer des belasteten Grund-: stücks sind und die Antragstellerin selbst geltend gemacht • hat, diese hätten das Grundstück zu einem sehr günstigen Preise erworben0 Es spricht danach nichts dafür, daß die Antragstellerin ihren Erstattungsanspruch gegen die Käufer nicht wird durchsetzen können0 Eie Erwägung des Kammer-gerichts, die Antragstellerin werde durch die He gelung des § 1 Abs 2 VHG, die ihr eine Herabsetzung der Zinsrückstände versage, nicht unzu demutbar-: hart ge troff en? Eie Antragstellerin hat schließlich dagegen Verwahrung eingelegt, daß das Kammergerieht von Manipulationen zwischen ihr und den Käufern gesprochen habe, durch die die Antrags-gegnerin um ihr Geld gebracht werden solle« Es kann dahingestellt bleiben,; ob das Kamme rge rieht der Antragstellerin ein unlauteres Verhalten hat vorwerfen wollen« Selbst wenn das der Eail sein sollte, wurde dies deshalb rechtlich unerheblich sein, weil die angefochtene Entscheidung jedenfalls nicht auf diesem Vorwurf beruht und insoweit auch eine Gesetsesverletzung.(§ 27 EGG) überhaupt nicht in Rede steht«, 1