BGH · V ZB 34/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Mit Beschluß vom 3« Juli 1957 hat der 10* Zivilsenat des Kammergcrichts die Berufung der Kläger gegen das Urteil der 93«* Kammer für Handelssachen des Landgerichts Berlin vom 28« März 1957 als unzulässig verworfen» In den Gründen des Beschlusses wird ausgeführt, das Gesuch der Kläger um Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist sei unbegründet, da die Voraussetzungen des § 233 ZPO nicht gegeben seien» Die Kläger haben mit der Einlegung der Berufung bis zu dem letzten Tage der Berufungsfrist geyartet» Mit dem Kammergericht ist davon auszugehen, daß zwar die volle Ausnutzung der Berufungsfrist eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht hindert, daß aber bei einem solchen Sachverhalt 7-nlaß zu besonderer Vorsicht besteht, da bereits ein geringfügiger Zwischenfall die Einhaltung der Frist ausschließen kann» Welche Maßnahmen hierbei zu ergreifen sind, um die Wahrung der Frist sicher zu stellen, liegt nicht ein für allemal fest» Es wird im wesentlichen auf die jeweils gegebenen Umstande ankommen, unter denen sich der Ablauf der Frist vollzieht» Keinesfalls war der Prozeßbevollmächtigte der Kläger, wie das Kammergericht meint, verpflichtet, die Beförderung des Berufungsschriftsatzes per- Daß sie auf die Eilbedürftigkeit der Sache hingewiesen worden war, ergibt sich aus dem Umstande, daß sie auf der Berufungaschrift an auffallender Stelle den Vermerk anbrachtes Fristablauf i 6* Mai 1937 o Somit war in noch ausreichender V/eise für die Einhaltung der Berufungsfrist Vorsorge getroffen. Die Versäumung der Frist ist darauf zurückzuführen, daß der Angestellten Brett ein Versehen unterlief, das nicht vorauszusehen war* Sie hat nämlich, wie sich aus den eingereichten eidesstattlichen Versicherungen ergibt, die Berufungsschrift aus den am Abend des 16* Mai zu befördernden Briefen ausgesondert, weil sie sich offensichtlich durch die Verwendung des Vordrucks K 407 auf der Berufungsschrift zu der irrigen Auffassung verleiten ließ, ken zu versehen und daher gemäß der in der Kanzlei bestehenden Übung für die Besorgung der Kostenmarken am nächsten Tage zurückzuhalten sei* Sie war aber wiederholt darauf hingewiesen worden; daß der erwähnte Vordruck auch für Berufungsschriften zwecks Herbeiführung gerichtlicher Eingangsbestätigungen Verwendung finde* auszusondern seiern daher aus den für die Einlieferung an der gemeinsamen Annahmestelle bestimmten Schriftstücken nur jene* die e r -k e n n b a r noch mit Kostenmarken zu versehen seien, Bei sorgfältiger Durchsicht der am Abend des 16» Mai vorliegenden Schriftstücke hätte es ihr nicht entgehen können* daß die Berufungsschrift vom 16. Demnach ist glaubhaft gemacht, daß die Kläger durch unabwendbaren Zufall an der Einhaltung der Berufungsfrist verhindert wurden. schl.usses ist daher Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu bewilligen und die Sache an das Kammergericht zurückzuverweisen, das auch über die Kosten des Beschwerdeverfahrens seinerzeit zu befinden haben wird*