BGH · V ZB 32/92 vom 15.10.1992
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Er hat zur Begründung dieses Antrags vorgetragen, nach der allgemeinen Büroorganisationsanweisung seiner Prozeßbevollmächtigten würden zunächst alle Fristen der Eingänge von einer damit vertrauten und beauftragten sowie in langjähriger Tätigkeit erprobten Angestellten notiert und die Eingänge dann mit einem Erledigungsvermerk ("E") dem jeweiligen Rechtsanwalt vorgelegt. Die Fristnotierung sei hier jedoch aus nicht mehr aufklärbaren Gründen unterblieben und dies erst nach Ablauf der Berufungsfrist bemerkt worden. Zutreffend entnimmt das Berufungsgericht dem vorgetragenen Sachverhalt, daß den Prozeßbevollmächtigten des Beklagten ein Verschulden an der Versäumung der Berufungsfrist trifft, das sich der Beklagte anrechnen lassen muß (§ 85 Abs. 2 ZPO). Die Büroorganisation eines Rechtsanwalts muß deshalb so gestaltet sein, daß Fehlerquellen beim Einträgen und Behandeln von Fristen möglichst ausgeschlossen sind (BGH, Beschl. Daß dieser ein solches Versehen überhaupt unterlaufen und daß es bis zu dem Ablauf der Berufungsfrist unbemerkt bleiben konnte, ist aber auf einen Organisationsfehler im Büro der Prozeßbevollmächtigten des Beklagten zurückzuführen, den diese zu vertreten haben. Nach der allgemeinen Organisationsregelung der Sozietät hatte nur die damit beauftragte Angestellte den gesamten Eingang entgegenzunehmen und "die vom Gericht und die sich aus dem Gesetz ergebenden Fristen, gegebenenfalls nach Rücksprache mit dem jeweiligen Anwalt", vor der Vorlage an die Rechtsanwälte zu notieren. Mit dieser Organisation, die schon dann versagen konnte, wenn dieser Angestellten bei der Behandlung von Fristsachen auch nur ein geringfügiges Versehen unterlief, genügten die Prozeßbevollmächtigten des Beklagten nicht den Anforderungen, die zur Wahrung von Rechtsmittelfristen an einen Rechtsanwalt zu stellen sind. Angesichts der Bedeutung der Fristen und der weittragenden Folgen, die eine Fristversäumung hat, muß er Fristsachen im übrigen jedoch mit der größten Genauigkeit behandeln (vgl. Entgegen der Auffassung der sofortigen Beschwerde wäre eine Verfahrensweise, die eine Überprüfung ermöglicht, nicht unzweckmäßig und mit zusätzlichen Fehlermöglichkeiten behaftet; auch eine übermäßig belastende Routinearbeit, von der sich der Rechtsanwalt weitgehend entlasten kann (BGH, Beschl. März 1991, XI ZB 1/91, BGHR ZPO § 233 - Fristenberechnung 3), ist damit nicht verbunden, wenn bei der Vorlage des Eingangs dieser mit der vom Büro getroffenen Verfügung verglichen werden kann. Die nach dem gewählten Verfahren geschaffene Fehlergefahr ist jedoch weitaus größer, weil bereits ein geringfügiges Versehen bei der routinemäßigen Entgegennahme des gesamten Eingangs eine Fristsache völlig außer Kontrolle geraten lassen kann.