BGH · V ZB 28/53
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtssatz: Tor Eintritt des Erbfalles erlangt der yVi^5 mächtnishehmer, selbst wenn das Termächt-" nis auf einem Erbvertrag beruht, weder ei-nen künftigen Anspruch noch eine rechtlich , gesicherte Anwartschaft-, sondern lediglich^ sen zu verfügen, insbesondere alles zu unterlassen, was dal Vermächtnis zu beeinträchtigen vermöchte Die Erschienenen bewilligen und beantragen, auf dem vqJ annten Grundbesitz eine Vormerkung zugunsten des Vermap nisnehmers zur Sicherung von dessen Rechten einzutragen» ; Das Amtsgericht hat die Erinnerung gegen den die Eintral gang der Vormerkung ablehnenden Beschluss des Rechtspflegers | zurückgewiesen, weil die Befugnis zur Verfügung über ein verjg äußerliches Recht nicht durch Rechtsgeschäft ausgeschlossen werden kenne» Das Landgericht hat die Beschwerde der Antrags*' lerih zurückgewiesen. Es ist in Übereinstimmung mit dem -Amts« rieht der Auffassung," dass die Eintragung einer Vormerkung,’ es sich nur um die Sicherung der.Ansprüche aus der schuldre.cjä liehen Verpflichtung der Ehefrau IflHI aus § 137 Satz 2 BGB handeln würde, nicht in Betracht komme, weil diese Verpflichf tuhg keinen vormerkbaren Anspruch'auf Einräumung eines Rechte if JV'Guruv ' Das Landgericht legt jedoch abweichend vom Amtsgericht die Eintragungsbewilligung dahin aus, dass die Vormerkung der Sicherung eines Anspruchs des Vermächtnisnehmers auf Auflassung des vermachten Grundstücks durch den Erben der Erblasserin zu dienen bestimmt sei, hält aber auch in diesem Fall die Eintragung einer Vormerkung für unzulässig mit der Begründung, die erbvertraglichen Bindungen der Erblasserin könnten über die zwingenden gesetzlichen Vorschriften hinaus-nicht durch schuldrechtliche Vereinbarungen oder dingliche Sicherungsmittel verstärkt werden. In dem vom Oberlandesgericht Celle entschiedenen Fall hat te die Erblasserin durch Erbvertrag einer Verwandten ihren Miteigentumsanteil an einem Grundstück vermacht und zugleich der Vermächtnisnehmerin und ihren Erben gegenüber die Verpflicht tung übernommen, ihren Miteigentumsanteil weder zu verkaufen noch zu belasten,'es sei denn, dass sie unverschuldet in Kot gerate» Weiter erklärte die Erblasserin in dem Vertrage, sie bewillige und beantrage schon jetzt, dass auf ihrem Miteigentumsanteil zugunsten der Vermächtnisnehmehin und ihrer Erben eine Auflassungsvormerkung eingetragen werde» Das Oberlandes gerieht' Celle hat die Eintragung der Vormerkung für zuläss erklärt und ausgeführtj Der Vermächtnisanspruch beruhe a Setzung der Sicherung des Anspruchs durch Vormerkung sei le|; diglich, dass der vorzu demerkende Anspruch durch eine der Vormerkung zeitlich nachfolgende Verfügung über das Grundstück vereitelt oder beeinträchtigt werden konnte« Es handele si auch nicht um. die Verstärkung erbrechtlicher Bindungen der lasserin durch schuldrechtliche Vereinbarungen oder durch dingliche Sicherungsmittel« Die Vormerkung solle vielmehr de schuldrechtlichen Anspruch gegen die Erben der Erblasserin s^® ehern« Wenn auch der Erbvertrag ausschliesslich zu erbrechtlichen Bindungen der Erblasserin führe, sei er doch als Vertrag der Ausgestaltung durch den Parteiwillen zugänglich« Aue bei einem Erbvertrag sei der Parteivereinbarung nicht jeder Spielraum genommen; Die Erblasserin könne über die gesetzli-' chen Bindungen hinaus weitere Verpflichtungen zugunsten der Erfüllung des mit zulässigem Inhalt abgeschlossenen Erbver- ;|1 1 träges übernehmen« Die Bewilligung der Eigentümerin sei als 'jHi Grundlage für die Eintragung der Auflassungsvormerkung effor | derlich und genügend , Bas vorlegende Oberlandesgericht hält die Eintragung ellL ner Vormerkung schon deshalb für unzulässig, weil der Erbver-trag nur zu einer erbrechtlichen Bindung der Erblasserin füll re, deren Befugnis, durch Rechtsgeschäft unter Lebenden über'" den vermachten’Gegenstand zu verfügen, nach § 2286 BGB nichts beschränkbar sei. ner Vormerkung sei aber auch dann nicht zulässige wenn noch eine zusätzliche schuldrechtliche Vereinbarung bestehe,, wonach die Erblasserin sich verpflichtet habe, über den vermachten Gegenstand nicht rechtsgeschäftlich z;u verfügen. Die vor Eintritt des Erbfalles fehlende Bindung der Erblasserin könne nicht durch die Vereinbarung einer rechtsgeschäftlichen Verfügungsbeschränkung herbeigeführt werden. Der Vermächtnisanspruch werde 'jedoch durch' die Verbindung mit einer schuldrechtlichen Vereinbarung nicht vormerkungsfähig“ denn im Ergebnis werde durch die Eintragung einer Vormerkung der lediglich mit schuldrechtli Wirkung möglichen Beschränkung der Verfügungsfähigkeit e dingliche Wirkung gegeben, was nach § 137 Satz 1 BGB nie lässig sei. Die Voraussetzungen für eine Vorlegung der weiteren Beschwerde an den Bundesgerichtshof sind gegeben, weil das Oberlandesgericht bei der Auslegung von das Grundbuch betre fenden Vorschriften des bürgerlichen Rechts von der auf ej weitere Beschwerde ergangenen Entscheidung eines anderen landesgerichts abweichen will (§ 79 Abs 2 GBO), bei nicht darauf an, ob auch der Bundesgeri - ; »JSm sachlich jedoch nicht begründet Gegenstand der Entscheidung ist die Präge, ob, wenn in einem Erbvertrag ein Grundstücksvermächtnis angeordnet ist, schon vor Eintritt des Erbfalles auf Grund einer Bewilligung: der Erblasserin die Eintragung einer AuflassungsVormerkung zugunsten des Vermächtnisnehmers möglich ist» Hach § 883 Abs 1 Satz 1 BGB kann zur Sicherung des Anspruchs auf Einräumung eines Rechts an einem Grundstück eine Vormerkung in das Grundbuch eingetragen werden. Die Eintragung einer Vormerkung ist auch zur Sicherung eines künftigen! Die Eintragung erfolgt auf Grund einer einstweiligen Verfügung oder auf Grund der Bewilligung desjenigen, dessen Grund'; stück oder Recht von der Vormerkung betroffen wird (§ 885 Abs 1 Satz 1 BGB) - Der Schuld grand', auf dem der zu sichernde! Anspruch beruht, ist für die Frage, ob der Anspruch durch Eil tragung einer Vormerkung gesichert werden kann, gleichgültig; Der Anspruch auf Einräumung eines- Hechts, insbesondere des Eigentums an einem Grundstück, kann auf Gesetz, Vertrag oder einem einseitigen Rechtsgeschäft, also auch auf einer Verfügung von Todes wegen, beruhen. Rach § 2174 BGB wird durch das Vermächtnis für den Bedächten das Recht begründet, von dem Beschwerten die Leistung des vermachten Gegenstandes -zu fordern, Agä Diese Forderung kommt zur Entstehung (Anfall des Vermächtnisses) mit dem Erbfall (§ 2176 BGB), Der. Anspruch des Vermächtnisnehmers ist zwar im Erbrecht verwurzelt, begründet aber eine schulcrecht-' liehe Forderung des- VermächtnisnehmersV Dass dieser Anspruch nach dem Eintritt des Erbfalles dieGrundlage für eine Vormerkung bilden könnte, kann nicht zweifelhaft sein. gerichts (RGZ 151, 75 /IT/) muß davon ausgegangen werden, dass ein vormerkungsfähiger künftiger Anspruch nur dann vorliegt, wenn bereits der Rechtsboden für seifte.Entstehung durch ein rechtsverbindliches 'Angebot oder Abkommen so weit vorbereitet ist, dass die Entstehung des Anspruchs'nur noch von dem Willen des demnächst Berechtigten abhängt. 34 I., 35 Dies gilt nicht nur für ein Vermächtnis, das auf einer eins» tigen letztwilligen Verfügung beruht, die der Erblasser jed zeit einseitig und willkürlich beseitigen kann, sondern mus auch für ein in einem Erbvertrag angeordnetes Vermächtnis g Durch eine Verfügung von Todes wegen wird, auch wenn si?«h vertragsmässig getroffen wird, niemals ein Anspruch gegen d|| Erblasser begründ et.Rechte der Bedachten' entstehen erst mit Eintritt des Erbfalles. Ebenso wie Erb- und Pflichtteilsan-j räche erst mit dem Tode des Erblassers zur Entstehung gelegen (BGHZ I, 343 /349.7 und die dort angeführte Rechtspre-chunb und .Rechtslehre), besteht für den Vermächtnisnehmer vöi dem Eintritt des Erbfalles lediglich eine tatsächliche Auss: Der Erbvertrag führt nur zu einer .erbvertraglichen Bindung Erblassers, die darin besteht, dass der Erblasser keine andel weitigen mit dem Erbvertrag in Widerspruch stehenden letzt-;| willigen Verfügungen treffen kann. Die erbrechtliche Bindung des Erblasse: kommt in der Vorschrift des § '2289.Abs 1 Satz 2 BGB zu dem Ausdruck, wonach eine spätere Verfügung von Todes wegen, sowei‘ sie das Recht des vertragsmässig Bedachten beeinträchtigen de, unwirksam ist. wird; denn nach § 2286 BGB ist .der Erblasser durch den Erbvertrag nicht gehindert, über sein Vermögen durch Rechtsgeschäft unter Lebenden zu verfügen. Eine Ausnahme besteht nur für böswillige Schenkungen (§ 2287 BGB) und Vereitelung von Vermächtnissen (§ 2288 BGB), Wenn der Erblasser den vermachten Gegenstand veräussert, so dass er zur Zeit des Erbfalles nicht zur Erbschaft gehört, ist das Vermächtnis unwirksam (§ 2169), sofern nicht eine böswillige Beeinträchtigung im Sinne des § 2288 BGB vorliegt. Die durch den Erbvertrag geschaffene erbrechtliche Bindung besteht nur zwischen denjenigen, die den Erbvertrag geschlossen haben, im vorliegenden Palle also zwischen der Ehefrau ÜÜÜ1 und ihrem Ehemann.Als Erbe oder Vermächtnisnehmer kann in einem Erbvertrag nach der ausdrücklichen Vorschrift des § 1941 Abs 2 BGB sowohl einer der Verträgschliessenden als auch ein Dritter bedacht werden, wobei es unerheblich ist, ob ’ der Erblasser auch den anderen Vertragschliessenden oder keiner der Vertragsteile den anderen bedacht hat. ■ II ■ ■ ■ " ■ fl Hinzsü kommt,dass der mit dem .arbfall entstehende VermäC nisanspruch nicht gegen den Erblasser, sondern gegen den Erbi gerichtet ist« Grundsätzlich muss der Anspruch, der durch Vö|||jl merküng gesichert werden soll, gegen denjenigen bestehen odegpp entstehen, dessen Grundstück von der Vormerkung betroffent Das nammergericht hat diese in OLG 15, 334 und KGJ 48, 189 inWj. Übereinstimmung mit der Hechtslehre (Staudinger BGB IChAufl wmf0 § 883 Anm 15; Planck 4« Aufl § 883 Anm 1 c» Palandt 11» Aufl; fassung in einer späteren Entscheidung (JPG 21, 32 = BR 1940| 796 mit zustimmender Anmerkung von Hopp) nicht aufrechterhalten in einem Pall, in dem der Anspruch gegen den Erben des eif getragenen Eigentümers entstehen sollte» Der Entscheidung lag ein bindendes Angebot zu dem Abschluss eines Kaufvertrages zu.g-rtmmmmav de, dessen Annahme gegenüber dem Erben erklärt werden sollte; Bas Eammergericht hat für diesen Pall die Eintragung einer Vormerkung für zulässig erklärt, weil der Erblasser die Grundlage für die Entstehung eines schuldrechtlichen Anspruchs gegen seinen Erben geschaffen habe, jedoch die präge, ob für Atil Sprüche aus einem Erbvertrag etwas anderes zu gelten habe, aü| drücklich dahingestellt gelassen» Zu dieser Präge hat das Kar§| merger!cht in einer weiteren Entscheidung (JPG 23, 148 /J5C Stellung genommen und öüsgeführt, dass zur Sicherung von An- f Sprüchen aus einem Erbvertrag zu Lebzeiten des Erblassers keill Vormerkung eingetragen werden könne, weil der Erbvertrag keinen Anspruch gegen den Erblasser begründe* Wenn das Oberlandes-gerieht Celle (aaO) im Anschluss an die Entscheidung des Kammergerichts (JEG 21, 32) meint, es genüge für die Eintragung einer Vormerkung, dass der zu sichernde Anspruch geeignet sei, durch eine Verfügung, die nach der Eintragung der Vormerkung über das Grundstück getroffen werde, vereitelt oder beeinträchtigt zu werden, so übersieht es dabei, dass auch ein auf einem Erbvertrag beruhendes Vermächtnis für den Bedachten zu- Lebzeiten des Erblassers noch keinen bedingten oder künftigen Anspruch be-Vfä gründet, der nach § 883 BGB die Grundlage für die Eintragung einer Vormerkung bilden könnte (vgl BGB EGBIC 10« Aufl b) Die Zulässigkeit der Eintragung einer Vormerkung kann auch nicht, wie das Oberlandesgericht Celle in dem angeführten Beschluss meint, aus einer über die erbrechtliche Bindung der Erblasserin hinaüsgehenden schuldrechtlichen Vereinbarung der Beteiligter: hergeleitet werden* Zu dieser Entscheidung haben Hi eher (DKotZ 1952, 432« 1953.» 635) und Schulte (DEot-Z 1953, 355 /360 ff/} eingehend Stellung genommen* Beide gehen zutreffend davon aus, dass die Beteiligten in Verbindung mit einem Erbvertrag, entweder in derselben oder in einer getrennten Urkunde, auch schuldrechtliche Vereinbarungen treffen können« ausSetzung für die Eintragung sei lediglich, dass der Anspruch seiner Natur nach einer Sicherung durch Vormerkung zugänglich^ Di eil Ausführungen von Schulte erledigen sich schon dadurch, dass ;-$m die von ihm selbst für erforderlich gehaltene Voraussetzung, ||| der Anspruch müsse seiner Natur nach einer Sicherung durch Vom merkung zugänglich sein, nicht gegeben ist. Der Vermächtnisanspruch wird aber'ff durch' die Verbindung des Erbvertrages mit einer schuldre liehen Vereinbarung nicht vormerkungsfähig. rechtlicher Wirkung möglichen Beschränkung der Verfügungsfr^^^JiV heit (§ 137 Satz 2 BGB) eine dingliche Wirkung geben würde,11HF" nach § 137 Satz 1 BGB unzulässig ist, würde durch die Vormer^jf” kung auch die erbrechtliche Bindung des Erblassers entgegen Jlja der zwingenden gesetzlichen Regelung (§ 2286 BGB) in unzüläs^R siger Weise verstärkt werden. November 1952 als ein Schenl kungsversprechen ansehen wollte, bei dem die Erfüllung auf d Zeitpunkt des Todes der Ehefrau VMM hinausgeschoben wäre schon zu Lebzeiten der Antragstellerin für den .Pall ihres Todes wirksam Verpflichtungen und. Beschenkten gehören würde» In einem solchen Pall, finden jedoch nach •§ 2301 Abs 1 Satz 1 BGB auf das Schenkung versprechen die Vorschriften über Verfügungen von Todes wegen; Anwendung» wonach, wie sich aus den obigen Ausführungen ergib /die Einträgung einer Vormerkung unzulässig ist,» Die Frage, ob und in welcher Weise durch Hechtsgeschäft unter Lebenden der Anspruch eines Dritten, der auf Übertragung eines Grundstücks nach dem Tode des Verpflichteten gerichtet ist, durch Eintragung einer Vormerkung gesichert werden kann, ist nicht'Gegenstand des gegenwärtigen'Verfahrens» .,w Zur Sicherung des mit dem Erbfall entstehenden Vermächtnisanspruchs kann vor Eintritt des Erbfalles keine Vormerkung eingetragen werden, auch wenn der Erblasser die Eintragung bewilligt hat.