BGH · V ZB 21/74 vom 29.04.1977
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in den Rechtsstreit Berichtigt durch Beschluß vom 29.4.1977 der kaufttännisehen Angestellten Heide M März 1975 durch den Vorsitzenden Richter Hill und die Richter Offterdinger, von der Mühlen, Dr. Eckstein und Linden beschlossen: Der Klägerin wird Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist erteilt. Nach Ablauf der Berufungsfrist hat die Klägerin durch formgerechten Schriftsatz vom 3. September 1974, erneut Berufung eingelegt; gleichzeitig hat sie Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist beantragt und hat dazu im wesentlichen folgenden Sachverhalt glaubhaft gemacht: August 1974 sei dem Prozeßbevollmächtigten der Klägerin, Rechtsanwalt Dr. mit der sonstigen Post zur Unterschrift vorgelegt worden. Es gehöre indes zu den Aufgaben des damals schon seit tiber 15 Jahren in dem Btiro tätig gewesenen Btirovorstehers sich anschließend die Postmappen vorlegen zu lassen und - wie auch in einer schriftlichen Dienstanweisung niedergelegt - jedes einzelne Schriftstück darauf zu kontrollieren, ob es unterzeichnet sei. In dem angefochtenen Beschluß wird ausgeftihrt, es sei wohl der Fall denkbar, daß das Auslaufen einer nicht unterschriebenen Rechtsmittelschrift auf einem dem Anwalt nicht zuzurechnenden bloßen Verschulden des Büropersonals beruhe. Da der Prozeßbevollmächtigte der Klägerin selbst eingeräumt habe, daß dies hier geschehen sein könne, sei nicht auszuschließen, daß im vorliegenden Fall die Fristversäumung auf ein Verschulden des Anwalts zurückzuführen sei; damit entfalle die Annahme eines unabwendbaren Ereignisses im Sinn des § 233 ZPO. Es ist anerkannt, daß ein Rechtsanwalt, um seinen eigentlichen Aufgaben als Organ der Rechtspflege gerecht werden zu können, sich von den rein büromäßigen Aufgaben freihalten und diese sorgfältig ausgewählten, geschulten und von ihm überwachten Angestellten überlassen darf.Zu diesen büromäßigen Aufgaben gehört es, dafür Sorge zu tragen, daß ein für das Gericht bestimmter Schriftsatz nicht ohne Unterschrift hinausgeht. Nach der Rechtsprechung der obersten Gerichtshöfe des Bundes ist daher bei Herausgehen einer nicht Unterzeichneten Berufungsschrift dann ein die Wiedereinsetzung rechtfertigender unabwendbarer Zufall anzunehmen, wenn der Anwalt Jedenfalls hinsichtlich des Büropersonals und der die Kontrolle auslaufender Schriftstücke betreffenden BUroorganisation äußerste Sorgfalt walten ließ (BVerwG Beschl. Die Klägerin hat - wie zu dem Teil bereits erwähnt - glaubhaft gemacht, daß in dem Büro des Rechtsanwalts Dr. VMI eine schriftliche Anweisung bestand, herausgehende Schriftstücke darauf zu überprüfen, ob sie die erforderlichen Unterschriften aufwiesen (wobei unter den besonders betonten Beispielen auch BerufungsSchriften aufgeführt sind), und daß diese Kontrolle dem Bürovorsteher selbst oblag, der diese Stellung bei Rechtsanwalt Dr. VflBi seit über 15 Jahren innehatte, äußerst gewissenhaft arbeitete und bis dahin keinerlei Anlaß zu Beanstandungen gegeben hatte. Nach alledem war der Klägerin unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist zu gewähren. April 1977 durch den Vorsitzenden Richter Hill und die Richter Offterdinger, von der Mühlen, Dr. Eckstein und Linden beschlossen: