BGH · V ZB 21/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bezember 1961 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bewilligt und der Rechtsstreit an das Berufungsgericht zurückverwiesen, dem auch die Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens übertragen Gründe : Durch den angefochtenen Beschluß hat das Kainmerger ich t die Berufung der Kläger als unzulässig verworfen, weil die Berufungsfrist versäumt sei, Y/iedercinsctzung in den vorigen Stand aber nicht gewährt werden könne» Hiergegen richtet sich die formund fristgerecht eingelegte sofortige Beschwerde der Kläger» Sie muß Erfolg haben» verkündet worden» Da cs nicht zugestellt wurde, hätte die Berufungsfrist von einem Monat am 14» Mai 1962 zu laufen begonnen (§ 916 2P0), wenn nicht das Verfahren durch den Tod des Prozcßbcvollmuchtigten der Beklagten (6» Pebruar I960 unterbrochen worden wäre (§ 244 ZPO)» Die Berufungsfrist begann erst mit der Anzeige der Bestellung eines neuen Prozoßbcvollmäehtigten zu laufen (§§ 244 Abs» 1, 249 ZPO)» Das geschah am ö, Juni 1962» Mit Schriftsatz vom 21» Mai 1962 beim Landgericht am 22» Mai eingelaufen, zeigte nämlich Rechtsanwalt DtHBl an, daß er am 13» April 1962 zu dem Abwickler für den verstorbenen Rechtsanwalt bestellt worden sei und in dieser Eigenschaft für die Beklagte das unterbrochene Verfahren aufnehme» Die Anzeige wurde antragsgemäß dem Prozoßbevolimächtagten der Kläger am 8» Juni 1962 zugcstellto Damit hatte die Unterbrechung des Verfahrens ihr Ende gefunden» Als bestellter Abwickler war Rechtsanwalt DiMfe zur Verfahrensaufnähme befugt (Bülow, BRAO § 55 Ann» 7)» Daran ändert auch der Umstand nichts, daß, wie sich in der Bcschwerdeinstanz durch Vorlage des Aui-tragsschrcibens ergeben hat, die Beklagte am 5» Juni 1962 Rechtsanwalt BldBl beauftragen ließ, nunmehr ihre Vor- tretung au übernehmen, Wollte man annehmen, daß die von Gesetz (§ 55 Abs» 2 Satz 4 BRAO) fingierte Vollmacht des Abwicklers schon mit der Bestellung eines anderen Rechtsanwaltes durch die Partei ihr Ende finde, so ware doch im vorliegenden Pall fraglich, ob der Zustellung des Schriftsatzes vom 21» Mai 1962 an den Prozoßbevoll-mächtigten der Kläger die Wirkung einer Anzeige im Sinne des § 244 Abs, 1 ZPO zu versagen sei. Indessen bedarf es keiner abschließenden Beantwortung der aufgeworfenen Präge, Denn die fingierte Vollmacht des Abwicklers erlischt in Anwaltsprozescen nicht schon dann, wenn die Partei einen anderen Rechtsanwalt mündlich oder schriftlich zu ihrem neuen Vertreter bestellt oder bestellen läßt. Das wird nicht erreicht, 'wenn man mit der Beschwerdebegründung die fingierte Vollmacht schon mit der Bestellung eines anderen Rechtsanwaltes als beendet ansicht. Solange nicht in Anwaltoprozessen ein neuer Rechtsanwalt seine Bestellung angezeigt hat, gilt mithin der Abwickler als bevollmächtigter Vertreter der Partei« Das besagt im vorliegenden Palle, daß mit der Zustellung des Schriftsatzes des Abwicklers, also am 8, Juni 1962, die Berufungsfrist zu laufen begann, ungeachtet dessen, daß die Beklagte am 5= Juni 1962 Rechtsanwalt BlflB s zürn neuen Prosoßbevollmächtigtcn bestellen ließ und dieser mit Schriftsatz vom 18» Juni 1962, dem Gegner am 26„ Juni zugestellt, seine Bestellung anzcigtc und seinerseits den Rechtsstreit aufnahm« Die am 17» Juli 1962 beim Kammergericht eingc-laufenc Berufungsschrift der Kläger hat sonach die Bcru-fungafriat nicht gevvkihr t« 2, Entgegen der Auffassung dos Kammergerichts ist jedoch den Klägern Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu bewilligen« Zu den unabwendbaren Zufällen, die diese Gosetzoswohltat gemäß § 293 ZPO rechtfertigen, zählt auch unverschuldeter Rechtsirrtum des Prozeßbevollmächtigton einer Partei (BGH HJV 1952, 425)» Bo ist die Sachlage hier gestaltet« Zu der streitigen Auslegung des § 55 Abs» 2 PRAG liegen Entscheidungen noch nicht vor« Die Er1äuterungo-werke zur Bundesrechtsanwaltsordnung von Bülow und Kalsbach befassen sich mit der Präge nicht« Auf die frühere Gesetzgebung kann nicht zurückgegriffen werden, da insoweit § 55 BRAO eine HeuSchöpfung darstellt» Der Prozeßbcvollmächtigte der Kläger hat versichert, daß er nach gewissenhafter Prüfung der Rechtslage zur Auffassung gekommen sei, erst durch den Schriftsatz des Rechtsanwalts BldBi vom 18» Juni 1962 sei die Berufungsfrist in Gang gebracht worden» Er hat sich