BGH · V ZB 20/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtssatzs Eine Berufung (Revision) ist nur dann ordnungs-gemäß) eingelegt, wenn die Person des Rechtsmittelklägers bezeichnet ist* Biese Angabe braucht zwar nicht ausdrücklich in der Rechtsmittel-schrift enthalten zu sein, sondern kann auch mittelbar aus ihr oder anderen vom Rechtsmittelkläger innerhalb der Notfrist beim Gericht eingereichten Unterlagen hervergehen, wenn diese einen eindeutigen Schluß auf seine Person zulassen» Pahingestellt bleibt5 ob das Rechts-. wenn die Person des Rechtsmittelklägers allein auf , Grund der Gerichtsakten ermittelt werden kann» weil die Person des Rechtsmittelklägers in der Berufungs-schrift nicht angegeben sei und auch nicht im Wege einer an sich zulässigen? Dieses beschloss?dass zur Entscheidung über das Rechtsmittel der Bundesgerichtshof zuständig Die sofortige Besehwerde ist gemäss § 519 b, 547, 567 Abs 3, 577 ZPO zulässig» Sie ist aber nicht begründet» Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist mit der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts davon auszugehen; dass die Berufungsschrift die Person des Rechtsmittelklägers erkennen lassen muss (RGZ 96, 117; 125, 20; 144, 314)» Wenn die angeführten Entscheidungen auch Fälle betreffen, in denen jede Partei durch das Urteil des ersten Rechtszuges beschwert war, so enthalten sie doch grundsätzliche Ausführungen zu dem hier in Betracht kommenden Ausgangspunkt, denen allgemeine Bedeu-tung zukommtp go ist in RGZ 96, 117 /Tl87” zu § 518 Abs 2 ZPO aüsgeführt,"aus dem Erfordernis der Erklärung, dass gegen das (nach Kr 1 daselbst zu bezeichnende) Urteil Berufung eingelegt werde (Er 2 daselbst), folge notwendig, dass die Berufungsschrift denjenigen unzweifelhaft ergeben müsse, der Rechtsmittel Gebrauch machen wolle» Denn eine Prozes.serklärung sei nur denkbar in Verbindung mit einer bestimmten Person, von der sie ausgehe» In RGZ 125, 240 41/ hat das Reichsgericht sodann auf diesen allgemeinen Grundsatz ausdrücklich verwiesen» An ihm hat es unter ergänzender Begründung in RGZ 144, 134 £3*15 f?7 festgehalten» Insbesondere wird dort die Ansicht des Oberlandesgerichts Königsberg (JW 1916, 615) zurückgewiesen, auf die sich der Beschwerdeführer mit stützt, ”es sei he-. deutungslos, wenn das Gericht sich beim Eingang der Berufungsschrift über die Personen des Berufungsklägers im 1 Irrtum befinde; denn nur für den Gegner, nicht für das Gericht komme es darauf an, innerhalb der Rechtsmittel-frist zu erfahren ,wes sen er sich von der anderen Partei zu versehen habe o1’ Mit Recht hat demgegenüber das Reichsgericht (aaO S 316) darauf hingewiesen, dass die Beru- An diesem allgemeinen Grundsatz', die Person des Rechts mittelklägers müsse - nicht nur der Gegenpartei, sondern auch dem Gericht - durch die Berufungsschrift erkennbar gemacht werden, haben auch gelegentliche Entscheidungen nichts geändert,:in denendas Reichsgericht eine offensichtlich falsche Bezeichnung des Revisionsklägers als unschädlich angesehen hat (vgl z»Bl RGZ 68, 590 /391/? JW 1899j 537 j 1913, 501)„ Wenn es in einem anderen Palle, in dem in einer Revisionsschrift die Gegenpartei unrichtig angeführt war, den Satz ausgesprochen hat, »§ 553 ZPO verlange nicht mehr, als dass aus der Revisionsschrift zweifelsfrei erhelle, welches bestimmte Urteil angefechten werden solle” (JW 1926, 2631), so bezieht sich diese Bemerkung erkennbar nur auf die dortige Unklarheit, die nicht die Person des Rechtsmittelklägers betraf» Eine Abweichung- von dem allgemeinen Grundsatz, den das Reichsgericht bereits zuvor ausgesprochen hatte und dem es auch später nach Erlass der zuletzt angeführten Entscheidung wieder gefolgt ist, kann diesem Satz nicht entnommen werden 7» Aufl, § 518 Anm 2» dessen Ausführung, nötig sei die Angabe des Berufungsklägers oder Aktenzeichens ersichtlich auf einem Druckfehler beruht und auch durch die für das zweite Erfordernis angeführten Entscheidungen JW 1885, 184; RGZ 6, 349; 68, 390 nicht gedeckt wird). Der erkennende Senat tritt den Grundsätzen des Reichsgerichts bei und schliesst sich insoweit der Auffassung des IVo Zivilsenats des Bundesgerichtshofs auch für das Verfahren in bürgerlichen Rechtsstreitgkeiten anp Tragend ist der Gesichtspunkt, dass die Rechtssicherheit es gebietet, die Person des Rechtsmittelklägers klar erkennbar werden zu lasseno Mit Rücksicht darauf; dass ein Rechtsmittel einen neuen Verfahrensabschnitt vor einem anderen als dem zuletzt mit der Sache befassten Gericht eröffnet, muss auch gefordert werden, dass diese Voraussetzung nicht nur dem Gegner, sondern auch dem Gericht gegenüber erfüllt wird. dass die Person des Rechtsmittelklägers wirksam nur •ausdrücklich und nur in der Berufungsschrift selbst angegeben werden kann» Hat das Reichsgericht es in RGZ 96? da nur er als allein unterlegene Partei durch das angefochtene Urteil beschwert sei:» Denn dieser Umstand war dem Berufungsgericht zunächst nicht bekannt und ist ihm auch bis zu dem Ablauf der Notfrist nicht bekannt gewordene Mit Recht verweist das Berufungsgericht darauf? dass der Rechtsmittelschrift des Beklagten keine Ausfertigung oder Abschrift des angefochtenen Urteils beigelegen habe» Die Berufungsschrift enthält andererseits nur die Namen der Parteien und nicht das vollständige Rubrum des Urteils des Landgerichts» Deshalb war ihr auch nicht zu entnehmen? dass Rechtsanwalt den Beklagten im ersten Rechtszuge vertreten hatte» Auch über das Ziel des Rechtsmittels ist in der Berufungs schrift nichts gesagt» Wenn dies auch gemäss §519 Abs 3 ZPO der Berufungsbegründung überlassen bleiben kann? Dass hier die Erklärung des Rechtsanwalts, er lege Berufung ein, nur unter dem Gesichtspunkt eines Vertretungsverhältnisses zu verstehen war , berücksichtigt das Berufungsgericht ausdrückliche Zutreffend weist es aber darauf hin, aus dieser Erklärung ergebe sich nichts über das vertretene Prozeßsub^ekt,, Der Beschwerdeführer kann sich auch nicht darauf stützen, dass dem Urkundsbeamten der Geschäftsstelle des Berufungsgerichts nicht zweifelhaft gewesen sei, wer das Rechtsmittel eingelegt habe, wie sich aus der von ihm verfügten Zustellung der Berufungsschrift an den Kläger ergebet Denn diese ist erst am 4» April 1956 veranlasst worden, nachdem die Akten des Landgerichts beim Berufungsgericht eingegangen waren und aus ihnen die von Rechtsanwalt vertretene Partei ermittelt worden war. Es kann aber in diesem Palle auch grundsätzlich dahingestellt bleiben, ob zur Ermittlung der Person des Rechtsmittelklägers- nur die Berufungsschrift und etwaige Anlagen sowie sonstige innerhalb der Notfrist eingereichte Unterlagen des Rechtsmittelklägers heranzuziehen sind oder ob auch auf die Gerichtsakten selbst zurückgegriffen werden kann» Denn, wie bereits ausgeführt, haben diese dem Berufungsgericht innerhalb der prist des § 516 ZPO nicht Vorgelegen» Will man die Frage bejahen, so kann der Beschwerdeführer sich nicht etwa darauf berufene dass die Ansicht des Senats dazu führen würde, über die Zulässigkeit des Rechtsmittels die Zufälligkeit entscheiden zu lassen, zu welchem Zeitpunkt die Gerichtsakten beim Berufungsgericht eingeheno Denn eine Partei, die ein Rechtsmittel erst kurz • vor Ablauf der Notfrist einlegt, müsste eine solche Zufälligkeit in Kauf nehmen*,