BGH · V ZB 17/80 vom 26.05.1982
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Ist ein unter Einreichung einer Löschungsbewilligung beim Grundbuchamt gestellter Eintragungsantrag zurückgenommen worden, so kann diese Löschungsbewilligung auch dann nicht als Grundlage für einen später von einem anderen Antragsberechtigten gestellten Eintragungsantrag dienen, wenn sie beim Grundbuchamt verblieben ist. Teil-eigentumsgrundbüchera ist in Abteilung II Nr. 1 zugleich die Belastung mit einem Wohnungsrecht zugunsten der Beteiligten zu 2, der Mutter des Eigentümers, vermerkt worden, das seit dem 12. Oktober 1976 ein, wonach diese die Löschung des zu ihren Gunsten eingetragenen Wohnrechts ’’auf den Blättern m08 bis ^^17” bewilligte und beantragte; zugleich stellte der Notar den Antrag auf ’’Löschung des Rechts Abteilung II Nr. 1". Januar 1977, nahm der Notar den damals noch nicht erledigten Antrag auf Löschung des Wohnungsrechts insoweit zurück, als er sich auf das Wohnungseigentum Blatt •08 bezog. seines Wohnungseigentums Blatt ^08 den Antrag auf Löschung des Wohnungsrechts. Sie hat geltend gemacht, in Bezug auf das Wohnungseigentum Blatt £ß3 sei die Löschungsbewilligung irrtümlich erteilt worden; es handle sich um eine Verwechslung von Grundbuchnummem; es habe daher insoweit zu keinem Zeitpunkt von der Bewilligung Gebrauch gemacht werden dürfen. Juni 1979 hat das Grundbuchamt den Löschungsantrag des Beteiligten zu 1 zurück- Das vorlegende Gericht meint, die bei den Grundakten befindliche Löschungsbewilligung der Beteiligten zu 2 vom 26. Oktober 1976 habe ihre Wirksamkeit verloren, nachdem der darauf gestützte Löschungsantrag in Bezug auf das Wohnungseigentum Blatt ^^13 zurückgenommen und das dadurch eingeleitete Grundbuchverfahren insoweit - im übrigen durch entsprechende Eintragungen - beendet worden sei. Damit will es bei Auslegung der das Grundbuchrecht betreffenden Vorschrift des § 19 GBO von dem erwähnten, auf weitere Beschwerde ergangenen Beschluß des Kammergerichts vom 30. Denn in diesem Beschluß wird die Auffassung vertreten, das Grundbuchamt könne auch dann, wenn ein unter Einreichung einer Eintragungsbewilligung des Betroffenen gestellter Eintragungsantrag zurückgenommen worden sei, diese Bewilligung, solange sie nicht an den Einreichenden herausgegeben sei, als Grundlage für eine nachträglich von einem anderen Antragsberechtigten beantragte Eintragung verwenden (im wesentlichen ebenso KG JR 1951, 76l) Oktober 1976 nicht als Grundlage für die von dem Beteiligten zu 1 beantragte Löschung des sein Wohnungseigentum belastenden Wohnrechts der Beteiligten zu 2 dienen kann und es daher an der nach § 19 GBO erforderlichen Bewilligung fehlt. Wie bereits das vorlegende Gericht zutreffend ausgeführt hat und von der weiteren Beschwerde auch nicht in Zweifel gezogen wird, ist davon auszugehen, daß der von dem Notar SflHBi am 27. Dezember 1976 gestellte Löschungsantrag nur für die damals Antragsberechtigten, nicht aber auch für den damals noch nicht als Eigentümer eingetragenen und deshalb nicht antragsberechtigten Beteiligten zu 1 gestellt worden ist, und daß die von der Beteiligten zu 2 ausgestellte Löschungsbewilligung nur für das durch den Antrag vom 27. Damit aber kommt der noch beim Grundbuchamt befindlichen Löschungsbewilligung der Beteiligten zu 2 keine über dieses frühere Verfahren hinausgehende Bindungswirkung zugunsten des Beteiligten zu 1 zu; sie kann daher nicht als Grundlage für dessen Antrag vom 31. des Berechtigten erfolgte Einreichung einer Eintragungsbe-willigung beim Grundbuchamt deren Unwiderruflichkeit bewirke; solange sich diese Eintragungsbewilligung beim Grun^ buchamt befinde, rechtfertige sie daher die bewilligte Eintragung, wenn zu ihr der Antrag eines Berechtigten im Sinn des § 13 Abs. 2 GBO hinzukomme. Diese Annahme des Kammergerichts findet, wie die Verweisung auf die Kommentierung von Güthe/Triebel zur Grundbuchordnung ergibt, ihre Grundlage in der Ansicht, daß die Eintragungsbewilligung zwar dem formellen Recht angehöre, aber kein prozessualer Akt w etwa der Antrag sei, sondern eine rechtsgeschäftliche V/ill erklärung; ihre Wirksamkeit und Rechtsbeständigkeit seien deshalb nach den materiell-rechtlichen Bestimmungen Uber rechtsgeschäftliche Willenserklärungen zu beurteilen, insbesondere somit nach § 130 BGB, wonach eine Willenserkläru mit dem Zugang an den Empfänger - in dem hier interessiere den Zusammenhang: das Grundbuchamt - wirksam und - im Rege fall - zugleich bindend werde (s. Der vom Reichsgericht vertretene Standpunkt, daß die Eintragungsbewilligung mit der materiell-rechtlichen Erklärung des Betroffenen gleichzusetzen sei, wird allerdings inzwischen allgemein abgelehnt; auch der Senat geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, daß sich Eintragungsbewilligung im Sinn des § 19 GBO und materiell-rechtliche Erklärung des Betroffenen begrifflich nicht decken (u.a. BGHZ 60, 46, 52). Denn auch im Fall der Annahme einer "Doppelnatur" der Eintragungsbewilligung (nämlich Erklärung zugleich verfahrensrechtlicher und rechtsgeschäftlicher Natur) wäre damit noch nicht die Frage beantwortet, inwieweit für eine derartige Erklärung verfahrensrechtliche oder bürgerlichrechtliche Vorschriften gelten; andererseits würde selbst eine Qualifizierung der Eintragungsbewilligung als reiner Verfahrenshandlung es nicht ausschließen, bestimmte Vorschriften des materiellen Rechts - in Ausfüllung Denn eine Eintragungsbewiliigung die beim Grundbuchamt eingereicht wird, um einem bestimmte] Eintragungsantrag zu dem Erfolg zu verhelfen, kann jedenfalls nach Zurücknahme dieses Antrags selbst dann, wenn die Bewilligung beim Grundbuchamt verblieben ist, nicht zugunstei eines anderen Antragstellers wirken, der erst nachträglich nämlich nach der infolge der Antragsrücknahme eingetretenei Beendigung des früheren Verfahrens, ein neues Verfahren ei: leitet. Mit dieser Entscheidung wird auch das unbefriedigend Ergebnis vermieden, daß praktisch eine weitergehende Wirku der Eintragsbewilligung davon abhängen würde, ob sie sich noch beim Grundbuchamt befindet oder aber nach Rücknahme eines Antrags zurückgegeben worden ist. Denn wie sich aus § 10 Abs. 1 GBO ergibt und auch allgemein anerkannt ist, ist im Fall der Zurückweisung eines Antrags das Grundbucha auch dazu KG JFG 8, 226; Haegele/Schöner/Stöber aaO Rdn. 56 h m.N.); nach Rückgabe aber könnte einem neuen Antrag ohne erneute Einreichung der Eintragungsbewilligung nicht stattgegeben werden (so auch KG JFG 8, 226); eine aus § 150 BGB hergeleitete Fortwirkung käme also, wie von den Vertretern der Gegenmeinung auch eingeräumt wird, jedenfalls nicht mehr zur Geltung (Güthe/Triebel aaO § 19 Rdn. 85; s. Die Erfolgsaussicht eines nach Rücknahme des ersten Antrags von einem anderen Antragsberechtigten gestellten Antrags würde damit nicht nur davon abhängen, wie schnell das Grundbuchamt die Eintragungsbewilligung zurückgibt, sondern z.B. auch davon, wie der vorliegende Fall zeigt, ob in einer einheitlichen Urkunde mehrere Eintragungsbewilligungen enthalten sind, die jedenfalls teilweise zu einer Eintragung und damit gemäß § 10 Abs. 1 GBO zur Aufbewahrung der Urkunde beim Grundbuchamt führen. Darüber, ob dem Beteiligten zu 1 ein materiell-rechtlicher Anspruch auf Löschung des Wohnungsrechts zusteht und ob dieser Anspruch gegebenenfalls auch gegenüber der Beteiligten zu 2 besteht, ist in dem vorliegenden Grundbuchverfahren nicht zu befinden.