BGH · V ZB 15/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtssatzs Ein Beschluss des Oberlandesgerichts, durch den gesetzwidrige Beschlüsse oder Wahlen der Rechtsanwaltskammer oder ihres Vorstandes aufgehoben werden oder eine solche Maßnahme abge-lehnt wird., unterliegt nicht der Beschwerde an den Bundesgerichtshof (Bestätigung von RGZ 99, 160 zu § 59 Abs 2 der Rechtsanwaltsordnung vom l.Juli 1878)3 ' Mit dem angefochtenen Beschluss hat es der gemäss § 76 der Rechtsanwaltsordnung für die Britische Zone vom 10»März 1949 (VOBlBrZ S 80) durch den Präsidenten des Oberlandesgerichts in Düsseldorf bestimmte Senat dieses Gerichts abgelehnt, den im Verhältnis zu den Rechtsanwälten Dr«Heinrich GÜHK Dr.Kurt und Dr« Josef Sflp in ergangenen Beschluss • des Vorstandes der Rechts- § 76 der RechtsanwaltsOrdnung für die Britische Zone hat sein Vorbild in § 59 Abs 2 der Rechtsanwaltsordnung vom l.Juli 1878o Reichsgericht und Bayerisches Oberstes Landesgericht haben für den Geltungsbereich dieser Vorschrift ausgesprochen, dass das Gesetz eine Anfechtung der Entscheidung des Oberlandesgerichts nicht zulässt (vgl RGZ 99? Wie das Reichsgericht aaO ausführt, ist die in diesem Palle dem Oberlandesgericht übertragene Aufgabe eine solche des öffentlichen Rechtes, indem es sich um die Ausgestaltung, Zuständigkeit und Betätigung eines Organs der Standesvertretung handelt. Zwar ist dieses Gesetz für das ehrengerichtliche Verfahren gemäss § 68 der Reichsrechtsany/altsOrdnung (Passung vom 21aFebruar 1936; vorher § 66 der RechtsanwaltsOrdnung vom l.Juli 1878) und § 84 der Rechtsanwaltsordnung für die Britische Zone für anwendbar erklärt. dass das Oberlandesgericht die erste Entscheidung fälle Dabei hat es noch darauf verwiesen, selbst nach diesem-Gesetz solle das Reichsgericht nur im Rahmen des § 28 Abs 2 mit Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit befasst werden«, Die Voraussetzungen .dieser Vorschrift sind hier überdies unzweifelhaft nicht gegeben- gelten auch für den Anwendungsbereich des § 76 der Rechtsanwaltsordnung für die Britische Zone«, Wenn auch die neuere Gesetzgebung dem Oberlandesgericht in besonderen Fällen eine erstinstanzliche Entscheidung übertragen und den Bundesgerichtshof als Beschwerdeinstanz bestimmt hat (vgl § 28 l.DurchfVO AktG; Keidel? noch kann ihre auch nur entsprechende Anwendung für die hier in Frage stehende Aufgabe Öffentlichrechtlicher Art in Betracht kommen» Ebensowenig eröffnet auch die jetzige gesetzliche Regelung der Nachprüfung von Beschlüssen und Wahlen der Anwaltskammer oder ihres Vorstandes in Ländern ausserhalb der Britischen Besatzungszone eine Beschwerde an den Bundesgerichtshof (vgl Bayerns § 59 Rechtsanwaltsordnung 1946 vom 6«November 1946? 2.Wahlperiode 1953 Nr 1014, Anlage l), die sich eingehend auch mit der jetzigen Rechtslage befasst, nicht zu entnehmen, dass von irgendeiner Seite der Rechtsprechung und des Schrifttums die Auffassung vertreten werde, die geltende gesetzliche Regelung lasse eine Beschwerde an den Bundesgerichtshof zu.