BGH · V ZB 10/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die sofortige Beschwerde gegen den Beschluß des 3 o Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Oldenburg vom 2o Oktober 1964 wird auf Kosten der Kläger Das Landgericht hat durch Urteil vom 26Q Juni 1963 die Klage der Beschwerdeführer abgewiesen0 Hamens der Kläger hat deren Prozeßbevollmächtigter aus 1 <, Instanz, Rechtsanwalt am 20» August 1963 bean- Am 14» Juli 1964 hat Rechtsanwalt Br* für die Kläger Berufung, eingelegt und gleichzeitig beantragt 7 den Klägern die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist zu bewilligen„ Vorsorglich hat er weiter beantragt, den Klägern auch die Y/iedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Wiedereinsetzungsfrist zu gewähren* Bas Oberlandesgericht hat die Anträge der Kläger auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Wiedereinsetzungsfrist und auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist sowie die Berufung der Kläger gegen das am 26* Juni 1963 verkündete Urteil der 4» Zivilkammer des Landgerichts in Osnabrück als unzulässig verworfen* Bas Berufungsgericht meint , die Berufung sei unzulässig, weil sie erst nach Ablauf der Berufungsfrist eingelegt worden sei* Bas Rechtsmittel könne auch nicht durch Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wieder zulässig werden, da die Kläger ihren darauf gerichteten Antrag nach § 234 2P0 ebenfalls verspätet gestellt hätten» Bio Antragsfrist von zv/ei Wochen habe am 27* Juni 1964 mit dem Zugang des Armenrechtsbeschlusses sowohl an Rechtsanwalt SchflBB-H^^^^ wie an Rechtsanwalt zu laufen begonnen und am 10* Juli 1964 geendet * Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Wiedereinsetzungsfrist sei grundsätzlich nicht möglich0 Dem Berufungsgericht ist darin beizutreten, daß die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Wiedereinsetzungsfrist des § 234 ZPO grundsätzlich nicht möglich ist, weil es sich dabei nicht um eine Notfrist handelt (§§ 233? Soweit die Kläger darauf hinweisen, daß Art* 3 Nr. 2 der Schutzv er Ordnung vom 4o Dezember 1943 (RGBl I 666) auch die V/i e d er e ins et zung gegen die Versäumung der in § 234 Abs* 1 ZPO bestimmten Prist zuläßt, ist zu bemerken, daß es sich dabei um eine besondere gesetzliche Regelung handelt, die angesichts der Kriegs-vorhältnisse nach Meinung des Gesetzgebers erforderlich war* für den vorliegenden fall kommt diese Bestimmung nicht zu dem Zuge* Aus ihr ergibt sich, daß es sonst bei den Verfahrensgesetzen bleiben soll* Zutreffend führt die Beklagte als folge der in der Beschwerde vertretenen Auffassung an, daß dann auch die Jahresfrist des § 234 Abs* 3 ZPO nicht mehr als Ausschlußfrist gelten könnte* Im Beschluß des Bundesgerichtshofs vom 3* November 1964, III ZR 62/64? In BGrHZ 16, 1 hat der Bundesgerichtshof es für geboten erachtet, auch der armen Partei die Möglichkeit zu geben, bis zu dem letzten Pag der Rechtsmittelfrist zu überlegen, ob sie das Rechtsmittel verfolgen und hierfür um das Armenrecht nachsuchen soll * Daraus können die Kläger aber nichts für das von ihnen erstrebte Ziel herleiten» Mit dem Hingang des Beschlusses Über die Bewilligung des Armenrechts ist das in der Kostenarmut liegende Hindernis, das der ?/ahrung der Berufungsfrist entgegen“ stand, behoben» Die arme Partei kann um Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist nachsucheno Sie ist gegenüber der vermögenden Partei nicht mehr im Rächteil» Daran ändert auch der Umstand nichts, daß sie die Prist von zwei Wochen für die Anbringung ihres Besuches einzuhalten hat» Im Wiedereinset zungsverfahren ist die vermögende wie die arme Partei demselben Zwang unterworfen, die in § 234 Abs» 1 ZPO gesetzte Prist zu befolgen» In der geltenden Regelung liegt kein offensichtlicher Pehler des Gesetzgeberso Die eine andere Interessenlage betreffende Regelung des § 60 VerwGO und der Hinweis der Kläger auf die eine Wiedereinsetzung gegen die Versäumung einer Wiedereinsetzungsfrist zulassende Rechtsprechung zu §§ 44?