BGH · V BLw 7/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Wegen des Sachverhalts wird auf den Beschluß des Senats vom 12» Februar 1963 (V BLw 29/62, RdL 1963, 90) Bezug genommen, durch den auf die Rechtsbeschwerde des Direktors der Landwirtschaftskammer unter Zurückweisung der Rechtsbeschwerden der Antragsteller dem Kaufvertrag vom 28o Dezember 1961 die Genehmigung versagt wurdeo Das Bundesverfassungsgericht hat diese Die Aufhebung der Entscheidung des Senats bezieht sich, wie aus der Begründung des Beschlusses vom 12«, Januar 1967 entnommen werden muß, lediglich auf die Versagung der Genehmigung, so daß es bei der Zurückweisung der Rechtsbecchwcrden der Antragsteller und der insoweit getroffenen KostenentScheidung verbleibto Im erneuten Rechtsbeschwerdeverfährcn ist .somit nur über die Rechts-beschwer de des Direktors der Landwirt schaftskammer zu befindeno Rach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts kann der Veräußerung eines land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücks die Genehmigung wegen ungesunder Verteilung des Grund und Bodens (§9 Abs0 1 Hr» 1 GrdstVG) nicht deshalb versagt werden, weil es sich für den Erwerber um eine Kapitalanlage handelte Rach der vom Bundesverfassungsgericht gebilligten Rechtsprechung des Senats bedeutet die Veräußerung eines land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücks eine ungesunde Bodenverteilung, wenn der Erwerber nicht Land- oder Forstwirt ist und bei hauptberuflich geführten Betrieben ein Bedarf an land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücken zur Verbesserung der Bctriebsgrundlagen besteht» Gegen den Erwerb eines land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücks durch Personen, die keine Land- oder Forst- wirte sind, können jedoch Bedenken aus dem Gesichtspunkt der ungesunden Bodenverteilung in der Regel dann nicht erhoben werden, wenn Band“ und Forstwirte an den ver-äußerten Grundstücken nicht interessiert sind. Auch wenn das an dem Erwerb der veräußerten Waldfläche interessierte Band gegenüber einem Käufer, der weder Bandwirt noch Forstwirt ist, im Genehmigungsverfahren wie ein hauptberuflicher Forstv/irt der Rechtsauffassung des Bundesverfassungsgerichts aus« Hiernach liegt eine ungesunde Bodenverteilung im Sinne des § 9 Abs« 1 Nr. 1 GrdstVG in der Regel nur dann vor, wenn sich aus bestimmten Tatsachen ergibt, daß die Eigentumsverschiebung unternommenen oder von den zuständigen Stellen beabsichtigten konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur widerspricht» Auch wenn solche Maßnahmen nicht vorliegen, kann die Veräußerung eine ungesunde Bodenverteilung bedeuten, wenn nachteilige Auswirkungen auf die Agrarstruktur, und zwar nicht nur für die Forstwirtschaft, sondern auch für die Landwirtschaft erkennbar sind« Für die Annahme, daß die Veräußerung bereits unternommen oder etwa beabsichtigten bestimmten Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur widerspreche oder sonst nachteilige Auswirkungen auf die Agrarstruktur haben werde, liegen keine Anhaltspunkte vor» Es ist weder vorgetragen noch ersichtlich, daß das streitige Waldgrundstück im falle eines Erwerbes durch das land Nordrhein-Westfalen in bestimmte agrarstrukturelle Maßnahmen einbezogen werden soll. Mit der Rechtsbeschwerdb kann davon ausgegangen werden, daß der Staatswald in Nordrhein-Westfalen in zahlreichen Fällen in Anspruch genommen wurde, um agrarStruktureile Maßnahmen durchzuführen oder agrarStruktur eile Nachteile zu verhindern, und daß auch in Zukunft mit Landabgaben für Öffentliche Zwecke zu rechnen ist, Liehbisher erfolgte Abgabe größerer Waldflächen und das Bestreben des Landes, den Besitzstand vom «Jahre 1949 wieder zu erreichen - einem Abgang von 8 114 ha steht angeblich nur ein Zugang von 5 132 ha gegenüber - wie auch die Absicht, mit Hilfe des streitigen Waldgrundstücks den Staatswald zu arrondieren, genügen nicht, um dem an dem Erwerb des Waldes interessierten Land den Vorrang vor dem Käufer einzuräumen, Es ist nicht zu verkennen, daß ein erhebliches öffentliches Interesse an der Erhaltung und Förderung staatlicher Forsten besteht. April 1967 (1 BvE 728/65) vertretenen Rechtsauffassung^ nicht dadurch Rechnung getragen zu werden, daß in Verträge eingegriffen wird, die nicht im Widerspruch zu Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur stehen, da der Forstfiskus ohne einen solchen Eingriff und, ohne daß er einer Genehmigung bedürfte, forstwirtschaftliche Grundstücke erwerben kann.