BGH · V BLw 7/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die untere Landwirtschaftsbehörde hat diesem Vertrag die Genehmigung versagt, weil Ackerland grundsätzlich, dem Personenkreis Vorbehalten bleiben müsse, der es selbst bewirtschafte, die Stadt auch über einen ansehnlichen Grundbesitz verfüge und daher das Grundstück, das kein Bauland sei, nicht als Ersatzland für die Hergabe von Baugelände benötige« Die Landwirtschaftsbehörde hat dementsprechend ein öffentliches Interesse der Stadt an dem Erwerb dieses Grundstücks verneint und den -Standpunkt vertreten, daß die Durchführung des Kaufvertrages zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führen würde« punkt vertreten, daß von einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung schon deshalb keine Bede sein könne, weil sie das Grundstück dem gegenwärtigen Pächter vorerst belassen wolle» Sie hat sich im übrigen auf ein erhebliches öffentliches Interesse an dem Erwerb des Grundstücks berufen, da sie es als Ersatzland für die Bereitstellung von Bauland dringend benötige und im Umlegungsverfahren zahlreiche Grundstückseigentümer für die von ihnen als Bauland zur Verfügung gestellten Grundstücke selbst dann Ackerland beanspruchten, wenn sie dieses niemals selbst bewirtschaften wollten» Die Antragstellerin zu 2) hat noch hervorgehoben,: daß die Verkehrslage des Grundstücks denkbar schlecht sei und andere Kaufinteressanten nicht vorhanden seien* Die Erbengemeinschaft B^pJ^ hat geltend gemacht, sie würde im Palle der Nichtgenehmigung des Kaufvertrages in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, weil sie im Vertrauen auf den pünktlichen Eingang des Kaufpreises ein Hausgrundstück in gekauft habe, das sie nur mit der Kaufsumme bezahlen könne» Sie hat weiter ausgeführts Sie müsse Grundstücks-politik auf lange Sicht betreiben- Es*sei jetzt noch nicht abzusehen, ob nicht gerade am &PHP|fe einmal Bauvorhaben durchgeführt würden* Zu berücksichtigen sei ferner, daß sie den in der Stadt vorhandenen Betrieben die Möglichkeit zu einer Vergrößerung bieten und neue Betriebe heranziehen müsse, auch Land zur Errichtung neuer Kasernen zur Verfügung halten und diejenigen mit anderem Land versehen müsse, die durch den geplanten Bau der Bundesautobahn zu einer Landabgabe verpflichtet, sein würden* Zudem könne das nutzung führen.würde, die es dann für gegeben.hält, wenn der'Erwerb nach den ganzen Umständen des Falles, insbesondere bei Berücksichtigung des großen Landbedarfs, eine ungesunde Erscheinung darstellt„ Hach der Auffassung des Beschwerdegerichts ist vor allem.der Erwerb eines land*r oder forstwirtschaftlichen Grundstücks durch einen Nichtlandwirt grundsätzlich nicht gerechtfertigt und nur ausnahmsweise zu genehmigen, und zwar insbesondere dann, wenn das Grundstück für Bauzwecke oder für öffentliche'Zwecke benötigt wird* Das Oberlandesgericht ist in Übereinstimmung mit dem Amtsgericht der Meinung, daß das hier in Rede stehende Ackerland in absehbarer Zeit weder als Bauland noch für öffentliche Zwecke in Frage kommtc Es hat besitze sie innerhalb ihres Gebietes und in der näheren Umgebung noch land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitz von erheblicher Größe, aus dem sie das etwa erforderliche Tauschland zur Verfügung stellen könne, was ihr auch ohne den Erwerb von entsprechendem Ersatzland zuzu demuten sei* Richtig sei zwar, daß von dem Versagungsgrund der ungesunden Verteilung der Bodennutzung dann ausnahmsweise abgesehen werden könne, wenn kein Landwirt zu dem Erwerb des Grundstücks zu angemessenen Bedingungen bereit sei* S© liege der Pall hier indessen nicht« Der Pächter sei nicht bereit gewesen, einen Kaufpreis von 1 DM je Quadratmeter zu zahlen, und sei an dem Erwerb des Landes jetzt schon deshalb nicht mehr interessiert, weil die Stadt ihm das Grundstück inzwischen bis zu dem 31= Oktober I960 verpachtet habe« Damit sei noch nicht gesagt, daß nicht andere Landwirte an einem Erwerb des Ackerlandes zu angemessenen Bedingungen interessiert seien; denn es sei nur einmal eine dürftige Verkauf sanzeige in der Allgemeinen Zeitung ohne nähere Angaben über die Lage des Grundstücks und d ie Eigentumsverhältnisse erschienen» Es sei deshalb nicht näher bekannt geworden, daß das Land zu dem Verkauf stehe; andern-' falls würden sich sicher trotz der ungünstigen Lage des Ackerlandes, dessen Bodenwertzahlen sich überwiegend auf 50 und teilweise sogar auf 63 und 66 beliefen, KaufInteressenten gemeldet haben* * Die Stadt hält die Rechtsbeschwerde für zulässig, weil das Beschwerdegericht von der Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm vom 15» Juli 1953 (RechtdLandw 1954, 21) abgewichen sei und'seine Entscheidung auf dieser Abweichung beruhe» Sie rügt ferner Verletzung des formellen Rechts, die sie darin sieht, daß das Beschwerdegericht keinen Sachverständigen darüber vernommen habe, ob das gekaufte Grundstück in absehbarer Zeit als Wohnbaugebiet in bes.chwe-rde nur unter den Voraussetzungen des § 24 Abs .2 Nr 1 LwVG zulässig sein kann, da das Oberlandesgericht dieses Rechtsmittel nicht zugelassen hat und es sich hier auch nicht um die Unzulässigkeit des Verfahrens vor den ordentlichen Gerichten oder um die Unzulässigkeit der Beschwerde handelt» Sie sieht die Abweichung im SIhne der angeführten Vorschrift darin, daß das Oberlandesgericht . Veräußerung eines land- oder forstwirtschaftlichen Grund-Stücks an einen Nichtlandwirt führe in der Regel 2u einer die Erteilung der Genehmigung aUsschließenden ungesunden Verteilung der Bodennutzung, doch könnten dringende Gründe -insbesondere öffentliche Interessen - auf Seiten des Nichtlandwirts im Einzelfall überwiegen und zur Erteilung der Genehmigung führen» Die Stadt meint, das Beschwerdegericht habe den Begriff der öffentlichen Zwecke viel enger gezogen, als es seitens des Oberlandesgerichts gericht sei von der angezogenen Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm abgewichen und seine Entscheidung beruhe auch auf.dieser Abweichung, ist irrige Wie der erkennende Senat bereits in seinen Beschlüssen vom 5* Oktober 1954 (V BLw 45/54, BGHZ 15,. 5 [9/10] = BechtdLandw 1954, 331) und vom 5c Juli 1955 (V BLw 79/54, BechtdLandw 1955, 251) dargelegt hat, erfordert die Abweichung im Sinne des § 24 Abs 2 Kri LwVG die unterschiedliche Beantwortung einer Bechtsfrage*.Die Bechtsbeschwerde könnte daher auf Grund dieser Vorschrift nur zulässig sein, wenn das Beschwerde-.gericht eine bestimmte Bechtsfrage anders beurteilt hatte, als es in der angeführten Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm geschehen ist* Das ist indessen nicht der Fall« Das Oberlandesgericht Hamm hatte sich in jener Entscheidung u.a. mit der Frage zu befassen, ob die Veräußerung eines land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücks an einen Nichtlandwirt genehmigt werden könne, wenn ein am Kaufverträge nicht beteiligter Landwirt das Grundstück dringender benötige als der Käufer» Es hat dabei den Standpunkt vertreten, daß der Versagungsgrund der ungesunden Verteilung der Bodennutzung bei der Veräußerung an einen Nichtlandwirt in der Begel gegeben sein werde, wenn Landwirte an dem Erwerb des Grundstücks interessiert seien und es .zu einem angemessenen Preise erwerben wollten« wenn auf Seiten des Nichtlandwirts dringende Gründe (z<,B* Straßenbau, Wohnungsbau« Errichtung von Fabrikanlagen und dergl„) die Interessen der Landwirte überwögen und die Erteilung der Genehmigung rechtfertigten« Ob ein solcher Fall gegeben : ist9 muß nach Ansicht des Oberlandesgerichts Hamm nach den Verhältnissen der am Vertrage Beteiligten entschieden werden In dieser Frage hat das Beschwerdegericht keinen anderen Standpunkt eingenommen* Seiner Ansicht nach liegt eine ungesunde Verteilung der Bodennutzung dann vor, wenn der Erwerb nach den ganzen Umständen des Falles? daß vor allem der Erwerb eines land- öder forstwirtschaftlichen Grundstücks durch einen Nichtlandwirt grundsätzlich nicht, gerechtfertigt seio Es‘befindet sich danach insoweit in Übereinstimmung mit der Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm» Ebenso wie dieses hat das Beschwerdegericht ferner die Ansicht vertreten? daß der Erwerb eines land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücks durch einen Nichtlandwirt ausnahmsweise gerechtfertigt sein könne* Es hat in , diesem Zusammenhang die Absicht der Verwendung des Grund-r. Wenn das Oberlandesgericht Hamm als dringende Gründe auf Seiten des Nichtlandwirts den Straßenbau, den Wohnungsbau, die Errichtung von Fabrikanlagen und derglo angeführt hat, so zeigt die Tatsache, daß diese Anführungen in Klammern hinzugesetzt sinds ebenso wie die Wendung "und derglon, daß es sich nur um Beispiele und nicht um die Aufzählung der in Betracht kommenden "dringenden Gründe" handelt * Nicht anders verhält es sich aber mit der Anführung der Bauzwecke und der öffentlichen Zwecke durch das Beschwerdegericht$ denn dieses hat zunächst ganz allgemein ausgesprochen, daß ausnahmsweise der Erwerb eines land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücks durch einen Nichtland-wirt gerechtfertigt sein könne, und anschließend durch die Worte "insbesondere dann, wenn" mit aller Deutlichkeit zu dem Ausdruck gebracht, daß es durch die vom ihm angeführten Palle nur Beispiele bringen wollte« Ebenso wie das Oberlan-desgerieht Hamm steht das Beschwerdegericht offensichtlich auf dem Standpunkt, daß es für die Präge der ungesunden Verteilung der Bodennutzung stets auf die Verhältnisse des* Einzelfalls ankommt* Es hat sich folgerichtig in der angefochtenen Entscheidung mit den Besonderheiten des vorliegenden Palles auseinandergesetzt und entsprechend dem Vorbringen der Stadt H^Pm^ geprüft, ob das Grundstück in absehbarer Zeit, als Bauland in Präge kommt oder von der Stadt für sonstige.Zwecke dringend benötigt wird« Das liegt aber auf dem Gebiet der tatrichterliehem Würdigung«