BGH · V BLw 6/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bl« 00 und ^0000 Bio 00 eingetragenen Hofes in Größe von rund 25 ha, den er seinem ältesten Sohn (Antragsgegner) vererbt hat* Streitig ist zwischen den Beteiligten, ob der Antragsgegner nach dem Tode seines Vaters auch Erbe des unbebauten, aus einer Acker- und einer Grünlandparzelle bestehenden im Grundbuch von £^00000000 Bio 260 eingetragenen Grundstücks in Größe von 2,5061 ha geworden ist, Dieses Grundstück war im Jahre 1933 dem am 15« Februar 1944 gefallenen Sohn des Erblassers namens Christian aus dem Grundstücksbestand des Hofes als Abfindung übertragen, ater weiter vom Hof aus bewirtschaftet wer deno Ein im Jahre 1948 dem Erblasser erteilter Erl schein, der ihn als Alleinerben seines Sohnes auswies, wurde nach dem Tode des Erblassers auf Antrag seiner ältesten Tochter (Antragstellerin) im Jahre 1961 als unrichtig eingezogen und für kraftlos erklärt und am 15» Januar 1962 durch einen gemeinschaftlichen Erbschein des Inhalts ersetzt, daß Christian zur Hälfte von seinem Vster und zur Hälfte von seinen Geschwistern, der Antragstellerin, dem Antragsgegner und dessen Bruder Hinrich, sowie von den drei Kindern einer vor dem Erblasser verstorbenen Tochter, der Ehefrau Betty ^000 gebo HPHp, beerbt worden ist. Der Erblasser hat zwei notarielle letztwillige Verfügungen hinterlassen, und zwar ein Testament vom 14, Februar 1953 und ein weiteres Testament vom 19« April 1957« In beiden Testamenten hat er zu dem Erben seines Hofes nebst Baulichkeiten, Ländereien und totem Inventar den Antragsgegner eingesetzt und angeordnet, daß dieser "Eigentümer aller zu dem Hof gehörenden Ländereien werden soll" mit Ausnahme bestimmter, im einzelnen bezeichneter Grundstücke, unter denen sich jedoch eingetragenen Parzellen befinden» Während der Erblasser im Testament vom 14 » Februar 1953 bestimmt hatte, daß drei etwa ihn länger als 13 Jahre an Hausfrauenstelle selbstlos betreut ! gehen sollten, hat der Erblasser, nachdem seine Tochter im Jahre 1955 gestorben war, im Testament vom 19«» April 1957 unter ausdrücklicher Aufhebung seines früheren Testaments bestimmt, daß der zu dem Hoferben eingesetzte Antragsgegner einzelne in den Gemarkungen und gelegene Grundstücke als Vermächtnis je zur Hälfte der Antragsteller in sowie ihrem jüngsten Bruder Hinrich und ein weiteres Grundstück als Miteigentum zu je einem Drittel den Kindern der verstorbenen Frau Betty übertragen sollte» Das Landwirt- Das Beschwerdegericht hält den dem Antragsgegner erteilten Erbschein, soweit er sich auf die Erbfolge in den hoffreien Nachlaß bezieht, für unrichtig * Es führt dazu aus: Der von Christian H^H^ hinterlassene Grundbesitz habe nicht zu dem Hof gehörte Er sei auch nicht Alleineigert um des Erblassers gewesen, sondern auf eine Erbengemeinschaft übergegangen, an welcher der Erblasser zur Hälfte beteiligt gewesen sei. Dieser Miterbenanteil sei hoffreies Vermögeno Es gehe nicht an, lediglich deshalb, weil der Efcblasser durch die Einsetzung des Antragsgegners zu dem Hoferben sowie durch die Anordnung von Vermächtnissen zugunsten von weichenden Erben über seinen vermeintlichen Nachlaß erschöpfend habe verfügen wollen, den Hoferben auch als auf den hoffreien Nachlaß eingesetzt anzusehen; denn einerseits habe der Erblasser an ein hoffreies Vermögen überhaupt nicht gedacht, andererseits könne bei der Mitbeteiligung der gesetzlichen Erben des Erblassers an diesem Vermögen die Hoferbenbestim-mung allein für die Annahme, daß der Koferbe auch Erbe des hoffreien Vermögens habe sein sollen, nicht ausreichen«> Nach der Aussage des Zeugen habe der Erblasser jedenfalls bei der Errichtung seines ersten Testaments das von Christian H^|^^ stammende Land nicht als hof zugehörig angesehen, für dieses vielmehr die gesetzliche Erbfolge gewünscht» Der Zeuge habe damals im Einvernehmen mit dem Erblasser die zu dem Hof zu zählenden Ländereien im einzelnen ermittelte Der von Christian hinter lassene Grundbesitz sei’/ vom Erblasser von der in Aussicht genommenen Regelung der Hofnachfolge ausdrücklich ausgenommen worden» Insoweit habe nach den dem Zeugen gegenüber abgegebenen Erklärungen des Erblassers die gesetzliche Erbfolge eintreten sollen» Wenn auch derartige Erklärungen vom Erblasser im Zusammenhang mit der Errichtung des zweiten Testaments nicht abgegeben seien, so könne damit noch nicht der Beweis als erbracht angesehen werden, daß der Erblasser nun das Gegenteil gewollt und den Hoferben auch für seinen Anteil an diesen Ländereien als Rechtsnachfolgerbe- stimmt habe* Eie Bestimmungen über die Hoferbfolge seien in beiden Testamenten gleichlautend» In-Ermangelung einer ausdrücklichen Regelung über das hoffreie Vermögen spreche deshalb die Vermutung für die gesetzliche Erbfolge» Bas gelte um so mehr, als es sich nicht um Alleineigentum des Erblassers;, sondern um Miteigentum auf Grund seiner Beteiligung als Miterbe gehandelt habe» Die Stellungnahme des Antragsgegners, mit der er seine ausschließliche Berechtigung an dem Miterbenanteil seines Vaters geltend mache., sei deshalb unbegründet» Auf die Vernehmung der vom Antragsgegner dafür benannten Zeugen, daß der Erblasser selbst stets das von Christian H^H^ hinterlassene Land als zu dem Hof gehörig angesehen habefund daß dieses Land auch bis Ende 1957 vom Hof aus bewirtschaftet worden sei, komme es deshalb nicht mehr an» Vielmehr sei die gesetzliche Erbfolge in den Erbanteil des Erblassers an dem von Crhistian H^|^ hinterlassenen Land anzunehmen, so daß der Erbschein insoweit unrichtig sei, als er die Erbfolge des Antragsgegners auch in den hoffreien Nachlaß ausweise« Oktober 1952 (IV ZR 99/52, LM BGB § 242 (A) Nr« 7), 23« April 1951 (IV ZR ,17/51, LM BGB § 2100 Nr« 1) und 25« Februar 1956 (II ZR 207/54, BGHZ 20, 109) sowie 3©ine Entscheidung des Oberlandesgerichts München (V;H IV B 1952, 745) o Die geltend gemachten Abweichungen liegen nicht vor« Die Ausführungen der Rechtsbeschwerde richten sich in Wirklichkeit gegen die tatrichterliche Auslegung des Testaments, sie sind deshalb im Rahmen der Prüfung der Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde unbeachtlich, es sei denn, daß das Eeschwerdegericht von den in den vorerwähnten Entscheidungen enthaltenen Grundsätzen über die Auslegung Richtig ist, daß, wie die Rechtsbeschwerde unter Hinweis auf das vorerwähnte Urteil vom 11o Oktober 1951 susführt, bei der Erforschung des wirklichen Willens des Erblassers der Gesamtinhalt der Erklärungen einschließlich aller Umstände - bei Urkunden auch solcher, die außerhalb der Urkunde liegen ^ als Ganzes gewürdigt werden muß«, Daß das Beschwerdegericht eine von diesem Grundsatz abweichende Eechtsauffassung vertreten habe, ist nicht ersichtlich » Das Oberlandesgericht hat auch die Behauptung, daß der Erblasser über seinen Nachlaß erschöpfend habe verfügen wollen, nicht außer acht gelassene Es glaubt jedoch, hieraus nicht die Folgerung ziehen zu können, daß der Hoferbe auch als auf den hoffreien Nachlaß eingesetzt anzusehen sei« Ob diese Auffassung, insbesondere die hierfür gegebene Begründung denkgesetzlich zu beanstanden wäre, könnte nur bei Zulässigkeit der Bechtsbeschwerde geprüft werdeno Daß das Oberlandesgericht die vom Antragsgegner für richtig gehaltene Auslegung des Testaments als unmöglich bezeichnet habe, ist aus den Gründen des angefochtenen Beschlusses nicht zu entnehmen» Aber selbst wenn dies der Fall wäre, könnte hieraus eine Abweichung im Sinne des § 24 Abs, 2 Nr» 1 LwVG nicht hergeleitet werden» Von dem Grundsatz, daß bei der Erforschung des wirklichen willens des Erblassers zu prüfen ist, ob dieser Wille auch in dem Testament Ausdruck gefunden hat, ist das Oberlandesgericht ebenfalls nicht abgewichen • Die Begründung des angefochtenen Beschlusses ergibt eindeutig, daß das Beschwerdegericht die Entscheidung darauf abgestellt hat, ob der Erblasser dem zu dem Hoferben eingesetzten Antragsgegner euch seinen läiterbenanteil hat zuwenden wollen, daß jedoch nach Auffassung des Beschwerdegerichts eine Verfügung über den hoffreien Nachlaß in dem Testament nicht enthalten ist» Bei dem Vorwurf der Rechtsbeschwerde, das Oberlandesgericht habe hierzu keine ausreichenden Erwägungen angestellt* handelt es sich um die Rüge einer Rechtsverletzung,, die jedoch allein die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde nicht zu begründen vermag» gericht eine Beweisaufnähme über die Behauptung des Antrags** gegners, daß der Erblasser das von Christian stammende Land stets als zu dem Hof gehörig angesehen habe und daß dieses Land immer vom Hof aus bewirtschaftet worden sei, abgelehnt hato Ef-i *nr Frage der Abweichung ist von den Feststellungen des Beschwerdegerichts auszugehen« Ob diese Feststellungen etwa rechtlich zu beanstanden sind, ist für die Frage der Abweichung ohne Bedeutung« Ein Fall des § 24 Abs« 2 Nr« 1 LwVG läge nur dann vor, wenn das Beschwerdegericht in der rechtlichen Beurteilung des von ihm festgestellten Lachverhalts von den angeführten Entscheidungen abgewichen wäre«