BGH · V BLw 6/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
unterhaltene Mädchengymnasium und Schülerinnenheim vom Schulkollegium in Münster ausgeübt» Obere Aufsichtsbehörde ist der Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen» Die Stifte, die von einem Stiftskurator verwaltet werden, sind in der Weise vereinigt, daß der Überschuß der örtlich gesondert geführten Vermögensverwaltung des Stiftes dem Stiftsfonds K zufließt» Die Landwirtschaftsbehörde hat dem Vertrag die Genehmigung versagt mit der Begründung, daß genügend Interessenten aus dem Kreis der H^f^^genossen und Kleinlandwirte vorhanden seien, welche die H^p^anteile erwerben möchten, so daß die Veräußerung an den Stiftsfonds zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führe» Auf den Antrag der Vertragsteile auf gerichtliche Entscheidung hat das Amtsgericht (Landwirtschafts-gericht) die Entscheidung der Landwirtschaftsbehörde bestätigt» Das Oberlandesgericht hat auf die sofortige Beschwerde der Antragsteller den Vertrag genehmigt» Hiergegen richtet sich die (vom Oberlandesgericht zugelassene) Rechtsbeschwerde des der der be- Das Oberlandesgericht geht zutreffend davon aus, daß die Veräußerung von Anteilen einer H^U^genoßsenschaft im Kreise der Genehmigung nach den Vorschriften über den Verkehr mit land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken bedarf (BGHZ d3, 2^1) und daß diese Genehmigung nur aus den im Kontroll-ratsgesetz Nr. kJ und in seinen Durchführungsvorschriften angeführten Gründen versagt werden darf» Von den gesetzlichen Versagungsgründen kommen für die Beurteilung in Betracht: der Gesichtspunkt der ungesunden Verteilung der Bodennutzung (BrMilRegVO Nr« 8^ Art* III Abs* J Buchst* b), ein grobes Mißverhältnis zwischen dem Wert der H^^^^nteile und der Gegenleistung (Art* IV Abs* k Buchst* b KRG Nr* kJ) sowie volkswirtschaftlich nicht gerechtfertigte Vertragsbedingungen (BrMilRegVO Nr* 8*+ Art* III Abs« J Buchst, c). Das Oberlandesgericht meint, es sei sicherlich nicht ungesund, wenn durch den Erwerb der ^^^anteile eine Vergrößerung des jetzigen Besitzstandes stattfinde, die einer Flächengröße von ungefähr 20 ha entspreche• Das Beschwardegericht stellt weiter fest, zur Zeit seien über 30 Stiftstellen vorhanden, deren Inhaberinnen die im Haushaltsplan des Stiftsfonds K^p^ für sie vorgesehenen Beträge erhielten o Die Unterhaltung des Mädchengymnasiums und des Schülerinnenheims verursache erhebliche Kosten« Zeitweise seien *+0 Kinder von Flüchtlingen fast umsonst unterhalten worden« Jährlich seien W2 000 DM an Stipendien und Pensionspreisermäßigungen aufzubringen« F'ir die Schule werde zwar ein staatlicher Zuschuß gewährt, nicht aber für das Internat, für das der größere Teil der Kosten entstehe« Um alle diese Aufwendungen entsprechend seinem mildtätigen Charakter auch in Zukunft aufbringen zu können, müsse der Stiftsfonds über sichere Einnahmen aus bleibenden Vermögensanlagen verfügen« Die Veräußerung der H^^^anteile an den Stiftsfonds sei trotz des schon vorhandenen Waldbesitzes nicht als ungesund zu bezeichnen« Der Wert der Anteile komme über das Stiftsvermögen einem großen Personenkreis zugute, dessen Betreuung, Erziehung und geldliche Unterstützung Aufgabe der Stiftung sei« Dieser Personenkreis werde um so größer und die gewährte Fürsorge entsprechend dem mildtätigen Charakter der Stiftung um so umfangreicher sein, je größer das Stiftungsvermögen sei, aus dem die satzungsmäßigen Fürsorgeleistungen zu erbringen seien« Diese Fürsorge erstrecke sich außerdem nicht nur auf den gegenwärtigen oder für die nahe Zukunft übersehbaren Personenkreis; sie solle vielmehr entsprechend dem St iftungszweck möglichst unabhängig von GeldwertSchwankungen und Teuerungen auch für die fernere Zukunft den Betreuungsbedürftigen erhalten bleiben« Gleichwohl würde der Vertrag nicht genehmigt werden können, wenn andere landwirtschaftliche Betriebe in dringender als der Stiftsfonds auf den Erwerb der H^f^anteile angewiesen und auch bereit und in der Lage wären, solche Anteile zu den Bedingungen des Vertrages zu erwerben» Das sei jedoch nicht der Fall. Es könne auch unterstellt werden, daß diese Interessenten die Hgppsnteile zur Aufstockung ihrer Betriebe nötig hätten» Das Erwerbsinteresse eines einzelnen Landwirts müsse jedoch als weniger wichtig zurücktreten, wenn es sich um die Interessen eines größeren oder großen Personenkreises handele, die durch Gemeinden oder Einrichtungen caritativer Art wahrgenommen würden und den Erwerb eines land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücks erforderlich machten. Nach den Feststellungen des Beschwerdegerichts sollen die H^^^^anteile zur Stärkung der Vermögensanlagen dienen, deren der Stiftsfonds zur Erfüllung seiner Aufgaben bedarf« Ein Erwerb von land- oder forstwirtschaftlichem Grundbesitz, der nicht zu dem Zwecke der Selbstbewirtschaftung, sondern aus Gründen der Kapitalanlage erfolgt, ist in der Hegel ungesunde Dies gilt auch dann, wenn es sich bei dem Erwerber um eine öffentlich-rechtliche Körperschaft handelt, die, wie der Stiftsfonds, sozialen und carltativen Zwecken zu dienen bestimmt ist» Der vom Oberlandesgericht in den Vordergrund gestellte mildtätige Charakter des Stiftsfönds ist deshalb allein nicht geeignet, den Versagungsgrund der ungesunden Verteilung der Bodennutzung auszuräumen, zu demal da es auch andere Möglichkeiten für Kapitalanlagen gibt, die sichere Einnahmen gewährleisten« Gleichwohl hat das Beschwerdegericht den Versagungsgrund der ungesunden Verteilung der Bodennutzung im Ergebnis ohne Rechtsirrtum verneint« beschwerde geltend macht, die Feststellung des Oberlandesgerichts, daß der von H^^pHp unmittelbar an den Grundbesitz des Stiftsfönds angrenze, auf einem Irrtum beruhen sollte, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß der Stiftsfonds nach dem Erwerb des Hofes B^pP mit einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Gemeinde Hp|^PP selbst ansässig ist« Er muß deshalb, auch wenn er kein Landwirt im Hauptberuf ist, im Genehmigungsverfahren den Inhabern der landwirtschaftlichen Betriebe in HppplP, die ebenfalls zur Stärkung ihrer 3etriebsgrundlage H^pppanteile erwerben möchten, gleichgestellt werden« Da die Selbstbewirtschaftung des Hdurch die H^pjjPgenossen immer seltener 'wird Alle übrigen Bewerber sind Fabrikarbeiter oder Invaliden, einer ist Postangestellter„ Das Beschwerdegericht hat unterstellt, daß diese Interessenten zur Aufstockung ihrer Betriebe H^p|^antelle nötig haben, sodaß die Büge der Rechtsbeschwerde, das Oberlandesgericht habe nicht geprüft, ob tatsächlich bei anderen Kaufbewerbern ein dringender Bedarf an H^^^anteilen bestehe, nicht begründet ist«, Bei der Prüfung der Frage, ob der Erwerb der H^m^anteile durch den Stiftsfonds zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führt, kann jedoch ein vordringliches Erwerbsinteresse anderer Bewerber nur dann berücksichtigt werden, wenn diese auch bereit sind, die Anteile zu einem angemessenen (volkswirtschaftlich gerechtfertigten) Preis zu erwerben» Eine Veräußerung zu einem geringeren Preis kann einem Heimgenossen nicht zugemutet werden«. Das ist, wie noch auszuführen sein wird, der Fall» Infolgedessen scheiden, soweit es für die Frage der ungesunden Verteilung der Bodennutzung auf ein dringendes Erwerbsinteresse von Bewerbern aus dem Kreise der Landwirtschaft ankommt, sämtliche für den Erwerb der H^p ^U^anteile namhaft gemachten Interessenten aus. Die Auffassung des Beschwerdegerichts, daß der Erwerb der H^m^anteile nicht schon deshalb ungesund sei, weil der Stiftsfonds bereits über einen erheblichen Waldbesitz verfüge, ist rechtlich nicht zu beanstanden. a) Das Oberlandesgericht führt dazu aus: Es handele sich bei dem Vertrag um einen Tauschvertrag« Die Bewertung der H^m^anteile mit 77 000 DM beruhe auf dem Gutachten des Kreisoberforstmeisters Sorg vom Kreisforstamt Dieser habe auf Grund einer Besichtigung den gegenwärtigen tatsächlichen Wert der Bestände ermittelt, und zwar getrennt für Eiche und durchwachsende Hauberge <7,1 ha = 5 $), für (87,7 ha = 55 $)j für Nadelhochwald (58,9 ha = 37 %) und für Nichtholzboden (5j5»ha = 3 %) ? Zu den Erklärungen des or Stehers und des Vertreters der Landwirtschaftsbehörde, die einen Preis von etwa lh00 DM je Anteil als angemessen bezeichnen, und den Ausführungen des Zuständigen Oberkreisdirektors, der sich gegen eine zu hohe Bewertung der H^^^anteile wendet, bemerkt das Oberlandesgericht, der Umstand, daß innerhalb der Dorfgemeinschaft H^pp|anteile nicht nach dem tatsächlichen V/ert bezahlt würden und die vereinbarten Gegenleistungen etwa doppelt so hoch seien wie der Preis, der ortsüblicher weise für H^pManteile gezahlt werde, könne für die Es handele sich hier um einen Sonderfall, von dem Auswirkungen auf etwaige sonstige Veräußerungen von H^gppptfiteilen nicht zu befürchten seienc Es werde auch zu erwarten sein, daß bei herkömmlichen Veräußerungen von H^p|panteilen innerhalb der Dorfgemeinschaft und der H^U^genossenschaft sowie bei Erbauseinandersetzungen in Zukunft als ortsüblich anzusehende Preise vereinbart würden.» Der Gefahr, daß nunmehr H^fpPan-teile gegen Zahlung des tatsächlichen Wertes in die Hände von kapitalkräftigen, landwirtschaftsfremden Interessenten gelangen würden, könne im Genehmigungsverfahren entgegengetreten werden« Das Oberlandesgericht hält danach auch wegen der Höhe der vereinbarten Gegenleistungen einen Versagungsgrund nicht für gegeben« b) Die Hechtsbeschwerde bekämpft diese Ausführungen« Sie wendet sich nicht nur gegen die Höhe des Wertes der H^^p-anteile, den das Oberlandesgericht festgestellt hat, sondern hält auch eine Zugrundelegung des wirtschaftlichen Viertes der Anteile im Palle der Veräußerung nicht für vertretbar. Die Bedenken der Rechtsbeschwerde sind jedoch nicht begründet Die Höhe der vereinbarten Gegenleistung läßt sich, da die Holzlieferungen sich auf einen Zeitraum von 16 Jahren erstrecken, bei den schwankenden Holzpreisen nicht ziffernmäßig genau festlegen« Da jedoch die Gegenleistung beim Abschluß des Vertrages auf der Grundlage eines Preises der H^m^anteile von 77 000 EM vereinbart ist, muß dieser Wert der Beurteilung zugrunde gelegt werden« Wenn die H^l^pan-teile den vom Sachverständigen berechneten Wert haben, kann von einem groben Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung keine Rede sein. Der Sachverständige, dessen Ausführungen das Oberlandesgericht gefolgt ist, hat dargelegt, weshalb eine Bewertung der Anteile nach dem Rentierungswert nicht durchführbar sei» Dabei ist vor allem auch die Tatsache berücksichtigt, daß ein erheblicher Teil des bereits in Hochwald umgewandelt ist» solchen Veräußerungen erzielte Preis nach den Feststellungen des 3eschwerdegerichts regelmäßig unter dem tatsächlichen Wert liehen Wert der Anteile entsprechender Kaufpreis nicht als volkswirtschaftlich ungerechtfertigt angesehen werden» Der Rechtsbeschwerde ist zuzugeben, daß in gewissen Fällen, z.B, wenn es sich tun die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft handelt, der eine landwirtschaftliche Besitzung mit II anteilen gehört, eine Zugrundelegung des wirtschaftlichen ’Wertes der Anteile nicht gerechtfertigt sein mag» Das Gericht hat im Zuweisungsverfahren nach Art« VI Nr» 17 BrKilRegVQ Nr» 8*+ bei der Bemessung der Abfindungen der Miterben grundsätzlich von dem Einheitswert auszugehen, ohne jedoch hieran gebunden zu sein«. Es wird jedenfalls, wenn es von dem Einheitswert abweicht, einen für den Bewirtschafter des Betriebes tragbaren Wert zugrunde legen und kann dadurch etwaigen Besonderheiten des Falles Rechnung tragen» Wenn es sich dagegen nicht um eine landwirtschaftliche Besitzung handelt, die Erbaueeinander-setzung sich vielmehr nur auf H^H^anteile und sonstige Vermögenswerte bezieht, besteht kein Anlaß, den Übernehmer der Anteile durch einen unter ihrem tatsächlichen Wert liegenden Übernahmepreis zu bevorzugen» Im übrigen können im Falle der Veräußerung überhöhte Kaufpreisforderungen im Genehmigungsverfahren verhindert werden« Die Befürchtung der Rechtsbeschwerde, daß kapitalkräftige Grundstücksinteressenten H^m^nteile zu einem Liebhaberpreis erwerben könnten, ist nicht gerechtfertigt» Die Höhe der mit dem S^iftsfonds vereinbarten, dem tatsächlichen Wert der H^^^anteile entsprechenden Gegenleistung kann danach nicht als volkswirtschaftlich ungerechtfertigt angesehen werden»