BGH · V BLw 5/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Nach der Einberufung des Übernehmers zur Wehrmacht bewirtschafteten seine ledigen Schwestern Anna und Elisabeth mit Hilfe von Nachbarn das Anwesenzu dem etwa 7 Morgen hinzugepachtet sind» Im August 1943 wurden die Hofge-bäude durch Brandbomben zerstört« Das Wohnhaus wurde noch während des Krieges wiederaufgebaut. Als der ledige, am /E/KtKKB 1904 geborene Antragsteller im Frühjahr 1945 aus dem Kriege zuruckgekehrt war5 nahm er das erlernte Schreinerhandwerk, das er bis zu seiner Einberufung ausgeübt hatter nicht wieder auf, vielmehr bewirtschaftete er seitdem das Anwesen zusammen mit seinen Schwestern Anna und Elisabeth«, Im Oktober 1953 hat der Antragsteller-bei dem Amtsgericht (Landwirtschaftsgericht) beantragt, das Anwesen auf Grund des Art VI Nr 17 BrMilRegVG Nr 84 nach den Regeln der Höfeordnung lauf ihn zu übertragen und zugleich die Abfindungen der übrigen Beteiligten festzusetzen«- Zur Begründung dieses Antrages hat er ausgeführts Er habe seit seiner Geburt auf dem elterlichen Kotten gelebt und später, als er als Schreiner tätig gewesen sei., nach Feierabend auf dem Anwesen mitgearbeitet. Übertragung des Kottens auf einen Alleineigentümer sei erforderlich*, weil sie die Voraussetzung für die Erlangung von Krediten zwecks Wiederaufbaus der Wirtschaftsgebäude sei und das Anwesen im Eigentum einer Erbengemeinschaft notwendigerweise verkommen müsse., Las Oberlandesgericht hat in Übereinstimmung mit dem Amtsgericht angenommen, daß der Kotten den Begriff der landwirtschaftlichen Besitzung im Sinne des Ant VI Nr 17 BrMil-RegVO Nr 84 erfülle 9 und auch die Wirtschaftsfähigkeit des Antragstellers bejaht. Es hat ferner erwogen«, daß das Gericht v wenn die Voraussetzungen dieser Gesetze svoreichrift vorlägen, grundsätzlich verpflichtet sei, die Zuweisung aus-zusprechen, daß es aber, sofern besondere Gründe hierfür gegeben seien, von der beantragten Übertragung auch absehen könne«. daß die Zuweisung auch axis gewichtigen in der Person der An-tragsgegner liegenden Gründen versagt werden könne» Solche besonderen Gründe hat es hier als gegeben erachtet und dazu ausgeführts Ras Oberlandesgericht Oldenburg habe in einer Entscheidung (Ms Rpfl 1953? 123 ff) als einen solchen Aus-nähmetatbestand privater Art die Besorgnis angesehen, daß die weichenden Erben angemessene Abfindungen aus der Besitzung nicht erhalten würden» Ferner habe das Oberlandesgericht Schleswig in seiner Entscheidung vom 26» Mai 1955 (RechtdLandw 1956, 114) die Ablehnung der Zuweisung dann für gerechtfertigt und erforderlich gehalten, wenn nach Lage der Sache die Zuweisung zu einer in diesem Ausmaß gänzlich ungerechtfertigten materiellen Bevorzugung des einen Miterben vor den anderen führen würde» Der Senat habe keine Bedenken, darüber hinaus auch dann einen besonderen zur Ablehnung berechtigenden Grund anzunehmen, wenn die Zuweisung zu einer unverhältnismäßigen Benachteiligung oder Beeinträchtigung der weichenden Erben oder doch einiger von ihnen führen würde» Ein solcher Sachverhalt liege hier vor$ denn die Zuweisung des Kottens an den Antragsteller würde für die beiden auf ihm lebenden ledigen Schwestern Anna/ und>Elisabeth., eine unmittelbare Existenzgefährdung bedeuten» Beide seien nämlich darauf angewiesen, auf dem Anwesen zu wohnen und versorgt zu werden» Bas erkenne der Antrag steiler hinsichtlich seiner bereits seit Jahrzehnten arbeits unfähigen Schwester Anna mehr oder weniger an, deren Rechte durch den Übergabevertrag vom 5 September 1942 gesichert In dieser Konfliktslage verdienten aber die Interessen der unversorgten Schwestern den Vorrang vor den öffentlichen Interessen und denen des Antragstellers an der Zuweisung; denn für die unversorgten Schwestern des Antragstellers sei ihr Verbleiben auf dein Anwesen eine Existenzfrage, während dieser in der Ausübung seines heute gefragten Berufes als Schreiner sein Auskommen finden könne. Auch gegenüber dem öffentlichen Interesse an der Erreichung des Gesetzeszweckes müßten die Belange der unversorgten Schwestern den Ausschlag geben., weil jenes nur .gering sein könne, da es sich um eine Kleinstbesitzung handle, die keine genügende Grundlage für die Ernährung einer Familie biete und außerdem in jeder Generation wieder Anlaß zu erheblichen Auseinandersetzungsschwierigkeiten geben müsse.. Hach den ganzen Umständen des Falles müsse auch als fraglich angesehen werden, ob sich der Gesetzeszweck durch eine Zuweisung überhaupt erreichen lasse, da der Antragsteller aus einem fremden , Beruf komme und für die Wiederherstellung der Wirtschaftsgebäude trotz der ihm von der.Landwirtschaftsbehörde angebotenen. Der Antragsteller meint, die angefochtene Entscheidung beruhe in wesentlichen Punkten auf Rechtsirrtum, und wirft dem Qberlandesgericht vor, den Sinn und Zweck des Zuweisungsverfahrens verkannt zu haben, die in einer langjährigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs klargestellt worden seien. her Antragsteller rügt, daß das Beschwerdegericht von der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs für die Britische Zone vom 1, IJärz 1950 (II. BLw 103/49, 0GHZ3, 290 = Rechtd landw 1950, 143 = 1TJW 1950, 600) aBgewiclien sei., da dort ausgeführt sei, daß die Zuweisung vorgenommeii werden müsse, wenn die Voraussetzungen des Art VI Nr 17 BrMilRegVO Nr 84 gegeben seien» Für diese auch von ihm vertretene Ansicht beruft sich der Antragsteller ferner auf die Entscheidung des. Ihm ist zuzugeben, daß in beiden Entscheidungen die Auffassung vertreten worden ist, die Zuweisung müsse erfolgen, wenn die Voraussetzungen für sie gegeben seien, her erkennende Senat hat sich der angeführten Entscheidung des Obersten Gerichtshofs für die Britische Zone in seinem Beschluß vom 20. 134 = NJW 1952, 1 109 = Lind-Möhr Ur 7 zu Art VI BrMilRegVO Ur 84) hat der erkennende Senat dargelegt, daß es sich hei Art VI Hr 17 BrMilRegVO Ur 84 um eine Kannvorschrift handle, die das Gericht nicht schlechthin zwinge, eine Zuweisung vorzunehmen, sondern ihm die Möglichkeit gehe, in besonderen Ausnahmefällen von dieser Maßnahme abzusehen/ An dieser Auffassung hat der Senat . Für die Frage der Abweichung im Sinne des § 24 Abs 2 Ur 1 LwVG ist aber nach der Entscheidung des erkennenden Senats vom 7» Dezember 1954 (V BLw 48/54, RechtdLandw 1955, 75 = Lind-Möhr Hr 4 zu § 24 LwVG) stets auf den neusten Stand der Rechtsprechung abzustellen und kann es nicht genügen,, wenn eine Rechtsfrage früher einmal von einem der nach § 24 Abs 2 Ur 1 LwVG in Betracht kommenden Gerichte anders beantwortet worden ist, als es in einer späteren Entscheidung geschehen ist, kann insbesondere die Auffassung eines Oberlandesgerichts dann nicht maßgebend sein, wenn bereits eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs zu der betreffenden Frage vorliegt (vgl auch Beschluß des erkennenden Senats vom 11b Oktober 1956, V BLw 39/56)7 Aus den Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs für die Britische Zone vom 1„ Marz 1950 und des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 23° März 1950 kann die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde daher nicht hergeleitet werden* Bas Beschwerdegericht ist auch nicht von der bereits angeführten Entscheidung des erkennenden Senats vom 20o November 1951 (V BLw 34/50) dadurch abgewichen, daß es nicht allein auf das öffentliche Interesse an der Zuweisung abge- Der Senat hat in dieser Entscheidung keineswegs ausgesprochen, daß für die Frage der Zuweisung allein die öffentlichen Interessen maßgebend seien, sondern ganz allgemein von Ausnahmefällen gesprochen, in denen die Ablehnung der.Zuweisung gerechtfertigt sein könne; er hat lediglich als Beispiel hierfür den von der Rechtsbeschwerde besonders herausgestellten Fall angeführt, daß das mit der Zuweisung erstrebte Ziel der Überführung der landwirtschaftlichen Besitzung in das Eigentum eines selbstwirtschaftenden Landwirts.in absehbarer Zeit nicht erreicht werden könne0 Es ist danach nicht richtig, daß der erkennende Senat die . Januar 1952 (V ELw 7/51, RechtdLandw 1952, 110 = NJYT 1952, 664 = Lind-Köhr Nr 4 zu Art VI BrMilReg VO Nr 84) herleiten, weil auch dort gesagt sei, für die Zuweisung müßten die öffentlichen Interessen maßgebend sein« Biese Entscheidung legt indessen in den von der Rechtsbeschwerde angezogenen Ausführungen lediglich dar, daß das neue Land-wirtschaftsrecht das Bestreben zeige, im Interesse der Volksernährung landwirtschaftlich genutzte Grundstücke dieser Zweckbestimmung und landwirtschaftliche Anwesen in ihrem Bestand zu erhalten, und daß sich die Vorschriften des Art VI Nr 17 völlig in den Rahmen des neuen Landwirtschaftsrechts einfügen, dem sie selbst angehören und aus dessen Sinn heraus sie verstanden werden müßten« Bamit ist aber nur gesagt, daß die Sicherung der Volksernährung, also ein öffentliches Interesse, zur Einführung des Zuweisungsverfahrens geführt hat. Der Antragsteller hält vor allen Dingen eine Abweichung von der bereits erwähnten Entscheidung des erkennenden Senats vom 27« April 1954 (V BLw 82/53) für gegeben. Er meint* nach dieser Entscheidung sei es nicht zulässig* die mit der Zuweisung für die weichenden Erben verbundenen Härten zu berücksichtigen und ihnen sogar den Vorrang vor dem öffentlichen Interesse an der Zuweisung einzuräumen. Das Beschwerdegericht hat nun keineswegs den Standpunkt vertreten, daß schon ganz allgemein die mit einer Zuweisung nach den Regeln der Höfeordnung für die Miterben verbundene Härte die Ablehnung der beantragten Zuweisung rechtfertigen könne* es hat vielmehr angenommen, daß hierfür besondere Gründe vorhanden sein müßten* die es allerdings in den persönlichen Verhältnissen der ledigen Miterben Anna und Elisabeth WfHMPgefunden hat. Dort ist zwar ausgeführt* für die Frage, ob die Übertragung vorzunehmen oder abzulehnen sei, werde entscheidend sein müssen, ob mit der Zuweisung der vom Gesetz erstrebte Erfolg erreicht werde oder nicht ' Damit ist lediglich gesagt, daß das öffentliche Interesse die Zuweisung dann nicht■erfordere 9 wenn dem Zweck des Gesetzes doch nicht Genüge geschehen könne*» Daraus läßt sich aber nicht. ableiten, daß dieses Interesse den Belangen der Miterben stets vorzugehen hat- Eine so enge Auffassung würde der Mannigfaltigkeit der möglichen Tatbestände nicht gerecht werden* Es sind Fälle denkbar, in denen die Allgemeinheit ein nur geringes Interesse an dem Fortbestand der Besitzung und damit an der Zuweisung hat, wie dies insbesondere bei besonders kleinen Anwesen der Fall sein wird, während auf Seite der Miterben gewichtige Gründe gegen eine Zuweisung sprechen* Der erkennende Senat hat dem in seiner Rechtsprechung Rechnung getragen und entgegen der Ansicht des Antragstellers bisher nicht ausgesprochen, daß die Belange der weichenden Erben hinter dem öffentlichen Interesse stets zurückzustehen haben* Gerade in * seiner Entscheidung vom 27= April 1954 hat der Senat untersucht, ob etwa der Zuweisung so gewichtige Interessen der Antragsgegner - also der Miterben des Antragstellers - ent-gegensttinden, daß sie die /Ablehnung der beantragten Zuweisung rechtfertigen könnten» Damit ist unzweideutig zu dem Ausdruck gebracht worden, daß, wenn auch die Voraussetzungen für eine Zuweisu?ig gegeben seien, diese doch unterbleiben könne, wenn dies aus besonderen Gründen im Interesse der weichenden Erben liege0 Zu dieser Rechtsauffassung hat sich das Beschwerdegericht keineswegs in Widerspruch gesetzt; denn es hat,' wie bereits gesagt, die Ablehnung der Zuweisung mit der ihr entgegenstehenden Interessenlage der bei-, den ledigen Schwestern des Antragstellers begründet* Es kann danach keine Rede davon sein, daß das Beschwerdegericht diese Entscheidung des erkennenden Senats mißverstanden hat« Eie behauptete Abweichung liegt nach alledem nicht vor» /; i.. ist von keinem der Beteiligten behauptet und infolgedessen diese Präge auch von dem Beschwerdegericht nicht erörtert worden« Eine Abweichung von der hier in Rede stehenden Entscheidung des erkennenden Senats ist danach ebenfalls nicht festzustelleno Auch aus der Entscheidung des Oberlandesgerichts Schleswig vom 26o Mai 1955 (RechtdLand 1956? 114) läßt sich die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde nicht herleiten» Selbst wenn in ihr gesagt wäre, ein Ausnahmefall sei nur dann gegeben^ wenn das mit der Zuweisung erstrebte Ziel, die landwirtschaftliche Besitzung in das Eigentum eines selbstwirtschaftenden Landwirts zu überführen, in absehbarer Zeit nicht erreicht werden könne, würde eine nach § 24 Abs 2 Nr 1 IwVGr . BLw 82/53), in Widerspruch stehen würde» Tatsächlich hat das Oberlandesgericht Schleswig von Ausnahmefallen gesprochen und den von ihm-erwähnten Tatbestand nur als ein Beispiel für einen solchen angeführt,, In dem weiteren von dem Antragsteller angezogenen Abschnitt dieser Entscheidung stellt das Oberlandesgericht Schleswig lediglich allgemeine Erwägungen darüber an, wie die von dem Bundesgerichtshof für möglich gehaltenen Ausnahmen von der Zuweisungspflicht näher zu umreißen seieno Soweit dabei .keine bestimmten Rechtssätze aufgestellt sind, entfällt eine Abweichung;ohne weiteres» Bas Oberlandesgericht Schleswig’nimmt nach diesen Ausführungen einen Ausnahmefall jedenfalls dann an, wenn die Zuweisung nach Lage der Sache zu einer gänzlich ungerechtfertigten materiellen Bevorzugung des einen JÄit erben vor den anderen führen würde. Einen solchen Pall hat das Beschwerdegericht hier für gegeben erachtet, Es ist damit nicht von der Entscheidung des Oberlandesgerichts Schleswig abgewichen, sondern hat sich ihr im Gegenteil in diesem Punkte angeschlossens: