BGH · V BLw 1/70
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Bie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß des 3o Zivilsenats - Senat für Xandv/irt-schaftssachen - des Oberlandesgerichts in Oldenburg vom 28« November 1969 wird auf Kosten der Antragstollerin Grote Beeks (Beteiligte zu 1) als unzulässig verworfen* Dann brach er sein Studium ab und entschloß sich, Landwirt zu werden0 Dieser Entschluß wurde ausgelöst durch ein Schreiben des Rechtsanwalts seiner Base Grete PflHK die vom Grundbuchamt zur Klärung der Eigentumsverhältnisse an dem noch auf den Namen des Großvaters Tobias HflBB* BHB eingetragenen Hof auf gef ordert worden war und in jenem Brief ihren beiden Vettern mit ausführlicher Begründung mitteilen ließ, daß sie sich für die Hoferbin halte» Lutz HBBB, der nach seiner Darstellung erst hierdurch Kenntnis von den Einzelheiten des großväterlichen Testaments erlangt haben will, nahm im Laufe der sich daran knüpfenden Verhandlungen den Standpunkt ein, er sei der Hoferbe, Seit Sommer 1968 wohnt er bei seiner Mutter in ZW und arbeitet auf dem etwa 40 ha großen Bauernhof seines Vetters Oetje BflHBpln DBBIBmit» Der Hof in iMist seit 1947 verpachtet; das Pachtverhältnis hat sich zuletzt 1965, da es nicht gekündigt wurde, vertragsgemäß bis zu dem Jahre 1971 verlängert» Im September 1968 beantragte Lutz bei dem Amtsgericht die Erteilung eines Hoffolgezeugnisses, wonach er Eigentümer dieses Hofes geworden sei (LwH 42/68)» Auf richterliche Anfrage äußerte sich die Landwirtschafts-kamner gutachtlich dahin, sie halte Lutz für wirtschaftsfähigo Bas Hoffolgezeugnis-Verfahren wurde im Dezember 1968 ausgesetzt, weil inzwischen Frau gemäß 2» Die Antragstellerin Grete PSi hat um Feststellung gebeten, daß sie Hoferbe geworden sei» Zur Begründung macht sie geltend, daß der Antragsgegner Lutz HMMinicht die Voraussetzungen des großväterlichen Testaments erfülle: Er sei mangels praktischer Erfahrungen und Kenntnisse in der Landwirtschaft nicht als "Bauer“ .anzusehen und könne auch aus finanziellen Gründen den Hof, auf dem kein Inventar vorhanden sei, nicht betreiben; eine Hofübernahme zu seinem 25» Geburtstage (27» Mai 1969) komme ohnehin nicht in Betracht, da der Hof noch bis 1971 in der Hand des Pächters verbleiben müsse» Im übrigen habe Lutz gar nicht die ernstliche Absicht, selber den Hof zu bewirtschaften; er wolle ihn vielmehr verkaufen oder verpachten» Der Antragsgegner hat dies bestritten und ist dem Vorbringen seiner Base entgegengetreten» Er hat beantragt, ihn selbst als Hoferben festzustellen, und trägt dazu vor: Wenn er zunächst eine andere Berufslaufbahn eingeschlagen habe, so liege der Grund darin, daß er als jüngerer Enkel des Ei-blasscrs erst die Entscheidung seines Bruders Bernd habe abwarten müssen» Nachdem von diesem 1968 endgültig auf den Hof verzichtet worden sei, habe er sich entschlossen, Bauer zu werden» Es sei im Sinne des Erblassers, wenn nicht die Antragsteilerin - die schon Miteigentümerin eines Ehegattenhofes sei sondern er als Träger des Familiennamens HflHHHB den Hof übernehme. Der Landwirtsberuf entspreche seiner Veranlagung und seinem Herkommen» Wie sehr er an diesem Beruf interessiert sei, gehe daraus hervor, daß er schon in den Semesterferien auf Höfen von Verwandten und Freunden mitgeholfen und sich auch im Rahmen seines Studiums eingehend mit landwirtschaftlichen Fragen (Biologie, Chemie, Geographie, angewandte Zoologie usw») beschäftigt habc0 Das Unterbleiben einer Kündigung des laufenden Pachtverhältnisses im Jahre 1965 dürfe ihm nicht angolastet werden» Da die Rechtsbeschv/erde im angefochtenen Beschluß nicht gemäß § 24 Abs» 1 LwVG zugelassen worden ist, wäre sie nur unter den Voraussetzungen des zweit en Absatzes dieser Vorschrift statthafte Ein Pall nach Absatz 2 Nr„ 2 aaO liegt nicht vor» Infolgedessen hängt die Statthaftigkeit dos Rechtsmittels allein davon ab, ob das Oberlandes-gericht von der Entscheidung eines der in § 24 Abs<> 2 Kr» 1 LwVG genannten Gerichte abgewichen ist und sein Beschluß Daß auch der Erblasser Tobias HH0000£>ei seiner testamentarischen Bestimmung, der Hoferbe müsse “Bauer" geworden sein und ndie Landstello selbst bewirtschaften1/, auf den Begriff der Wirtschaftsfähigkeit abgestellt habe, kann der Rechtsbeschwerde zugegeben werden, Angesichts der von ihr hervorgehobenen Vorstellungen des Erblassers über die erforderliche Eignung seines Erben im Zeitpunkt der Hofübernahme mag ferner eine sorgfältige Prüfung angezeigt gewesen sein, ob der Antragsgegner Lutz H0B0-der erst etwa ein Droivierteljahr vor dem Stichtag des 2?, Mai 1969 (Erreichung des 23» Lebensjahres) sein Berufsziol gewechselt hatte, diese Eignung wirklich besaß. so müsse die Wirtschaftsfähigkeit verneint werden» Die gleichen Grundsätze finden sich auch in dem weiteren von der Rechtsbeschwerde angeführten Beschluß des Senats vom 6» Dezember I960? daß sich die an die Wirtschaftsfähigkeit zu stellenden Anforderungen nach Art und Größe des jeweiligen Hofes zu richten hätten» Mit diesen Ausführungen steht aber auch der jetzt angofochteno Beschluß des Oberlandesgerichts im Einklang» Daß und gegebenenfalls in v/elchen Einzelheiten hier von ihnen abgewichen worden wäre? um mit Hilfe seiner Familie den Hof ordnungsgemäß selbständig bewirtschäften zu können (S„ 218 aaO)„ ln dem jetzt zur Entscheidung stehenden Fall hat jedoch eine solche Prüfung des Antragsgegners Lutz stattgefundeno Er wurde zweimal ausführlich vom Beschwerdegericht vernommen? "durch die landwirtschaftlichen Beisitzer des Beschwerde-gerichts" vorzunchmen, so ist im vorliegenden Fall auch diesem Erfordernis genügt wordene Denn als der Antragsgegner über die für seine fachliche und persönliche Eignung maßgeblichen Punkte gehört wurde, waren die an der Entscheidung als Richter beteiligten beiden Landwirte zugegen» Es erscheint ausgeschlossen, daß gerade sie bei Erörterung von Fragen aus ihrem Fachgebiet sich untätig verhalten und nicht ihrerseits aktiv mit in die Prüfung eingegriffen haben sollten» Das entspricht unter den hier gegebenen Umständen der Erfahrung und bedurfte keiner besonderen Hervorhebung im angefochtenen Beschluß; auch das Protokoll vom 28» November 1969 ergibt nichts Gegenteiliges» Ist mithin keine Abweichung von den vorgenannten Vcrfahrungsgrundsätzen dargetan, so erübrigt sich ein Eingehen auf die weiteren Einwände der Rechtsbeschv/erde zu diesem Punkt, daß nämlich der Hof seit 19^7 "ohne lobendes und totes Inventar" verpachtet gewesen sei (während es sich nach der Darstellung des Antragsgegners im Schriftsatz vom 22• August 1969, S» 3, um "eiserne" Verpachtung handeln soll) und daß deshalb das Ober-landesgericht den Zustand der Ländereien und Hofgebäude an Ort und Stolle hätte feststellen müssen» Ob aus diesem Grunde der angeführte Beschluß etwa inhaltliche Mängel aulweist, könnte vom Senat nur dann untersucht worden, wenn zuvor die Statthaftigkeit der Rechtsbeschv/erde gemäß § 2h Lv/VG feststünde» Daran aber fehlt es hier» 3o Ebenfalls den Inhalt der Entscheidung und kein Abzeichen von einem Beschluß des Bundesgerichtshöfe betreffen die Angriffe der Rechtsbeschv/erde gegen die Würdigung, die das Oberlandesgericht den Feststellungen des Landwirtschaftsoberrats Claudi hat zuteil werden lassen«. Die vom Oberlandesgericht aus dem Claudi*sehen Gut achten und aus den Bekundungen des Zeugen Oet je gezogenen Schlüsse beschränken sich nicht, wie die Rechts beschwerde einwendet, auf die Feststellung von “Intelligenz, Fleiß und Gelehrigkeit“ des Antragsgegners«, Vielmehr geht es dabei um seine fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten, seine realistische Einschätzung der wirtschaftlichen Möglichkeiten, seinen ernsthaften Willen, praktischer Landwirt zu werden, und seine innerliche Verbundenheit mit den neuen Beruf* Die angefochtene Entscheidung steht daher nicht im Widerspruch zu dem Beschluß vom 11 * Juli 1961, V BLw 26/60, RdL 1961, 264, v/orin der Senat ausgeführt hat (S„ 266 aaO), zur Bejahung der Wirtschaftsfähigkeit genüge nicht, daß der Eine Abweichung von dem genannten Beschluß vermag die Rechtsbeschv/erdo ferner nicht mit der Behauptung darzutun, das Gutachten Claudi und die Zeugenaussage liefen der Lebenserfahrung und der Logik zuwider; denn das trifft nicht zu0 Baß Lutz wie ihm seitens der Antragstellerin vor geworfen wurde, sich nur "pro forma" und "nach außenhin für das Gericht" in der Landwirtschaft betätige, um die testamentarischen Voraussetzungen zu dem Hoferwarb zu erfüllen, sieht das Oberlandesgericht rechtsirrtumsfrei als widerlegt ane RdL 1962, 237 der Senat die Feststellungen des damaligen Beschwerdegerichts über den Finanzbedarf und die Ertragslage als unzureichend bemängelt und die Einholung eines betriebswirtschaftlichen Gutachtens für notwendig erachtet hat, so geschah dies im Hinblick auf die besonderen Umstände des dort entschiedenen Falles: Es handelte sich um einen stark verschuldeten Hof von 75,9^61 ha mit 83 300 DM Elnhoitswert; nach der Sachlage bestanden erhebliche Zweifel, ob die Witwe des bisherigen Hofeigentümors, die den Betrieb übernehmen wollte, der bereits vorhandenen Schuldenlast finanziell gewachsen war und ob sie überhaupt genügend Erfahrung Verständnis für die allgemeinen marktv/irtschaftlichen Verhältnisse besaß» Der Hof dagegen, um den es Jetzt geht, ist nicht nur um mehr als die Hälfte kleiner, sondern es fehlt hier vor allem auch Jeder Anhaltspunkt für eine Verschuldung; daß sic vorliege, war von der Antragstollerin in den Tatsacheninstanzen nicht behauptet worden; ausweislich der Grundakten, die zu dem Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht wurden, sind in Abteilung III dos Grundbuchs keinerlei Belastungen eingetragen» Bedenken hinsichtlich der Möglichkeit, Geld für etwa fehlendes Inventar zu beschaffen, waren nicht erkennbar» Es stellt daher keine Abweichung von dem genannten Beschluß dar, daß das Obcr-ianöesgericht kein besonderes Gutachten über die Finanzlage cingeholt und sich mit der Feststellung begnügt hat, der Antragsgegner könne bei seinen Bewirtschaftungs-plänen auch die - nach dem Bewoisergebnis ihm zugesagte -Hilfe von Verwandten in Rechnung stellen» V BLw 26/60, RdL 1961, 264 vorliegen, wenn das Beschwerdegericht bei Prüfung der Wirtschaftsfähigkeit einen äußerst milden Maßstab angelegt hat, obgleich unter den gegebenen Umständen eine strenge Beurteilung dieser Frage geboten war» Letzteres mag hier der Fall gewesen sein, da es sich bei der Antragstellern und dem Antragsgegner um Angehörige der gleichen Hoferbenordnung handelt {BGH aaO)» Allein cs ist nicht ersichtlich, daß das Obcrlandesgcrieht dies verkannt und die Anforderuingen, die gs an die Wirtschaftsfähigkeit des .Antragsgegners stellen mußte, zu gering bemessen hätte«, Zur Begründung ihres gegenteiligen Standpunktes trägt die Rechtsbeschwerde lediglich vor, der angefochteno Beschluß weiche von zahlreichen Entscheidungen des Bundesgerichtshofs ab; das trifft indessen, wie im vorstehenden dargelegt wurde, nicht zu (vgl» auch den Beschluß des Senats vom 17«, März 1966, V BLw -51/65).