BGH · V BLw 1/62 vom 28.05.1963
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Die Tochter Emilie des Erblassers, deren Ehe geschieden ist, bewohnt auf dem Hof ein Einfamilienhaus, das ihr Vater auf einem durch Tausch erworbenen und ihr zu Eigentum übertragenen Grundstück für sie hat errichten lassen. 3.In einem v/eiteren notariellen Testament vom 8« November I960 setzte der Erblasser die Antragsgegnerin zur Hoferbin und seine Tochter Emilie zur Erbin des hoffreien Vermögens ein. Zur Erläuterung bemerkte er: "Diese Regelung erfolgt aus folgendem Grunde: ich war und bin bereit, meinen Hof auf meinen Sohn Heinrich zu übertragene Dieser ist jedoch nicht willens, den ihm vorgeschlagenen Übertragsvertrag abzuschließen, worin er durch seine Ehefrau bestärkt wird« Ein weiterer Grund für vorstehende Regelung besteht auch darin, daß ich von meinem Sohn und meiner Schwiegertochter sehr schlecht behandelt werde«Den Antragsteller setzte der Erblasser auf den Pflichtteil, dessen Höhe durch das Landwirtschaftsgericht festgestellt werden sollte« Noch nach der Errichtung des Testaments vom 8o November I960 war der Erblasser geneigt, einen im Entwurf fertiggestellten Übergabevertrag mit dem Antragsteller abzuschließen. Der Antragsteller hat beantragt festzustellen, daß er Hoferbe geworden ist» Er hält die Erbeinsetzung der Antragsgegnerin für einen groben Mißbrauch des Bestimmungsrechts und deshalb für unwirksame Sr trägt dazu vor, er sei der einzige Sohn des Erblassers und habe seit seiner Jugend auf dem Hof gelebt und ihm seine ganze Arbeitskraft gewidmet. Er habe sich nach seinem Werdegang ganz auf die spätere Übernahme des Hofes eingestellt» Der Erblasser habe nach der Errichtung des Testaments im Jahre 1952 immer wieder zu dem Ausdruck gebracht, daß es bei dieser Erbeinsetzung verbleiben solle« In der letzten Zeit vor dem Tode habe der Vater, der im Oktober I960 einen leichten Schlaganfall und Blutsturz erlitten habe, ganz unter den Einfluß seines Schwiegersohnes gestanden. Io Das Oberlandesgericht geht davon aus, daß eine Hoferbenbestimmung an sich frei widerrufbar sei, ein etwaiger Y/iderruf aber unter Umständen gegen die guten Sitten verstoßen könne und dann unwirksam sei» Das Be-schwerdegericht hält einen solchen Pall hier für gegeben« Es führt dazu aus: Der Antragsteller sei als einziger Sohn der gesetzliche Hoferbeo Der Vater habe ihn in zwei Testamenten und auch sonst als Hoferben bezeichnet und behandelte Er habe ihn im Hinblick auf die spätere Übernahme des Hofes die naturgegebene berufliche Entv/icklung durchlaufen lassen, indem er ihn nach der Schulentlassung auf dem Hof als künftigen Bauern habe aufwachsen und ohne Entgelt arbeiten lassen, ihn zur Winterschule geschickt habe und nach der Rückkehr aus dem Y/ehr- und Kriegsdienst auf dem Hof eine Familie habe gründen lassen» Wegen der Heirat des Sohnes sei es zwar zu Verstimmungen gekommen« Der Erblasser habe dies aber nicht zu dem Anlaß genommen, eine andere Hofnachfolge ins Auge zu fassen« Er sei vielmehr, wie die Testamente aus dem Jahre 1952 und 1957 ergäben, dabei verblieben, daß sein Sohn den Hof bekommen solle. Es hat einen Sittenverstoß daraus hergeleitet, daß die Erbeinsetzung der Antragsgegnerin im Hinblick auf das langjährige Verhalten des Erblassers gegenüber dem Antragsteller gröblich gegen Treu und Glauben verstoße. Das Beschwerdegericht ist damit bei der Beurteilung des Sachverhalts von den Grundsätzen ausgegangen, die der Senat zur Präge der .Wirksamkeit einer formlosen bindenden HoferbenbeStimmung aüfgostellt hat (BGHZ 12, 286 = RdL 1954, 153; BGHZ 23, 249 = RdL 1957, 96)» Ein Sittenverstoß, der darin erblickt wird, daß die Erbeinsetzung eines Abkömmlings mit dem früheren Verhalten des Erblassers gegenüber einem anderen Abkömmling in Widerspruch steht, wird in der Regel zu bejahen sein, v/enn der Erblasser auf Grund seines Verhaltens an diesen Abkömmling als Koferben gebunden war. Nach den Feststellungen des Beschv/erde-gerichts hat der Erblasser seit Jahren die Absicht gehabt, seinen Hof dem Antragsteller zu übertragen. Er hat den Willen, daß sein Sohn, der auch der gesetzliche Hoferbe war, den Hof erben solle, in den beiden Testamenten aus den Jahren 1952 und 1957 sov/ie durch die wiederholten Angebote zu dem Abschluß eines Übergabevertrages zu dem Ausdruck gebracht. Dies allein würde jedoch für eine Bindung des Erblassers an den Antragsteller als Hoferbon nicht ausreichen.Es muß vielmehr ein über einen längeren Zeitraum sich erstreckendes Verhalten der Beteiligten hinzukommen, indem der Erblasser den Abkömmling als künftigen 'Höferben behandelt und dieser auf Grund des Verhaltens des Erblassers in seiner ganzen Lebensgestaltung sich auf die spätere Übernahme dos Hofes eingestellt hat und einstellen durfte, so daß eine anderweitige Hof- erbenbestimmung gröblich gegen Treu und Glauben verstoßen würde» Das Oberlandesgericht hat demgemäß auch als entscheidend die Tatsache gewertet, daß der Antragsteller dem Willen des Vaters entsprechend von seiner Jugend an seine ganze Arbeitskraft und die besten Jahre seines Lebens ohne ein entsprechendes Entgelt dem Hof gewidmet und in der berechtigten Erwartung, demnächst Hoferbe zu werden, sich auf die spätere Übernahme des Hofes eingestellt und von der Gründung einer anderv/eitigen Existenz Abstand genommen hat» Rechtliche Bedenken sind hiergegen nicht zu erheben» Ergänzend mag noch bemerkt werden, daß dem Antragsteller im Palle der Wirksamkeit des Testaments vom 8» November I960 nur ein geringer Pflichtteilsanspruch zustehen würde» Der Tatsache, daß die Verhandlungen über den Abschluß eines Übergabeverträges keinen Erfolg gehabt haben, kommt in diesem Zusammenhang keine entscheidende Bedeutung zu» Nach dem Vorbringen * der Antragsgegnerin haben allerdings zwischen dem Antragsteller und seinem Vater wiederholt Auseinandersetzungen stattgefunden, in deren Verlauf der Antragsteller gegen seinen Vater tätlich gev/orden sein soll» Auch das Oberlandcs-gericht geht davon aus, daß es seit der Heirat des Antragstellers zwischen ihm und seiner Ehefrau einerseits sowie den Eltern des Antragstellers andererseits zu Streitigkeiten gekommen ist» Es hat jedoch diese Streitigkeiten im einzelnen, vor allem ihren tieferen Grund, nicht aufzuklären vermocht» Das Beschwerdegericht hat die Behauptung, daß der Antragsteller im Mai 1954 seinen Vater am Hals gepackt habe und im Jahre 1959 gegen ihn ausfällig geworden sei, als richtig unterstellt» Es hat jedoch diese Vorfälle und auch die sonstigen Streitigkeiten nicht als entscheidend angesehen, weil der Erblasser die Behandlung seitens seines Sohnes und der Schwiegertochter nicht als so schwerwiegend empfunden habe, daß er sie zu dem Anlaß genommen hätte, seinen Hof dem Antragsteller nicht zukommen zu lassen- Mögen auch Anlaß und Ursache der Auseinandersetzungen aus den früheren Jahren im einzelnen nicht mehr aufzuklären sein, so könnte zwar schon die Tatsache allein, daß es zwischen dem Erblasser und dem Antragsteller wiederholt zu Streitigkeiten gekommen ist, gegen die Annahme sprechen, daß der Erblasser sich seinem Sohn gegenüber hinsichtlich der Hofnachfolge habe binden wollen. Es ist jedoch rechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Oberlandesgericht das Verhalten des Erblassers, insbesondere die Wiederholung .der Erbeinsetzung des Antragstellers im Testament vom Jahre 1957, die mehrfachen Angebote zu dem Abschluß eines Übergabevertrages und auch die Verstärkung der Zuwendungen an seine Töchter, indem er für die eine Tochter ein Haus bauen ließ und der anderen Tochter noch mehr als das, was ihr als Vermächtnis zugedacht war, schon zu seinen Lebzeiten gewährte, dahin gewürdigt hat, daß der Erblasser den bisher auf getretenen Streitigkeiten mit dem Antragsteller kein maßgebliches Gewicht beigelegt habe. Die Auffassung des Beschwerdegerichts, daß der Vater, nachdem er auch aus dem Streit vom Jahre 1959 keine Folgerungen gezogen hatte, an den Antragsteller als Hof erben gebunden gewesen sei, und deshalb eine anderweitige Hoferbenbestimmung sich als Rechtsmißbrauch darstelle, ist frei j. landesgericht hat dies nicht verkannt« Es hält jedoch ernsthafte Gründe, die den Erblasser berechtigt hätten, einen anderen Hoferben zu bestimmen, nicht für gegeben» Das Beschwerdegericht erörtert zunächst, wie es zur Errichtung des Testaments vom 8» November I960 gekommen sei und welche Rolle dann noch der letzte Entwurf eines Übergabevertrages gespielt habe» Es führt dazu auss Nach den Erklärungen des Rechtsanwalts des Verfahrcnc- bevollmächtigten der Antragsgegnerin, habe der Erblasser sich aus Anlaß einer Beratung bei ihm über das Verhalten seines Sohnes und seiner Schwiegertochter beklagt» Rechtsanwalt habe ihm geraten, die Hofnachfolgc testamentarisch zu regeln, und zwar in dem Sinne, wie cs dann geschehen sei» Im Anschluß an die Testamentser-richtung habe er im Einverständnis mit dem Erblasser den damaligen Vertreter des Antragstellers, Rechtsanwalt Dr° angerufen und ihm erklärt, daß ein Testament errichtet sei und der Erblasser seinem Sohn ein wirklich letztes Angebot zu dem Abschluß eines Übergabeverträges mache, wobei jedoch die am 25o Juli I960 an den Schwiegersohn R^jj^^ verkaufte Wiese von der Übertragung ausgenommen bleibe» Der Antragsteller habe hiergegen Bedenken erhoben, weil der Hof bei einer Abtrennung dieses Grundstücks die Belastungen nicht tragen könne und auch das Landv/irt-schaftsgericht nicht geneigt sei, den Kaufvertrag zu genehmigen» Ob nun der Antragsteller den Übergabevertrag in der angebotenen Form endgültig abgelehnt habe oder ob er einige Tage vor dem Tode des Vaters noch bereit gewesen sei, ihn anzunehmen,' so daß nur der plötzliche Tod des Vaters den Abschluß des Vertrages verhindert habe, könne nicht festgestellt werden» Offensichtlich habe der Vater bis zu seinem Tode den Wunsch und den Willen gehabt, daß der Sohn den Hof und die Tochter Gertrud die Erlcn-wiese bekommen sollten» Durch den Widerspruch des Sohnes habe der Erblasser sein Vorhaben, der Tochter das Grundstück zukommen zu lassen, gefährdet gesehen, v/eil er befürchtet habe, daß der Kaufvertrag nicht genehmigt werden würdeo Dies sei der wirkliche Grund für den Zwist zwischen Vater und Sohn gewesen, der zur Errichtung des Testaments geführt habe. Aus den widersprüchlichen Formulierungen sei zu erkennen, daß der unentschlossene Erblasser nur das als seinen letzten Willen erklärt und dazu noch begründet habe, was ihm vermutlich von anderer Seite vorgesagt worden sei. Bas Verhalten des Antragstellers und die sich daraus ergebende Y/eigerung, den Übergabevertrag abzuschließen, könne deshalb nicht als gewichtiger Grund für eine Sinnesänderung des Erblassers angesehen v/erden, selbst wenn man davon ausgeho, daß der Antragsteller sich seinem Vater gegenüber in der von der Antragsgegnerin unter Beweis gestellten Weise verhalten habe. Die Weigerung des Antragstellers, einen Übergabevertrag unter den vom Erblasser * gewünschten Bedingungen abzuschließen, ist zwar im Testament an erster Stelle als Grund für die anderweitige Regelung der Erbfolge angeführt worden».Die ablehnende Haltung des Antragstellers würde jedoch allein einen Portfall der Bindung des Erblassers an seinen Sohn als Hoferben nicht zur Polge haben, da, wie das Beschwerdegericht ohne Rechtsirrtum ausführt, das Bestreben, eine Abtrennung der Erlenv/iese vom Hof zu verhindern, jedenfalls vom Standpunkt des Antragstellers aus verständlich war» Nach dem Vorbringen der Antragsgegnerin haben zwischen dem Antragsteller und seinem Vater bis in die jüngste Zeit hinein schwere Auseinandersetzungen stattgefunden» Auch der Testamentserrichtung soll ein heftiger Streit vorausgegangen sein» Das Oberlandesgericht stellt hierzu lediglich fest, daß der Erblasser sich bei Rechtsanwalt über das Verhalten des Antragstellers und seiner Ehefrau beklagt habe» Rechtsanwalt hatte dazu vorgetragen, der Antrag- Erblasser geraten habe, seine Hofnachfolge anderweitig testamentarisch zu regeln« Zu diesem Vorbringen hat das Oberlandesgcricht nicht Stellung genommen« Außerdem hatte die Antragsgegnerin behauptet, bei einem Streit im November I960 habe die 'Ehefrau des Antragstellers den Erblasser zu Boden gestoßen, worauf der Antragsteller seinen Vater an der Brust und am Hals gepackt und gewürgt habe, so daß dieser röchelnd um Hilfe gerufen habe« Da das Beschwerdegericht dieses Vorbringen nicht näher behänd-delt hat, sondern nur in einer kurzen allgemeinen Bemerkung unterstellt, daß der Antragsteller sich seinem Vater gegenüber in der von der Antragsgegnerin geschilderten Weise verhalten habe, erscheint es, wie die Hechtsbeschwerde ausführt, in der Tat zweifelhaft, ob das Oberlandcc-gericht sich der Schwere der gegen den Antragsteller erhobenen Vorwürfe bewußt ■/ geworden ist; denn wenn der Antragsteller wirklich seinen Vater in der angegebenen Weise angegriffen haben sollte, wäre dem Erblasser aus einer Änderung der Hoferbenbestimmung kein Vorwurf zu machen« Tätlichkeiten eines Abkömmlings gegen den Vater stellen jedenfalls in der Hegel einen v/ichtigen Grund für die Wahl eines anderen Hofnachfolgers dar« Es wäre mit Treu und Glauben nicht vereinbar, wenn in einem solchen Pall die Bindung des Erblassers an den Antragsteller als Hoferbon fortbestehen bleiben müßte« Dabei würde es auch nicht entscheidend sein, daß, wie es anscheinend der Pall ist, die angebliche Mißhandlung erst nach der Testamentserrichtung stattgefunden hat; denn die Erbeinsetzung der Antragsgegnerin kann auch durch spätere bis zu dem Tode des Erblassers eingetreteno Umstände eine Rechtfertigung erfahren haben« genen Übergabevertrag abzuschließen und erst an zweiter Stelle die schlechte Behandlung durch den Antragsteller und seine Ehefrau als Grund für die Erbeinsetzung der Antragsgegnerin angeführt hat, vermag die Annahme des Oberlandesgerichts, daß der Erblasser dem Verhalten seines Sohnes und seiner Schwiegertochter keine ausschlaggebende Bedeutung beigelegt habe, nicht zu rechtfertigen» Für die Vermutung des Beschwerdegerichts, daß der Erblasser im Testament nur das als seinen letzten Willen erklärt und dazu noch begründet habe, was ihm von anderer Seite vorgesagt worden sei, liegen tatsächliche Anhaltspunkte nicht vor. Richtig ist, daß der Erblasser im Zeitpunkt der Testamentserrichtung noch zu dem Abschluß eines übergabeverträges mit dem Antragsteller bereit war und daß er dies auch in dem Testament zu dem Ausdruck gebracht hat» Wenn der Erblasser wegen des Verhaltens seines Sohnes einen anderen Hoferben. bestimmt und gleichzeitig dem Antragsteller noch ein Angebot zu dem Abschluß eines Übergabeverträges gemacht hat, so geht hieraus zwar hervor, daß der Erblasser noch geneigt war, entgegen der im Testament getroffenen Erbregelung den Hof doch noch seinem Sohn zukommen zu lassen, wenn dieser zur Annahme des ihm angebotenen Vertrages bereit war» Die Berechtigung des Hofeigentümers, aus wichtigen Gründen die Hoferbfolge anderweitig zu regeln, wird jedoch durch die Bereitschaft des Erblassers zu dem Abschluß eines Übergabevertrages mit dem bisher vorgesehenen Hoferben nicht berührt» Dies muß vor allem dann gelten, wenn der Antragsteller noch nach der Testamentserrichtung gegen seinen Vater tätlich geworden sein sollte» Im übrigen beanstandet die Rechtsbeschwerde auch mit Recht die Annahme des Oberlandesgerichts, daß der Erblasser offensichtlich bis zu seinem Tode den Willen gehabt habe, den Hof seinem Sohn zukommen zu lassen» Die Antragsgegnerin hatte unter Bev/eisantritt vorgetragen, daß der Erblasser,