BGH · V BLw 97/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Rechtsbeschwerde der Antragsgegnerin gegen den Beschluss des 1Q Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Braunschweig als Senats für Landwirtschaf tsqachen vom 26 f September 1951 wird auf ihre Kos)teil mit der Maßgabe zurückgewiesen? Hai 19435 wonach die Tochter Elisabeth bekommen sollteo Sämtliche gesetzlichen Erben v/aifen sich darüber einig, dass dieses Testament« ungültig ist, da der Erblasser- nicht- allein über den Hoi verfügen |konnt.eo Am. 31« August 1950 starb Alwine SchMMü d)ie beiden Töchter streiten, wer IJoferbe des Hofs AMMNI9 Br 20 ist„ Die Antragstellerin, die vier Kinder, zwei-- Söhne und zwei Tochter, hat, hat seit 194b den Hof mit ihrer Hutter bewirtschaftet, die Antragsgegnerin, die .eine Tochter hat, lebt auf dem Hof in CMM der noch im Eigentum ihres Schwiegervaters steht-, 10b ha groß ist und von einem Verwalter umge-trieben wirdc. Zunächst hat die Antragsgegnerin unter Berufung auf die Verzichtserklärung ihrer Schwester Alwine vom 13o Oktober 1914 die Erteilung eines Erbscheins und eines -HoffolgeZeugnisses • für - sieh beantragte/ Dieses Verfahren ist noch nicht erledigt- Am 15C-- Januar 1951 hat die Antragstellerin mit der Behauptung, der Vertrag vorn 13 ■> Oktober 1934 habe keine erbrechtliehe Bedeutung, da der Vater nicht Eigentümer des Hofes gew/esen sei und ein Erbverzichtsvertrag nur vom Erblasser selbst abgeschlossen werden könne, den Antrag a.uf Erteilung eines Iloffolgezeugnisses für sich gestellt,, Die Antragsgegnerin hat Zurückweisung des Antrags beän-:- ■; //i': i;-:;3Släil:-^ :;, 1 ^■■ des Amtsgerichts aufzuheben und den Antrag der Eh hilfsweise, f ■verpflichtet efrau BfÜP zurückzuweisen5 estzustellen, dass die Ehefrau Bi sei, den Hof Hr ■ der Beschwer- E, Das Beschwerdegericht sieht den am 13- Oktober 1934 zwischen dem Vater der Beteiligten und der Antragstelle- • rin geschlossenen Vertrag, sofern er einen Erbverzicht enthalten solle, als nichtig an, da ein Vertrag dieser Art nach § 2347 IjJGB vom Erblasser nur persönlich geschlossen werden könne * Für den größten-Teil der Grundstücke, auf die sich der Verzicht beziehe, komme aber die Hutter der Beteiligten äls Erblasserin in Betracht, diese sei aber an dem Vertrag nicht beteiligt,. Die Rechtsbeschwerde waderspricht der Auffassung, der Vertrag sei nichtig* Sie hält es für entscheidend, ob der von der Antragstellerin ausgesprochene Verzicht auf das Anerbenrecht deswegen völlig wirkungslos sei, “weil der Hof Ehegattenerbhof und der 'Vater nicht Alleineigentümer, sondern mjr Eigentümer -eines Teils des Hofes gewesen seio Die Rechtsbeschwerde nimmt an, der Erbverzicht sei jedenfalls gültig, soweit es sich um den Eigen- Vorbringen kann nicht beigestimmt werden« Es ist zwar .richtig, dass die Ausführungen des Beschwerdegerichts 'die Feststellung, der Vertrag vom 13« Oktober 1934 sei nichtig, nicht tragen* Ein Erbverzicht konnte auch hinsichtlich eines Anerbenrechts geschlossen werden, Ais Erblasser kam dabei aber, da ein Erbhof nicht nach den Grundsätzen des bürgerlichen Hechts vererbt wurde, nicht der bürgeiriich-rechtliche Eigentümer des C-rund und Bodens, sondern der Bauer als Inhaber des Erbhofs in Betracht* 29 der 2, DVO zu dem Reichserbhofgesetz vom 19<■> Dezember 1933 (RGBl I 1096j wurden mit Wirkung, vom 21o Dezember 1933 Besitzungen, die stun feil im All eineigen tum des Ehemanns und zu dem feil im Al|.eineigentum der Ehefrau standen, zu Ehegattenjerbhofehzusaammengesohl essen, Für den Fall, dass die Ehegatten eine Verfügung von lodes wegen nicht errich-teten, war die Anerbenfolge dah^n geregelt, dass beim Tode der Frau der Witwer Anerbe wujrde und beim Tode des Iian- des Vertrags über dem Vater kann also zunächst nicht gesprochen werden Dieselbe Rechtslage ergab sich, nach jeiligen anflel* der nach dem Reichse.rbho.fgesetz als Anerbe des Mannes berufen war» Bei dieser Rechtslage war es wohl möglich* einen Erbverzicht hinsichtlich der Anerbenfolge mit dem Vater allein abzusehliessen„ Er bezog sich aber nur auf die Anerbenstellung nach dem Vater und wurde erst mit dessen Tod wirksam«, Von einer Nichtigkeit den Verzicht auf die Anerbenfo1ge nach JL'p69)• Eine Änderung trat durch § 24 EIIFV vom 30o September 1943 (RGBl I 549) ein« Danach fiel der Ehegattenerbhof zunächst dem überlebenden Ehegatten als Anerben ano Nach ihm sollte derjenige weiterer Anerbe werden, der nach ßein Reichserbhofgesetz als Anerbe des Ehegatten* von dem d^r Hof stammt* berufen gewesen wäre* wenn dieser erst in diesem Zeitpunkt gestorben wäre« Nach dem-Tode des Vaters Sch^^ am 10 <, August 1946 ist demgemäss dessen Ehefrau Alwine Seh®^ Anerbin geworden* der auch der Erbschein vom 28.. Es kann dahingestellt bleiben* ob der Nachlass als geregelt oder ungeregelt, anzusehen war* in beiden Fällen ist die Frau Alwine Sch^^ als Anerbin oder als Hof erb in endgültig Eigentümerin des Hofes, geworden« Nach ihrem Tod vererbte sich : der Hof also auf den nach ihr berufenen Hof erben* nicht etwa auf den I-Iof erben des Mannes«, ;Dana eh 'hatte die Antragstellerin als ältere Tochter die erste Anwartschaft auf den Hof» Auf dieses Hoferbenrecht hat die Antragstellerin nicht verzichtet. 130 Oktober 1934 nur ein Verzieht auf die Anerbenstellung nach dem Vater oder auch ein Verzicht für den Fall zu sehen ist, dass die Antragstellerin auf anderem Weg zur Hof-nachfolge berufen wird und ob sie auch für diesen Fall als Gegenleistung die Grundstücke in erhalten sollte. Wenn der Vater diese Verabredung nicht als Erbe seiner Frau mit der Antragstellerin getroffen hätte - was unten noch zu erörtern ist - würde .es sich um einen Vertrag über den Nachlass bines noch lebenden Britten handelnPund der Vertrag wäre insoweit nach § 319. Auch in diesem Fall .würde ein gül-tiger Verzicht der Antragstellerin auf die Hoferbenstel-lung nach; der Mutter nicht vorliegend 2o Bas Beschwerdegericht prüft weiter, ob der Vertrag vom 13« Oktober 1934 in einen Vertrag zugunsten eines Britten umgedeutet werden könne, Es erwägt, ob der Vertrag unter den künftigen Erben der Mutter geschlossen und daher nach § 312 Abs: 2 BGB gültig sein könnte. Es würde die Möglichkeit bestehen, dass der Vertrag zwischen den beiden Schwestern geschlossen und dabei die Antragsgegnerin durch ihren Vater gesetzlich vertreten worden wäre, Bas Beschwerdegericht: lehnt dies ab, Ber Vater habe nicht als gesetzlicher Vertreter der Anträgsgegnerin gehandelt, da er einen entsprechenden Willen nicht gehabt habe. Dagegen hat die Beehtsbesehwerde Einwendungen nicht erhoben, Bas Beschwerdegericht lehnt auch die Auffassung ab, der Vater; habe den Vertrag als künftiger Erbe seiner Ehefrau abgeschlossen. Er habe in dieser letzten'Eigenschaft mit der Antragstellerin einen Vertrag zugunsten der Antragsgegnerin geschlossen* Bei Kenntnis der Unwirksamkeit des vereinbarten Verzichtes hinsichtlich des mütterlichen Anteils am Erbhof hätten die Vertragschließenden diesen Vertrag gewollt, da ihnen die rechtliche Bedeutung des Verzichts gleichgültig gewesen sei? tragstellerin Hoferbin geworden ist,' und es wird für diesen Rail verlangt, dass die Antragstellerin auf ihre Rechts- Der Hil f sansprüeh wird aber auf e ine solche Abmachung gestützte Die Zuständigkeit des Landwirt-schaftsgerlchts und die Anwendung der VerfahrensOrdnung für Landwirtschaftssachen wären also gegebene Sachlich ist aber auch dieser Anspruch nicht begründete wenn die Antragstel-lerin Hoferbin geworden ist, so kann darin kein Verstoss gegen die guten Sitten gesehen werden, dass sie diese Rechtsstellung aufrechterhälto Dass der Verzicht auf die Anerbenstellung nicht wirksam wurde, könnte vielmehr nur dahin führen, dass die Antragstellerin ihre Schwester so .hie Rechtsbeschwerde ist daher nicht begründet und war auf Kosten der Antragsgegnerin zurüekzuweisenn hie Entscheidung über die Kosten beruht auf §§ 10 -LVR«, 42,