BGH · V BLw 77/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
I Der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs für ,die Britische Zone, dass bei der Veräusserung eines Hofes im Sinne der Hö-feordnung unter lebenden.an einen Familienfremden der nächstberüfene hoferbenberechtigte Abkömmling nicht beschwerdebereoh-tigt ist (OGHZ 39 265), wird beigetreten«, Kinder* den Antragsgegner und eine jetzt in als Ehefrau lebende Tochter, fallen solle* Nach dem Tode ihres Ehemannes erwirkte die Antragstellerin auf Grund dieses Testaments einen Erbschein, der sie als Alleinerbin ihres Ehemanns auswies. ’j ragen war, jetzt aber ein rief, im Sinne der Höfe Ordnung Die Antragstellerin hat den Seehof durch Vertrag vom 27* Mai 195o (Urk* -Rolle 13/59 des Notars in an den Antragsteller zu 2) zu dem Preise von 93ooo*-DU verkauft und aufgelassen* Dieser Kaufvertrag ist durch einen notariellen Vertrag vom 13« April 1951 (Urk- Rolle I03/5I des Notars in dahin ab ge ändert wor- * Be#r Antragsgegner hat der Genehmigung des Vertrages widersprochen und zur Begründung dieses TiderSpruchs vor-getragens Der Seehof sei, obwohl er auf Betreiben seines Vaters nicht in die Erbhöferolle eingetragen worden sei, ein Erbhof gewesen und ihm bei dem lode seines Vaters im Jahre 1939 als Anerben zügefallen, da die gesetzliche Erbfolge durch das Testament seiner Eltern nicht habe be-, schränkt werden können» Er sei danach Eigentümer des Hofes und habe bereits gegen seine flutter, die fälschlich als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen und zu einer Verfügung Uber den Hof nicht befugt sei, Klage auf Feststellung reines Eigentums und sn.f Bas Amtsgericht hat den Kaufvertrag vom 13» April 1951’durch Beschluss vom 11* 2äai 1951 genehmigt, weil keiner der au beachtenden gesetzlichen Versagungsgründe vorliege und es für die Entscheidung über die Genehmigung unerheblich sei’, ob der Verkäuferin das Eigentum an dem Hofe zustehe» . Bie gegen diese Entscheidung eingelegte sofortige Beschwerde des Antragsgegners hat das Oberlandesgericht in Schleswig durch Beschluss vom 24» Juli 1951 als unzulässig zurückgewiesen» Das Oberlandesgericht hat eine Beschwerdeberechti-gung des Antragsgegners verneint, weil es selbst dann an einer Rechtsbeeinträchtigung fehlen würde, wenn er Eigentümer des Seehofes sein sollte, da der Vertrag nur auf die gesetzlichen Versagungsgründe hin zu prüfen sei* und-die Genehmigung lediglich besage, dass gegen den Vertrag keine 3edenken aus öffentlichen Gesichtspunkten beständen« Die Präge, ob die Vertragsparteien das genehmigte Rechtsgeschüft durchführen können, hat das Beschwerdegericht für das Genehmigungsverfahren für unerheblich angesehen, da es Sache der Antragstellerin sei, wie sie ihre vertragliche Verpflichtung erfüllen wolle, falls sie nicht Eigentümerin des Hofes sein sollte« Das Beschwerde-gericht hat ausgeführt, die Feststellung des Amtsgerichts, dass öffentliche Bedenken gegen den Kaufvertrag nicht vorlägen, greife nicht in ein etwaiges Eigentum'des Antragsgegners ein, denn dieses bleibe unanbhängig davon bestehen, ob der Vertrag genehmigt werde oder nicht, und könne höchstens durch den Vollzug des Rechtsgeschäfts beeinträchtigt werden; insoweit handle.es sich um reih privatrechtliche Streitfragen, die im Ziviiprozess auszutragen seien« Das 3eschwerdegericht hat dem Antragsgegner auch als nächstberufenen Hoferben das Beschwerderecht abgesprochen, weil die Antragstellerin, wenn sie Eigentümerin des Hofes sei, über ihn unter. falls seine Gutter bei ihrem Tode noch Eigentümerin des Hofes sei« Dementsprechend hat das Oberiandesgericht die Zulässigkeit der sofortigen Beschwerde verneint und eine sachliche Nachprüfung des angefochtenen Beschlusses als nicht angängig angesehen« Die Rechtsbeschwerde rügt Verletzung der für das Höferecht geltenden RechtsheStimmungen, insbesondere der §§ 12, 15, 23 LVO, und raeint, .die Beschwerdeberechtigung des Antragsgegners ergebe sich schon allein daraus,'dass das Amtsgericht ihn durch Beschluss vom 11« Mai „1951 zu dem Verfahren zugelassen, die Gegenseite hiergegen Iceine Be;-, sehwerde eingelegt, sondern in seinem Beisein zur Sache verhandelt habe« Die Rechtsbeschwerde folgert hieraus, der- Antragsgegner müsse die im ersten Reclitszuge ergangene Entscheidung gegen sich gelten lassen und sei durch sie in seinem Recht auf Versagung der Genehmigung beeinträchtigt, falls der angefoehtene Beschluss zu unrecht ergangen sei. Sie hält ausserdem den Zulassungsbeschluss des Amtsgerichts, da er nicht angefochten worden sei, auch für das Beschwerdegericht für-verbindlich und leitet daraus weiter die Legitimation des .Antragsgegners zur Beschwerdeeinlegung her, hält also die Ztirückweisung des Rechtsmittels als unzulässig schon aus diesem Grunde für verfehlt« Es hat aber nicht ohne weiteres jede Person, die von dem Gericht als beteiligt e.nge sehen worden ist, auch ein Beschwerderecht. Der Antragsgegner kann daher aus seiner Zulassung als Beteiligter und daraus, dass diese Entscheidung von denTtAntragstel- Die Rechtsheschwerde vermisst ferner eine hinreichende Prüfung der Präge, oh die Entscheidung des Amtsgerichts ein Recht des Antragsgegners verletzt, und' meint, eine solche RechtsheeintrSchtigung würde schon vorliegen, wenn die nachgesuchte Genehmigung aus irgendeinem Grunde hätte versagt werden müssen Sie sieht daher eine Verletzung des § 25 LVO schon darin, dass das Beschwerdegericht auf die Sache seihst nicht eingegangen ist* Darüber hinaus hält die Rechtsheschwerde die Ausführungen, die das Oher-landesgericht zur Präge der Rechtsbeeinträchtigung gemacht hat, für rechtsirrig. Sie weist darauf hin, das3 der An-tragsgegner, wenn man einmal von dem Hofeigentum der Antragstellerin ausgehe, jedenfalls der nächstberufene Hoferbe sei, und glaubt hieraus ein Beschwerderecht- des Antragsgegners auf Grund des § 38 Abs 4 LVO herleiten zu können, indem sie ausführt, das von dem Obersten Gerichtshof für die Britische Zone auf Grund dieser Vorschrift angenommene Beschwerderecht bei einer Teilveräusserung eines Hofes müsse bei einer Veräusserung der ganzen Besitzung erst recht gegeben sein. In einem solchen Palle hält die Rechtsbeschwerde für erforderlich, dass der Hoferbe, wenn ihm sein Anwartschaftsrecht durch Veräusserung des Hofes genommen werden soll, wenigstens als Beteiligter Einfluss auf die Tfahrung der öffentlich-rechtlichen Belange nehmen: kann. An dieser Rechtsprechung, von der abzugehen kein Anlass besteht, hat der Senat seither fest-' gehalten (vgl z.B. Beschluss vom ll.Bezember 1951, V BLw 87/5o)o Palls die Erteilung der Genehmigung durch das Amtsgericht sachlich nicht gerechtfertigt sein sollte, würde also, dieses allein eine Beschwerdebefugnis des Antrags- Ber Oberste Gerichtshof für die Britische Zone hat allerdings in einem Pall®, in dem durch die Veräusserung von Hofgrund-stücken der Einheitswert, des Hofes unter 10Ö00,-'B21 sank, dem ältesten Sohn des Hofeigentümers als nächstberufenem Abkömmling ein Antragsrecht nach.§ 29 Abs 3 LVO und auch : ein Beschwerde- und Hechtsbeschwerderecht nach den §§ 23 die lediglich die Erbfolge in'Hofe regele und keine Bestimmungen über die Veräusserung von Höfen unter Lebenden enthalte, sofern sich diese nicht als vorweggenoramene Erbfolge darstelle...Der Oberste.Gerichtshof hat zu einer iausdehnenden Auslegung der Vorschrift des .§ 38 Abs 4 LVO "auf solche Yeräusserungen um so weniger Veranlassung gesehen, als sie auch wirtschaftlich von einer HofÜbergabe wesentlich verschieden seien. Dieser Rechtsgestaltung würde in den hier zur Erörterung stehenden Fällen ein Beschwerderecht des nächstberufenen hoferbenberechtigten Abkömmlings oder des durch Erbvertrag zu dem Hoferben eingesetzten Abkömmlings nicht entsprechen, w'öhrmann und Lange-Y.’ulff übersehen offenbar, dass für ein solches Beschwerderecht auch kein Bedürfnis besteht. In diesem Zusammenhang hat der Senat dcrauf hingev;iesenr dass die obere Landwirtschafts-beliörde durch das ihr eingeräumte Beschwerde- und Rechts-beschwerderecht auch in der Lage ist, ihre Auffassung in dem gerichtlichen Verfahren zur Geltung zu bringen, sodas s kein praktisches Bedürfnis dafür besteht, den an der Angelegenheit Beteiligten selbst dann ein Beschwerderecht su geben, wenn keines ihrer.Rechte beeinträchtigt ist. Die Reohtsbeschwerde rügt ferner, dass das Oberlandes gerieht es an der nötigen Aufklärung des Sachverhalts habe fehlen lassen, und macht in dieser Hinsicht geltend, der .Antragsgegner habe sich nicht nur auf sein Hofnachfolgerecht berufen, sondern vor allem behauptet und unter 3ev:eis gestellt, dass er Eigentümer des Hofes sei. Sie meint, das Beschwerdegericht hätte, wenn es nicht den Ausgang des zwischen dem Antragsgegner und seiner Mutter schwebenden Rechtsstreits über das Eigentum am Hofe abwarten wollte, die für das Eigentum des Anträgsgegners angetretenen Beweise selbst erheben müssen, denn der Verkauf eines Hofes könne .unmöglich volkswirtschaftlich gerechtfertigt sein, wenn durch ihn tatsächlich die Besitzung eines anderen veräussert werde. und weist daraiif hin, dass die Voraussetzungen für die Erteilung oder Versagung der Genehmigung im Hinblick auf den Hofeigentümer nicht geprüft werden können, wenn - vri.e Das ‘Oberlandesgericht war daher nicht genötigt, sich mit der Veräusserungsbefugnis der Antragstellerin zu befassen und hierüber eigene Ermittlungen anzustellen oder den Ausgang des Rechtsstreits zwischen dem Antragsgegner und seiner Ifiutte'r ab zuwar ten .Zu prüfen war danach lediglich, ob durch die Genehmigung des Vertrages ein Recht des .Antrags^egrers verletzt worden ist. Das hat das Beschwerdegericht mit Recht selbst für den Pall verneint, dass er Hofeigentümer sein sollte, denn dem Oberlandesgericht .ist darin beizutreten, dass die Geneh- ' migung des Vertrages lediglich besagt, gegen die Veräusse-rung seien aus öffentlichen Gesichtspunkten keine Bedenken zu erheben. nicht gerechtfertigt sein, wenn ein Nichteigentümer den Hof eines anderen veräussere, denn dieser Versagungsgrund ist ebenso wie die übrigen im öffentlichen Interesse gegeben; seine Nichtbeachtung könnte daher der oberen Landwirt Schaftsbehörde einen Anlass zur Beschwerdeeinlegung geben, kann aber nach dem oben Gesagten ein Beschwerderecht des Antragsgegners nicht begründen.» Zu Unrecht wirft die Rechtsbeschwerde dem Oberlandesgericht ferner vor, es an der Prüfung habe fohlen zu lassen, ob die Antragstellerin überhaupt antragsberechtigt gewesen sei« Diese ist nicht nur als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen, sondern an dem zur Genehmigung vorgelegten Vertrage als Verkäuferin des Hofes beteiligt. Danach kann das Antragsrecbt der Antragstellerin nicht zweifelhaft sein, wenn sie Eigentümerin des Hofes ist.Selbst wenn das nicht der Pall sein sollte, würde die Antragstellerin nicht gehindert sein, den Hof zu veräussern und für diesen Vertrag die erforderliche Genehmigung nachzüsuchen, denn schuldrechtlich kann sich.der Verkäufer auch zur Übereignung einer ihm nicht gehörenden Sache verpflichten, und es bleibt, worauf das Beschwerdegericht zutreffend hingewiesen hat, ihm überlassen, wie er die übernommene Verpflichtung erfüllen will. Das Bo3chv;erdegericht brauchte daher auch unter diesem Gesichtswinkel auf die Präge des Hofeigentums nicht einzugehen« Im übrigen würde, wenn das Verfahren durch einen unzulässigen Antrag eingeleitet worden wäre, hierdurch ein Recht des Antragsgegners ebensowenig verletzt sein wie durch die Genehmigung selbst« Schliesslich kann der Rechtsbeschwerde auch darin nicht beige treten werden, dass die Eigentumsfrage hätte geklärt werden müssen, weil anderenfalls nicht geprüft werden könne, ob im Hinblick auf die Person des Eigentümers die Genehmigung zü erteilen oder zu versagen sei, denn auch in dieser Hinsicht kann es nur darauf ankommen, ob gegen den Vertrag so, wie er geschlossen ist, öffentliche Bedenken bestehen, sodass es unerheblich ist, ob die Verkäuferin bereits Eigentümerin des Hofes ist oder ob sie sich das Eigentum zur Erfüllung ihrer Vertragspflichten erst verschaffen will« Zur Ent echo idling über die Gotig h’ui g’ ’ n g bedurfte es dawach einer Klärung der Eigentumsverhältnisse nicht« Insbesondere ist dadurch, dass diese unterblieben ist, wgder das angebliche Eigentumsrecht noch ein sonstiges Recht des Antragsgegners beeinträchtigt worden und infolgedessen daraus für ihn kein Beschwerderecht erwachsen« Mit Recht hat das Oberlandesgericht nach aliedem die sofortige Beschwerde des Antragsgegners als unzulässig angesehen und sie deshalb zurückgewiesen«