BGH · V BLw 71/52 vom 27.01.1953
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Bie Rechtsbeschwerden des Antragstellers und der Antragsgegnerin gegen den Beschluß des Senats für LandwirtschaftsSachen des Oberlandesgerichts in Oldenburg vom 23. Mai 1952 werden mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass für die Beteiligung des Antragstellers und der Antragsgegnerin an der Soforthilfeabgabe die Steuerwerte nach dem Währungsstichtag maß-gend sind. Der Hof hat einen Einheitswert von 39 700 DM| davon entfallen auf den Pächteranteil 8 800 DM, so dass die beiden Miteigentümerinnen am.Einheitswert mit je 15 450 DM beteiligt.sind, Für.das erste.Jahr der Soforthilfeabgabe (1.April 1949 bis 31. Unter Abzug eines auf 4 ha Land entfallenden und von ihm selbst zu zahlenden Betrages •rerla:vTt der Antragsteller im gegenwärtigen vom Prozeßgericht an das Landwirtschaftsgericht verwiesenen Verfahren von der Antragsgegnerin, dass sie ihn in Höhe von 386,50 DM von der Zahlung der Soforthilfeabgabe gegenüber dem genannten Finanzamt freistelle, ausserdem begehrt er die Feststellung, dass die Antragsgegnerin ihn von der Zahlung der in Zukunft fällig werdenden Soforthilf eabgabebeträge anteilig freizustellen habe. November 1951 (2 U 159/51) verwiesen worden ist und vor dem die Beteiligten nur Uber den Feststellungsantrag verhandelt haben, hat durch Teilbeschluß festgestellt, dass die Antragsgegnerin verpflichtet sei, den Antragsteller von der Zahlung der in Zukunft fällig werdenden Soforthilfeabgabebeträge anteilig freizustellen* Auf die sofortige Beschwerde der Antragsgegnerin hat das Oberlandesgericht unter Zurückweisung der Beschwerde im übrigen die Entscheidung des Amtsgerichts dahin abgeändert? n Es wird festgestellt, dass die Antragsgegnerin verpflichtet ist, den Antragsteller von der Zahlung der auf den Miteigentumsanteil der Ehefrau des Antragstellers an dem sehen.Hofe inSch®^ Die Gerichtokosten des Beschwerdeyerfahrens hat das Oberlandesgericht den Beteiligten je zur Hälfte auferlegt, eine Erstattung aussergerichtlicher Kosten nicht angeordnet und im übrigen die Kostenontscheidung dem Amtsgericht Vorbehalten* Auch hat es die Rechtsbeschwerde zugelassen* NJ\7 1952, 1053) eingehend mit dieser Frage befasst und ist dabei ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, daß eine Abwälzung der Soforthilfeabgabe vom Eigentümer auf den Nießbraucher entsprechend der für das Altenteil im § 23 SHG der in seiner Rechtsbeschwerdebegründung die Auffassung vertritt, dass er die ganze Soforthilfeabgabe auf die Antragsgegnerin abwälzen könne, als unbegründet« Neue Gesichtspunkte, die zu einer anderen Beurteilung der Rechtsfrage führen könnten, werden von den Beteiligten nicht vorgebracht. Als Steuerwerte, nach deren Verhältnis Eigentümer und Nießbraucher die Soforthilfeabgabe zu tragen haben, 8 SHG), kommt für die Bewertung des Nießbrauches der Antragsgegnerin nur ihr Lebensalter am Stichtag der Währungsreform in Frage; der Steuerwert des Nießbrauchs beläuft sich daher auf das 11 fache des Jahresreinertrages des Hofes. Las bringt der entscheidende Teil des angefochtenen Beschlusses nicht klar zu dem Ausdruck; er könnte, weil er nicht ausdrücklich auf die Werte am Währungsstichtag abstellt, sondern das Verhältnis der Steüerwerte als maßgebend bezeichnet, in dem der Einheitswert des Hiteigentumoantoils•der Ehefrau des Antragstellers zu dem Steuerwert des der Antragsgegnerin an diesem Miteigentumsanteil zustehenden Nießbrauchs nsteht”, dahin verstanden werden, daß es auf die Steuerwerte im Zeitpunkt des Erlasses der Beschwerdeentschei«-* dung (23o Mai 1952) ankomme» Len Entscheidungsgründen ist jedoch kein Anhaltspunkt für eine solche Auslegung des Tenors des Beschwerdebeschlusses zu entnehmen* Auch die Antragsgegnerin versteht den Beschwerdebeschluß nicht in diesem Sinne. entscheidenden Teiles hiernach ganz offenbar um eine unklare und ungenaue Ausdrucksweise des Beschwerdegerichts-, das von dem Grundsatz., dass für die in Betracht kommenden Steuerwerte nur der WährungsStichtag maßgebend sein kann, ersichtlich nicht hat abweichen wollen« Der Tenor des Beschwerdebeschlusses bedarf daherinsofern einer Klarstellung durch das Rechtsbeschwerdegericht0 Beide Verfahrensbeteiligte sind der Auffassung, daß auf Grund von § 242 BGB zu ihren Gunsten von dem Verhältnis der Steuerwerte bei der Frage der Tragung der Sofort-hilfeabgabe abgewichen werden müsse« Sie berufen sich dabei auch auf die Gründe des oben genannten Beschlusses des erkennenden Senats vom 29® April 1952« Der erkennende Senat hat dort jedoch keineswegs ausgesprochen, daß für das Verhältnis der Beteiligten die in Betracht kommenden Steuerwerte nur Ausgangspunkte seien und im übrigen die Beteiligung an der Soforthilfeabgabe sich nach Treu und Glauben, also nach den wirtschaftlichen Ver-i-cp +^issen der Beteiligten bestimme« An sich sind schlechthin maßgebend die Steuerwerte, Kur wenn eine danach bemessene Beteiligung von Eigentümer und Nießbraucher für den einen oder anderen Teil zu nicht tragbaren Ergebnissen führen würde, z,B, die Versorgung der Nießbraucherin nicht mehr als gesichert angesehen werden könnte, soll das Verhältnis der Steuerwerte nicht unabänderlich sein, sondern Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Beteiligten genommen werden können, Baß die Beteiligung der Antragsgegnerin entsprechend dem Wert ihres Nießbrauches für sie nicht zu untragbaren Ergebnissen führt, hat das Beschwerdegericht näher dargelegt. und Kirchensteuer, Notopfer Berlin usw«, mit monatlich 204 DM angegeben* Auch wenn man berücksichtigt, daß sie nicht nur vom Antragsteller wegen der auf den Miteigentumsanteil der Ehefrau des Antragstellers entfallenden Soforthilfeabgabe, sondern in gleicher Weise auch von der anderen Miteigentümerin des Hofes zur Tragung der Soforthilfeabgabe herängezogen werden kann, würde die Jahresbelastung der Antragsgegnerin nur knapp 2/3 von 2 x 422,50 = rund 560 DM ausmachen, also weniger als monatlich 50 DMo Eine solche Heranziehung zur Soforthilfeabgabe führt aber nach den Gründen des'angefochtenen Beschlusses bei den Verhältnissen der Anträgsgegnerin nicht zu einer für sie untragsbaren Belastung0 Umgekehrt kann aber auch der Antragsteller mit Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage keine stärkere Beteiligung der Antragsgegnerin verlangen, als sie entsprechend dem Verhält*-* nis der Steuerwerte gegeben ist«, Seine Angaben in der Rechtsbeschwerdebegründung (er hat nach seiner eigenen Ingabe für seine dreiköpfige Familie die Bezüge nach TAO III) lassen nicht erkennen, dass die Aufbringung .von jährlich etwa 1/2 von 280* =.140 DM für ihn untragbar isto Auch aus dem ablehnenden Verhalten der Antrags-gegnerin gegenüber den Absichten-des Antragstellers, den Hof an einen Flüchtling zu verpachten, kann der Antragsteller eine höhere Belastung der Antragsgegnerin mit Soforthilfeabgabe nicht, herleiten* das Rechtsbeschwerdegericht kann nur nachprüfen, ob dieses Gesetz frei von Rechtsirrtum vom Beschwerdegericht angewandt worden ist (vgl Beschluß.des erkennenden Senats vom 23o September 1952, BGHZ 7, 161 = RechtdLandw 1952, 285 /288/97)* Auf.die durch den Erlass des Lastenausgleichsgesetzes vom 14» August 1952 (BGBl I, 446) sich für das Verhältnis der Beteiligten ergebenden Rechtsänderungen (vgl insbesondere.§ 73 Abs 2 daselbst) kann daher nicht eingegangen werden» Auch eine Aussetzung des Verfahrens entsprechend dem Antrag der Antragsgegnerin vom 22o Dezember 1952 kommt daher nicht in Frage». Nach der Entscheidung des Amtsgerichts hatte die Antragsgegnerin die volle auf den Miteigentumsanteil der Ehefrau des Antragstellers entfallende Soforthilfeabgabe zu tragen, nach der Entscheidung des Beschwerdegerichts fallen ihr dagegen nur rund 2/3 davon zur Laste- Sie ist also durch die Entscheidung des Beschwerdegerichts erheblich besser gestellt worden, als sie nach der von ihr mit der soforti- da das Beschwerdegericht die Rechtsbeschwerde zugelassen hat und die für das Verhältnis der Beteiligten.grundlegende Entscheidung des erkennenden Senats vom 29o April 1932 erst hach Einlegung der Rechtsbeschwerden bekanntgeworden ist« Dr* Tasche Dr« Hückinghaus Dr«Piepenbrock