BGH · V BLw 64/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Reehtssatzs Pie Veräußerung von Anteilen einer Jahnschaft im Kreise Olpe bedarf der Genehmigung nach den Vorschriften über den Verkehr mit land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken0 Der Antragsteller hat beantragt festzustellen, daß.für den Erwerb der Jahnschaftsanteile im Zwangsversteigerungsverfahren eine Genehmigung nicht erforderlich sei, hilfsweise ihm die Genehmigung zur Abgabe von Geboten zu erteilen« Das Amtsgericht (Landwirtschaftsgericht) hat den Antrag auf Erteilung der Bietgenehmigung zurückgewiesen.. Eines Eingehens auf diese Ausführungen bedarf es nicht, Pie Jahnschaft AflHIHP gehört zu den 7ald-genossenschaften, auf die das durch Art 164 EGBGB aufrechterhaltene Gesetz betreffend die Regelung der Forstverhältnisse für das ehemalige justizamt Olpe im Kreise Olpe, Regierungsbezirk Arnsberg, vom 3, August 1897 (PrGS 285) - das sog, Olper Forstgesetz - Anwendung findet'(vgl § 1 des Gesetzes in Verbindung mit der Anlage A IV Nr 17 - PrGS 897? 10 Y/lw 221/5'i) sind, wie sich aus § 2 des Gesetzes ergibt, ebenso wie die der Haubergordnung für den Kreis Siegen vom 17c März 1879 (PrGS 228) unterstehenden Hauberggenossenschaften juristische Personen, Pie Jahnschaftsgrundstücke werden auf den Hamen der Jahnschaft, die Jahnschaftsanteile auf den Hamen der Jahnschaftsgenossen im Grundbuch eingetragen ( § 18 Abs 1 des Gesetzes)* Abweichend von § 2 der Haubergordnung, wonach die Hauberge ein ungeteiltes und unteilbares Gesamteigentum der Besitzer sind, bestimmt § 3 Abs 1 Satz 1 des Olper Forstgesetzes, daß die Jahnschaftsgenossen Miteigentümer des Jahnschafts-vermögens sindo Pie Genossen nehmen nach dem Verhältnis ihrer Anteile an den Hutzungen und Lasten der Jahnschaft teil (§ 3 Abs 1 Satz 2), Sie können über ihre Anteile frei verfügen, dürfen sie jedoch nicht unter das für jede Jahnschaft von der Aufsichtsbehörde festzustellende Einheitsmaß hinab teilen (§ 3 Abs 2), Piese Vorschriften besagen nichts über die rechtliche Hatur der Hauberg- und Jahnschaftsanteile, Per zu einer Sieger- länder Hauberggenossenschaft gehörende AYaXdbesitz steht nach der in der Rechtsprechung und Rechtslehre herrschenden Auffassung, die auch der Bundesgerichtshof vertritt , (vgl BGHZ 6, 35 ^"36/37_7), nicht etwa im Gesamtoder Miteigentum der Hauberggenossen, sondern im Eigentum der juristischen Person der Hauberggenossenschaft, Bas gleiche muß für die Jahnschaftsgrundstücke der Olper Jahn sc haften gelten* Der erkennende Senat hat in einem gleichzeitig mit der vorliegenden Sache, entschiedenen Fall (V BBw 25/56) die Anteile an einer Hauberg-genossens'chaft im Kreise Siegen in Übereinstimmung mit der bisher von ihm vertretenen Rechtsauffassung gemäß Art 40 PrAGBGB als grundstücksgleiche Rechte bezeichnet und auch im Genehmigungsverfahren - unabhängig von der jeweiligen Art der Nutzung (insoweit abweichend von BGHZ 6, 35) - den land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücken gleichgestellt und deshalb eine Übertragung dieser Anteile in jedem Fall für genehmigungsbedürftig erklärt. Wenn es sich um solche Gerechtigkeiten handelt, stehen die Jahnschaftsanteile ebenfalls gemäß Art 40 PrAGBGB den Grundstücken gleich, Bie grundbuchrechtlichen Torschriften des § 18 des Olper Forstgesetzes sind durch § 48 d.er Preußischen Allgemeinen Verfügung zur Ausführung der Grundbuchordnung vom 19 o November .-1 - JMB1 373 - (ursprünglich § 44 der Preußischen Allgemeinen Verfügung zur Ausführung der Grundbuchordnung vom 20«, November 1899 - JMB1 349 ausdrücklich aufrechterhalten worden, Bie Jahnschafts~; anteile sind aber nicht nur formell, sondern auch materiell wie Grundstücke zu behandeln- Im Gegensatz zur Haubergordnung enthält das Olper Forstgesetz ausdrück- Der Jahnschaftsanteil, der eine Abfindung des Jahnschaftsgenossen für das auf den Jahnschaftsverband übergegangene Grundstück darstelit. Die Regelung der BorstVerhältnisse im ehemaligen Justizamt Olpe nach dem Gesetz vom 3° August 1897, Erlanger Dissertation 1934, S 12 ff; Erwes, Die Entwick- lung der Y/aldgenossenschaften des Kreises Olpe, Erlanger Dissertation 1932, S 39/40) und infolgedessen auch im Genehmigungsverfahren wie Grundstücke zu behandeln sind, obwohl, wie Klutmann (Abhandlungen des staatswissenschaftlichen Seminars zu Jena Bd IIs Die Haubergswirtschaft S 75) zutreffend bemerkt9 das der Jahnschaft angeschlossene Grundstück nicht im Eigentum des früheren Besitzers verbleibt, sondern rechtlich untergeht und als feil des Genossenschaftsvermögens erscheint. Die Tatsachedaß die Jahnschaft als juristische Person Eigentümerin der Jahnschaftsgrundstücke ist, steht der Auffassung, daß die Jahnschaftsanteile formell und materiell den Grundstücken gleichstehen, nicht entgegen, da die Rechtsverhältnisse der Olper Jahnschaften eine besondere durch Art 164 EGBGB aufrechterhaltene landes- gesetzliche Regelung erfahren haben0 Für den Erwerb der Jahnschaftsanteile im Zwangsversteigerungsverfahren ist deshalb gemäß Art IV Abs 3 KEG Nr 45 eine Genehmigung zur Abgabe von Geboten erforderliche 2.Die Ent seil ei dung über die Bietgenehmigung hängt davon ab, ob gesetzliche Versagungsgründe gegeben sind, Each Art IV Abs 4 Buchst c ERG Er 45 in Verbindung mit Art- III Abs 5 BrMilRegVQ Nr 84 ist dem Antragsteller die Genehmigung zur Abgabe von Geboten zu versagen, wenn der Antragsteller nicht wirtschaftsfähig ist (Art III Abs 5 Buchst a) oder ein Erwerb der Jahnschaftsanteile durch den Antragsteller zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führen würde (Art III Abs 5 Buchst b), Ein Miterbe mit einem Betrieb von 4,5 ha, dessen Aufstockun nach dem Gutachten der Dandwirtschaftsbehörde volkswirtschaftlich erwünscht sei, habe auch bereits für den Erwerb der Jahnschaftsanteile die Genehmigung zur Abgabe von Geboten erhalten«. Die Auffassung'des Beschwerdegerichts, daß unter diesen Umständen ein Erwerb der Jahnschaftsanteile durch den Antragsteller zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führe, ist frei von Hechtsirrtum.